Erfahre, wie die Echte Kamille über 70 Wildbienenarten und Schwebfliegen unterstützt. Ein Fachartikel über Bestäubung und Artenschutz im heimischen Garten.
Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist in der traditionellen Naturheilkunde fest verankert. Doch jenseits ihres Nutzens für den Menschen übernimmt diese einjährige Pflanze eine fundamentale Rolle im Ökosystem Deines Gartens. Während viele Zierpflanzen durch Züchtung ihre ökologische Funktion verloren haben, bietet die Echte Kamille eine reichhaltige Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Insekten. In diesem Artikel erfährst Du, warum die unscheinbare Pflanze ein Magnet für spezialisierte Bestäuber ist und wie Du die biologische Vielfalt – also die Vielfalt des Lebens und der Lebensräume – gezielt förderst.
Die Echte Kamille gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Was wir als einzelne Blüte wahrnehmen, ist botanisch betrachtet ein ganzer Blütenstand. Dieser setzt sich aus gelben Röhrenblüten im Zentrum und weißen Zungenblüten am Rand zusammen. Diese Struktur ist entscheidend für die Attraktivität der Pflanze. Da der Nektar und der Pollen offen liegen, können auch Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen, wie viele Fliegen und kleine Wildbienen, die Nahrung problemlos erreichen.
Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung für oligolektische Insekten. Der Begriff Oligolektie beschreibt eine spezialisierte Sammelstrategie, bei der Insekten Pollen nur von einer bestimmten Pflanzenfamilie oder sogar nur von einer Gattung sammeln. Für die spezialisierte Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) oder die Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus) ist die Anwesenheit von Korbblütlern wie der Kamille überlebenswichtig.




In der folgenden Übersicht siehst Du, welche Insektengruppen besonders von der Echten Kamille in Deinem Garten profitieren:
| Insektengruppe | Artbeispiele (Lateinischer Name) | Nutzen der Echten Kamille |
|---|---|---|
| Wildbienen | Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) | Pollenquelle für die Aufzucht der Brut. |
| Schwebfliegen | Gemeine Winterschwebfliege (Episyrphus balteatus) | Nektar als Energielieferant; Larven sind oft Blattlausjäger. |
| Grabwespen | Gemeine Sandwespe (Ammophila sabulosa) | Energiegewinnung durch Nektar für die Jagdflüge. |
| Käfer | Variabler Flach-Marienkäfer (Adalia decempunctata) | Jagdrevier und ergänzende Pollennahrung. |
| Schmetterlinge | Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas) | Nektarquelle während der sommerlichen Flugphase. |
Oft werden Schwebfliegen (Syrphidae) im Garten übersehen oder mit Wespen verwechselt, da viele Arten eine schwarz-gelbe Warnfärbung (Mimikry) tragen. Schwebfliegen sind jedoch hervorragende Bestäuber und ihre Larven sind in vielen Fällen wertvolle Nützlinge, da sie große Mengen an Blattläusen vertilgen. Die Echte Kamille lockt diese Tiere durch ihren Duft und die flachen Blütenstände an. Im Gegensatz zu tiefen Blütenkelchen, die einen langen Rüssel erfordern, bietet die Kamille einen barrierefreien Zugang zu Kohlenhydraten (Nektar) und Proteinen (Pollen).
Die Hauptblütezeit der Echten Kamille erstreckt sich von Mai bis August. In der modernen Agrarlandschaft entstehen oft im Juni und Juli sogenannte Trachtlücken, wenn die großen Rapsfelder verblüht sind und die Linden ihre Blüte beenden. Hier springt die Kamille ein. In Deinem Garten kannst Du durch eine gestaffelte Aussaat – also das Säen in zeitlichen Abständen von zwei bis drei Wochen – die Blütezeit bis in den September hinein verlängern. Dies hilft Insekten, die spät im Jahr schlüpfen oder eine zweite Generation bilden, wie etwa die Furchenbienen (Halictus).
Durch die gezielte Ansiedlung der Echten Kamille leistest Du einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist eine einfache, aber hochwirksame Maßnahme, um Deinen Garten in ein lebendiges Ökosystem zu verwandeln.
Besonders Maskenbienen (Hylaeus) und Furchenbienen (Halictus) nutzen die Kamille als wichtige Pollenquelle für ihre Brut.
Schwebfliegen haben kurze Rüssel; die flachen Blüten der Kamille ermöglichen ihnen einen einfachen Zugang zu Nektar und Pollen.
Die Aussaat erfolgt im zeitigen Frühjahr oder im Spätsommer direkt auf die Erdoberfläche, da die Kamille ein Lichtkeimer ist.
Oligolektie bedeutet, dass Insekten auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert sind und nur dort Pollen für ihren Nachwuchs sammeln.
Hauptartikel: Echte Kamille (Matricaria chamomilla): Heilkraft und Artenvielfalt im Naturgarten
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