Erfahre alles über den Kuckucksspeichel im Garten: Warum Wiesenschaumzikaden Schaum schlagen, wie die Larven überleben und warum sie für Pflanzen harmlos sind.
Wenn du im Mai oder Juni durch deinen Garten streifst, entdeckst du an den Stängeln der Wiesenschaumkraut-Pflanzen (Cardamine pratensis) oder an Lavendel (Lavandula angustifolia) oft kleine, weiße Schaumgebilde. Im Volksmund wird dieses Phänomen als „Kuckucksspeichel“ bezeichnet. Doch mit dem namensgebenden Vogel hat der Schaum wenig zu tun, außer dass sein Erscheinen mit der Rückkehr des Kuckucks (Cuculus canorus) aus seinem Winterquartier zusammenfällt. Hinter den Blasen verbirgt sich eine faszinierende Überlebensstrategie der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius).
Um zu verstehen, warum die Larven diesen Schaum produzieren, musst du dir ihre Ernährung ansehen. Die Larven der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) stechen das Xylem der Pflanze an. Das Xylem ist das wasserleitende Gewebe der Gefäßpflanzen, das Wasser und gelöste Mineralsalze von den Wurzeln in die Blätter transportiert. Im Gegensatz zum Phloem, das zuckerreichen Siebsaft führt, ist das Xylem sehr nährstoffarm.
Um genügend Proteine für ihr Wachstum zu erhalten, müssen die Larven enorme Mengen dieses Saftes aufsaugen und wieder ausscheiden. Diese überschüssige Flüssigkeit bildet die Basis für den Schaum. Damit die Blasen stabil bleiben, reichern die Larven das Exkret (die flüssige Ausscheidung) mit oberflächenaktiven Substanzen an. Dies sind Tenside, also Stoffe, welche die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit herabsetzen, ähnlich wie Seife im Badewasser.
Der eigentliche Schaum entsteht durch eine mechanische Leistung: Die Larve pumpt ihren Hinterleib rhythmisch auf und ab und presst dabei Luft in das mit Tensiden versetzte Exkret. So schlägt sie sich ein stabiles „Haus“, das mehrere Tage lang Bestand hat.




Warum betreibt das Insekt diesen Aufwand? Der Schaum erfüllt drei lebenswichtige Funktionen:
Obwohl die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) die am häufigsten beobachtete Art ist, gibt es in Mitteleuropa weitere Verwandte, die ähnliche Strategien verfolgen. Hier findest du einen Überblick über die markantesten Arten:
| Artname (deutsch) | Wissenschaftlicher Name | Bevorzugte Wirtspflanzen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Wiesenschaumzikade | Philaenus spumarius | Sehr variabel (über 500 Arten) | Häufigste Art, extrem sprungsicher |
| Erlenschaumzikade | Aphrophora alni | Erlen (Alnus), Weiden (Salix) | Größer als die Wiesenschaumzikade |
| Kiefernschaumzikade | Aphrophora corticinea | Kiefern (Pinus) | Larven leben oft an jungen Trieben |
| Bunte Schaumzikade | Cercopis vulnerata | Gräser und Kräuter | Auffällig schwarz-rot gezeichnete Imagines |
Nach mehreren Häutungsstadien im Schutz des Schaums findet die finale Metamorphose statt. Die Metamorphose bezeichnet in der Zoologie die Umwandlung der Larvenform zum erwachsenen Tier. Die fertige Wiesenschaumzikade verlässt ihren Schaumkokon im Frühsommer.
Du erkennst die erwachsenen Tiere an ihrem gedrungenen Körper und der Fähigkeit zu beeindruckenden Sprüngen. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße von nur etwa 6 Millimetern können sie bis zu 70 Zentimeter hoch springen. Dabei wirken Beschleunigungskräfte, die das 400-fache der Erdbeschleunigung erreichen. Dies macht sie zu den effizientesten Springern im gesamten Tierreich.
Wenn du Kuckucksspeichel in deinem Garten entdeckst, kannst du dies als Zeichen für ein intaktes Ökosystem werten. So gehst du am besten damit um:
Der Kuckucksspeichel ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Insektenwelt. Er zeigt uns, dass auch kleine, unscheinbare Lebewesen hochkomplexe Strategien entwickelt haben, um in unserer Kulturlandschaft zu überleben. Wenn du das nächste Mal die weißen Blasen an deinen Pflanzen siehst, weißt du nun: Hier wächst ein kleiner physikalischer Meisterkünstler heran, der deinen Garten bereichert.
Nein, die Larven entnehmen nur geringe Mengen Pflanzensaft aus dem Xylem. Die Pflanzen erleiden dadurch keine bleibenden Schäden oder Wuchshemmungen.
Der Name entstand, weil der Schaum im Frühjahr zeitgleich mit der Rückkehr und dem ersten Rufen des Kuckucks (Cuculus canorus) an den Pflanzen erscheint.
Das ist nicht nötig. Der Schaum ist harmlos. Durch das Abspritzen entziehst du den Larven ihren Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden.
Nach der Metamorphose schlüpfen die erwachsenen Zikaden. Sie verlassen den Schaum, können fliegen und springen, und der Schaum trocknet einfach ein.
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