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EUNIS: MC126Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 8330

Lebensgemeinschaften atlantischer zirkalitoraler Höhlen und Überhänge (MC126)

Der Biotoptyp MC126 (Communities of Atlantic circalittoral caves and overhangs) wird im EUNIS-System den marinen Lebensräumen zugeordnet. Er ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 8330 (Unterwasserhöhlen) und in der europäischen Roten Liste der Lebensräume als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) eingestuft. Die Vorkommen liegen in der biogeografischen Region NEA (Nordostatlantik). Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den Quelldaten nicht angegeben.

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities of Atlantic circalittoral caves and overhangs
EUNIS
MC126
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
8330 – Submerged or partially submerged sea caves

Das Wichtigste in Kürze

Der Lebensraumtyp „Communities of Atlantic circalittoral caves and overhangs” (EUNIS-Code MC126) beschreibt die Lebensgemeinschaften in Höhlen und überhängenden Felswänden des zirkalitoralen Bereichs (Wassertiefen etwa 20–200 Meter) im Atlantik. Solche Strukturen bieten extremen Lichtgradienten, eingeschränkten Wasseraustausch und eine hohe morphologische Vielfalt. Die Folge ist eine charakteristische Zonierung mit lichtliebenden, halbdunkel- und völlig dunkelbewohnenden Artengemeinschaften. Wegen der schweren Erreichbarkeit und geringen Erforschung ist die Datengrundlage für diesen Typ noch lückenhaft – die europäische Rote Liste stuft ihn als „Data Deficient“ ein.

  • EUNIS-Code: MC126
  • FFH-Anhang I: 8330 (Submerged or partially submerged sea caves) – der MC126-Typ ist ein Teil dieses weiter gefassten Lebensraums
  • Rote Liste Europa: Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
  • Biogeografische Region: NEA (Marine North East Atlantic)
  • Erhaltungszustand (Art. 17 FFH-RL): in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

EUNIS-Einordnung und FFH-Bezug

In der EUNIS-Habitatklassifikation wird MC126 dem Bereich „Circalittoral rock and other hard substrata“ zugeordnet. Der Code steht spezifisch für die atlantischen Höhlen- und Überhanggemeinschaften und grenzt sie von ähnlichen Beständen des Mittelmeers ab. Die FFH-Richtlinie führt diesen Höhlentyp nicht einzeln, sondern subsumiert ihn unter Annex-I-Code 8330 („Submerged or partially submerged sea caves“). Die EU-Mitgliedstaaten müssen für 8330 einen günstigen Erhaltungszustand anstreben – der Beitrag der atlantischen Zirkalitoralhöhlen kann aber aufgrund der regionalen Datenlücken derzeit nicht sicher bewertet werden.

Rote Liste: Data Deficient

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (Bewertung 2022 für EU28 und EU28+) weist den Typ MC126 als „Data Deficient“ aus. Das bedeutet, dass weder eine Einstufung als gefährdet noch als ungefährdet möglich ist, weil zu wenige quantitative Informationen über Verbreitung, Fläche, Qualität und Bedrohungen vorliegen. Ursache ist vor allem die schwierige Zugänglichkeit der tiefen Höhlen, aber auch die unzureichende Erforschung in weiten Teilen des Atlantiks.

Lebensraum und Zonierung

Höhlen und Überhänge im zirkalitoralen Felsgrund sind durch einen steilen Gradienten der Lichtverfügbarkeit und des Wasseraustauschs geprägt. Entlang der Längsachse – vom Eingang bis in die innersten Bereiche – bilden sich charakteristische Zonen aus:

  1. Eingangszone: Von schattenliebenden (sciaphilen) Algen dominierte Gemeinschaft. Hier ist noch ausreichend Restlicht vorhanden, um benthische Makroalgen zu ermöglichen.
  2. Halbdunkle Zone: Mit dem Abnehmen der Algen übernehmen festsitzende, filtrierende Wirbellose (vor allem Schwämme und Blumentiere) die Dominanz. Diese Zone weist oft die höchste Biomasse und dreidimensionale Strukturkomplexität auf.
  3. Dunkle Zone: Sehr spärlich besiedelt von Schwämmen, Serpuliden (Kalkröhrenwürmern), Moostierchen und Armfüßern. Die biologische Deckung, Artenzahl und Biomasse nehmen drastisch ab; das Gestein zeigt häufig einen schwarzen Belag aus Mangan-Eisen-Oxiden.

Gelegentlich können weitere Übergangszonen oder eine völlig unbelebte (azoische) Zone am aphotischen Höhlenende auftreten. Die genauen Grenzen variieren je nach Höhlenmorphologie und Tiefenlage.

Charakteristische Arten und ihre Verteilung

Hinweis: Die detailliertesten Artenlisten stammen aus dem nordwestlichen Mittelmeer. Weil die atlantischen Vorkommen weniger erforscht sind, muss die Artzusammensetzung für den NEA-Raum teilweise aus Analogieschlüssen abgeleitet werden. In der folgenden Übersicht sind die aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten typischen Organismen aufgeführt, differenziert nach Lichthaushalt.

Halbdunkle Zone (Semi-dark caves)

  • Schwämme (Porifera): Agelas oroides, Petrosia ficiformis, Spirastrella cunctatrix, Chondrosia reniformis, Phorbas tenacior, Axinella damicornis, Aplysina cavernicola, Oscarella spp., Plakina spp.
  • Blumentiere (Anthozoa): Steinkorallen wie Leptopsammia pruvoti, Madracis pharensis, Hoplangia durotrix, Polycyathus muellerae, Caryophyllia inornata; die Edelkoralle Corallium rubrum und die Krustenanemone Parazoanthus axinellae können eigene Fazies bilden.
  • Moostierchen (Bryozoa): Aufrechte, buschige Formen, z. B. Adeonella spp. und Reteporella spp.

Dunkle Zone (Dark caves)

  • Schwämme: Petrobiona massiliana, Diplastrella bistellata, Penares euastrum, Penares helleri, Jaspis johnstoni, Haliclona mucosa
  • Kalkröhrenwürmer (Serpulidae): Protula spp., die dichte Aggregate bilden und damit zur Entstehung biogener „Biostalaktiten“ beitragen können.
  • Moostierchen und Armfüßer: Krustenbildende Bryozoen wie Onychocella marioni sowie Brachiopoden Joania cordata, Argyrotheca cuneata und Novocrania anomala
  • Weitere Begleiter: Leuchtgarnelen Hemimysis margalefi und H. speluncola, Zehnfußkrebse Stenopus spinosus, Palinurus elephas, Plesionika narval, die Bohrmuschel Lithophaga lithophaga sowie Fische wie Apogon imberbis und Grammonus ater

Qualitätsindikatoren für den Erhaltungszustand

Wegen der hohen Individualität jeder Höhle und des noch lückenhaften Prozessverständnisses ist die ökologische Bewertung anspruchsvoll. Dennoch wurden in den letzten Jahren erste Indikatoren vorgeschlagen, an denen sich eine gute Ausprägung des Lebensraums erkennen lässt:

  • Vorkommen von wirbellosen Arten, die dem Substrat dreidimensionale Komplexität verleihen, insbesondere langsam wachsende, empfindliche Organismen (z. B. Rote Koralle, aufrechte Bryozoen)
  • Hohe Deckung durch Suspensionsfresser (z. B. Anthozoen) und große Filtrierer (massige Schwämme)
  • Auftreten großer Mysiden-Schwärme
  • Präsenz verschiedener omnivorer und karnivorer mobiler Arten (Fische, Zehnfußkrebse)

Diese Kriterien können helfen, den Zustand einer Höhle im Monitoring zu beurteilen. Für den atlantischen Raum sind sie jedoch nicht formal validiert.

Zusammenfassende Tabelle

MerkmalEintrag
EUNIS-CodeMC126
EUNIS-BezeichnungCommunities of Atlantic circalittoral caves and overhangs
FFH-Anhang I8330 – Submerged or partially submerged sea caves
Rote-Liste-Kategorie (EU28/EU28+)Data Deficient
Biogeografische Region(en)NEA (Marine North East Atlantic)
Erhaltungszustand Art. 17in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Wesentliche ZonenEingangszone (Algen), Halbdunkelzone (Schwämme/Anthozoen), Dunkelzone (spärlich besiedelt)
Qualitätsindikatorenfragile strukturgebende Arten, hohe Deckung von Filtrierern, Mysidenschwärme, mobile Räuber

Schutz und Bedeutung für den Menschen

Dieser Lebensraum ist Teil des europäischen Naturerbes und trägt zur marinen Artenvielfalt bei – viele der genannten Arten sind auf dem Meeresboden selten oder kommen nur in Höhlen vor. Da es sich um schwer zugängliche Unterwasserstrukturen handelt, ist ein direkter Garten- oder Kommunenbezug nicht gegeben. Indirekt können Kommunen durch den Schutz der Wasserqualität und die Regulierung von Tauchaktivitäten dazu beitragen, die sensiblen Höhlengemeinschaften zu erhalten. Private Gärten oder künstliche Teiche können derartige Zonierungen nicht nachbilden; für die Naturbildung können jedoch Ausstellungen oder Schautafeln zu marinen Höhlensystemen genutzt werden.

FAQ

Was bedeutet der EUNIS-Code MC126?

MC126 kennzeichnet im europäischen Habitatklassifikationssystem EUNIS die Lebensgemeinschaften atlantischer zirkalitoraler Höhlen und überhängender Felswände. Es handelt sich um einen marinen Biotoptyp der Hartböden.

Ist der Biotoptyp MC126 gesetzlich geschützt?

Indirekt ja. MC126 fällt unter den FFH-Lebensraumtyp 8330 („Unterwasserhöhlen“), der in Anhang I der FFH-Richtlinie gelistet ist. Die Mitgliedstaaten müssen für diesen übergeordneten Typ einen günstigen Erhaltungszustand bewahren.

Warum ist die Rote Liste für MC126 mit „Data Deficient“ eingestuft?

Es fehlen ausreichende Daten zu Verbreitung, Flächengröße, Qualität und Bedrohungen im gesamten Bewertungsgebiet. Vor allem die schwierige Erreichbarkeit tief gelegener Höhlen und die geringe Erforschung weiter Teile des Atlantiks erschweren eine Gefährdungsanalyse.

Welche Zonen sind für Zirkalitoralhöhlen typisch?

Typisch sind drei Hauptzonen: die eingangsnahe Algenzone, die halbdunkle Zone mit Schwämmen und Anthozoen sowie die weitgehend unbeleuchtete, sehr spärlich besiedelte Dunkelzone. Übergänge und eine azoische Zone können auftreten.

Kommen solche Höhlengemeinschaften auch in Nord- und Ostsee vor?

Die biogeografische Region NEA umfasst den Nordostatlantik, also auch Teilbereiche der Nordsee. Ob MC126 in der Ostsee vorkommt, ist aufgrund fehlender Daten nicht dokumentiert. Der Biotoptyp ist jedoch typisch für den atlantischen Zirkalitoralbereich und möglicherweise auf Regionen mit geeigneten Felsstrukturen beschränkt.

Quellen

Quellen