Erfahre, wie Makrozoobenthos von Strömung profitiert. Tipps für Gartenbesitzer zur Förderung der Biodiversität durch gezielte Fließgewässerdynamik im Bachlauf.
Wenn du an deinem Gartenbach oder einem naturnah gestalteten Wasserlauf stehst, nimmst du primär das Plätschern und die Bewegung der Wasseroberfläche wahr. Doch die wahre biologische Schwerstarbeit findet am Grund statt – auf dem sogenannten Sohlsubstrat. Hier lebt das Makrozoobenthos. Dieser Fachbegriff beschreibt die Gesamtheit der mit dem bloßen Auge erkennbaren, wirbellosen Tiere, die die Bodenzone eines Gewässers besiedeln. Dazu gehören Insektenlarven, Krebstiere, Schnecken und Egel.
In einem statischen Gewässer mit gleichförmiger Fließgeschwindigkeit findest du nur wenige, meist anspruchslose Arten. Die wahre Biodiversität entfaltet sich erst durch die Fließgewässerdynamik. Unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten sortieren das Material am Boden: In schnellen Bereichen bleibt grober Kies liegen, in strömungsberuhigten Zonen lagern sich Sand und organisches Material (Detritus) ab. Jede dieser Zonen bietet spezialisierten Arten einen Lebensraum.
Um zu verstehen, wie du die Vielfalt in deinem Garten fördern kannst, musst du die Lebensweise dieser Tiere kennen. Das Makrozoobenthos wird ökologisch in verschiedene Ernährungstypen, sogenannte Gilden, eingeteilt. Jede Gilde stellt andere Anforderungen an die Strömung.
| Funktionale Gilde | Ernährungsweise | Strömungspräferenz | Beispielart (Lateinischer Name) |
|---|---|---|---|
| Weidegänger | Schaben Algen von Steinen ab | Mittel bis stark | Flussmützenschnecke (Ancylus fluviatilis) |
| Zerkleinerer | Fressen herabgefallenes Laub | Schwach bis mittel | Bachflohkrebs (Gammarus pulex) |
| Filtrierer | Filtern Nahrungspartikel aus dem Wasser | Stark (Strömung bringt Nahrung) | Kriebelmücke (Simuliidae) |
| Räuber | Jagen andere Kleintiere | Variabel | Steinfliegenlarve (Plecoptera) |
Ein wesentlicher Faktor, warum variable Strömung so wichtig ist, ist der Gasaustausch. An Stellen, an denen das Wasser über Steine sprudelt oder verwirbelt wird (turbulente Strömung), nimmt es vermehrt Sauerstoff aus der Luft auf. Viele Larven von Eintagsfliegen (Ephemeroptera) oder Köcherfliegen (Trichoptera) sind rheophil – das bedeutet strömungsliebend. Sie besitzen oft Außenkiemen, die auf einen stetigen Wasserstrom angewiesen sind, um ausreichend Sauerstoff aufzunehmen. Ohne diese Dynamik würden diese Arten in deinem Garten schlicht ersticken.
Besonders im Jahresverlauf zeigt sich der Wert eines strukturreichen Bachbettes. Im Frühjahr, wenn Schmelzwasser oder starke Regenfälle die Fließgeschwindigkeit erhöhen, benötigen die Tiere strömungsarme Rückzugszonen (Refugien). Große Steine oder im Wasser liegendes Totholz bieten in ihrem Strömungsschatten Schutz vor Verdriftungen. Im Hochsommer hingegen, wenn der Wasserstand sinkt und die Temperaturen steigen, halten kühle, tiefere Kolke (durch Strömung entstandene Vertiefungen) das Überleben des Makrozoobenthos gesichert. Das Vorhandensein von tiefen und flachen Zonen ist somit eine Lebensversicherung für deine Gartenbewohner.
Du musst kein Hydrologe sein, um diese Prozesse in deinem Garten zu initiieren. Es geht darum, die Monotonie zu brechen. Hier sind konkrete Schritte, wie du variable Strömungsmuster erzeugst:
Durch diese Maßnahmen förderst du nicht nur das Makrozoobenthos, sondern das gesamte Ökosystem. Denn eine reiche Population an wirbellosen Tieren zieht unweigerlich räuberische Libellenlarven, verschiedene Amphibien und Vögel an, die am Wasser nach Nahrung suchen. Du schaffst somit ein dynamisches Gleichgewicht, das sich weitgehend selbst reguliert und dir jahrelange Naturbeobachtungen auf kleinstem Raum ermöglicht.
Es umfasst alle mit bloßem Auge erkennbaren wirbellosen Tiere, die am Boden von Gewässern leben, wie Insektenlarven, Schnecken, Krebse und Egel.
Strömung liefert Sauerstoff, transportiert Nahrung zu den Tieren und schafft durch Materialtransport unterschiedliche Lebensräume wie Kies- oder Sandbänke.
Durch das Einbringen von Störsteinen oder Totholz wird das Wasser umgelenkt, wodurch schnell fließende und ruhige Zonen auf engem Raum entstehen.
Besonders Zerkleinerer wie der Bachflohkrebs und Larven von Köcherfliegen nutzen Totholz als direkte Nahrungsquelle, Versteck und stabilen Siedlungsraum.
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