Erfahre, wie Insekten wie Wildbienen und Zitronenfalter im Garten überwintern. Tipps zu Totholz, Stängeln und Laub für mehr Biodiversität im Winter.
Der herbstliche Reflex vieler Gartenbesitzer ist die Ordnung. Beete werden abgeräumt, Stängel gekappt und das bunte Laub akribisch entfernt. Aus der Perspektive der Biodiversität (biologische Vielfalt) ist diese Reinlichkeit jedoch kontraproduktiv. Während du dich in die warme Stube zurückziehst, beginnt für die Insektenwelt ein Überlebenskampf, der über den Erfolg der kommenden Gartensaison entscheidet. Um diesen Prozess zu verstehen, musst du die Biologie der Überwinterung kennen.
Insekten sind poikilotherm (wechselwarm). Das bedeutet, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Um bei Minusgraden nicht zu erfrieren, nutzen sie verschiedene Strategien. Viele Arten produzieren körpereigene Frostschutzmittel wie Glycerin (ein dreiwertiger Alkohol), der den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten senkt.
Doch die Chemie allein reicht nicht aus. Die Tiere benötigen physische Barrieren gegen Wind und Nässe. Hierbei unterscheidet man zwischen verschiedenen Stadien der Metamorphose (Umwandlung vom Ei zum ausgewachsenen Tier). Während der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) als Imago (ausgewachsenes Insekt) frei an Zweigen unter Efeu (Hedera helix) überwintert, verbringen andere Arten die kalte Zeit als Ei, Larve oder Puppe.
Ein häufiger Fehler im naturnahen Garten ist der Rückschnitt von Stauden im Spätherbst. Viele Wildbienen, wie die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) oder verschiedene Maskenbienen (Hylaeus), nutzen die hohlen oder markhaltigen Stängel als Nistplatz oder Winterquartier.
Besonders wertvoll sind Pflanzen wie die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) oder die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus). In ihren vertrockneten Stielen überdauern Larven oft mehrere Frostperioden. Wenn du diese Stängel abschneidest und kompostierst, vernichtest du die Bestäuber des nächsten Jahres. Die vertrockneten Samenstände dienen zudem Vögeln wie dem Stieglitz (Carduelis carduelis) als wichtige Nahrungsquelle.




In der folgenden Tabelle findest du eine Auswahl nützlicher Insekten und ihre bevorzugten Winterquartiere im DACH-Raum:
| Insektenart | Überwinterungsstadium | Bevorzugtes Habitat (Lebensraum) |
|---|---|---|
| Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) | Imago | Geschützte Zweige, oft an Brombeeren (Rubus fruticosus) |
| Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) | Kokon | Hohlräume in Holz, Halmen oder Mauerfugen |
| Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) | Imago | Laubschichten, Moospolster oder Mauerritzen |
| Schwebfliegen (Syrphidae) | Larve oder Imago | Je nach Art in der Bodenstreu oder an geschützten Pflanzen |
| Florfliege (Chrysoperla carnea) | Imago | Dachböden, Schuppen oder Laubansammlungen |
| Hirschkäfer (Lucanus cervus) | Larve | Tief im morschen Holz von Eichen (Quercus) |
Die oberste Bodenschicht und die darauf liegende Humusschicht (organische Substanz in Zersetzung) sind für die Bodenfauna (im Boden lebende Tiere) existenziell. Laufkäfer (Carabidae), die im Sommer Jagd auf Schnecken machen, graben sich in die Erde ein oder suchen Schutz unter flachen Steinen.
Das Belassen von Falllaub ist hierbei der effektivste Schutz. Eine Laubschicht wirkt wie eine Isolationsmatte. Sie verhindert, dass der Boden zu tief durchfriert und bewahrt gleichzeitig die Feuchtigkeit. Mikroorganismen zersetzen das Laub und setzen dabei Wärme frei – ein Prozess, der das Mikroklima (lokales Klima in Bodennähe) stabilisiert.
Totholz, egal ob als liegender Stamm oder als aufgeschichteter Haufen, bietet zudem Hohlräume, in denen die Luft steht. Diese stehende Luftschicht ist ein hervorragender Isolator gegen Kälteeinbrüche. Besonders Käferlarven profitieren von der langsamen Zersetzung des Holzes, bei der über Jahre hinweg ein stabiles Milieu herrscht.
Durch diese einfachen Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein komplexes Refugium (Rückzugsort). Die Belohnung zeigt sich im nächsten Frühjahr, wenn die ersten Bestäuber bereits aktiv sind, während in aufgeräumten Nachbargärten noch biologische Stille herrscht. Biodiversität beginnt mit dem Mut zur Unordnung und dem Verständnis für die faszinierenden Überlebensstrategien unserer kleinsten Gartenbewohner.
Schneide Stauden erst im Frühjahr (März) zurück. Viele Insekten nutzen die hohlen Stängel als Winterquartier und würden bei herbstlichem Schnitt sterben.
Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) und der Marienkäfer (Coccinellidae) überwintern als Imago an geschützten Stellen wie Efeu oder unter Laub.
Laub dient als Isolationsschicht gegen Frost. Es schützt Bodenbewohner wie Laufkäfer (Carabidae) und erhält die Feuchtigkeit im Boden.
Ja, sofern sie fachgerecht gebaut sind. Hohlraumbrüter wie Mauerbienen (Osmia) überwintern darin als Kokons und schlüpfen im nächsten Frühjahr.
Hauptartikel: Naturgarten im Winter: Warum Unordnung Leben rettet
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