Wie regenerieren sich Ökosysteme? Erfahre den Unterschied zwischen Primär- und Sekundärsukzession und nutze das Wissen für deinen Naturgarten.
Die Natur kennt keinen Stillstand. Wenn du ein Beet brachliegen lässt oder einen Erdhaufen im Garten vergisst, wirst du Zeuge eines der faszinierendsten biologischen Prozesse: der ökologischen Sukzession. Als Gärtner neigen wir dazu, einen „perfekten“ Zustand erhalten zu wollen. Doch ökologisch betrachtet ist Wandel der Normalzustand.
In diesem Artikel erfährst du, wie Ökosysteme sich entwickeln und warum das Verständnis dieses Prozesses deine Arbeit im Naturgarten revolutionieren kann.
Der Begriff Sukzession (lateinisch succedere = nachfolgen) beschreibt die natürliche Rückkehr oder Neuansiedlung von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in einem Lebensraum. Es ist ein Prozess der Selbstorganisation und Wundheilung der Natur.
Man unterscheidet dabei zwei grundlegende Ausgangssituationen:
Diese Form tritt auf völlig neuen, unbesiedelten Flächen auf, wo noch kein Boden existiert. In der Natur geschieht dies beispielsweise nach einem Vulkanausbruch (erkaltete Lava), durch Gletscherrückzug oder auf neuen Sanddünen.
Für dich als Gärtner ist dies die relevantere Form. Sie findet statt, wenn ein Ökosystem gestört, aber nicht vollständig vernichtet wurde. Der Boden ist bereits vorhanden, oft liegen Samen und Wurzelreste im Untergrund bereit.
Hier siehst du auf einen Blick, wie sich die beiden Formen unterscheiden:
| Merkmal | Primärsukzession | Sekundärsukzession |
|---|---|---|
| Startpunkt | Nackter Fels, Lava, Sand | Vorhandener Boden (gestört) |
| Bodenleben | Am Anfang nicht vorhanden | Oft intakt oder schnell regenerierbar |
| Geschwindigkeit | Sehr langsam (Jahrhunderte) | Vergleichsweise schnell (Jahre/Jahrzehnte) |
| Beispiel Natur | Gletschervorfeld | Windwurf, Waldbrandfläche |
| Beispiel Garten | Neu angelegte Steinmauer | Brachliegendes Gemüsebeet |
Wenn du Sukzession in deinem Garten zulässt – etwa in einer „Wilden Ecke“ –, kannst du folgende Phasen beobachten:
Statt gegen die Natur zu arbeiten, integriere die Sukzession in dein Gärtnern:
Es ist die zeitliche Abfolge von Lebensgemeinschaften an einem Standort. Sie beschreibt, wie sich die Natur nach Störungen regeneriert oder neues Land besiedelt.
Primärsukzession startet auf unbelebtem Untergrund (z.B. Fels). Sekundärsukzession beginnt dort, wo bereits Boden existiert, etwa nach einem Waldbrand.
Sie sind die ersten Siedler. Sie wachsen schnell, schützen den Boden vor Erosion, bilden Humus und bereiten den Standort für anspruchsvollere Arten vor.
Sekundärsukzessionen laufen oft in Jahrzehnten ab. Primärsukzessionen, wie die Bodenbildung auf Fels, können Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern.
Das theoretische Endstadium der Sukzession. Es ist ein stabiles Ökosystem (in Mitteleuropa meist Laubwald), das sich ohne Störung kaum noch verändert.
Ja, lass einfach ein Beet brachliegen. Die Wildkräuter, die sich dort von selbst ansiedeln, sind der Beginn einer natürlichen Sekundärsukzession.
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