Erfahre, welche Wildstauden Bienen und Schmetterlinge wirklich fördern. Wissenschaftlich fundierte Tipps für deinen insektenfreundlichen Garten in DACH.
Du hast im Hauptartikel erfahren, wie entscheidend die pestizidfreie Anzucht und die Herkunft von Wildpflanzen für unser Ökosystem sind. Doch wie wählst du aus der Fülle der Möglichkeiten die Pflanzen aus, die in deinem Garten den größten ökologischen Nutzen entfalten? Ein Garten für die Biodiversität – also die Vielfalt des Lebens und der Lebensräume – ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Grün. Es ist ein fein abgestimmtes System, in dem heimische Wildstauden die Hauptrolle spielen.
Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Gartenblumen sind Wildstauden (mehrjährige, krautige Pflanzen, die im Winter oberirdisch absterben und im Frühjahr aus der Wurzel neu austreiben) in einer Co-Evolution mit unserer heimischen Fauna entstanden. Das bedeutet, dass sich Insekten und Pflanzen über Jahrtausende hinweg aneinander angepasst haben.
Viele unserer rund 560 Wildbienenarten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Oligolektiker. Das sind spezialisierte Insekten, die Pollen nur von einer bestimmten Pflanzenfamilie oder gar einer einzigen Gattung sammeln. Fehlen diese Pflanzen, verschwinden auch die Bienen. Zuchtsorten mit gefüllten Blüten – also Blüten, bei denen die Staubblätter zu Schaublättern umgezüchtet wurden – sind für diese Tiere wertlos, da sie weder Nektar (zuckerreicher Saft als Energielieferant) noch Pollen (eiweißreiche Nahrung für die Brut) produzieren.




Um ein stabiles Insektenparadies zu schaffen, solltest du auf Arten setzen, die in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) weit verbreitet und besonders attraktiv für Bestäuber sind. Die folgende Tabelle gibt dir eine Orientierung für eine ausgewogene Pflanzung.
| Pflanzenname (Botanisch) | Blütezeit | Bevorzugter Standort | Zielgruppe (Insekten) |
|---|---|---|---|
| Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) | Mai – Aug. | Sonnig, eher trocken | Hummeln, Holzbienen |
| Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) | Juni – Sept. | Sonnig, karg, steiniger Boden | Mauerbienen, Bläulinge |
| Moschus-Malve (Malva moschata) | Juni – Okt. | Sonnig bis halbschattig | Malven-Langhornbienen |
| Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare) | Juli – Sept. | Sonnig, warm | Schmetterlinge, Schwebfliegen |
| Berg-Aster (Aster amellus) | Aug. – Okt. | Sonnig, kalkhaltig | Späte Wildbienen, Falter |
| Echter Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) | Mai – Juli | Halbschattig, feucht | Nachtfalter, Schwebfliegen |
Ein häufiger Fehler bei der Gestaltung von Naturgärten ist der Fokus auf den Hochsommer. Wenn im Juni und Juli alles blüht, herrscht Überfluss. Doch das kritische Zeitfenster ist das zeitige Frühjahr und der späte Herbst.
Im März benötigen früh fliegende Arten wie die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) dringend Nahrung. Hier helfen Frühblüher wie das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) oder das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis). Im Spätsommer hingegen, wenn viele Gärten bereits verblüht sind, wird die Bedeutung der Gold-Aster (Aster linosyris) oder der Wegwarte (Cichorium intybus) deutlich. Sie bieten den notwendigen Proviant für die Überwinterung oder die letzte Brut des Jahres.
Während Bienen vor allem Pollen sammeln, benötigen Schmetterlinge (Lepidoptera) zweierlei: Nektarquellen für die adulten Falter und spezifische Futterpflanzen für ihre Raupen. Ein Paradebeispiel ist der Faulbaum (Frangula alnus), der für den Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) lebensnotwendig ist. Aber auch Stauden wie die Große Brennnessel (Urtica dioica) – oft als Unkraut geschmäht – sind die Kinderstube für das Tagpfauenauge (Aglais io). Integriere also nicht nur Prachtstauden, sondern auch die Raupenfutterpflanzen in die Randbereiche deines Gartens.
Wenn du diese Prinzipien beherzigst, verwandelst du deinen Garten in eine lebendige Trittsteinbiotope. Das sind kleine Lebensräume, die isolierte Populationen miteinander vernetzen und so das Überleben seltener Arten in der DACH-Region sichern. Dein Garten wird so zum aktiven Teil des Naturschutzes.
Heimische Wildstauden sind koevolutiv mit Insekten gewachsen. Sie bieten passgenauen Pollen und Nektar, den Zuchtsorten mit gefüllten Blüten oft nicht haben.
Ideal sind der Herbst und das zeitige Frühjahr. So können die Stauden vor der Sommerhitze einwurzeln und nutzen die natürliche Bodenfeuchtigkeit optimal aus.
Oligolektische Bienen sind spezialisiert. Sie sammeln Pollen nur von bestimmten Pflanzenfamilien. Fehlen diese Pflanzen, können sie ihre Brut nicht ernähren.
Nein. In den hohlen Stängeln überwintern viele Insektenlarven. Warte mit dem Rückschnitt bis zum Frühjahr, wenn keine Frostnächte mehr drohen.
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