Erfahre, warum der Gefingerte Lerchensporn und andere Frühblüher im März überlebenswichtig für Wildbienen sind. Praktische Tipps für deinen Naturgarten.
Wenn die Temperaturen im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) die Marke von 10 bis 12 Grad Celsius überschreiten, erwachen die ersten Solitärbienen und Hummelköniginnen aus ihrer Diapause (einer hormonell gesteuerten Ruhepause). In diesem Moment ist ihr Stoffwechsel auf Hochtouren angewiesen, doch die körpereigenen Fettreserven sind nahezu erschöpft. Als wechselwarme (poikilotherme) Tiere hängen Insekten direkt von der Umgebungstemperatur und einer schnellen Zufuhr von Kohlenhydraten ab.
Hier tritt der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida) als ökologischer Schlüsselfaktor auf den Plan. Als typischer Vertreter der Frühlings-Geophyten nutzt er das Lichtfenster im noch unbelaubten Laubwald oder unter sommergrünen Hecken. Sein Nektar weist eine hohe Zuckerkonzentration auf, was ihn zu einer hocheffizienten Energiequelle macht. Für die Pelzbiene (Anthophora plumipes), die oft schon Anfang März patrouilliert, ist diese Pflanze eine der wichtigsten Nahrungsgrundlagen.
Die Evolution hat faszinierende Anpassungen hervorgebracht. Der Gefingerte Lerchensporn besitzt einen langen Sporn, in dem sich der Nektar ansammelt. Nur Insekten mit einem ausreichend langen Rüssel, wie die erwähnte Pelzbiene oder verschiedene Hummelarten (Bombus), können diesen Schatz direkt heben. Dabei findet die Bestäubung statt, da das Insekt tief in die Blüte eindringen muss und dabei den Pollen aufnimmt.
Interessanterweise lässt sich im März oft ein Phänomen beobachten, das als Nektarraub bezeichnet wird: Kurzrüsselige Erdhummeln (Bombus terrestris) beißen die Blütenröhre des Lerchensporns von außen auf, um an den Nektar zu gelangen, ohne die Pflanze dabei zu bestäuben. Dennoch ist dieses Nahrungsangebot für das Überleben der Hummelvölker essenziell, da die Königinnen nun mit dem Nestbau beginnen und einen enormen Energiebedarf haben.
Um die Biodiversität in deinem Garten zu fördern, solltest du auf eine Diversifizierung der Arten setzen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Partnerpflanzen, die den Gefingerten Lerchensporn ergänzen:
| Artname (botanisch) | Blütezeit | Ökologischer Wert | Bevorzugter Standort |
|---|---|---|---|
| Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida) | März – April | Hauptquelle für Pelzbienen | Halbschatten, unter Gehölzen |
| Huflattich (Tussilago farfara) | Februar – April | Früheste Pollenquelle | Sonnig, offene Bodenstellen |
| Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) | Februar – März | Erster Nektar für Honigbienen | Frischer Boden, halbschattig |
| Sal-Weide (Salix caprea) | März – April | Lebensnotwendig für ca. 30 Sandbienenarten | Sonnig, eher feucht |
| Blaustern (Scilla siberica) | März – April | Hoher Nektarwert für Wildbienen | Durchlässiger Boden, sonnig/halbschattig |
Die Phänologie (die Lehre von den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur) zeigt uns, dass sich die Blütezeiten durch den Klimawandel nach vorne verschieben. Dies kann zu einem sogenannten Phänologischen Gap (einer zeitlichen Entkoppelung) führen: Die Insekten schlüpfen früher, finden aber noch keine blühenden Pflanzen vor, oder umgekehrt. Durch das Anpflanzen von autochthonen (gebietseigenen) Pflanzen wie dem Gefingerten Lerchensporn stellst du sicher, dass die Flora mit der regionalen Fauna synchronisiert bleibt.
Indem du den Fokus auf den Monat März legst, unterstützt du die kritische Startphase des ökologischen Jahres. Der Gefingerte Lerchensporn ist dabei mehr als nur eine optische Bereicherung; er ist ein Baustein in einem komplexen Netzwerk. Wer diese Zusammenhänge versteht und danach handelt, leistet einen messbaren Beitrag zum Artenschutz direkt vor der eigenen Haustür.
Er blüht sehr früh und bietet hocheffizienten Nektar, der genau dann verfügbar ist, wenn die Pelzbiene (Anthophora plumipes) aus der Winterruhe erwacht.
Geophyten sind Pflanzen, die ungünstige Zeiten wie den Winter in Form von Knollen, Zwiebeln oder Rhizomen unter der Erdoberfläche überdauern.
Ja, in lückigen Wiesen unter Bäumen ist das möglich. Wichtig ist, erst zu mähen, wenn die Pflanze im Mai vollständig eingezogen und vergilbt ist.
Nein. Bei gefüllten Blüten sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt. Sie bieten weder Pollen noch Nektar und sind für Insekten wertlos.
Hauptartikel: Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida): Ein wertvoller Frühblüher für deinen Naturgarten
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