Zum Hauptinhalt springen
EUNIS: B1.4Europäische Rote Liste: EndangeredFFH-Anhang I: 2130

Schwarzmeer-Küstendünengrasland (Graudüne) – Lebensraumtyp B1.4

Das Schwarzmeer-Küstendünengrasland (Graudüne, EUNIS B1.4) ist ein von ausdauernden Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten geprägtes Dünengrasland an der westlichen und nordwestlichen Schwarzmeerküste. Es ist in der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen als „stark gefährdet“ (Endangered) eingestuft und unterliegt dem FFH-Lebensraumtyp 2130 (* Festliegende Küstendünen mit krautiger Vegetation – Graudünen).

Einordnung

Originalbezeichnung
Black Sea coastal dune grassland (grey dune)
EUNIS
B1.4 – Coastal stable dune grassland (grey dunes)
EU-28
Endangered
EU-28+
Endangered
FFH-Anhang I
2130 – * Fixed coastal dunes with herbaceous vegetation (grey dunes)

Das Wichtigste in Kürze

Das Schwarzmeer-Küstendünengrasland (auch Schwarzmeer-Graudüne genannt) ist ein stabilisiertes oder halbstabilisiertes Dünengrasland entlang der westlichen und nordwestlichen Schwarzmeerküste. Es wird von ausdauernden Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten beherrscht und weist eine hohe Pflanzenvielfalt auf, die sich von Süd nach Nord klimatisch und biogeografisch wandelt. In der europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt dieser Lebensraum als „stark gefährdet“ (Endangered). Er ist zugleich unter dem prioritären FFH-Lebensraumtyp 2130 ( Festliegende Küstendünen mit krautiger Vegetation – Graudünen)* geschützt. Hauptbedrohungen sind die direkte Zerstörung durch Bauvorhaben in Urlaubsregionen sowie die Einwanderung gebietsfremder Gehölze.

Was ist Schwarzmeer-Küstendünengrasland? (EUNIS B1.4)

Das Küstendünengrasland der Schwarzmeerküste ist in der europäischen Biotopklassifikation EUNIS dem Code B1.4 („Coastal stable dune grassland – grey dunes“) zugeordnet. Innerhalb dieser Einheit stellt der hier beschriebene Untertyp die spezifische Ausprägung an der Schwarzmeerküste dar. Es handelt sich um stabilisierte bis halbstabilisierte Dünen, die von ausdauernden (perennierenden) Pflanzengemeinschaften geprägt sind. Gräser, Kräuter, Moose und Flechten dominieren das Bild. Im Gegensatz zu den noch beweglichen Weißdünen sind diese Graudünen bereits so weit gefestigt, dass sich geschlossene, aber oft lückige Graslanddecken entwickeln konnten.

Die Dünenkomplexe reichen von kleinen Erhebungen (2–3 m) bis zu Systemen von über 50 m Höhe über dem Meeresspiegel. Besonders gut ausgebildet sind sie auf flachen Küstenabschnitten, wo ein breiter Übergangsbereich zwischen dem marinen Einfluss und der angrenzenden Vegetation – oft Wälder – besteht. Die Vegetation setzt sich nicht nur aus Grasland zusammen, sondern kann kleinflächige Gebüsche und sogar kleine Waldbestände einschließen. Charakteristisch ist das Nebeneinander von ausdauernden Arten auf den stabileren Flächen und vielen einjährigen Arten auf den noch etwas beweglicheren Sanden, vor allem auf hohen Dünenrücken. Auf nordexponierten, feuchteren Hängen siedeln vermehrt Moose und Flechten. In den feuchtesten, tief gelegenen Senken der Dünen gehen die Bestände in hochwüchsige Gras- und Seggenriede über und leiten zu den feuchten Dünentälern (EUNIS B1.8b) über.

Verbreitung und ökologische Ausprägung

Das Schwarzmeer-Küstendünengrasland ist auf die westliche und nordwestliche Schwarzmeerküste beschränkt. Die größte Ausdehnung erreicht es im Bereich des Donaudeltas in Rumänien und um das Asowsche Meer in der Ukraine. Entlang der bulgarischen Schwarzmeerküste und in der europäischen Türkei zieht sich ein weiterer Verbreitungsschwerpunkt.

Die Artenzusammensetzung ändert sich entlang eines klimatischen und biogeografischen Gradienten von Süden nach Norden. Mit geringer werdendem mediterranem Einfluss nehmen die ostmediterranen Florenelemente ab, während Arten der pontischen Steppe zunehmen. Daher unterteilt man die westlichen Schwarzmeer-Graudünen in zwei Haupttypen, mit dem Balkangebirge in Bulgarien als ungefährer Grenze:

  • Nördliche Schwarzmeer-Graudünen: Optimum im Donaudelta und am Asowschen Meer. Sie sind vergleichsweise artenärmer an Einjährigen und Endemiten.
  • Südliche Schwarzmeer-Graudünen: Verbreitet an der südlichen bulgarischen Schwarzmeerküste und in der europäischen Türkei. Sie zeichnen sich durch einen Reichtum an Balkan- und Balkan-Anatolischen Endemiten aus, z. B. Lepidotrichum uechtritzianum.

Einige charakteristische Pflanzenarten, die in den Quelldaten genannt werden, sind:

  • Gräser und grasartige Pflanzen: Festuca beckerii, Festuca vaginata, Koeleria glauca, Secale sylvestre, Carex ligerica, Stipa borysthenica, Melica cilliata
  • Kräuter und Stauden: Artemisia campestris, Astragalus onobrychis, Centaurea arenaria, Dianthus polymorphus, Ephedra distachya, Euphorbia sequierana, Gypsophila trichotoma, Helichrysum arenarium, Jasione heldreichii, Linaria genistifolia, Marrubium peregrinum, Pancratium maritimum, Scabiosa argentea, Silene thymifolia, Teucrium polium, Verbascum purpureum
  • Moose: Arten der Gattungen Grimmia, Tortella sowie Tortula ruralis
  • Flechten: Arten der Gattung Cladonia

Die Tierwelt umfasst unter anderem:

  • Amphibien und Reptilien: Pelobates syriacus, Testudo graeca, Eremias arguta, Podarcis taurica, Vipera ursinii
  • Vögel: Burhinus oedicnemus (Triel), Charadrius alexandrinus (Seeregenpfeifer), Calandrella brachydactyla (Kurzzehenlerche)
  • Insekten: Stibaropus henkei, Byrsinus fossor

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste

Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen (EU28 und EU28+ Bewertungen) stuft das Schwarzmeer-Küstendünengrasland einheitlich als „stark gefährdet“ (Endangered) ein. Ein genaueres Gefährdungskriterium (z. B. ein spezifischer Reduktionsgrad) wird in den vorliegenden Quelldaten nicht genannt.

Schutzstatus: FFH-Anhang I

Der Biotoptyp ist Teil des prioritären FFH-Lebensraumtyps 2130 („* Festliegende Küstendünen mit krautiger Vegetation – Graudünen“). Der Stern (*) kennzeichnet ihn als prioritären Lebensraum, für dessen Erhaltung der Europäischen Union eine besondere Verantwortung zukommt. Allerdings ist zu beachten, dass der FFH-Typ 2130 sämtliche Graudünen Europas umfasst; die EUNIS-Einheit B1.4c beschreibt die spezifische Ausprägung am Schwarzen Meer, die eine Teilmenge des FFH-Typs darstellt.

Erhaltungszustand (Artikel 17 der FFH-Richtlinie)

In den vorliegenden Quelldaten ist kein Erhaltungszustand nach Artikel 17 angegeben. Da die Berichtspflicht nach Artikel 17 für den gesamten FFH-Lebensraumtyp 2130 gilt, liegen auf europäischer Ebene aggregierte Bewertungen vor; für die spezifische Schwarzmeer-Variante sind die Daten nicht in den Quellen enthalten.

Bedrohungen und Herausforderungen

Die Hauptgefährdung geht von der direkten Zerstörung und Degradierung durch Bauaktivitäten in Urlaubsregionen aus. Sowohl an der bulgarischen als auch an der rumänischen Schwarzmeerküste führt die touristische Erschließung zu Flächenverlusten und Störungen der Dünenökosysteme.

Ein weiteres gravierendes Problem ist die Einwanderung natürlicher und gebietsfremder Strauch- und Baumarten, die die offenen Graslandstrukturen verdrängen. In den Quelldaten werden namentlich genannt:

  • Paliurus spina-christi (Christusdorn)
  • Ailanthus altissima (Götterbaum)
  • Amorpha fruticosa (Bastardindigo)
  • Robinia pseudacacia (Gewöhnliche Robinie)
  • Elaeagnus angustifolia (Schmalblättrige Ölweide)

Diese Arten verändern die Konkurrenzverhältnisse und führen langfristig zu einer Verbuschung oder Bewaldung der ehemals offenen Graudünen.

Bedeutung für Garten und Kommune

Die Schwarzmeer-Küstendünengrasländer sind hochgradig spezialisierte Lebensräume, die sich nicht 1:1 in den Garten übertragen lassen. Ihre standörtlichen Voraussetzungen – nährstoffarme, kalkhaltige Sande, ein mildes Winterklima mit Schwarzmeer-Einfluss und eine natürliche Dünenmorphologie – sind im Siedlungsraum kaum nachzubilden. Dennoch kann das Wissen um diesen Lebensraum sensibilisieren: In Küstengemeinden Bulgariens und Rumäniens sollten Bebauungspläne die letzten verbliebenen Graudünenkomplexe berücksichtigen, und Privatgärten in Dünennähe können durch Verzicht auf invasive Gehölze und standortfremde Bepflanzung einen Beitrag zum Erhalt des Landschaftscharakters leisten.

Wissenswertes auf einen Blick

MerkmalInformation
EUNIS-CodeB1.4 (Coastal stable dune grassland)
EUNIS-NameCoastal stable dune grassland (grey dunes)
Unterspezifischer TypSchwarzmeer-Küstendünengrasland (B1.4c)
FFH-Code2130 (*)
FFH-BezeichnungFestliegende Küstendünen mit krautiger Vegetation (Graudünen)
Rote-Liste-Kategorie (EU)Stark gefährdet (Endangered) – EU28 und EU28+
HauptverbreitungWestliche und nordwestliche Schwarzmeerküste (Donaudelta, Asowsches Meer, bulgarische und türkische Schwarzmeerküste)
Typische PflanzenGräser (Festuca beckerii, Koeleria glauca), Kräuter (Artemisia campestris, Centaurea arenaria), Moose (Grimmia, Tortella), Flechten (Cladonia)
Typische TiereTriel, Seeregenpfeifer, Griechische Landschildkröte, Wiesenotter (Vipera ursinii), spezialisierte Wanzen
GefährdungenZerstörung durch Bauvorhaben in Tourismusgebieten, Einwanderung invasiver Gehölze
Artikel-17-StatusIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was ist das Besondere an den Schwarzmeer-Graudünen? Die Schwarzmeer-Graudünen zeichnen sich durch einen hohen Anteil balkanischer und balkanisch-anatolischer Endemiten aus, vor allem im südlichen Teil (Süd-Bulgarien, europäische Türkei). Entlang der westlichen Schwarzmeerküste vollzieht sich ein klimatischer Gradient: Von Süden nach Norden nehmen ostmediterrane Arten ab und pontische Steppenarten zu.

2. Wie ist der Gefährdungsstatus dieses Lebensraums? In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen ist das Schwarzmeer-Küstendünengrasland als „stark gefährdet“ (Endangered) eingestuft – sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte Bewertung EU28+.

3. Welche typischen Pflanzenarten kommen vor? Charakteristisch sind unter anderem Festuca beckerii, Koeleria glauca, Artemisia campestris, Centaurea arenaria, Ephedra distachya, Helichrysum arenarium sowie Moose der Gattungen Grimmia und Tortella. In den südlichen Graudünen tritt die endemische Art Lepidotrichum uechtritzianum auf.

4. Welche Tiere leben in diesem Lebensraum? Zu den nennenswerten Tierarten zählen der Triel (Burhinus oedicnemus), der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), die Griechische Landschildkröte (Testudo graeca), die Wiesenotter (Vipera ursinii) sowie verschiedene spezialisierte Wanzenarten (Stibaropus henkei, Byrsinus fossor).

5. Was bedroht die Schwarzmeer-Graudünen am stärksten? Die größten Bedrohungen sind die direkte Zerstörung durch Bauvorhaben in den stark touristisch genutzten Küstenregionen sowie die Verbuschung durch einwandernde Pflanzenarten wie Christusdorn, Götterbaum und Robinie.

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an den Schwarzmeer-Graudünen?

Die Schwarzmeer-Graudünen zeichnen sich durch einen hohen Anteil balkanischer und balkanisch-anatolischer Endemiten aus, vor allem im südlichen Teil (Süd-Bulgarien, europäische Türkei). Entlang der westlichen Schwarzmeerküste vollzieht sich ein klimatischer Gradient: Von Süden nach Norden nehmen ostmediterrane Arten ab und pontische Steppenarten zu.

Wie ist der Gefährdungsstatus dieses Lebensraums?

In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen ist das Schwarzmeer-Küstendünengrasland als „stark gefährdet“ (Endangered) eingestuft – sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte Bewertung EU28+.

Welche typischen Pflanzenarten kommen vor?

Charakteristisch sind unter anderem Festuca beckerii, Koeleria glauca, Artemisia campestris, Centaurea arenaria, Ephedra distachya, Helichrysum arenarium sowie Moose der Gattungen Grimmia und Tortella. In den südlichen Graudünen tritt die endemische Art Lepidotrichum uechtritzianum auf.

Welche Tiere leben in diesem Lebensraum?

Zu den nennenswerten Tierarten zählen der Triel (Burhinus oedicnemus), der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), die Griechische Landschildkröte (Testudo graeca), die Wiesenotter (Vipera ursinii) sowie verschiedene spezialisierte Wanzenarten (Stibaropus henkei, Byrsinus fossor).

Was bedroht die Schwarzmeer-Graudünen am stärksten?

Die größten Bedrohungen sind die direkte Zerstörung durch Bauvorhaben in den stark touristisch genutzten Küstenregionen sowie die Verbuschung durch einwandernde Pflanzenarten wie Christusdorn, Götterbaum und Robinie.

Quellen