Erfahre, wie Du mit einem Blumenzelt aus Geißblatt und Nachtviolen Nachtfalter fördern kannst. Praxistipps für einen insektenfreundlichen Garten im Juni.
Während die meisten Gartenbesitzer die Bestäubungsleistung von Wildbienen (Anthophila) und Tagfaltern schätzen, bleibt die Arbeit der Nachtfalter oft im Verborgenen. Dabei leisten Arten wie die Gammaeule (Autographa gamma) oder der Windenschwärmer (Agrius convolvuli) Erstaunliches. Nach aktuellen Bestäubungsdaten besuchen Nachtfalter oft eine größere Vielfalt an Pflanzenarten als Bienen, da sie größere Distanzen zurücklegen und auch bei kühleren Temperaturen im Juni aktiv sind.
Ein Blumenzelt – ein künstliches Gerüst aus Weidenruten oder Holzpfählen – dient hierbei als vertikales Refugium (Rückzugsort). Es bündelt die Duftstoffe der Pflanzen und bietet den Insekten Schutz vor Fressfeinden wie Fledermäusen (Chiroptera), da die dichte Blattstruktur Deckung gewährt. In der Dämmerung orientieren sich diese Falter primär über ihren Geruchssinn und visuell an hellen, reflektierenden Blütenfarben. Dieser Vorgang wird als Sphingophilie (Anpassung von Pflanzen an die Bestäubung durch Schwärmer) bezeichnet.
Für ein effektives Blumenzelt im Juni solltest Du auf Arten setzen, die ihre Duftemission synchron zu den Aktivitätsphasen der Falter steigern. Das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum), auch Echtes Geißblatt genannt, ist hierbei die wichtigste heimische Komponente. Seine röhrenförmigen Blüten sind perfekt auf die langen Rüssel der Schwärmer abgestimmt. Während die Blüten tagsüber fast geruchlos sind, produzieren sie ab dem späten Nachmittag komplexe Duftstoffe, die Falter aus mehreren hundert Metern Entfernung anlocken.
In der folgenden Übersicht findest Du geeignete Pflanzen für Dein nächtliches Insekten-Bündnis:
| Pflanzenart | Blütezeit | Zielarten (Beispiele) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) | Juni - Juli | Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor) | Intensiver Nachtduft, bietet viel Nektar |
| Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis) | Mai - Juli | Nachtpfauenauge (Saturniidae), verschiedene Spanner | Helle Blütenfarbe, dient als Raupenfutterpflanze |
| Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) | Juni - Sept. | Windenschwärmer (Agrius convolvuli) | Verträgt trockene Standorte am Zeltfuß |
| Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) | Juni - Aug. | Diverse kleine Nachtfalterarten | Bietet Struktur und Nistmöglichkeiten |
Um Nachtfalter gezielt zu fördern, ist die Konstruktion und Platzierung des Zelts entscheidend. Ein windgeschützter Standort sorgt dafür, dass sich die Duftwolken der Pflanzen nicht zu schnell verflüchtigen.
Wenn Du diese Maßnahmen umsetzt, förderst Du nicht nur die Falter selbst, sondern das gesamte lokale Ökosystem. Ein gesundes Vorkommen an Nachtfaltern sichert die Nahrungsgrundlage für nützliche Säugetiere wie die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus). Zudem sind die Larven vieler Nachtfalter, wie etwa die Raupen der Hausmutter (Noctua pronuba), ein wichtiger Teil der Bodenbiologie, da sie organisches Material umsetzen und wiederum Singvögeln als proteinreiche Nahrung für die Zweitbrut im Juni dienen. Ein Blumenzelt ist somit weit mehr als eine Dekoration; es ist eine hochfunktionale Tankstelle im nächtlichen Netzwerk der Natur.
Besonders das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) und die Nachtviole (Hesperis matronalis) intensivieren ihren Duft in der Dämmerung für Nachtfalter.
Licht stört die Orientierung am Mondlicht. Falter umkreisen Lampen bis zur Erschöpfung, was ihre Fortpflanzung und Nahrungssuche verhindert.
Ja, viele Arten sind spezialisiert. Die Nachtviole (Hesperis matronalis) dient beispielsweise als wichtige Nahrung für die Raupen verschiedener Falter.
Der Juni ist ideal, da viele Kletterpflanzen nun stark wachsen und die Hauptflugzeit vieler Schwärmerarten wie dem Weinschwärmer beginnt.
label_main_article: Naturgarten im Juni: Blumenzelt bauen und Artenvielfalt fördern
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