Blattläuse im Juni ökologisch regulieren: Erfahre, warum Aphidoidea wichtig für Nützlinge wie Marienkäfer sind und wie du sie ohne Chemie im Griff behältst.
Wenn du im Juni die ersten Kolonien von Blattläusen (Aphidoidea) an deinen Rosen oder dem Gemüse entdeckst, ist der erste Impuls oft die Bekämpfung. Doch aus ökologischer Sicht ist die Anwesenheit dieser Insekten ein Qualitätsmerkmal für einen funktionierenden Naturgarten. Blattläuse sind das unterste Glied einer komplexen Nahrungskette. Ohne sie würden spezialisierte Arten wie die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) oder die Schlupfwespe (Aphidius colemani) keine Eier in deinem Garten ablegen, da ihre Larven verhungern würden.
Zudem produzieren Blattläuse den sogenannten Honigtau. Dabei handelt es sich um eine zuckerhaltige Ausscheidung, die entsteht, wenn die Läuse den zuckerreichen Pflanzensaft aus dem Phloem (dem leitenden Gewebe für Nährstoffe in der Pflanze) aufsaugen und den Überschuss ausscheiden. Dieser Honigtau ist eine wichtige Energiequelle für Ameisen, wie die Schwarze Wegameise (Lasius niger), aber auch für Bienen und Wespen. Erkenne die Blattlaus daher nicht als Feind, sondern als Starterkultur für eine lebendige Biozönose (Lebensgemeinschaft von Organismen).
Bevor du handelst, solltest du die Biologie der natürlichen Gegenspieler verstehen. Viele dieser Nützlinge benötigen die Blattlaus-Kolonien, um ihren eigenen Nachwuchs großzuziehen. Ein einzelnes Weibchen der Florfliege (Chrysoperla carnea) legt bis zu 350 Eier direkt in die Nähe von Blattlauskolonien ab. Die daraus schlüpfenden Larven werden aufgrund ihres enormen Hungers auch als Blattlauslöwen bezeichnet und können während ihrer Entwicklung bis zu 500 Blattläuse vertilgen.
In der folgenden Tabelle findest du die wichtigsten Verbündeten im Juni:
| Nützlingsart | Wissenschaftlicher Name | Larvenstadium als Jäger | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Siebenpunkt-Marienkäfer | Coccinella septempunctata | Ja, sehr aktiv | Vertilgt bis zu 400 Läuse pro Larve |
| Gemeine Florfliege | Chrysoperla carnea | Ja (Blattlauslöwe) | Nachtaktiv, Larven fressen auch Spinnmilben |
| Hainschwebfliege | Episyrphus balteatus | Ja, madenartig | Adulte Tiere sind wichtige Bestäuber |
| Gemeiner Ohrwurm | Forficula auricularia | Ja | Allesfresser, nutzt tagsüber Verstecke |
| Schlupfwespe | Aphidius colemani | Ja (Parasitoid) | Legt Eier in die Laus; diese verpuppt sich zur Mumie |
Ein massiver Befall ist oft ein Indikator für ein physiologisches Ungleichgewicht der Pflanze. Drei Faktoren sind hier entscheidend:
Um Schwebfliegen anzulocken, die als adulte Tiere Pollen und Nektar fressen, solltest du gezielt Doldenblütler integrieren. Besonders bewährt hat sich hier der Anis (Pimpinella anisum), dessen feine Blütenstruktur ideal für die flachen Mundwerkzeuge der Schwebfliegen zugänglich ist.
Sollte der Befall an einer jungen Pflanze so stark sein, dass die Triebspitzen verkrüppeln, kannst du manuell eingreifen, ohne das Ökosystem zu schädigen. Gehe dabei nach dieser Prioritätenliste vor:
Ein Garten ohne Blattläuse wäre ein biologisch toter Garten. Dein Ziel sollte ein dynamisches Gleichgewicht sein. Fördere die Biodiversität durch Strukturen wie Totholzhaufen oder Trockenmauern, in denen der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) tagsüber unterschlupf findet. Vermeide synthetische Pestizide konsequent. Auch biologische Mittel wie Neem oder Schmierseife unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind – sie töten auch die Larven der Marienkäfer.
Durch die Pflanzung von Arten wie Anis (Pimpinella anisum) oder anderen heimischen Wildkräutern stellst du sicher, dass die Elterngeneration deiner Nützlinge immer genug Nahrung findet, um rechtzeitig zur Stelle zu sein, wenn die Blattläuse im nächsten Juni wieder auftauchen.
Spritzen tötet auch Nützlinge wie Florfliegenlarven. Ohne Beute wandern Jäger ab, was zu einem noch stärkeren Sekundärbefall durch Blattläuse führt.
Stickstoffüberschuss lässt Pflanzengewebe weich werden. Blattläuse können diese schwachen Zellwände leichter durchstechen und sich schneller vermehren.
Ja, Ameisen verteidigen Blattläuse aktiv gegen Fressfeinde, um den Honigtau zu ernten. Ein Leimring kann diesen Schutz am Baum unterbrechen.
Die madenartigen Larven der Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) fressen während ihrer Entwicklung mehrere hundert Blattläuse.
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