Erfahre, wie du Wildbienen durch gezielte Auswahl heimischer Pflanzen unterstützt. Ein Leitfaden zur Spezialisierung und Förderung der Artenvielfalt im Garten.
In der Zeit der beginnenden Wärme im Mai entfaltet der Garten sein volles Potenzial. Während die Honigbiene (Apis mellifera) als bekanntester Bestäuber oft im Fokus steht, sind es vor allem die über 600 heimischen Wildbienenarten, die für die Stabilität unserer Ökosysteme unerlässlich sind. Anders als die staatenbildende Honigbiene leben die meisten Wildbienen solitär, also als Einzelgänger. Um diese faszinierenden Insekten in deinem Garten dauerhaft anzusiedeln, musst du ihre spezifischen Bedürfnisse verstehen.
Um die Biodiversität – also die Vielfalt des Lebens und der Lebensräume – in deinem Garten gezielt zu erhöhen, ist die Auswahl der richtigen Pflanzen entscheidend. Ein zentraler Begriff in der Wildbienenkunde ist die Oligolektie. Dies beschreibt die evolutionäre Anpassung bestimmter Bienenarten an eine eng begrenzte Auswahl an Futterpflanzen. Diese Bienen sammeln den Pollen für ihre Larven ausschließlich an Vertretern einer einzigen Pflanzenfamilie oder sogar nur einer Gattung.
Im Gegensatz dazu stehen polylektische Arten, die als Generalisten viele verschiedene Blütenquellen nutzen können. Wenn du jedoch seltene Spezialisten fördern möchtest, musst du gezielt Schlüsselpflanzen setzen. Der Mai ist der ideale Zeitpunkt, um die Blühfolge zu beobachten und gegebenenfalls durch Pflanzungen im Herbst oder Frühjahr zu ergänzen.
Die folgende Tabelle zeigt dir eine Auswahl an hochwirksamen Futterpflanzen, die besonders für spezialisierte Wildbienen von Bedeutung sind. Diese Arten sind im gesamten DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) heimisch und winterhart.
| Pflanzenname (Lateinisch) | Blütezeit | Zielart (Beispiel) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Glockenblumen (Campanula-Arten) | Juni – August | Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) | Pollenquelle für spezialisierte Scherenbienen. |
| Natternkopf (Echium vulgare) | Juni – September | Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) | Extrem hoher Nektarwert, lockt über 40 Bienenarten an. |
| Aufrechte Reseda (Reseda lutea) | Mai – September | Reseda-Maskenbiene (Hylaeus signatus) | Wichtig für kleine, oft übersehene Maskenbienen. |
| Wald-Ziest (Stachys sylvatica) | Juni – August | Wald-Wollbiene (Anthidium manicatum) | Männchen verteidigen Reviere an dieser Pflanze aggressiv. |
| Faulbaum (Rhamnus frangula) | Mai – Juni | Verschiedene Sandbienen (Andrena) | Unscheinbare Blüten mit sehr hohem Nektargehalt. |
| Schafgarbe (Achillea millefolium) | Juni – Oktober | Verschiedene Furchenbienen (Halictus) | Wichtige Basisressource für polylektische Arten. |
Unter der Tracht versteht man in der Imkerei und Wildbienenkunde das gesamte Angebot an Nektar und Pollen. Ein häufiger Fehler in Gärten ist das sogenannte „Sommerloch“. Während im Mai durch die Obstblüte ein Überfluss herrscht, finden viele Arten im Hochsommer keine Nahrung mehr. Du solltest daher ein Trachtfließband etablieren. Das bedeutet, dass zu jedem Zeitpunkt der Vegetationsperiode mindestens drei bis vier unterschiedliche Pflanzenarten blühen sollten.
Der Pollen dient dabei als Eiweißquelle für die Aufzucht der Brut, während der Nektar den erwachsenen Tieren als „Treibstoff“ für ihre Flüge dient. Achte darauf, ungefüllte Blüten zu wählen. Bei gefüllten Sorten wurden die Staubblätter züchterisch in Blütenblätter umgewandelt. Das sieht für das menschliche Auge prächtig aus, bietet den Insekten jedoch weder Pollen noch Zugang zum Nektar.
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Durch diese gezielten Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in eine wertvolle Trittsteinbiotopeinheit. Dies sind kleine, vernetzte Lebensräume, die es den Tieren ermöglichen, sich in der oft ausgeräumten Kulturlandschaft sicher zu bewegen und zu vermehren.
Viele Wildbienen sind spezialisiert. Sie benötigen den Pollen ganz bestimmter heimischer Arten für ihre Brut, den exotische Zuchtformen oft nicht bieten.
Oligolektie beschreibt die Spezialisierung einer Wildbienenart auf den Pollen einer einzigen Pflanzengattung oder -familie zur Versorgung ihrer Larven.
Nein. Wildbienen benötigen ein kontinuierliches Nahrungsangebot von März bis Oktober, um verschiedene Arten über ihre gesamten Flugzeiten hinweg zu versorgen.
Wähle ungefüllte Blüten, bei denen Staubblätter sichtbar sind. Gefüllte Blüten bieten keine Nahrung, da Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet wurden.
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