Erfahre, wie Du eine Benjeshecke anlegen kannst, um wertvolle Lebensräume und Korridore für Igel und Vögel zu schaffen. Praxisnahe Anleitung für Naturgärten.
In der naturnahen Gartengestaltung bezeichnet der Etagenbau die vertikale Gliederung von Lebensräumen, ähnlich einem natürlichen Waldrand. Während die Krautschicht den Boden bedeckt und die Strauch- sowie Baumschicht die Höhe besetzen, klafft in vielen Gärten in der mittleren Ebene eine Lücke. Hier setzt die Benjeshecke an. Benannt nach Hermann Benjes, handelt es sich um eine linienförmige Struktur aus locker aufgeschichtetem Totholz.
Diese Struktur ist weit mehr als ein einfacher Sichtschutz. Sie dient als biologischer Korridor. Viele Tierarten meiden offene Flächen aus Angst vor Prädatoren (Fressfeinden). Eine fachgerecht angelegte Benjeshecke ermöglicht beispielsweise dem Braunbrustigel (Erinaceus europaeus (Linnaeus, 1758)) oder der Erdkröte (Bufo bufo (Linnaeus, 1758)), geschützt von einem Gartenareal in das nächste zu wandern. Nach aktuellen Beobachtungen zur Biotopvernetzung sind solche Strukturen essenziell, um isolierte Populationen wieder miteinander zu verbinden. Auch wenn Dein Garten vermutlich zu klein für einen Elch (Alces alces (Linnaeus, 1758)) ist, so ist das Prinzip der Vernetzung im Kleinen identisch mit den großen Wildtierkorridoren in der Landschaftsplanung.
Der Mai ist ein idealer Zeitpunkt, um letzte Rückschnitte von Frühjahrsblühern wie der Forsythie (Forsythia × intermedia) – sofern vorhanden – oder heimischen Gehölzen zu verwerten. Wichtiger ist jedoch die Verwendung von dauerhaftem Material für das Grundgerüst. Die Wahl des Holzes bestimmt, welche Organismen sich ansiedeln. Während Weichhölzer schnell zersetzt werden, bieten Harthölzer über Jahrzehnte Stabilität.
| Holzart | Wissenschaftlicher Name | Zersetzungsrate | Zielarten (Beispiele) |
|---|---|---|---|
| Stieleiche | Quercus robur (Linnaeus, 1753) | Sehr langsam | Hirschkäfer (Lucanus cervus (Linnaeus, 1758)) |
| Hainbuche | Carpinus betulus (Linnaeus, 1753) | Mittel | Zaunkönig (Troglodytes troglodytes (Linnaeus, 1758)) |
| Silberweide | Salix alba (Linnaeus, 1753) | Schnell | Verschiedene Bockkäferarten (Cerambycidae) |
| Roter Hartriegel | Cornus sanguinea (Linnaeus, 1753) | Mittel | Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata (Linnaeus, 1758)) |
Eine Benjeshecke ist ein dynamisches System. Durch natürliche Zersetzungsprozesse sackt die Füllung mit der Zeit zusammen. Dies ist kein Mangel, sondern ein Zeichen biologischer Aktivität. Pilze und Mikroorganismen bauen die Zellulose ab und verwandeln sie in wertvollen Humus. Du kannst die Hecke jährlich mit neuem Schnittgut ergänzen.
Besonders im Mai solltest Du jedoch Vorsicht walten lassen. Viele Vögel wie das Rotkehlchen (Erithacus rubecula (Linnaeus, 1758)) oder die Heckenbraunelle (Prunella modularis (Linnaeus, 1758)) nutzen dichte Totholzstapel bereits als Nistplatz. Fülle neues Material daher nur vorsichtig von oben nach, ohne die innere Struktur zu erschüttern. Falls Du Probleme mit Schnecken an angrenzenden Beeten hast, ist die manuelle Entnahme der Tiere die sicherste Methode für die Biodiversität; die Benjeshecke selbst lockt jedoch auch natürliche Fressfeinde wie die Blindschleiche (Anguis fragilis (Linnaeus, 1758)) an, die den Bestand regulieren.
Indem Du eine Benjeshecke anlegst, schaffst Du eine vertikale Struktur, die den Etagenbau Deines Gartens vervollständigt. Du förderst nicht nur die Ansiedlung spezialisierter Arten, sondern ermöglichst auch die sichere Fortbewegung von Wildtieren in einer zunehmend fragmentierten Kulturlandschaft.
Grundsätzlich ganzjährig, doch im Mai kann anfallender Schnitt direkt genutzt werden. Achte beim Nachfüllen aber unbedingt auf brütende Vögel im Inneren.
Harthölzer wie Eiche (Quercus robur) halten länger. Weichhölzer wie Weide (Salix) verrotten schneller, bieten aber rasch Nährstoffe für Pilze und Insekten.
Bei reinem Gehölzschnitt selten. Vermeide Küchenabfälle oder Speisereste in der Hecke, dann bleibt sie ein attraktiver Ort für Igel und nützliche Insekten.
Für eine gute Schutzwirkung und als Sichtschutz ist eine Höhe von 1,20 bis 1,50 Metern ideal. Durch Zersetzung sinkt sie jährlich etwas ab.
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