Fachgerechte Pflege des Naturgartens im Juni: Erfahre, wie du durch gezielte Mahd und Artenförderung von Lotus corniculatus die Biodiversität steigerst.
Im Juni erreicht die Phänologie (die Lehre von den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen) ihren vorläufigen Höhepunkt. In der DACH-Region stehen nun die Wildblumenwiesen und Wildstaudenbeete in voller Pracht. Dies ist die Zeit, in der die trophischen Ebenen (die Stellung von Lebewesen in einer Nahrungskette) am engsten miteinander verzahnt sind. Während Pflanzen Sonnenenergie in Biomasse umwandeln, nutzen Insekten diese als Nektarquelle, woraufhin Singvögel und Greifvögel wie der Habicht (Accipiter gentilis) die Insekten oder kleinere Wirbeltiere für ihre Jungenaufzucht verwerten.
Ein ökologisch geführter Garten zeichnet sich im Juni nicht durch sterile Ordnung aus, sondern durch ein dynamisches Gleichgewicht. Die Herausforderung besteht darin, die Dominanz wüchsiger Gräser zu begrenzen, ohne die Fortpflanzungszyklen von Wildbienen und Schmetterlingen zu unterbrechen. Wenn du jetzt die richtigen Entscheidungen triffst, legst du den Grundstein für eine hohe Biodiversität im Spätsommer und Herbst.
Die Wildblumenwiese ist im Juni das Herzstück deines Naturgartens. Hier zeigt sich, ob die Standortbedingungen für Magerzeiger (Pflanzen, die auf nährstoffarmen Böden wachsen) oder Fettwiesenarten (Arten, die nährstoffreiche Böden bevorzugen) optimal sind. Der Wiesen-Pippau (Crepis biennis) ist in vielen heimischen Wiesen nun ein dominantes Element. Seine gelben Korbblüten bieten eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Wildbienenarten.
Achte besonders auf den Gewöhnlichen Hornklee (Artengruppe) (Lotus corniculatus). Diese Pflanze ist ökologisch unverzichtbar, da sie als Raupenfutterpflanze für den Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) dient und gleichzeitig einen hohen Nektarwert für Hummeln besitzt. Wenn Gräser die Oberhand gewinnen, droht die Gefahr der Vergrassung, was die Lichtkonkurrenz für kleinere Kräuter erhöht.
In größeren Landschaften benötigen auch große Säugetiere wie der Elch (Alces alces) vernetzte Lebensräume. Auch wenn dieser in gewöhnlichen Gärten der DACH-Region nicht vorkommt, verdeutlicht er die Notwendigkeit von Biotopverbünden. In deinem Garten simulierst du dies durch verschiedene Zonen: das sonnige Beet, die feuchte Sumpfzone und das kühle Waldbett.
| Artname (Lateinisch) | Lebensraum | Ökologischer Nutzen |
|---|---|---|
| Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) | Magerwiese, Wegrand | Hauptfutterpflanze für über 60 Insektenarten. |
| Wiesen-Pippau (Crepis biennis) | Fettwiese | Wichtige Pollenquelle für spezialisierte Wildbienen. |
| Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) | Trockenrasen | Exklusive Pollenquelle für die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana). |
| Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) | Waldrand, Halbschatten | Hochspezialisierte Bestäubung durch Hummeln (Bombus). |
| Walderdbeere (Fragaria vesca) | Saumgesellschaften | Nahrungsgrundlage für Kleinsäuger und Vögel; essbar. |
Ein Naturgarten besteht aus verschiedenen Mikroklimata. Im Juni zeigen sich die Unterschiede besonders deutlich. Während die Wiese xerotherm (trocken-warm) geprägt ist, bietet das Waldbett Kühlung durch Transpirationskälte der Blätter. Hier dominieren Moose und schattenliebende Hemikryptophyten (Pflanzen, deren Überdauerungsknospen an der Erdoberfläche liegen).
Die Sumpfzone hingegen ist im Juni ein Brennpunkt der Biodiversität. Libellen wie die Plattbauchlibelle (Libellula depressa) nutzen die Wasserflächen zur Eiablage. Achte darauf, dass du in dieser Zone keine invasiven Neophyten (gebietsfremde Pflanzen, die sich stark ausbreiten) wie das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) duldest, da diese die heimische Ufervegetation verdrängen können. Einheimische Arten wie der Blutweiderich (Lythrum salicaria) sollten hier bevorzugt werden.
Achte darauf, dass du im Juni nicht den gesamten Garten gleichzeitig pflegst. Die sogenannte Mosaikmahd ist hier das Mittel der Wahl.
Der Juni ist auch die Zeit der ersten Ernten. Die Walderdbeere (Fragaria vesca) bietet nicht nur uns Menschen Nahrung, sondern lockt durch ihre Früchte auch Ameisen an, die zur Samenausbreitung beitragen (Myrmekochorie). Ein Naturgarten ist ein geschlossenes System, in dem du durch den Verzicht auf synthetische Dünger und Pestizide die Bodenbiologie schützt.
Verwende ausschließlich torffreie Substrate, wenn du jetzt noch Lücken im Beet mit vorgezogenen Wildstauden füllst. Torfabbau zerstört Moore, die als CO2-Speicher und Lebensraum für spezialisierte Arten unersetzlich sind. Nutze stattdessen Kompost aus dem eigenen Garten, um den Nährstoffkreislauf zu schließen. Achte jedoch darauf, dass die Wiesenflächen nährstoffarm bleiben, da hohe Stickstoffwerte die Artenvielfalt reduzieren.
Durch diese evidenzbasierte Pflege förderst du ein Ökosystem, das stabil genug ist, um auch Extremwetterereignisse zu überstehen. Dein Garten wird so zu einer wertvollen Trittsteinbiotopeinheit, die aktiv zum Erhalt der regionalen Flora und Fauna im DACH-Raum beiträgt.
Lotus corniculatus ist eine Schlüsselpflanze, die über 60 Insektenarten als Nahrung dient, darunter dem Hauhechel-Bläuling und verschiedenen Hummelarten.
Dabei werden Flächen zeitlich versetzt gemäht. Man lässt Teilbereiche stehen, um Insekten Rückzugsräume und Überwinterungsmöglichkeiten in Stängeln zu bieten.
Vermeide Störungen an Brutplätzen und fördere durch dichte Hecken und naturnahe Wiesen ein reiches Angebot an Beutetieren wie Singvögeln oder Kleinsäugern.
Entferne Arten wie das Drüsige Springkraut konsequent vor der Samenreife per Hand, um die Verdrängung heimischer Arten wie dem Blutweiderich zu verhindern.
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