Alpine und subalpine Ericoid-Heide (F2.2) – Lebensraum, Arten und Schutz
Die Alpine und subalpine Ericoid-Heide (EUNIS-Code F2.2) ist ein von Zwergsträuchern der Familie Ericaceae (z. B. Calluna vulgaris, Vaccinium-Arten) dominierter Lebensraum der Hochgebirge und arktisch-borealen Regionen Europas. Sie wächst auf sauren, flachgründigen Böden und gilt nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als ungefährdet (Least Concern).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Alpine and subalpine ericoid heath
- EUNIS
- F2.2 – Evergreen alpine and subalpine heath and scrub
- EU-28
- Least concern
- EU-28+
- Least concern
- FFH-Anhang I
- 4060; 4030 – Alpine and Boreal heaths; European dry heaths
Das Wichtigste in Kürze
Die Alpine und subalpine Ericoid-Heide (EUNIS F2.2) ist ein typischer Lebensraum der Hochgebirge und des hohen Nordens. Es handelt sich um niedrigwüchsige, oft polsterförmige Zwergstrauchgesellschaften, die vor allem von Arten der Heidekrautgewächse (Ericaceae) beherrscht werden. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft diesen Biotoptyp als Least Concern (ungefährdet) ein. FFH-rechtlich wird er unter anderem durch die Anhang-I-Codes 4060 (Alpine und boreale Heiden) und 4030 (Trockene europäische Heiden) erfasst. Der Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
Einführung: Was ist die Alpine und subalpine Ericoid-Heide?
Die Immergrüne alpine und subalpine Heide und Gebüsche (EUNIS-Code F2.2) umfassen natürliche und teils halbnatürliche Zwergstrauchbestände in den Hochlagen der europäischen Gebirge sowie in arktisch-borealen Regionen. Sie stocken überwiegend auf sauren, skelettreichen und flachgründigen Silikatböden, in Einzelfällen auch auf Kalkgestein, wenn eine dicke Rohhumusauflage die Basenwirkung des Untergrundes abpuffert. Die Bestände sind meist von einer einzigen Art dominiert und relativ artenarm.
Kennzeichnend ist das fast flächendeckende Vorkommen von Ericaceen und Empetraceen: Besenheide (Calluna vulgaris), Schwarze Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum), Gemsheide (Loiseleuria procumbens), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und an geschützten Standorten auch Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Je nach Schneebedeckung, Bodenmächtigkeit und Windeinwirkung gliedert sich der Lebensraum in zahlreiche Untertypen – von extrem windexponierten, kryophilen Gratheiden bis zu mesophilen, schneegeschützten Rhododendron-Beständen.
Die Vegetation wird pflanzensoziologisch hauptsächlich der Klasse Loiseleurio-Vaccinietea zugeordnet, ergänzt um azidophile Bestände der Klasse Calluno-Ulicetea in kühl-atlantischen Regionen und um Kalk-Zwergstrauchheiden des Verbandes Ericion carneae.
Typische Pflanzen und Artenvielfalt
Die alpine Ericoid-Heide beherbergt eine überschaubare, aber charakteristische Artengarnitur. Neben den genannten Zwergsträuchern treten regelmäßig Gräser, Kräuter und eine artenreiche Flechtenflora auf.
Gefäßpflanzen (Auswahl):
- Calluna vulgaris (Besenheide)
- Empetrum hermaphroditum (Schwarze Krähenbeere)
- Loiseleuria procumbens (Gemsheide)
- Vaccinium myrtillus (Heidelbeere)
- Vaccinium vitis-idaea (Preiselbeere)
- Rhododendron ferrugineum (Rostblättrige Alpenrose)
- Rhododendron hirsutum (Bewimperte Alpenrose)
- Rhododendron myrtifolium (Myrtenblättrige Alpenrose)
- Dryas octopetala (Weiße Silberwurz)
- Arctostaphylos uva-ursi (Echte Bärentraube)
- Juniperus sibirica (Zwerg-Wacholder)
- Avenella flexuosa (Draht-Schmiele)
- Nardus stricta (Borstgras)
- Antennaria dioica (Gewöhnliches Katzenpfötchen)
Moose und Flechten:
- Cetraria islandica (Isländisch Moos)
- Cladonia rangiferina (Rentierflechte)
- Cladonia arbuscula, C. coccifera, C. pyxidata
- Pleurozium schreberi (Rotstängelmoos)
- Hylocomium splendens (Etagenmoos)
- Polytrichum strictum (Steifes Widertonmoos)
Die Artenzusammensetzung variiert stark mit der Dauer der Schneebedeckung. Windgefegte Kuppen mit geringer Schneeauflage werden von Loiseleuria procumbens und Flechten dominiert, länger schneebedeckte Mulden von Heidelbeere und Alpenrosen.
Ökologische Bedeutung und Qualitätsmerkmale
Die alpine Ericoid-Heide erfüllt wichtige Funktionen: Sie schützt flachgründige Böden vor Erosion, speichert Kohlenstoff in der Rohhumusauflage und bietet Lebensraum für hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Gute Ausprägungen des Lebensraums zeichnen sich durch folgende Qualitätsindikatoren aus:
- Dichte, flächige Bestände der diagnostischen Ericaceen
- Fehlen oder nur sehr geringe Deckung von Bäumen und hohen Sträuchern
- Keine Hinweise auf Überweidung (keine Trittschäden, keine Eutrophierungszeiger)
- Hohe Deckung von Flechten der Gattungen Cladonia und Cetraria
- Abwesenheit nährstoffliebender Arten (z. B. Brennnessel, Löwenzahn)
Treten diese Merkmale auf, ist von einem intakten, natürlichen oder naturnahen Zustand auszugehen. Sekundäre, durch Rodung von Bergwäldern entstandene Heiden können ebenfalls wertvoll sein, wenn sie entsprechend artenarm bleiben und nicht verbuschen.
Gefährdung und Schutzstatus
Europäische Rote Liste
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (2022) führt die Alpine und subalpine Ericoid-Heide in der Kategorie Least Concern – sowohl für die EU-28 als auch für das erweiterte Beurteilungsgebiet (EU28+). Die Bestände gelten damit derzeit als nicht gefährdet, vor allem weil sie in den Hochgebirgen Europas noch großflächig und relativ stabil vorkommen.
FFH-Richtlinie (Anhang I)
Der Lebensraum wird gleich durch zwei FFH-Lebensraumtypen abgedeckt:
- 4060 Alpine und boreale Heiden – dieser Code erfasst den überwiegenden Teil der alpinen und subalpinen Ericoid-Bestände.
- 4030 Trockene europäische Heiden – er greift in einigen montanen und atlantisch geprägten Ausprägungen, wo Übergänge zu tiefer gelegenen Heiden bestehen.
Erhaltungszustand nach Artikel 17
Der Erhaltungszustand im Sinne der FFH-Berichterstattung ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Ein europaweit aggregierter Status liegt für diesen EUNIS-Code nicht vor.
Bedrohungen
Obwohl der Lebensraum insgesamt als ungefährdet gilt, bestehen lokale Gefährdungen durch:
- Überweidung: Vor allem in den südosteuropäischen Gebirgen kann zu hoher Weidedruck die Zwergstrauchbestände schädigen und durch Grasland ersetzen.
- Brand: Gezieltes Abbrennen zur Weideverbesserung zerstört die Ericaceen und begünstigt pyrophile Gräser.
- Klimawandel: Steigende Temperaturen verschieben die Wald- und Baumgrenze nach oben, wodurch die offenen Heiden langfristig von Gehölzen verdrängt werden können.
- Nährstoffeintrag: Stickstoffdeposition aus der Luft fördert konkurrenzstarke Grasarten und verdrängt die an nährstoffarme Bedingungen angepassten Zwergsträucher.
- Nutzungsänderungen: In sekundären Heiden kann die Aufgabe der traditionellen Beweidung zur Verbuschung führen; andernorts wird aufzuforsten versucht.
Vorkommen in Europa
Der Lebensraum ist in fast allen Hochgebirgen Eurasiens von der Balkanhalbinsel bis in die Arktis zu Hause. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen in:
- den Alpen (inkl. Voralpen und südliche Kalkalpen)
- den Pyrenäen
- den Karpaten (West- und Ostkarpaten)
- dem Apennin
- den Dinariden (Südosteuropa)
- den skandinavischen Gebirgen (insbesondere Fjellregionen)
- sowie im Balkan und teilweise im Kaukasus (außerhalb der EU).
Die jeweiligen Ausprägungen unterscheiden sich klimatisch: In den Alpen und Pyrenäen bestimmen große Schneemengen und warme Sommer das Wachstum, während in Skandinavien die langen Tageslängen des arktischen Sommers und geringere Schneehöhen ökologische Unterschiede bedingen.
Auf einen Blick: Steckbrief der alpinen Ericoid-Heide (F2.2)
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| EUNIS-Code | F2.2 |
| EUNIS-Name | Evergreen alpine and subalpine heath and scrub |
| Deutscher Name | Alpine und subalpine Ericoid-Heide (Zwergstrauchheide) |
| Rote-Liste-Kategorie EU | Least Concern (ungefährdet) – EU28 und EU28+ |
| FFH-Anhang I | 4060 (Alpine and Boreal heaths); 4030 (European dry heaths) |
| Charakterarten | Calluna vulgaris, Vaccinium myrtillus, Empetrum hermaphroditum, Loiseleuria procumbens u.v.a. |
| Hauptverbreitung | Hochgebirge Eurasiens (Alpen, Pyrenäen, Karpaten, Skandinavien, Balkan) |
| Typische Moose/Flechten | Cladonia rangiferina, Cetraria islandica, Hylocomium splendens |
| Gefährdungen | Überweidung, Brand, Nährstoffeintrag, Klimaerwärmung |
| Erhaltungszustand (Art. 17) | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
Was bedeutet das für Garten und Kommune?
Die alpine Ericoid-Heide lässt sich im Tieflandgarten nicht originalgetreu nachbilden – dafür sind die extremen Standortbedingungen (lange Schneebedeckung, kurze Vegetationsperiode, saure Rohhumusdecken) entscheidend. Wer den Charakter aufgreifen möchte, kann jedoch mit einer Moorbeet-Ecke oder einem Heidegarten auf saurem Substrat arbeiten. Pflanzen wie Heidelbeeren, Preiselbeeren, Krähenbeeren und Alpenrosen (Gartenformen) erinnern an die Vorbilder aus den Bergen. Wichtig ist die Verwendung torffreier, saurer Substrate und eine sonnige bis halbschattige Lage ohne Staunässe.
Kommunen können bei der naturnahen Gestaltung von Parks und Verkehrsinseln auf niedrige Zwergsträucher und Flechtenimitate zurückgreifen, um ein Stück alpiner Ästhetik zu vermitteln. Ein echter Ersatz für den natürlichen Lebensraum ist dies jedoch nicht – die Erhaltung der Gebirgsheiden bleibt eine Aufgabe des Flächenschutzes vor Ort.
Quellen
- EUNIS habitat classification – F2.2
- European Red List of Habitats – EEA
- EEA data share – Red List package
- EUNIS Red List Browser
- Article 17 Habitats Directive Database
- EU Habitats Directive information
Alle Angaben basieren auf dem EEA-erweiterten Datenpaket der Europäischen Roten Liste 2022. Sofern keine konkreten Werte für Artikel-17-Status, Länderlisten oder Gefährdungsfaktoren vorlagen, wurde dies entsprechend vermerkt.
Häufige Fragen
Was ist die Alpine und subalpine Ericoid-Heide (EUNIS F2.2)?
Die Alpine und subalpine Ericoid-Heide ist ein von niedrigen Zwergsträuchern – vor allem aus der Familie der Heidekrautgewächse – dominierter Lebensraum der Hochgebirge und der Arktis. Sie wächst auf sauren, flachgründigen Böden und wird nach EUNIS als 'Evergreen alpine and subalpine heath and scrub' (Code F2.2) geführt.
Welche Pflanzenarten sind typisch für diesen Lebensraum?
Typische Arten sind Besenheide (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Schwarze Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum), Gemsheide (Loiseleuria procumbens) und Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Hinzu kommen viele Flechten wie die Rentierflechte (Cladonia rangiferina) und Isländisch Moos (Cetraria islandica).
Wie ist der Gefährdungsstatus dieser Heide?
Nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (2022) wird die Alpine und subalpine Ericoid-Heide als 'Least Concern' (ungefährdet) eingestuft. Das bedeutet, dass die Bestände europaweit derzeit nicht als bedroht gelten. Der Erhaltungszustand nach FFH-Artikel 17 ist in den vorliegenden Quelldaten nicht ausgewiesen.
Wo in Europa kommt die alpine Ericoid-Heide vor?
Sie findet sich in fast allen europäischen Hochgebirgen, von den Pyrenäen über die Alpen, den Apennin, die Karpaten und die Dinariden bis nach Skandinavien. Auch auf dem Balkan und im Kaukasus außerhalb der EU sind solche Bestände verbreitet.
Warum ist diese Zwergstrauchheide ökologisch wichtig?
Die Heide schützt flachgründige Gebirgsböden vor Erosion, speichert Kohlenstoff in der Rohhumusdecke und bietet spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Intakte Bestände sind zudem Indikatoren für geringe Nährstoffeinträge und eine natürliche Dynamik oberhalb der Waldgrenze.