Erfahre, wie du Hummeln in deinem Garten schützt. Alles über Vibrationsbestäubung, die Biologie der Wildbienen und praktische Tipps für mehr Ertrag bei Tomaten.
Im Juni herrscht im Garten Hochbetrieb. Während viele Insekten auf sonniges, warmes Wetter angewiesen sind, siehst du die Hummel (Gattung Bombus) oft schon in den frühen, kühlen Morgenstunden an den Blüten. Ökologisch betrachtet sind Hummeln keine bloße Ergänzung zur Honigbiene (Apis mellifera), sondern bilden eine eigenständige, hochspezialisierte Gruppe innerhalb der Wildbienen. In Deutschland sind etwa 40 Hummelarten heimisch, die durch ihre Physiologie und ihr Verhalten Nischen besetzen, die anderen Bestäubern verschlossen bleiben.
Der ökologische Wert der Hummeln liegt vor allem in ihrer Zuverlässigkeit. Da sie ihre Flugmuskulatur aktiv durch „Zittern“ aufwärmen können (Endothermie), sind sie bereits bei Witterungsverhältnissen aktiv, bei denen andere Insekten in Kältestarre verharren. Dies sichert die Bestäubung von früh blühenden Pflanzen und Nutzpflanzen in kühleren Regionen oder schattigen Gartenbereichen. Ohne diese Bestäubungsleistung würde die biologische Vielfalt sowie der Ertrag in deinem Gemüsegarten messbar sinken.
Ein faszinierendes Phänomen ist die sogenannte Vibrationsbestäubung (im Englischen oft als Buzz-Pollination bezeichnet). Manche Pflanzen, darunter die Tomate (Solanum lycopersicum), geben ihren Pollen nicht freiwillig ab. Die Pollensäcke sind fest verschlossen. Die Erdhummel (Bombus terrestris) oder die Ackerhummel (Bombus pascuorum) klammern sich an die Blüte und versetzen ihren gesamten Körper durch Muskelkontraktionen in Schwingung. Diese Vibration löst den Pollen, der dann wie ein feiner Staub auf das Insekt herabregnet. Nach aktuellen Bestäubungsdaten ist diese Technik bei bestimmten Nachtschattengewächsen (Solanaceae) weitaus effektiver als die herkömmliche Bestäubung durch den Wind oder andere Insekten.
Im Gegensatz zur Honigbiene (Apis mellifera), deren Volk den Winter als Einheit überdauert, überwintert bei den Hummeln nur die begattete Jungkönigin. Im Frühjahr gründet sie allein ein neues Volk. Die Völker bleiben vergleichsweise klein:
Ein besonderes biologisches Phänomen sind die Kuckuckshummeln (Untergattung Psithyrus). Ähnlich wie der Kuckuck (Cuculus canorus) bei Vögeln, bauen diese Hummeln keine eigenen Nester. Eine Kuckuckshummel-Weibchen dringt in das Nest einer anderen Art ein, vertreibt oder tötet die ursprüngliche Königin und lässt ihre eigenen Eier von den vorhandenen Arbeiterinnen aufziehen. Dies mag grausam erscheinen, ist aber ein natürlicher Teil der Populationsdynamik und deutet auf ein gesundes Ökosystem hin, in dem Wirt und Parasit koexistieren.
| Merkmal | Hummel (Gattung Bombus) | Honigbiene (Apis mellifera) |
|---|---|---|
| Volksstärke | 50 bis 600 Individuen | 10.000 bis 50.000 Individuen |
| Überwinterung | Nur die Jungkönigin | Das gesamte Volk |
| Aktivität | Ab ca. 2 °C (wärmt sich selbst auf) | Ab ca. 10 bis 12 °C |
| Bestäubungstechnik | Beherrscht Vibrationsbestäubung | Keine Vibrationsbestäubung |
| Nistplatz | Totholz, Mäusegänge, Baumhöhlen | Imkerbeuten, große Baumhöhlen |
Erhältlich bei Gartenexpedition.de

15,00 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zum Shop →

10,00 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zum Shop →
Partnerhinweis: Die verlinkten Produkte stammen von Gartenexpedition.de. Bei einem Kauf unterstützt du unsere Arbeit.
Um die Vielfalt der Arten wie die Ackerhummel (Bombus argillaceus) oder die Steinhummel (Bombus lapidarius) zu unterstützen, sind gezielte Maßnahmen notwendig. Dabei steht das Nahrungsangebot und die Struktur des Gartens im Vordergrund.
Die Erdhummel (Bombus terrestris) ist wohl die bekannteste Art. Sie ist ein Generalist und besucht eine Vielzahl von Pflanzen. Im Gegensatz dazu gibt es spezialisierte Arten, die auf bestimmte Blütenformen angewiesen sind. Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) besitzt einen relativ langen Rüssel und kann daher auch tiefere Blütenkelche, wie die des Rotklees (Trifolium pratense), bestäuben. Wenn du also eine hohe Vielfalt an Blütenformen (von flach bis tiefkelchig) anbietest, unterstützt du automatisch eine größere Bandbreite an Hummelarten.
Achte darauf, dass du keine gefüllten Blüten pflanzt. Bei diesen Zuchtformen wurden die Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt, wodurch die Pflanze für Hummeln wertlos wird, da sie weder Pollen noch Nektar bietet. Heimische Wildpflanzen sind hier immer die bessere Wahl für den Naturgarten.
Durch diese evidenzbasierten Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein Refugium für diese pelzigen Bestäuber und sicherst gleichzeitig die Vitalität deiner eigenen Ernte. Der Schutz der Hummel ist ein direkter Beitrag zum Erhalt der regionalen Biodiversität im DACH-Raum.
Hummeln besitzen die Fähigkeit zur Endothermie. Sie wärmen ihre Flugmuskulatur durch Vibration auf und können so bereits bei etwa 2 °C auf Nahrungssuche gehen.
Pflanzen wie die Tomate geben Pollen nur durch hochfrequente Schwingung frei. Hummeln erzeugen diese durch Muskelkraft, was den Fruchtertrag massiv steigert.
Erwachsene Kuckuckshummeln ernähren sich von Nektar. Ihre Larven werden jedoch von Arbeiterinnen anderer Hummelarten mit Pollen und Nektar im fremden Nest aufgezogen.
Schlagwörter
Alle Artendaten stammen aus wissenschaftlichen Quellen (CC BY 4.0 / CC0). Namensnennung gemäß Lizenzbedingungen. Vollständige Quellenübersicht →