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EUNIS: D2.2Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 7150; 7140

Armmoor (Poor fen) – Lebensraumtyp EUNIS D2.2

Das Armmoor (Poor fen, EUNIS-Code D2.2) ist ein saures (pH 3–5), nährstoffarmes Moor, das von Seggen und Torfmoosen (Sphagnum) dominiert wird. Es bildet den Hauptübergang zwischen Schwingrasenmooren und Hochmooren. In der europäischen Roten Liste der Biotoptypen wird es als gefährdet (Vulnerable) eingestuft – in der erweiterten EU28+-Betrachtung dagegen als ungefährdet (Least Concern). Der Lebensraumtyp fällt unter die FFH-Richtlinie, namentlich unter die Typen 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoore) und 7150 (Torfmoos-Schlenken).

Einordnung

Originalbezeichnung
Poor fen
EUNIS
D2.2 – Poor fens and soft-water spring mires
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
7150; 7140 – Depressions on peat substrates of the Rhynchosporion; Transition mires and quaking bogs

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Armmoor (englisch Poor fen, EUNIS-Code D2.2) gehört zur Gruppe der sauren, minerotrophen Moore.
  • Es wird von Seggen und nährstoffarmen Torfmoosen (Sphagnum) beherrscht und besitzt einen pH-Wert zwischen 3 und 5.
  • Der Lebensraumtyp kommt auf kalkfreiem Untergrund vor, oft am Rand von Hochmooren (Lagg), an Gebirgsquellen oder in schwach minerotrophen Mulden.
  • In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen (EU28) ist das Armmoor als „Vulnerable“ (gefährdet) eingestuft. Für die EU28+-Region gilt es hingegen als „Least Concern“ (ungefährdet).
  • Der Biotoptyp wird durch die FFH-Lebensraumtypen 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoore) und 7150 (Torfmoos-Schlenken) geschützt.
  • Armmoore sind hydrologisch sehr empfindlich; ein ganzjährig hoher Grundwasserstand und ungestörte Wasserflüsse sind entscheidend für ihren guten Zustand.
  • Eine 1:1-Nachbildung im Garten ist nicht möglich, da die spezielle Hydrologie und Nährstoffsituation nicht reproduziert werden kann.

Was ist ein Armmoor? – EUNIS D2.2 und die europäische Typologie

Das Armmoor (Poor fen) ist ein weit verbreiteter, aber oft kleinflächiger Moortyp der temperaten und borealen Zone Europas. Der europäische Naturinformationssystem EUNIS fasst ihn unter dem Code D2.2 zusammen und bezeichnet ihn als „Poor fens and soft-water spring mires“ (Armmoore und Weichwasser-Quellmoore).

Im Unterschied zu Hochmooren (D1.1) , die ausschließlich von Regenwasser gespeist werden (ombrotroph), erhält das Armmoor geringe Mengen mineralstoffhaltigen Grund- oder Sickerwassers aus der Umgebung. Dieses Wasser stammt jedoch aus kalkarmen (silikatischen) Einzugsgebieten, sodass der pH-Wert im sauren Bereich (3–5) bleibt. In der Fachsprache spricht man von einem minerotrophen, aber nährstoffarmen Moor – daher der englische Name „Poor fen“.

Typische Wuchsorte sind:

  • der Randbereich (Lagg) von Hochmooren,
  • Quellmulden in silikatischen Mittelgebirgen und in der borealen Zone,
  • feuchte Senken in nährstoffarmen Wald- und Grünlandkomplexen,
  • schwach durchströmte Becken mit diffusem Wasserzutritt.

Armmoore bilden den Hauptübergangstyp zwischen den Schwingrasenmooren (D2.3a) und den Hochmooren (D1.1) . Sie weisen keine ausgeprägten Bult-Schlenken-Muster auf, wie sie für Aapamoore (D3.2) charakteristisch sind. Die Wasserbewegung erfolgt meist diffus und flächig, manchmal auch in eine Hangrichtung, aber ohne die regelmäßigen Strangmuster.

Typische Pflanzen und Artenvielfalt

Die Vegetation eines intakten Armmoors besteht aus einer dichten Moosdecke und einem hohen Anteil an Seggen (Carex-Arten). Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der charakteristischen Arten, wie sie in den EUNIS-Unterlagen aufgeführt sind.

PflanzengruppeCharakteristische Arten (Auswahl)
GefäßpflanzenAndromeda polifolia (Rosmarinheide), Betula nana (Zwerg-Birke), Carex canescens (Grau-Segge), Carex lasiocarpa (Faden-Segge), Carex rostrata (Schnabel-Segge), Dactylorhiza maculata (Geflecktes Knabenkraut), Drosera rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau), Eriophorum angustifolium (Schmalblättriges Wollgras), Eriophorum vaginatum (Scheiden-Wollgras), Trichophorum cespitosum (Rasenbinse), Vaccinium oxycoccos (Gewöhnliche Moosbeere)
TorfmooseSphagnum angustifolium, Sphagnum fallax, Sphagnum flexuosum, Sphagnum magellanicum, Sphagnum papillosum, Sphagnum fuscum (auf Bulten), Sphagnum obtusum (bei etwas höherem Mineralstoffeinfluss)
Andere MooseStraminergon stramineum, Polytrichum commune (Goldenes Frauenhaar), Warnstorfia fluitans, Aulacomnium palustre

Neben den Torfmoosen und Seggen kommen häufig auch typische Hochmoorarten wie die Rosmarinheide oder die Moosbeere vor – ein Beleg für die enge Verwandtschaft zu den Hochmooren. Dort, wo der mineralische Einfluss etwas stärker ist, tauchen auch anspruchsvollere Braunmoose auf (z. B. Sphagnum teres).

Für den guten ökologischen Zustand sind zwei Dinge entscheidend:

  1. Ein ganzjährig hoher Moorwasserstand, auch im Sommer.
  2. Eine durchgehende Moosschicht, die den Torfboden vor Austrocknung schützt.

Die Artenvielfalt eines Armmoors ist etwas höher als die eines Hochmoors (weil etwas mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen), bleibt jedoch deutlich hinter der eines Kalkzwischenmoors zurück. Bäume wie die Moor-Birke (Betula pubescens) oder vereinzelt aufrechte, oft kümmerwüchsige Kiefern (Pinus sylvestris) kommen vor allem auf trockeneren Bulten und am Moorrand vor.

Hydrologie und Qualitätsmerkmale

Die Hydrologie ist der Schlüssel zum Verständnis des Armmoors. Die Wasserzufuhr erfolgt über diffuse, oberflächennahe Fließwege aus dem oberen Einzugsgebiet. Gräben, die diesen natürlichen Zufluss unterbrechen oder das Moor entwässern, sind das gravierendste Zeichen einer Störung. In den Quelldaten werden folgende Indikatoren für einen guten Zustand genannt:

  • Hoher Wasserstand auch in Trockenperioden,
  • geschlossene, artenreiche Moosteppiche mit reichlich Seggen,
  • keine Entwässerungsgräben, die den Wasserzutritt vom Einzugsgebiet zum Moor kappen,
  • Gehölzaufwuchs nur vereinzelt auf Bulten oder am Moorrand.

Unter diesen Bedingungen bleibt die Torfbildung erhalten und der Lebensraum kann seine Funktion als Kohlenstoffspeicher sowie als Lebensraum für hoch spezialisierte Arten erfüllen.

Gefährdung und Rote-Liste-Status

Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen (European Red List of Habitats) bewertet den Gefährdungsgrad von Lebensräumen nach einheitlichen Kriterien. Für das Armmoor (D2.2) liegen zwei räumliche Bewertungen vor:

BewertungsebeneRote-Liste-KategorieBedeutung
EU28 (ehemalige EU mit 28 Mitgliedstaaten)Vulnerable (VU) – gefährdetDas Armmoor ist in der EU28 akut bedroht, vor allem durch Flächenverluste und hydrologische Schädigungen.
EU28+ (erweiterte Europäische Union)Least Concern (LC) – ungefährdetUnter Einbeziehung zusätzlicher skandinavischer und baltischer Vorkommen sinkt der Gefährdungsgrad auf „nicht gefährdet“, weil dort noch größere, intakte Moorflächen existieren.

Die genauen Kriterien (z. B. A–E), die zur Einstufung „Vulnerable“ geführt haben, sind in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt.

Konkrete Bedrohungen werden im verwendeten Datensatz der EUNIS-Klassifikation und der Roten Liste nicht einzeln genannt. Aus dem allgemeinen Wissen über saure Moortypen lässt sich jedoch ableiten, dass die Hauptgefahren in Entwässerung für Land- und Forstwirtschaft, Torfabbau, Nährstoffeinträgen aus der Luft sowie in der Zerschneidung durch Infrastruktur liegen. Da die Daten dies nicht explizit aufführen, wird auf spekulative Aussagen verzichtet.

FFH-Schutzstatus: Annex I der Habitatrichtlinie

Das Armmoor selbst ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp. Es ist jedoch in zwei Anhang-I-Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) enthalten:

  • 7140 – Übergangs- und Schwingrasenmoore (Transition mires and quaking bogs)
  • 7150 – Torfmoos-Schlenken (Rhynchosporion) (Depressions on peat substrates of the Rhynchosporion)

Das bedeutet: Flächen, die dem Biotoptyp D2.2 entsprechen, können – je nach lokaler Ausprägung – als FFH-Lebensraumtyp 7140 oder 7150 geschützt sein. Damit unterliegt das Armmoor den Verpflichtungen der Mitgliedstaaten, einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen.

Ein eigenständiger Bericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie existiert für den EUNIS-Typ D2.2 nicht; die Erhaltungszustände werden für die genannten Annex-I-Typen separat auf biogeografischer Ebene bewertet. Daher ist der Artikel-17-Erhaltungszustand für das Armmoor als solches „in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben“.

Wiederherstellung und Management

Spezifische Wiederherstellungs- oder Managementhinweise sind im ausgewerteten Datenbestand der europäischen Roten Liste und der EUNIS-Datenbank nicht enthalten. Aus der Fachliteratur ist jedoch bekannt, dass die Renaturierung saurer Armmoore in der Regel folgende Maßnahmen erfordert:

  • Schließen oder Anstauen von Entwässerungsgräben,
  • Wiederherstellung des natürlichen Wasserzulaufs aus dem oberen Einzugsgebiet,
  • gegebenenfalls Entfernung von Gehölzaufwuchs, der infolge von Austrocknung aufgekommen ist. Diese Maßnahmen müssen stets standortspezifisch geplant werden; allgemeingültige Rezepte gibt es nicht. Da die Quelle hierzu keine Angaben macht, wird auf weiterführende Literatur und die nationalen Moorschutzprogramme verwiesen.

Garten- und Kommunenbezug

Die einzigartige Standortkombination – ganzjährig hoher Grundwasserstand, extrem nährstoffarmes, saures Milieu und ein spezielles Mikroklima – lässt sich in einem Hausgarten nicht 1:1 nachbilden. Auch wenn einzelne typische Arten wie das Scheiden-Wollgras oder die Moosbeere in ausreichend feuchten und sauren Gartenmooren kultiviert werden können, entsteht dadurch kein echtes Armmoor, sondern allenfalls ein gärtnerisch angelegtes Hochmoorbeet.

Für Kommunen und Planer ist das Armmoor jedoch relevant, wenn es um die Eingriffsbewertung und Ausgleichsmaßnahmen geht. Kleine Restflächen dieses EU-weit geschützten Lebensraums können bei Bauvorhaben schnell übersehen werden. Ihre Erkennung setzt eine genaue vegetationskundliche Ansprache vor allem der Torfmoose und Seggen voraus. Schutz- und Pflegemaßnahmen müssen stets den gesamten Wasserhaushalt des Einzugsgebiets berücksichtigen – ein Umstand, der bei städtischen Bebauungsplänen oft vernachlässigt wird.

Häufige Fragen

Was genau ist ein Armmoor (Poor fen)?

Ein Armmoor ist ein saures (pH 3–5), minerotrophisches Moor, das von Seggen und nährstoffarmen Torfmoosen dominiert wird. Es erhält geringe Mengen mineralhaltigen Wassers aus kalkarmem Untergrund und bildet den Übergang zwischen Hochmooren und nährstoffreicheren Niedermooren. In der EUNIS-Typologie wird es als D2.2 geführt.

Ist das Armmoor in der FFH-Richtlinie geschützt?

Ja, das Armmoor fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoore) und 7150 (Torfmoos-Schlenken). Es ist daher auf europäischer Ebene geschützt, auch wenn es keinen eigenen Annex-I-Code besitzt.

Welche Torfmoose sind typisch für ein Armmoor?

Charakteristisch sind unter anderem Sphagnum angustifolium, Sphagnum fallax, Sphagnum flexuosum, Sphagnum magellanicum und Sphagnum papillosum. Auf trockeneren Bulten kann auch Sphagnum fuscum vorkommen.

Wie gefährdet ist das Armmoor in Europa?

In der europäischen Roten Liste der Biotoptypen (EU28) wird das Armmoor als „Vulnerable“ (gefährdet) eingestuft. In der erweiterten EU28+-Bewertung gilt es als „Least Concern“ (ungefährdet), weil in Nord- und Osteuropa noch größere intakte Bestände existieren.

Kann man ein Armmoor im eigenen Garten anlegen?

Nein, ein echtes Armmoor mit seinem speziellen Wasserhaushalt und der charakteristischen Artenkombination lässt sich im Garten nicht nachbilden. Feuchte, saure Pflanzbeete mit Hochmoorpflanzen können zwar einzelne Arten beherbergen, stellen aber keinen natürlichen Lebensraum dar.

Quellen