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Europäische Rote Liste: EndangeredFFH-Anhang I: 6180

Azorean open dry, acid to neutral grassland (FFH-Lebensraumtyp 6180)

Das Azoren-Trockengrasland (Azorean open dry, acid to neutral grassland) ist ein offener, nicht beweideter Graslandtyp auf trockenen, sauren bis neutralen Böden der Azoren. Es beherbergt die meisten endemischen azoreanischen Gefäßpflanzen und ist auf der Europäischen Roten Liste als „Endangered“ (gefährdet) eingestuft. Der Biotop wird unter Code 6180 (Macaronesian mesophile grasslands) im Anhang I der FFH-Richtlinie geführt und ist massiv durch die Umwandlung in intensive Weideflächen sowie durch invasive Gräser bedroht.

Einordnung

Originalbezeichnung
Azorean open dry, acid to neutral grassland
EU-28
Endangered
EU-28+
Endangered
FFH-Anhang I
6180 – Macaronesian mesophile grasslands

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensraumtyp: Offene, mehrjährige Grasländer auf trockenen, sauren bis neutralen Böden der Azoren.
  • FFH-Code: 6180 – Macaronesian mesophile grasslands (Makaronesische mesophile Grasländer).
  • Rote-Liste-Status: Endangered (gefährdet) – der Großteil der nicht-verholzenden endemischen Arten der Azoren ist an diesen Biotop gebunden.
  • Hauptbedrohung: Intensive Milchviehwirtschaft mit Bodenbearbeitung, Beweidung und Einschleppung fremder Gräserarten.
  • Kennzeichnend: Ausschließlich azorenendemische Gräser, Stauden und Zwergchamaephyten.

Was genau ist das Azorean open dry, acid to neutral grassland?

Bei diesem Lebensraum handelt es sich um nicht beweidete, mehrjährige Grasländer, die auf Felsvorsprüngen, Steilhängen und Erdplattformen der Azoren wachsen. Sie sind dominiert von ausschließlich auf den Azoren endemischen Gräsern, Hemicryptophyten und niedrigen chamaephytischen Stauden. Diese Grasländer sind kein Produkt landwirtschaftlicher Nutzung, sondern natürliche Offenstandorte, die sich unter dem Einfluss von Wind, Hangrutschungen und Nährstoffarmut halten.

Der Biotoptyp kommt in allen Höhenstufen der Azoren vor – von den thermomediterranen Lagen auf Santa Maria und im Südwesten São Miguels bis in die supratemperaten Bergregionen über 300 Meter. Er bildet ein Mosaik mit azorischen Wacholderwäldern (G3.9c) und azorischen Heiden (F4.3). Das azorische Trockengrasland ist ein Kernlebensraum für die endemische Flora der Inselgruppe: Die Mehrheit der nicht verholzenden, einheimischen Gefäßpflanzen der Azoren ist ausschließlich hier zu finden.

Lebensraumstruktur und zwei Untertypen

Der Lebensraum wird in zwei klar unterscheidbare Untertypen gegliedert, die sich in Klima, Geomorphologie und Artenzusammensetzung unterscheiden.

Untertyp #1: Hochgelegenes meso-supratemperates Grasland

Dieser Untertyp wächst in Höhenlagen oberhalb von 300 Metern auf nährstoffarmen, sauren Böden. Die Standorte sind oft steile Erdhänge oder Felsflanken, die durch Erosion und Massenbewegungen (z. B. abgerutschte Torfdecken ehemaliger Hochmoore) immer wieder gestört werden. Starke und ständige Winde prägen die Vegetation.

Dominante Gräser sind Deschampsia foliosa, Festuca francoi (=F. jubata), Holcus rigidus und Agrostis azorica. Begleitet werden sie von Hochstauden wie Leontodon rigens und Leontodon filii. In Pionierstadien können diese Gräser auch ehemalige Moorflächen besiedeln, die durch katastrophale Hangabbrüche freigelegt wurden.

Untertyp #2: Tieflagen-Grasland auf Klippen und Erdrutschflächen

In den thermomediterranen und thermotemperaten Lagen (vor allem auf Santa Maria und im Südwesten São Miguels) besiedeln die Grasländer felsige Klippen, Felssimse und Erdrutschkanten. Die Böden sind dünn, skelettreich und wechseltrocken.

Die Dominanz liegt hier bei Agrostis congestiflora subsp. congestiflora, Festuca petraea, Holcus rigidus und Brachypodium gaditanum. Angrenzende Gehölzvegetation sind azorische Picconia- und Pittosporum-Bestände (G2.3) sowie azorische Heiden (F4.3).

Charakteristische Pflanzenarten

Allen Ausprägungen gemeinsam sind typische azorische Endemiten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Arten.

UntertypDominante GräserWeitere charakteristische Arten (Auswahl)
#1 (meso-supratemperat)Deschampsia foliosa, Festuca francoi, Holcus rigidus, Agrostis azorica, Leontodon rigens, Leontodon filiiAgrostis botelhoi, Agrostis congestiflora subsp. oreophylla, Carex punctata, Euphrasia azorica, Euphrasia grandiflora, Myosotis azorica, Veronica dabneyi
#2 (thermomediterran/thermotemperat)Agrostis congestiflora subsp. congestiflora, Festuca petraea, Holcus rigidus, Brachypodium gaditanumAgrostis gracililaxa, Carex hochstetterana, Daucus carota subsp. azoricus, Euphorbia azorica, Tolpis succulenta
In beiden Subtypen verbreitetHolcus rigidus, Agrostis azorica, Brachypodium gaditanumCarex guthnickiana, Carex vulcani, Centaurium scilloides, Luzula purpureo-splendens, Lysimachia azorica, Scabiosa nitens, Tolpis azorica

Gefährdung: Einstufung der Europäischen Roten Liste

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+ Bewertung) führt das Azorean open dry, acid to neutral grassland als „Endangered“ (stark gefährdet). Das bedeutet, dass der Lebensraum innerhalb der Europäischen Union von einem hohen Risiko des Zusammenbruchs bedroht ist. Die Gefährdung ergibt sich vor allem aus dem extrem kleinen Verbreitungsgebiet (Ausschließlichkeitskriterium) und der rasant fortschreitenden Zerstörung durch anthropogene Nutzungsänderungen.

Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie

Der Biotoptyp ist im Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 6180 als „Macaronesian mesophile grasslands“ gelistet. Das bedeutet, dass die EU-Mitgliedstaaten (hier: Portugal für die Azoren) verpflichtet sind, geeignete Schutzgebiete auszuweisen und einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Die konkrete Umsetzung erfolgt über das Natura-2000-Netzwerk.

Hauptbedrohungen – Warum ist das azorische Trockengrasland so gefährdet?

Die größte Gefahr geht von der intensiven Grünlandwirtschaft aus, die auf den Azoren für die Milchproduktion weit verbreitet ist. Die Umwandlung natürlicher Grasländer in Kunstweiden vollzieht sich in zwei Schritten:

  1. Bodenbearbeitung und Neuansaat: Natürliche Rasen werden umgebrochen und mit gebietsfremden, ertragreichen Gräsern besät. Dies führt zur sofortigen und vollständigen Zerstörung des endemischen Lebensraums.
  2. Dauerbeweidung und Nährstoffeintrag: Durch Rinderhaltung wird die Konkurrenzkraft der heimischen Gräser weiter unterdrückt und das Ökosystem dauerhaft durch nutzungsgeprägte Fettweiden ersetzt.

Auch in noch gut erhaltenen Restflächen, die räumlich von Kunstweiden getrennt sind, wirkt eine schleichende Bedrohung: Die Samen von Allerweltsgräsern werden durch Wind und Tiere eingetragen und verdrängen die empfindlichen Endemiten. Zudem kann es zur genetischen Vermischung zwischen einheimischen und eingeführten Arten derselben Gattung kommen (z. B. Holcus rigidus mit Holcus lanatus).

Zu den häufigsten invasiven Gräsern zählen:

  • Anthoxanthum odoratum (Gewöhnliches Ruchgras)
  • Holcus lanatus (Wolliges Honiggras)
  • Dactylis glomerata (Knaulgras)
  • Agrostis castellana (Kastilisches Straußgras)

Auch Kräuter wie Lotus pedunculatus, Rumex conglomeratus, Crepis lampsanoides und Hypochaeris glabra dringen in die Grasländer ein. Die ökologische Integrität des Lebensraums bleibt nur dort erhalten, wo menschliche Störungen vollständig unterbunden werden und ein möglichst großer Abstand zu zooanthropogenen Weiden eingehalten wird.

Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie

Der formale Erhaltungszustand („Article 17 conservation status“) wird im Rahmen der nationalen Berichtspflichten Portugals an die EU ermittelt. In den vorliegenden Quelldaten ist der aktuelle Berichtswert nicht angegeben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Kombination aus starkem Nutzungsdruck und sehr kleiner Fläche keinen günstigen Erhaltungszustand erwarten lässt. Für belastbare Aussagen müssen die offiziellen Artikel-17-Berichte der jüngsten Berichtsperiode konsultiert werden.

Bedeutung für die europäische Artenvielfalt

Das azorische Trockengrasland ist ein Hotspot der endemischen Artenvielfalt innerhalb der EU. Nahezu die gesamte nicht-verholzende Gefäßpflanzenflora der Azoren findet sich in diesem Biotop. Ein Verlust dieses Lebensraums würde das Aussterben zahlreicher Pflanzen bedeuten, die weltweit nur auf der Azoreninselgruppe vorkommen. Darüber hinaus erfüllt das Grasland ökologische Funktionen im Landschaftswasserhaushalt und bietet Lebensraum für spezialisierte Insekten und andere Organismen.

Was können Gemeinden, Landschaftsplaner und interessierte Bürger tun?

Eine direkte Nachbildung dieses azorischen Lebensraums außerhalb der Azoren ist wegen der streng endemischen Artenausstattung und der spezifischen Standortbedingungen nicht möglich und auch nicht zielführend. Jede Art von künstlicher Anlage im heimischen Garten würde dem Schutzziel widersprechen. Dennoch lassen sich aus den Prinzipien des Schutzes wertvolle Lehren für den Umgang mit extensiven Grasländern ziehen:

  • Störungsvermeidung: Offene, magere Rasenflächen sollten nicht umgebrochen, gedüngt oder mit gebietsfremden Gräsern eingesät werden.
  • Abstand zu Intensivgrünland: In Naturschutzprojekten sollte bei angrenzender intensiver Landwirtschaft ein Pufferstreifen eingerichtet werden, um den Sameneintrag von Futtergräsern zu reduzieren.
  • Aufklärung: Die Einzigartigkeit der azorischen Grasländer bekannter zu machen, kann die Akzeptanz für Schutzgebietsausweisungen vor Ort stärken.
  • Unterstützung von Natura 2000: Jede Form der politischen und finanziellen Unterstützung des europäischen Schutzgebietsnetzes trägt zum Erhalt dieses prioritären Lebensraums bei.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was versteht man unter „Azorean open dry, acid to neutral grassland“?

Es ist ein offenes, nicht beweidetes, mehrjähriges Grasland auf felsigen Hängen und Klippen der Azoren, das ausschließlich von endemischen Gräsern, Stauden und kleinen Polsterpflanzen dominiert wird. Die Böden sind trocken, sauer bis neutral und nährstoffarm.

2. Warum ist dieses Grasland so stark gefährdet?

Die Hauptbedrohung ist die Umwandlung in intensive Milchviehweiden durch Bodenbearbeitung, Einsaat gebietsfremder Gräser und Beweidung. Auch die schleichende Invasion durch fremde Grasarten in noch intakte Bestände gefährdet den Lebensraum. Die Europäische Rote Liste stuft ihn daher als „Endangered“ ein.

3. Welche charakteristischen Pflanzen kommen darin vor?

Kennzeichnend sind vor allem endemische Gräser wie Deschampsia foliosa, Festuca francoi, Holcus rigidus und Agrostis azorica. Dazu gesellen sich zahlreiche endemische Kräuter wie Leontodon rigens, Euphrasia azorica oder Scabiosa nitens. Eine vollständige Liste finden Sie in der Tabelle oben.

4. Unter welchem FFH-Code ist der Lebensraum geschützt?

Der Lebensraum ist im Anhang I der FFH-Richtlinie mit dem Code 6180 und der Bezeichnung „Macaronesian mesophile grasslands“ gelistet.

5. Kann ich diesen Graslandtyp im eigenen Garten nachbilden?

Nein. Aufgrund der ausschließlich azorenendemischen Flora und der speziellen Klima- und Bodenbedingungen ist eine Nachbildung außerhalb der Azoren weder sinnvoll noch naturschutzfachlich vertretbar. Ziel muss der Schutz der natürlichen Restbestände vor Ort sein.

Quellen

Häufige Fragen

Was versteht man unter „Azorean open dry, acid to neutral grassland“?

Es ist ein offenes, nicht beweidetes, mehrjähriges Grasland auf felsigen Hängen und Klippen der Azoren, das ausschließlich von endemischen Gräsern, Stauden und kleinen Polsterpflanzen dominiert wird. Die Böden sind trocken, sauer bis neutral und nährstoffarm.

Warum ist dieses Grasland so stark gefährdet?

Die Hauptbedrohung ist die Umwandlung in intensive Milchviehweiden durch Bodenbearbeitung, Einsaat gebietsfremder Gräser und Beweidung. Auch die schleichende Invasion durch fremde Grasarten in noch intakte Bestände gefährdet den Lebensraum. Die Europäische Rote Liste stuft ihn daher als „Endangered“ ein.

Welche charakteristischen Pflanzen kommen darin vor?

Kennzeichnend sind vor allem endemische Gräser wie Deschampsia foliosa, Festuca francoi, Holcus rigidus und Agrostis azorica. Dazu gesellen sich zahlreiche endemische Kräuter wie Leontodon rigens, Euphrasia azorica oder Scabiosa nitens.

Unter welchem FFH-Code ist der Lebensraum geschützt?

Der Lebensraum ist im Anhang I der FFH-Richtlinie mit dem Code 6180 und der Bezeichnung „Macaronesian mesophile grasslands“ gelistet.

Kann ich diesen Graslandtyp im eigenen Garten nachbilden?

Nein. Aufgrund der ausschließlich azorenendemischen Flora und der speziellen Klima- und Bodenbedingungen ist eine Nachbildung außerhalb der Azoren weder sinnvoll noch naturschutzfachlich vertretbar. Ziel muss der Schutz der natürlichen Restbestände vor Ort sein.

Quellen