Zum Hauptinhalt springen
EUNIS: MC611; MC621Europäische Rote Liste: EndangeredFFH-Anhang I: 1160

Feinschlammböden im oberen Zirkalitoral des Nordostatlantiks: EUNIS MC611 / MC621

Atlantic upper circalittoral fine mud (EUNIS MC611, MC621) ist ein mariner Lebensraum aus Feinschlammböden unterhalb der Lichtzone in 20–50 Metern Tiefe. Die Fauna wird von Muscheln und Borstenwürmern dominiert. Die Europäische Rote Liste stuft den Biotop als „Endangered“ (stark gefährdet) ein.

Einordnung

Originalbezeichnung
Atlantic upper circalittoral fine mud
EUNIS
MC611; MC621
EU-28
Endangered
EU-28+
Endangered
FFH-Anhang I
1160 – Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensraumtyp: Feinschlammböden des oberen Zirkalitorals im Nordostatlantik (Atlantic upper circalittoral fine mud).
  • EUNIS-Codes: MC611 und MC621 (keine zusätzlichen deutschen Namen in der Datenbank).
  • Lage: Unterhalb der euphotischen (lichtdurchfluteten) Zone, in Wassertiefen zwischen rund 20 und 50 Metern.
  • Charakteristische Tierwelt: Bivalvia (Muscheln) und Polychaeta (Borstenwürmer) beherrschen die Bodengemeinschaft.
  • Gefährdung (Rote Liste): „Endangered“ (stark gefährdet) – sowohl im EU28- als auch im erweiterten EU28+-Bewertungsrahmen.
  • FFH-Bezug: Der Lebensraum ist mit FFH-Anhang-I-Code 1160 („Large shallow inlets and bays“) verknüpft, aber keine direkte 1:1-Entsprechung.
  • Erhaltungszustand nach Artikel 17: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
  • Biogeografische Region: NEA (North East Atlantic); konkrete Länder sind in den Quelldaten nicht aufgelistet.

Ein Lebensraum, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber zentrale ökologische Funktionen im Meer erfüllt. Dieser Artikel erklärt, was diesen Biotoptyp ausmacht, wie er klassifiziert ist und warum sein Schutz bedeutsam ist.

Was ist der Lebensraumtyp „Atlantic upper circalittoral fine mud“?

Der Begriff beschreibt einen Meeresboden-Lebensraum, der von feinkörnigen, weichen Sedimenten – vor allem Schluff und Ton („fine mud“) – geprägt ist. Er liegt im sogenannten oberen Zirkalitoral (upper circalittoral). Das ist der Bereich des Kontinentalschelfs, der unterhalb der Zone liegt, in der noch genügend Licht für benthische (am Boden lebende) Algen vorhanden ist. Konkret befindet sich der Biotop in Tiefen von etwa 20 bis 50 Metern.

Die physikalischen Bedingungen sind relativ stabil: geringe Lichtmengen, eher ruhige Wasserbewegung und eine feinkörnige Sedimentmatrix, die organisches Material speichert. Das schafft einen Lebensraum für eine artenreiche, aber oft versteckt lebende Fauna im Schlamm. Anders als Felsriffe oder Seegraswiesen ist dieser Lebensraum wenig spektakulär – er ist aber ein Hotspot für grabende Organismen und eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und andere Meerestiere.

Anders als bei terrestrischen Biotopen ist eine unmittelbare Übertragung auf Gärten oder kommunale Grünflächen nicht möglich. Der Lebensraum existiert ausschließlich in der marinen Umwelt. Bürger können ihn nur indirekt durch Meeresschutz, nachhaltige Fischerei und den Erhalt der Wasserqualität in Küstenregionen unterstützen.

EUNIS-Codes: MC611 und MC621

Das Europäische Naturinformationssystem EUNIS (European Nature Information System) teilt den Lebensraum mit zwei Codes ab:

  • MC611 wird mit dem Qualifier „≈“ (ungefähr) dem beschriebenen Lebensraum zugeordnet.
  • MC621 erhält den Qualifier „<“ (enger gefasst / untergeordnet).

Diese Doppelzuordnung zeigt, dass der Lebensraum innerhalb der EUNIS-Meeresklassifikation feiner unterteilt ist, aber für die europäische Rote-Liste-Bewertung als zusammenhängende Einheit betrachtet wurde. Eigene EUNIS-Namen sind für diese Codes in den verwendeten Daten nicht hinterlegt – die Beschreibung stützt sich auf die Rote-Liste-Einheit.

Für Naturinteressierte und Küstengemeinden heißt das: Wenn lokale Kartierungen oder Umweltverträglichkeitsprüfungen diese EUNIS-Codes ausweisen, ist der gefährdete Feinschlamm-Lebensraum betroffen.

Europäische Rote Liste: Gefährdungsstatus „Endangered“

Im Rahmen der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+) wurde der „Atlantic upper circalittoral fine mud“ als Endangered (stark gefährdet) eingestuft. Das bedeutet, dass der Lebensraum in seinem Bestand oder seiner Funktion erheblich gefährdet ist und ohne Schutzmaßnahmen ein hohes Risiko des weiteren Verlusts besteht.

Die Bewertung basiert auf Kriterien, die für marine Lebensräume entwickelt wurden. Sie berücksichtigt unter anderem die Seltenheit, den Rückgang der Fläche und die Verschlechterung der Qualität. Leider enthält der zugrunde liegende Datensatz keine detaillierte Aufschlüsselung der Gefährdungskriterien (wie A1, B2 usw.) und auch keine explizite Liste der Bedrohungen.

Trotzdem signalisiert die Einstufung „Endangered“ Handlungsbedarf: Der Lebensraum ist Teil des natürlichen Erbes der europäischen Meere und bedarf aktiver Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen.

Bezug zu FFH und Anhang I: 1160 Große flache Buchten und Meeresarme

Der Atlantische obere zirkalitorale Feinschlamm ist nicht als eigener FFH-Lebensraumtyp gelistet, steht aber in einem wichtigen Zusammenhang mit dem Schutzregime der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.

  • Der FFH-Anhang-I-Code 1160 („Large shallow inlets and bays“ – Große flache Buchten und Meeresarme) schließt häufig Flächen ein, in denen diese Feinschlammböden vorkommen.
  • In den Quelldaten ist die Verknüpfung mit dem Qualifier „#“ gekennzeichnet, was in der Regel eine unscharfe oder hierarchische Überlappung bedeutet. Konkret: Einige der unter Anhang I geschützten „Large shallow inlets and bays“ können Feinschlammböden dieses Typs enthalten.
  • Da die Meldungen zu Artikel 17 der Habitatrichtlinie lebensraumtypspezifisch erfolgen, gibt es keinen eigenen Erhaltungszustandsbericht für diesen Biotop. Möglicherweise wird sein Zustand nur indirekt über FFH-1160-Monitoring miterfasst.

Für Natura-2000-Gebiete und Meeresschutzplanungen bedeutet das: Wenn in einer großen flachen Bucht Feinschlamm kartiert wird, sollte dieser als gefährdeter Bestandteil des geschützten Lebensraumkomplexes besonders beachtet werden.

Charakteristische Arten

Die Lebewelt wird von wirbellosen Tieren bestimmt, die im Schlamm graben, filtrieren oder Sediment fressen. Die Rote-Liste-Beschreibung nennt exemplarisch fünf charakteristische Arten:

Wissenschaftlicher NameDeutsche Bezeichnung (falls etabliert)Ökologische Rolle
Mya arenariaSandklaffmuschelFiltrierer, wichtiger Biomasseanteil
Spisula subtruncataGroße PfeffermuschelFiltrierer, bindet Schwebstoffe
Melinna palmata– (Borstenwurm)Detritusfresser, Sedimentumwälzer
Heteromastus filiformis– (Borstenwurm)Ablagerungsfresser, tief grabend
Aricidea claudiae– (Borstenwurm)Kleiner Polychaet, Teil der Infauna

Die Arten entstammen der offiziellen Roten-Liste-Auflistung. Sie dienen als Leitarten, die bei guter Ausbildung des Lebensraums in stabilem Bestand vorkommen. Einige fehlen oder gehen zurück, wenn das Sediment gestört wird oder die Wasserqualität leidet.

Qualitätsindikatoren: Die Datenlage benennt keine EU-weit standardisierten Indikatoren. In lokalen Natura-2000-Managementplänen können jedoch standortspezifisch Referenzwerte für Artenzahlen, Sedimentchemie oder benthische Indexwerte festgelegt sein.

Ökologische Bedeutung und Artenvielfalt

Auch wenn die unmittelbare Artenzahl auf den ersten Blick gering erscheint, erfüllt das Feinschlammbiotop mehrere wichtige Ökosystemfunktionen:

  • Nahrungsnetz: Die grabenden Muscheln und Würmer sind Nahrung für Plattfische, Krebse und Seevögel.
  • Stoffkreisläufe: Durch die Bioturbation (Durchmischung des Sediments) wird organisches Material remineralisiert und Nährstoffe in die Wassersäule zurückgeführt.
  • Kohlenstoffspeicher: Feinkörnige marine Sedimente können langfristig Kohlenstoff binden und so zur Klimaregulation beitragen.

Die mikrobielle Aktivität in solchen Schlämmen ist hoch, und die Lebensgemeinschaft ist an nährstoffreiche, sauerstoffarme Bedingungen angepasst. Störungen wie Grundschleppnetzfischerei oder Nährstoffüberlastung können diese sensitiven Systeme rasch degradieren.

Gefährdung und Schutz

Konkrete Bedrohungen sind in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt. Aus fachlicher Sicht gelten jedoch für ähnliche marine Schlammbiotope folgende Risiken als typisch:

  • Bodenschleppnetzfischerei, die die Sedimentschichten zerstört.
  • Eutrophierung (Nährstoffeinträge) und daraus folgende Sauerstoffarmut.
  • Änderungen der Sedimentdynamik durch Küstenbauwerke oder Baggerarbeiten.

Mangels spezifischer Gefährdungslisten muss für dieses Habitat die allgemeine marine Naturschutzpraxis gelten. Die Einstufung als „Endangered“ macht klar, dass der Erhaltungszustand besorgniserregend ist.

Schutzinstrumente:

  • Die Überlappung mit FFH-Lebensraumtyp 1160 bietet einen rechtlichen Hebel, wenn der Lebensraum in ausgewiesenen Natura-2000-Gebieten vorkommt.
  • Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL): Ein guter Umweltzustand der Meeresgewässer schließt den Schutz von benthischen Lebensräumen ein.
  • Fischereimanagement: Beschränkungen für grundberührende Fanggeräte in sensiblen Zonen können helfen.

Leider enthalten die Quelldaten keine Wiederherstellungsnotizen. Fachlich sinnvoll wären passive Maßnahmen (Ausschluss von Störungen) und aktive Sedimentrestauration, soweit technisch umsetzbar.

Kurz eingeordnet: Was bedeuten diese Lebensräume für Bürger und Küstengemeinden?

  • Gartenbesitzer können diesen Lebensraum nicht nachbilden. Er existiert nur unter Wasser. Indirekt hilft jedoch jeder Beitrag zum Gewässerschutz (z. B. sparsamer Düngereinsatz, Vermeidung von Schadstoffeinträgen) der marinen Biodiversität.
  • Küstengemeinden sind aufgefordert, bei Planungen die Meeresbodenkartierung ernst zu nehmen. Wird dieser gefährdete Biotop in einem Hafenausbau- oder Küstenschutzvorhaben festgestellt, sollte eine Umweltverträglichkeitsprüfung die Empfindlichkeit berücksichtigen.
  • Bürger können durch bewussten Fischkonsum (MSC-Siegel, Vermeidung von Grundschleppnetzware) helfen, den Druck auf die Meeresböden zu mindern.

Die Verantwortung für diesen unauffälligen, aber hochgradig gefährdeten Lebensraum ist eine gemeinsame Aufgabe von Meeresschutz, Fischerei und kommunaler Planung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das obere Zirkalitoral?

Das obere Zirkalitoral ist ein Tiefenbereich im Meer unterhalb der euphotischen Zone, in dem am Boden lebende Algen aufgrund Lichtmangels kaum noch wachsen. Es beginnt je nach Wassertrübung etwa zwischen 20 und 30 Metern Tiefe.

Welche Tiere leben im atlantischen Feinschlamm dieser Zone?

Nach den vorliegenden Daten sind folgende Arten charakteristisch: die Sandklaffmuschel Mya arenaria, die Große Pfeffermuschel Spisula subtruncata sowie die Borstenwürmer Melinna palmata, Heteromastus filiformis und Aricidea claudiae.

Warum ist der Lebensraum gefährdet?

Die Europäische Rote Liste stuft ihn als „Endangered“ ein. Die genauen Bedrohungen sind in den Quelldaten nicht aufgeschlüsselt, aber vergleichbare marine Schlammbiotope leiden unter Grundschleppnetzfischerei, Eutrophierung und Sedimentumlagerungen.

Gehört dieser Biotop zu Natura 2000?

Nicht als eigener Typ, aber er ist mit dem FFH-Lebensraumtyp 1160 („Large shallow inlets and bays“) verknüpft. In entsprechenden Natura-2000-Gebieten kann er daher mitgeschützt sein.

Gibt es einen Erhaltungszustand nach Artikel 17?

In den verwendeten Quelldaten ist kein konkreter Erhaltungszustand hinterlegt. Ein Monitoring erfolgt gegebenenfalls nur indirekt über den übergeordneten FFH-Lebensraumtyp 1160.

Häufige Fragen

Was ist das obere Zirkalitoral?

Das obere Zirkalitoral ist ein Tiefenbereich im Meer unterhalb der euphotischen Zone, in dem am Boden lebende Algen aufgrund Lichtmangels kaum noch wachsen. Es beginnt je nach Wassertrübung etwa zwischen 20 und 30 Metern Tiefe.

Welche Tiere leben im atlantischen Feinschlamm dieser Zone?

Nach den vorliegenden Daten sind folgende Arten charakteristisch: die Sandklaffmuschel Mya arenaria, die Große Pfeffermuschel Spisula subtruncata sowie die Borstenwürmer Melinna palmata, Heteromastus filiformis und Aricidea claudiae.

Warum ist der Lebensraum gefährdet?

Die Europäische Rote Liste stuft ihn als „Endangered“ ein. Die genauen Bedrohungen sind in den Quelldaten nicht aufgeschlüsselt, aber vergleichbare marine Schlammbiotope leiden unter Grundschleppnetzfischerei, Eutrophierung und Sedimentumlagerungen.

Gehört dieser Biotop zu Natura 2000?

Nicht als eigener Typ, aber er ist mit dem FFH-Lebensraumtyp 1160 („Large shallow inlets and bays“) verknüpft. In entsprechenden Natura-2000-Gebieten kann er daher mitgeschützt sein.

Gibt es einen Erhaltungszustand nach Artikel 17?

In den verwendeten Quelldaten ist kein konkreter Erhaltungszustand hinterlegt. Ein Monitoring erfolgt gegebenenfalls nur indirekt über den übergeordneten FFH-Lebensraumtyp 1160.

Quellen