Erfahre, wie du durch Magerstandorte im Garten die Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte förderst. Praxisanleitung für Artenschutz ohne Chemie und Torf.
Der Mai ist im Garten die Zeit der Erwachtung und der intensiven Balzrufe. Wenn du in den Abendstunden ein leises, flötenartiges „Puh-Puh-Puh“ hörst, könnte dies die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans (Laurenti, 1768)) sein. Diese faszinierende Amphibienart teilt sich ihren Lebensraum oft mit der Gelbbauchunke (Bombina variegata). Beide Arten sind in der modernen Kulturlandschaft stark gefährdet, da ihre natürlichen Lebensräume – dynamische Flussauen und natürliche Rutschhänge – fast vollständig verschwunden sind. Als Ersatz dienen ihnen oft Sekundärhabitate wie Kiesgruben oder naturnah gestaltete Gärten mit Magerstandorten. Unter einem Magerstandort verstehen wir eine Fläche, die extrem nährstoffarm ist und daher kaum von schnellwüchsigen Pflanzen dominiert wird, was spezialisierten Arten Raum gibt.
Obwohl beide Arten unterschiedliche Strategien zur Jungenaufzucht verfolgen, profitieren sie von denselben Landschaftsstrukturen. Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist eine klassische Pionierart – eine Art, die als Erstbesiedler neu entstandene, vegetationsarme Lebensräume nutzt. Sie bevorzugt kleinste, sich schnell erwärmende Wasseransammlungen, wie sie in Fahrspuren oder kleinen Vertiefungen entstehen. Die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans (Laurenti, 1768)) hingegen hat eine weltweit einzigartige Brutpflege: Das Männchen wickelt sich die Eischnüre um die Hinterbeine und trägt sie an Land umher, bis die Larven schlüpfreif sind. Erst dann sucht es ein Gewässer auf.
In einer Kiesgrube oder einem entsprechend gestalteten Garten finden beide Arten ihre Nische: Die Unke besiedelt die temporären Pfützen auf der Sohle, während die Kröte die sonnenexponierten Böschungen mit Spaltenquartieren bewohnt. In der freien Natur sorgen heute oft nur noch große Pflanzenfresser wie der Elch (Alces alces (Linnaeus, 1758)) durch Trittsiegel und Verbiss für die Offenhaltung solcher Flächen. Im Garten musst du diese Dynamik durch gezielte Pflege simulieren.
| Merkmal | Gelbbauchunke (Bombina variegata) | Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) |
|---|---|---|
| Laichgewässer | Winzige, fischfreie Pfützen, oft temporär | Kleinere Teiche oder dauerhafte Tümpel |
| Landlebensraum | Feuchte Verstecke unter Totholz/Steinen | Sonnige Hanglagen, lockeres Gestein, Grabfähigkeit |
| Besonderheit | Herzförmige Pupillen, Warnfärbung am Bauch | Männchen betreibt aktive Brutpflege an Land |
| Pflanzenpartner | Flutender Schwaden (Glyceria fluitans) | Echter Natternkopf (Echium vulgare) |
Biodiversität, also die Vielfalt des Lebens, entsteht oft dort, wo der Mensch nicht eingreift oder Nährstoffe entzieht. Ein überdüngter Garten fördert nur wenige, konkurrenzstarke Pflanzen, die alles andere ersticken. Für unsere Zielarten bedeutet das den Verlust von Sonnenplätzen und Wanderwegen.
Um einen Magerstandort zu schaffen, solltest du auf den Einsatz von Rasendünger, synthetischen Pflanzenschutzmitteln und torfhaltiger Erde komplett verzichten. Torfabbau zerstört die letzten Hochmoore, die wichtige Kohlenstoffspeicher sind. Verwende stattdessen mineralische Substrate wie Wandkies, Sand oder Kalkschotter. Auf diesen Flächen siedeln sich spezialisierte Wildkräuter an, wie der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) oder der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus). Diese Pflanzen dienen wiederum als Nahrungsgrundlage für Insekten wie den Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der als Beute für Amphibien wichtig ist.
Rohboden erhalten: Lasse in sonnigen Gartenbereichen bewusst Flächen mit offenem Kies oder Sand liegen. Entferne aufkommende Verbuschungen mechanisch, um die Besonnung des Bodens zu gewährleisten. Dies ist entscheidend für die Thermoregulation (Steuerung der Körpertemperatur über die Umgebungswärme) der Tiere.
Kleinstgewässer anlegen: Grabe flache Mulden aus und kleide sie gegebenenfalls mit etwas Lehm aus. Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) liebt es, wenn diese Pfützen im Sommer auch einmal austrocknen, da dies Fressfeinde wie Libellenlarven (Orthetrum cancellatum) reduziert.
Trockenmauern ohne Mörtel: Errichte Steinhafen oder Trockenmauern aus regionalem Naturstein. Die Hohlräume bieten der Geburtshelferkröte sichere Tagesverstecke und Winterquartiere. Achte darauf, dass die Mauer eine direkte Verbindung zum gewachsenen Boden hat, damit die Tiere sich eingraben können.
Heimische Flora bevorzugen: Pflanze Arten wie den Färber-Ginster (Genista tinctoria) oder die Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum). Diese kommen mit Nährstoffarmut bestens zurecht und ziehen Bestäuber an, ohne den Lebensraum zu beschatten.
Rechtlicher Hinweis: Bitte beachte, dass alle heimischen Amphibienarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt sind. Es ist illegal und ökologisch nicht sinnvoll, Tiere aus der Natur zu entnehmen oder umzusiedeln. Dein Ziel sollte es sein, das Habitat so attraktiv zu gestalten, dass eine natürliche Besiedlung durch lokale Populationen möglich wird.
Durch diese Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein wertvolles Trittsteinbiotop. Ein Trittsteinbiotop ist ein kleiner, geschützter Lebensraum, der es Arten ermöglicht, zwischen größeren Schutzgebieten zu wandern und so den genetischen Austausch zu sichern. Dein Einsatz auf mageren Standorten ist somit ein direkter Beitrag zum Überleben von Spezialisten wie der Gelbbauchunke.
Nein, das Fangen und Umsiedeln wildlebender Amphibien ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. Schaffe stattdessen Lebensräume zur natürlichen Besiedlung.
Ein extrem nährstoffarmer Boden (Kies, Sand), auf dem konkurrenzschwache Spezialisten gedeihen, da schnellwüchsige Pflanzen dort keine Nahrung finden.
Torfabbau zerstört Moore, die primären Lebensräume vieler Arten. Zudem übersäuert Torf den Boden, was der Flora von Magerstandorten entgegenwirkt.
Hauptartikel: Geburtshelferkröte fördern: Artenschutz durch Magerstandorte
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