Erfahre, welche Wildbienen heimische Storchschnabel-Arten wie Geranium dissectum besuchen und wie du durch die richtige Artenwahl die Biodiversität förderst.
Du hast im Hauptartikel bereits den Schlitzblättrigen Storchschnabel (Geranium dissectum) als robusten Gartenbewohner kennengelernt. Um die ökologische Dynamik in deinem Garten vollständig zu verstehen, ist ein vertiefender Blick auf die gesamte Gattung der Storchschnäbel (Geranium) und ihre spezialisierten Besucher notwendig. In Mitteleuropa existieren zahlreiche heimische Arten, die in einer engen evolutionären Wechselbeziehung mit Wildbienen stehen. Dieser Artikel erläutert dir die biologischen Hintergründe dieser Symbiose und wie du durch eine gezielte Artenwahl die lokale Artenvielfalt (Biodiversität) förderst.
Warum ist die Gattung Geranium für Bestäuber so attraktiv? Der Schlüssel liegt in der Blütenmorphologie (Form und Aufbau der Blüte). Die meisten Arten besitzen offene Schalenblüten, die ihren Nektar an der Basis der Staubblätter leicht zugänglich präsentieren. Ein interessantes Phänomen ist hierbei die Proterandrie (Vormännlichkeit). Das bedeutet, dass die Staubbeutel ihren Pollen bereits freigeben, bevor die Narbe des weiblichen Stempelorgans empfängnisbereit ist. Für dich als Beobachter im Garten bedeutet das: Du wirst Insekten sehen, die gezielt Pollen sammeln, und später solche, die bei der Suche nach Nektar die Bestäubung der nun reifen Narben vollziehen. Dies verhindert die Selbstbestäubung und sichert die genetische Variabilität der Pflanzen.
Die Farbe der Blüten spielt ebenfalls eine Rolle. Wildbienen besitzen ein Sehvermögen, das besonders im ultravioletten Bereich empfindlich ist. Die oft feinen, dunklen Linien auf den Blütenblättern des Wiesen-Storchschnabels (Geranium pratense) fungieren als Saftmale (visuelle Leitsysteme), die den Insekten den Weg zur Nektarquelle weisen.
In deinem Garten im DACH-Raum kannst du bei genauem Hinsehen eine Vielzahl von Spezialisten und Generalisten (Insekten mit breitem Nahrungsspektrum) unterscheiden. Besonders hervorzuheben ist die Rotfransige Sandbiene (Andrena haemorrhoa). Sie ist eine polylektische Art (Sammeln von Pollen an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien) und gehört zu den ersten Besuchern im Frühjahr, wenn der Schlitzblättrige Storchschnabel (Geranium dissectum) seine Blüten öffnet.
Ein weiterer wichtiger Gast ist die Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor), die in zwei Generationen pro Jahr fliegt. Sie nutzt sowohl die frühen Arten als auch die spätblühenden Formen wie den Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre). Auch Maskenbienen (Hylaeus), die ihren Pollen im Kropf transportieren, da sie keine Sammelhaare an den Beinen besitzen, sind häufig an den Blüten zu finden.
Die folgende Tabelle gibt dir eine Orientierung, welche Arten für welche Standorte und Insektengruppen in deinem Garten am wertvollsten sind.
| Pflanzenart (Wissenschaftlicher Name) | Hauptblütezeit | Bevorzugte Bestäuber | Standort im Garten |
|---|---|---|---|
| Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) | Juni - August | Hummeln (Bombus), Sandbienen (Andrena) | Sonnig, nährstoffreich, eher feucht |
| Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) | Mai - Juli | Schwebfliegen (Syrphidae), Wildbienen | Sonnig, trocken, kalkliebend |
| Ruprechtskraut (Geranium robertianum) | Mai - Oktober | Wald-Wildbienen, Schmetterlinge | Schattig, feucht, Mauerritzen |
| Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum) | Mai - September | Furchenbienen (Halictus), Honigbienen | Halbschattig, Wegränder |
| Schlitzblättriger Storchschnabel (Geranium dissectum) | Mai - Juli | Kleine Sandbienen, Schwebfliegen | Sonnig, lehmig, Brachflächen |
Oft als Unkraut verkannt, nimmt das Ruprechtskraut (Geranium robertianum) eine Sonderstellung ein. Es ist eine der wenigen Storchschnabel-Arten, die auch im tiefen Schatten unter Hecken oder an Nordwänden gedeihen. Sein ökologischer Wert liegt in der extrem langen Blütezeit bis in den Oktober hinein. Wenn andere Quellen bereits versiegen, bietet es spät fliegenden Insekten eine letzte zuverlässige Nahrungsquelle. Die Pflanze nutzt zudem die Myrmekochorie (Samenausbreitung durch Ameisen), was zeigt, wie vernetzt diese Gattung innerhalb des Ökosystems ist.
Um die Wildbienen-Populationen nachhaltig zu stützen, solltest du bei der Gestaltung folgende Schritte beachten:
Durch die gezielte Förderung dieser heimischen Wildpflanzen leistest du einen messbaren Beitrag zum Erhalt der Insektenbiomasse. Die Gattung Geranium ist aufgrund ihrer Genügsamkeit und hohen ökologischen Funktionalität ein unverzichtbarer Baustein für jeden naturnahen Garten im DACH-Raum.
Es gibt keine rein monolektische Biene für Geranium, aber die Rotfransige Sandbiene (Andrena haemorrhoa) nutzt ihn sehr intensiv als Hauptnahrungsquelle.
Bei gefüllten Blüten sind Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt. Die Insekten finden dort weder nahrhaften Pollen noch zugänglichen Nektar.
Durch einen Explosionsmechanismus: Bei Reife trocknen die Teilfrüchte aus und schleudern die Samen wie mit einem Katapult mehrere Meter weit fort.
Ja, besonders das Ruprechtskraut (Geranium robertianum) ist an schattige Standorte angepasst und bietet dort spät im Jahr noch wertvolle Nahrung.
Hauptartikel: Schlitzblättriger Storchschnabel (Geranium dissectum): Der robuste Insektenmagnet für deinen Naturgarten




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