Schütze Erdkröte & Co. im Juni: Erfahre, wie du Wanderwege im Garten sicherst, Gully-Fallen entschärfst und Amphibien ohne Chemie förderst. Jetzt lesen!
Amphibien gehören zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen weltweit. In Mitteleuropa steht etwa die Hälfte der heimischen Arten auf der Roten Liste. Als ektotherme Organismen (wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur von der Umgebung abhängt) sind sie auf spezifische Mikroklimata angewiesen. Im Juni findet ein entscheidender Prozess in deinem Garten statt: Die Jungtiere, die im Frühjahr als Laich abgelegt wurden, haben ihre Entwicklung im Wasser abgeschlossen. Diese sogenannten „Metamorphlinge“ verlassen nun in Massen das Wasser, was oft als „Froschregen“ bezeichnet wird.
Dein Garten spielt eine zentrale Rolle als Trittsteinbiotop (kleiner Lebensraum, der die Verbindung zwischen größeren Naturflächen ermöglicht). Während Großsäuger wie der Elch (Alces alces) enorme Areale und breite Wildkorridore für ihre Wanderungen benötigen, entscheiden bei der Erdkröte (Bufo bufo) oder dem Teichmolch (Lissotriton vulgaris) oft wenige Meter über Leben und Tod. Ein naturnaher Garten bietet nicht nur Lebensraum, sondern dient als sichere Passage in einer zunehmend fragmentierten (zerstückelten) Landschaft.
Entgegen der weitläufigen Meinung ist die Amphibienwanderung nicht auf das Frühjahr begrenzt. Wir unterscheiden drei Hauptphasen:
Besonders die Jungtiere im Juni sind gefährdet. Sie sind winzig, oft kaum einen Zentimeter groß, und besitzen noch keine ausgeprägten Schutzmechanismen gegen Austrocknung oder Fressfeinde. Sie benötigen feuchte Bodenstrukturen und dichte Vegetation, um den Tag zu überstehen. Hier kannst du mit gezielter Pflanzung unterstützen. Die Berle (Berula erecta) eignet sich hervorragend für den Uferbereich deines Teiches, da sie Deckung bietet und das Mikroklima am Wasserrand stabilisiert. In trockeneren Randbereichen fördern Doldenblütler wie der Anis (Pimpinella anisum) eine reiche Insektenfauna, die als Nahrungsgrundlage für die heranwachsenden Amphibien dient.
In bebauten Gebieten stoßen Amphibien auf unüberwindbare Hindernisse. Ein herkömmlicher Bordstein wirkt für eine Erdkröte wie eine unpassierbare Mauer. Die Tiere wandern am Bordstein entlang, auf der Suche nach einer Lücke, und fallen dabei unweigerlich in Straßengullys. Einmal im Schacht gefangen, verhungern sie oder ertrinken bei starken Regenfällen.
Zusätzlich zum direkten Überfahrenwerden auf Straßen stellt der Luftdruck vorbeifahrender Autos eine Gefahr dar. Bei Geschwindigkeiten über 30 km/h erzeugen Fahrzeuge einen Unterdruck, der die empfindlichen inneren Organe der Amphibien schädigen kann, selbst wenn das Tier nicht direkt von den Reifen getroffen wird. Achte daher besonders in feuchten Junitagen auf eine reduzierte Fahrweise in Wohnsiedlungen.
| Art | Bevorzugtes Habitat | Besondere Gefährdung | Schutzmaßnahme im Garten |
|---|---|---|---|
| Erdkröte (Bufo bufo) | Wälder, Gärten, Gebüsche | Gullys, Kellertreppen | Ausstiegshilfen in Schächten |
| Grasfrosch (Rana temporaria) | Feuchtwiesen, Teiche | Rasenmäher, Austrocknung | Hohes Gras stehen lassen |
| Teichmolch (Lissotriton vulgaris) | Verkrautete Kleingewässer | Goldfischbesatz (Frass) | Fischfreie Teichzonen |
| Feuersalamander (Salamandra salamandra) | Laubmischwälder, Bachtäler | Lichtschächte, Straßen | Laub- und Totholzstapel |
Um die Biodiversität vor deiner Haustür aktiv zu fördern, solltest du strukturelle Fallen eliminieren und Lebensräume vernetzen. Befolge diese Schritte für einen sicheren Amphibiengarten:
Warum ist die Erdkröte (Bufo bufo) so wichtig für deinen Garten? Amphibien sind hocheffiziente Jäger von Wirbellosen. Eine ausgewachsene Kröte vertilgt pro Saison eine beträchtliche Menge an Nacktschnecken und anderen wirbellosen Tieren, die ansonsten deine Kulturpflanzen schädigen könnten. Sie besetzen eine Schlüsselposition im Nahrungsnetz: Sie regulieren Insektenpopulationen und dienen gleichzeitig als Beute für Vögel und Ringelnattern (Natrix natrix).
Ein steriler Rasen bietet diesen Tieren keine Überlebenschance. Invasive Neophyten (gebietsfremde Pflanzen, die sich stark ausbreiten) wie der Japanknöterich (Reynoutria japonica) verdrängen zudem die heimische Flora und bieten den spezialisierten Insekten, die Amphibien als Nahrung dienen, keine Grundlage. Setze daher konsequent auf heimische Wildpflanzen. Auch wenn der Anis (Pimpinella anisum) ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, ist er in unseren Gärten ökologisch wertvoll und integriert sich gut in ein naturnahes Pflanzkonzept, ohne invasiv zu wirken.
Indem du die Wanderwege in deinem Garten sicherst und Pestizide konsequent verbannst, trägst du aktiv dazu bei, dass die nächste Generation der Amphibien den Juni überlebt und im nächsten Jahr als nützliche Helfer in deinen Garten zurückkehrt.
Die Hauptabwanderung der Jungtiere (Metamorphlinge) findet meist im Juni und Juli statt, bevorzugt in warmen, regnerischen Nächten.
Amphibien fallen durch die Gitterroste in die Schächte. Wegen der glatten, senkrechten Wände können sie nicht aus eigener Kraft entkommen und verhungern.
Heimische Wasserpflanzen wie die Berle (Berula erecta) bieten Larven und Jungtieren Schutz vor Fressfeinden und stabilisieren das Mikroklima.
Ja. Wirkstoffe wie Metaldehyd sind hochgiftig für Amphibien, da sie über die Haut aufgenommen werden und die Schleimhäute zerstören.
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