Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Linotaeniidae
Vielleicht ist dir beim Umschichten des Komposts oder beim Anheben eines morschen Holzscheits schon einmal ein auffällig schmaler, rötlich-gelber Erdbewohner aufgefallen. Strigamia crassipes gehört zur Ordnung der Erdläufer (Geophilomorpha), also jener Hundertfüßer, die sich vollständig an das Leben im Boden angepasst haben. Mit ihrem extrem dünnen, fadenförmigen Körper können sie sich mühelos durch engste Hohlräume im Erdreich schlängeln. Da sie permanent im Dunkeln leben, besitzen sie keine Augen, was in der Fachsprache als Anophthalmie bezeichnet wird. Stattdessen orientieren sie sich mit ihren empfindlichen Tastorganen an den Antennen und chemischen Sensoren am gesamten Körper. Wenn du sie beobachtest, wirst du bemerken, wie sie sich beim Kriechen rhythmisch zusammenziehen und strecken können, was ihnen eine enorme Beweglichkeit im Porenraum des Bodens verleiht.
Für uns Menschen ist Strigamia crassipes vollkommen harmlos. Ihre Giftklauen sind viel zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Im Garten sind sie wertvolle Helfer, da sie als räuberische Regulatoren im Bodenökosystem dazu beitragen, das biologische Gleichgewicht zu halten. Du förderst sie am besten, indem du auf chemisch-synthetische Dünger verzichtest und stattdessen auf Kompostwirtschaft setzt. Eine dauerhafte Bodenabdeckung aus organischem Material bietet ihnen den nötigen Schutz. Wenn du ein Exemplar beim Gärtnern freilegst, bedecke es einfach wieder mit etwas Erde oder Laub, damit seine empfindliche Körperhülle nicht durch die Sonne austrocknet.
Innerhalb der Familie Linotaeniidae zeichnet sich die Gattung Strigamia durch eine meist rötliche Färbung aus. Strigamia crassipes besitzt in der Regel zwischen 47 und 57 Beinpaare, wobei die genaue Anzahl innerhalb der Art variiert. Ein wichtiges Merkmal sind die kräftigen Giftklauen am Kopfsegment, die sogenannten Forcipulae. Dabei handelt es sich um umgewandelte Laufbeine, mit denen sie im Verborgenen kleine Gliederfüßer oder sogar junge Regenwürmer erbeuten. Da diese Tiere sehr empfindlich auf Austrocknung reagieren, sind sie auf ein stabiles Mikroklima angewiesen. In deinem Garten findest du sie daher vor allem dort, wo der Boden durch Mulch oder herabgefallenes Laub feucht und humusreich bleibt, was für ihre Atmung durch die Körperoberfläche lebensnotwendig ist.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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