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EUNIS: B3.1; B3.2; B3.3Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 1250

Makaronesische Felsküste und Schorren – Ein Lebensraum aus Feuer und Gischt

Der Lebensraum „Makaronesische Felsküste und Schorren“ (EUNIS-Codes B3.1, B3.2, B3.3) umfasst die supralitoralen Felswände und Lavaküsten der Makaronesischen Inseln (Kanaren, Madeira, Azoren). Er ist gekennzeichnet durch eine extreme Gischtzone oberhalb der Hochwasserlinie mit einer endemischen Pflanzenwelt. Typisch sind Arten der Gattung Limonium, Helichrysum sowie Azorina. In der Europäischen Roten Liste der Lebensräume wird er als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Über den FFH-Anhang I (Code 1250) ist er als „Vegetationsreiche Felsküsten mit endemischer Flora der makaronesischen Küsten“ geschützt. Intakte Felskliffs bieten zudem wichtige Brutplätze für Seevögel wie Sturmtaucher und Wellenläufer.

Einordnung

Originalbezeichnung
Macaronesian rocky sea cliff and shore
EUNIS
B3.1; B3.2; B3.3 – Supralittoral rock (lichen or splash zone); Unvegetated rock cliffs, ledges, shores and islets; Rock cliffs, ledges and shores, with angiosperms
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
1250 – Vegetated sea cliffs with endemic flora of the Macaronesian coasts

Das Wichtigste in Kürze

Die dramatischen Steilküsten der makaronesischen Inseln – auf den Kanaren, Madeira und den Azoren – bilden einen europaweit einzigartigen Lebensraum. Oberhalb der mittleren Hochwasserlinie, aber noch ständig vom salzhaltigen Sprühnebel des Atlantiks umspült, gedeihen auf nacktem Basaltfels endemische Pflanzen, die nirgendwo sonst vorkommen. Gleichzeitig sind die unzugänglichen Felsbänder Brutstätte seltener Sturmvögel. Der Biotoptyp wird in der EUNIS-Klassifikation als B3.1 (Supralitorale Felszone mit Flechten), B3.2 (Unbewachsene Felsklippen) und B3.3 (Felsklippen mit Blütenpflanzen) geführt. Im Schutzgebietsnetz Natura 2000 ist er über den Anhang-I-Code 1250 „Vegetationsreiche Felsküsten mit endemischer Flora der makaronesischen Küsten“ verankert. Nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume gilt er derzeit als ungefährdet (Least Concern) – solange Störungen und invasive Pflanzen ausbleiben.

EUNIS-Klassifikation und Einordnung

Die drei EUNIS-Codes beschreiben einen küstennahen, vertikal gegliederten Komplex:

  • B3.1 Supralittoral rock (lichen or splash zone) – die meerseitigste Zone mit Flechten und salztoleranten Algen, die unmittelbar der Gischt ausgesetzt ist.
  • B3.2 Unvegetated rock cliffs, ledges, shores and islets – kahle, oft steile Felswände, Simse und vorgelagerte Eilande ohne geschlossene Vegetationsdecke.
  • B3.3 Rock cliffs, ledges and shores, with angiosperms – vom Salz beeinflusste Kliffs, auf denen sich Blütenpflanzen halten können; sie bilden das Kernstück der endemischen Pflanzengesellschaften.

Da diese drei Ausprägungen auf engem Raum ineinander übergehen, werden sie in der Roten Liste der Lebensräume als eine zusammenhängende Einheit behandelt. Im FFH-Berichtswesen entspricht ihnen der Lebensraumtyp 1250.

Europäische Rote Liste und Gefährdung

Der Lebensraum „Macaronesian rocky sea cliff and shore“ wird in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (Bewertungseinheit B3.1c) für die EU 28 sowie für die erweiterte Region EU 28+ als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Ein spezifisches Gefährdungskriterium (Red List Criterion) ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Diese positive Einstufung bedeutet nicht, dass die Klippen grundsätzlich frei von Belastungen wären. Die Gutachter betonen, dass eine gute Qualität des Lebensraums das Fehlen menschlicher oder tierischer Störungen (etwa Beweidung) sowie das Ausbleiben gebietsfremder Pflanzen voraussetzt. Sollten diese Faktoren zunehmen, könnte sich der Erhaltungszustand künftig verschlechtern.

FFH-Anhang I und Schutzstatus

Der Lebensraum ist im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) gelistet:

  • Code 1250 – „Vegetated sea cliffs with endemic flora of the Macaronesian coasts“ (Vegetationsreiche Felsküsten mit endemischer Flora der makaronesischen Küsten).

Damit sind die EU-Mitgliedstaaten, auf deren Hoheitsgebiet die Inseln liegen, verpflichtet, geeignete Schutzgebiete auszuweisen und einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren. Aktuelle Daten zum Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie sind in den herangezogenen Quellen nicht enthalten. Es liegen daher zum jetzigen Zeitpunkt keine biogeografischen Einzelbewertungen vor.

Lebensraum: Von den Gezeiten geprägte Basaltfelsen

Die makaronesischen Steilküsten verdanken ihre Entstehung vulkanischer Aktivität: Basaltlava bildet eine schmale, meist steil ins Meer abbrechende Gesteinsborte. Einige Abschnitte zählen zu den höchsten Felswänden Europas, darunter die Acantilados de Los Gigantes auf Teneriffa mit rund 500 m Höhe und das Cabo Girão auf Madeira mit 540 m.

Die eigentliche Lebensraumfläche liegt oberhalb der mittleren Hochwasserlinie, wird aber noch von Wellengischt (Spritzwasser) und salzhaltigem Wind erreicht – der supralitorale Gürtel. Je nach Insel und Exposition lassen sich mehrere Höhenstufen unterscheiden:

  1. Unterste Felspartien: noch stark von Wellen benetzt, besiedelt von Salzalgen und Flechten.
  2. Mittlere Felsstufe: Gischt- und windgepeitschte Simse mit sukkulenten Zwergsträuchern und Rosettenpflanzen.
  3. Obere Kliffkante: geschütztere Standorte mit dichterer, teils strauchiger Vegetation.

Die geografische Isolation der Archipele hat eine hochgradig eigenständige Flora hervorgebracht. Insgesamt werden drei pflanzensoziologische Verbände (Allianzen) aus der Klasse Crithmo-Limonietea unterschieden:

  • Frankenio-Astydamion – auf den Kanarischen Inseln
  • Helichrysion obconico-devium – auf dem Madeira-Archipel (einschließlich der Selvagens-Inseln)
  • Euphorbio azoricae-Festucion petraeae – auf den Azoren

Diese Aufteilung spiegelt die unterschiedliche endemische Artenausstattung der Inselgruppen wider.

Vegetationsgesellschaften und endemische Flora

Charakteristische Pflanzenarten der Inselgruppen

InselgruppeCharakteristische endemische und salztolerante Arten (Auswahl)
Kanarische InselnAstydamia latifolia, Limonium imbricatum (La Palma, Teneriffa), L. fruticans (Teneriffa), L. macrophyllum (Teneriffa, Gran Canaria), L. brassicifolium (El Hierro, La Gomera), L. pectinatum (inkl. L. humboldtii), L. papillatum (Lanzarote, Fuerteventura, Alegranza, La Graciosa, Lobos, Selvagens), Plantago aschersonii, Lotus glaucus, Argyranthemum frutescens, Frankenia ericifolia, Atractylis preauxiana, Reichardia crystallina, R. ligulata. Dazu atlantisch-mediterrane Begleiter: Crithmum maritimum, Plantago coronopus, Frankenia laevis, F. pulverulenta, Asplenium marinum.
Madeira-ArchipelHelichrysum obconium, H. devium, Limonium pyramidatum, Lotus glaucus, Lotus loweanus, Crithmum maritimum, Frankenia laevis, Plantago coronopus.
AzorenAzorina vidali, Daucus carota subsp. azoricus, Euphorbia azorica, Festuca petraea, Myosotis maritima, Solidago sempervirens subsp. azorica, Spergularia azorica. In zeitweise mit Meerwasser gefüllten Lava-Vertiefungen wächst außerdem Juncus acutus.

Die meisten der genannten Limonium-Arten sind Inselendemiten und kommen oft nur auf einer oder zwei Inseln vor. Gemeinsam mit den übrigen Kliffspezialisten bilden sie niedrige, polster- oder rosettenförmige Gesellschaften, die dem Wind trotzen und mit hohen Salzkonzentrationen zurechtkommen.

Wertvolle Vogelkolonien

Für Seevögel sind die unzugänglichen Felswände und vorgelagerten Eilande unersetzliche Brutplätze. Wo Prädatoren und Störungen durch Menschen oder Weidetiere fehlen, nisten oft große Kolonien von Röhrennasen (Procellariiformes). In den Quelldaten werden folgende charakteristische Vogelarten genannt:

  • Makaronesensturmtaucher (Puffinus baroli)
  • Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus puffinus)
  • Einfarbsegler (Apus unicolor)
  • Madeira-Wellenläufer (Oceanodroma castro)
  • Bulwersturmvogel (Bulweria bulwerii)
  • Corysturmtaucher (Calonectris diomedea)
  • Kleiner Sturmtaucher (Puffinus assimilis)
  • Weißgesicht-Sturmschwalbe (Pelagodroma marina)
  • Kapverden-Sturmvogel (Pterodroma feae), der nur auf den Desertas-Inseln vorkommt.

Diese Arten sind auf die Makaronesischen Felsküsten angewiesen; ihre Anwesenheit gilt als Zeichen für einen intakten, störungsarmen Lebensraum.

Qualitätsmerkmale eines intakten Felsküstenlebensraumes

Die Fachdaten nennen vier zentrale Indikatoren für einen guten Erhaltungszustand:

  • Keine Störungen – weder durch Menschen (Tourismus, Bauwerke) noch durch Weidetiere (Ziegen, Schafe).
  • Präsenz von Seevogelkolonien – brütende Sturmtaucher und Wellenläufer belegen die natürliche Funktion.
  • Ausgeprägte Zonierung – vom Flechten- und Algen-Gürtel über die supralitorale Klippenvegetation bis hin zu Sukkulentenfluren und Dickichten sollte das typische Höhenprofil erkennbar sein.
  • Fehlen gebietsfremder Pflanzen – insbesondere Mittagsblumen-Arten (Mesembryanthemum sp.) und Eiskraut (Carpobrotus sp.) dürfen nicht eindringen, weil sie die einheimische Flora verdrängen.

Bedeutung für den Naturschutz in Europa

Obwohl der Lebensraum derzeit als nicht gefährdet gilt, ist seine Erhaltung von großer Bedeutung:

  • Die endemische Flora umfasst zahlreiche Arten, die nur auf einer oder zwei Inseln existieren; bei lokalen Beeinträchtigungen droht das globale Aussterben.
  • Die Vogelkolonien gehören zu den wenigen verbliebenen Hochburgen pelagischer Seevögel im Ostatlantik.
  • Die extremen Standorte sind gegenüber Störungen empfindlich; einmal zerstörte Vegetationsdecken regenerieren sich auf dem harten Basalt nur sehr langsam.
  • Als Anhang-I-Lebensraum genießt er rechtlichen Schutz; die FFH-Richtlinie verpflichtet zur Überwachung und Berichterstattung. Die derzeit fehlenden Artikel-17-Daten unterstreichen, dass hier Informationslücken bestehen, die geschlossen werden müssen.

Der Schutz der makaronesischen Felsküsten lohnt sich auch für den Menschen: Sie sichern die natürliche Küstendynamik, sind Landschaftsjuwele und halten eine Jahrtausende währende Anpassungsgeschichte lebendig.

FAQ

1. Was versteht man unter makaronesischen Felsküsten und Schorren?

Der Lebensraum umfasst die supralitoralen Felswände und unterseeischen Lavaströme der Makaronesischen Inseln, die oberhalb der mittleren Hochwasserlinie liegen, aber noch unter dem Einfluss von Gischt, Salznebel und starkem Wind stehen. Er wird durch die EUNIS-Codes B3.1, B3.2 und B3.3 abgedeckt (Quelle: European Red List of Habitats, Kurzbeschreibung).

2. Welche EUNIS-Codes gehören zu diesem Biotoptyp?

Es sind B3.1 (Supralittoral rock with lichens or splash zone), B3.2 (Unvegetated rock cliffs, ledges, shores and islets) und B3.3 (Rock cliffs, ledges and shores with angiosperms) (Quelle: EUNIS Habitat Classification Crosswalks).

3. Wie ist der Gefährdungsstatus nach der Europäischen Roten Liste?

Sowohl in der EU28 als auch in der erweiterten Bewertung (EU28+) wird der Lebensraum als „Least Concern“ (nicht gefährdet) geführt. Ein spezifisches Kriterium ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben (Quelle: European Red List of Habitats).

4. Unter welchem FFH-Code ist der Lebensraum geschützt?

Er ist als FFH-Anhang-I-Code 1250 „Vegetated sea cliffs with endemic flora of the Macaronesian coasts“ gelistet (Quelle: EUNIS Crosswalk zum Anhang I).

5. Welche Bedeutung hat der Lebensraum für Seevögel?

Die unzugänglichen Kliffs und kleinen Inseln sind wichtige Brutplätze für Sturmtaucher und Wellenläuferarten wie den Makaronesensturmtaucher, den Schwarzschnabel-Sturmtaucher und den Madeira-Wellenläufer. Die Anwesenheit von Kolonien ist gleichzeitig ein Qualitätsindikator für einen intakten, störungsarmen Lebensraum (Quelle: Characteristic species section).

Häufige Fragen

Was versteht man unter makaronesischen Felsküsten und Schorren?

Der Lebensraum umfasst die supralitoralen Felswände und Lavaküsten der Makaronesischen Inseln (Kanaren, Madeira, Azoren), die oberhalb der mittleren Hochwasserlinie liegen, aber noch unter dem Einfluss von Gischt, Salznebel und starkem Wind stehen. Er wird durch die EUNIS-Codes B3.1, B3.2 und B3.3 abgedeckt.

Welche EUNIS-Codes gehören zu diesem Biotoptyp?

Es sind B3.1 (Supralittoral rock with lichens or splash zone), B3.2 (Unvegetated rock cliffs, ledges, shores and islets) und B3.3 (Rock cliffs, ledges and shores with angiosperms).

Wie ist der Gefährdungsstatus nach der Europäischen Roten Liste?

Sowohl in der EU28 als auch in der erweiterten Bewertung (EU28+) wird der Lebensraum als „Least Concern“ (nicht gefährdet) geführt. Ein spezifisches Kriterium ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Unter welchem FFH-Code ist der Lebensraum geschützt?

Er ist als FFH-Anhang-I-Code 1250 „Vegetated sea cliffs with endemic flora of the Macaronesian coasts“ gelistet.

Welche Bedeutung hat der Lebensraum für Seevögel?

Die unzugänglichen Kliffs und kleinen Inseln sind wichtige Brutplätze für Sturmtaucher und Wellenläuferarten. Die Anwesenheit von Kolonien ist gleichzeitig ein Qualitätsindikator für einen intakten, störungsarmen Lebensraum.

Quellen