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EUNIS: C1.6Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 3180; 3190

Temporäre Stillgewässer der gemäßigten Zone (EUNIS C1.6) – Turloughs und Gipskarstseen

Das temporäre Stillgewässer der gemäßigten Zone (EUNIS C1.6) umfasst periodisch austrocknende Seen, Teiche und Tümpel. Die Lebensgemeinschaften hängen vom Wechsel zwischen Nass- und Trockenphasen ab. Europarechtlich geschützt sind die Untertypen Turloughs (Anhang-I-Code 3180) und Gipskarstseen (3190). Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft den Biotoptyp als ungefährdet (Least Concern) ein.

Einordnung

Originalbezeichnung
Temperate temporary waterbody
EUNIS
C1.6 – Temporary lakes, ponds and pools
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
3180; 3190 – * Turloughs; Lakes of gypsum karst

Das Wichtigste in Kürze

Temporäre Stillgewässer der gemäßigten Zone (EUNIS-Code C1.6) sind Flachgewässer, die im Jahresverlauf regelmäßig ganz oder teilweise austrocknen. Pflanzen und Tiere sind an diesen Wechsel perfekt angepasst. Zwei europarechtlich bedeutsame Untertypen – Turloughs und Gipskarstseen – werden im Anhang I der FFH-Richtlinie geführt. Die Europäische Rote Liste bewertet den Gesamtbestand des Lebensraums als „least concern“ (nicht gefährdet). Der folgende Text klärt die ökologischen Besonderheiten, die typischen Artengemeinschaften und die Einordnung in das europäische Schutzgebietsnetz.

Was sind temporäre Stillgewässer der gemäßigten Zone?

Bei einem temporären Stillgewässer handelt es sich um ein Gewässer, das nicht ganzjährig Wasser führt. In der gemäßigten Zone Europas folgen die Wasserstände meist dem Grundwasserstand und der Niederschlagsmenge. Die Trockenphase kann wenige Wochen oder mehrere Monate dauern. Der Begriff „EUNIS C1.6“ fasst dabei Seen, Teiche, Weiher und Tümpel zusammen, bei denen die Hydrologie und die geomorphologische Situation das Lebensraumbild stärker prägen als die konkrete Pflanzenzusammensetzung.

Während der Feuchtphasen dominieren oft Sumpf- und Wasserpflanzen. Sobald das Wasser zurückgeht, können binnen kurzer Zeit feuchtigkeitsliebende Gräser und Kräuter auflaufen, die in permanent gefüllten Gewässern nicht konkurrenzfähig wären. Anders als bei Mooren oder Auen spielt der Nährstoffgehalt eine untergeordnete Rolle; entscheidend sind die Schwankungsdynamik und die Geschwindigkeit des Austrocknens. Dies macht das Habitat sehr dynamisch und erfordert eine genaue hydrologische Betrachtung.

EUNIS-Klassifikation und europäischer Kontext

Im EUNIS-Habitatsystem (European Nature Information System) ist der Biotoptyp unter dem Kürzel C1.6 registriert. Seine vollständige Bezeichnung lautet „Temporary lakes, ponds and pools“ – also temporäre Seen, Teiche und Tümpel. Untergeordnet finden sich mehrere geologisch und klimatisch abgegrenzte Untertypen, von denen zwei auch im europäischen Naturschutzrecht gesondert behandelt werden.

Das EUNIS-System dient der einheitlichen Erfassung und Bewertung von Lebensräumen in Europa. Es ist ein wichtiges Instrument für die Berichterstattung gemäß FFH-Richtlinie und für die Erstellung der Europäischen Roten Liste der Lebensräume. Die Einstufung von C1.6 als eigenständiger Code unterstreicht, dass es sich nicht um einen rein pflanzensoziologischen Typ handelt, sondern um einen hydrologisch definierten Biotop.

Die FFH-Untertypen: Turloughs (3180) und Gipskarstseen (3190)

Zwei Erscheinungsformen temporärer Stillgewässer sind als eigener Lebensraumtyp im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt:

Turloughs – priorisierter Lebensraum (*3180)

Turloughs sind ein im europäischen Kontext besonders markanter Gewässertyp. Ursprünglich galten sie als fast ausschließlich irisches Phänomen, wurden inzwischen aber auch in Schottland, Wales und – durch ähnliche hydrologische Mechanismen – in Karstgebieten Sloweniens und anderer mediterraner Kalkgebirge beschrieben. Es handelt sich um abflusslose Senken auf Kalkstein, die jährlich im Herbst durch aufsteigendes Grundwasser aus Spalten und Quellen volllaufen. Teilweise wirken auch Gezeitenbewegungen an Küstenstandorten mit. Im Frühjahr und Sommer versickert das Wasser durch dieselben Karsthohlräume („swallow-holes“) wieder.

Die Vegetation ist von der Überflutungsdauer, der Beweidung und vom Nährstoffhaushalt abhängig. In tieferen Lagen können dauerhafte Kleingewässer mit Strandlingsgesellschaften (Littorelletea) auftreten. Die höher gelegenen, länger trockenfallenden Bereiche bilden Feuchtwiesen aus. Typische Arten sind Sumpf-Hornklee (Lotus corniculatus), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Echtes Labkraut (Galium verum), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) und Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera). Im Irischen Burren markiert der Strauch-Fingerkraut (Potentilla fruticosa) oft die Hochwasserlinie. Als besonders charakteristisch gilt zudem das Schwarzmoos Cinclidotus fontinaloides, das als Indikator für temporär überstaute Felsbereiche dient.

Pflanzensoziologisch lassen sich Turloughs drei Klassen zuordnen: den Kleinseggenriedern (Scheuchzerio palustris-Caricetea fuscae), den Wirtschaftsgrünland-Gesellschaften (Molinio-Arrhenatheretea) und den Strandlings-Uferrasen (Littorelletea uniflorae). Die FFH-Richtlinie nennt die Verbände Caricion davallianae und Potentillion anserinae als kennzeichnend.

Gipskarstseen – sehr seltener Karsttyp (3190)

Gipskarstseen sind eine Rarität auf europäischer Ebene. Sie entstehen durch Quellaustritte oder Quellkomplexe in aktivem Gipskarst. Das umgebende Gestein besteht aus Calciumsulfat (Gips) und/oder Calciumcarbonat (Kalk). Die Seen liegen meist in trichterförmigen Dolinen oder Senkungsmulden und zeichnen sich durch stark schwankende Wasserstände und erhöhte Sulfatkonzentrationen aus.

Die Vegetation ist an die Wechselwasserbedingungen und den hohen Sulfatgehalt angepasst. In jüngeren Dolinen kommen submerse und freischwimmende Makrophyten vor, während ältere Senken in Niedermoore oder terrestrische Feuchtwiesen übergehen können. Vegetationskundlich treten Verbände der Strandlingsgesellschaften auf: Subularion aquaticae, Deschampsion litoralis, Lobelion dortmannae, Littorellion uniflorae und Hyperico elodis-Sparganion.

Der FFH-Code 3190 schützt Gipskarstseen als eigenen Lebensraumtyp. Anders als die Turloughs (*3180) gilt er nicht als priorisierter Lebensraum, ist aber wegen seiner extremen Seltenheit von besonderer Bedeutung für den europäischen Naturschutz.

Lebensraum und Artenvielfalt

Temporäre Gewässer beherbergen eine bemerkenswerte Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die an die Wechselfeuchte angepasst sind. Viele Arten sind nicht auf diesen Lebensraum beschränkt, sondern kommen auch in anderen Feuchtgebieten vor. Die Diagnose des Biotoptyps erfolgt daher über die Kombination aus Hydrologie und Geomorphologie, nicht allein über die Artenliste. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wiederholt nachgewiesene Organismengruppen.

GruppeTypische Gattungen / ArtenBesonderheit
GefäßpflanzenViola persicifolia, Potentilla fruticosa, Rorippa islandica, Callitriche palustris, Subularia aquatica, Deschampsia setacea, Lobelia dortmanna, Littorella uniflora, Hypericum elodis, Sparganium gramineum, Carex davalliana u.v.a.Keine Art ist ausschließlich auf den Biotoptyp beschränkt; entscheidend ist die zeitliche Abfolge des Wasserstands.
MooseCinclidotus fontinaloides, Fontinalis antipyretica, Drepanocladus spp., Calliergon spp.Das Schwarzmoos Cinclidotus ist ein zuverlässiger Indikator für Turloughs.
MakroinvertebratenCleon dipterum, Bithynia tentaculata, Lymnea peregra, Daphnia pulex, Diaptomus castor, Cyclops agilis, Gammarus spp., Helophorus spp., Tanymastix stagnalis, Chirocephalus spp., Käfer wie Hydroporus palustris und Agonum lugensBesonders Kleinkrebse und Urzeitkrebse (z. B. Tanymastix) können Trockenphasen als Dauereier überdauern.
WirbeltiereAmphibien: Triturus spp., Bombina spp., Bufo spp., Hyla spp., Rana spp.Vögel: Anser albifrons, Cygnus cygnus, Anas spp., WatvögelBei ganzjährig wasserführenden Resttümpeln dienen Turloughs als Rast- und Überwinterungsgewässer; Laichgewässer für Amphibien sind besonders im Frühjahr bedeutsam.

Diese Artenvielfalt ist unmittelbar an die Dynamik des Wassers gebunden. Fällt das Gewässer zu schnell oder zu langsam trocken, brechen die Nahrungsketten zusammen. Dauerhafte Wasserführung kann Fischbesatz begünstigen, der die Amphibienpopulationen und die Kleinkrebse drastisch reduziert.

Qualitätsmerkmale und Gefährdung

Der gute Erhaltungszustand eines temporären Stillgewässers zeigt sich an drei Merkmalen:

  1. Der periodische Wechsel von Nass- und Trockenphasen findet in natürlichem Rhythmus statt.
  2. Es gibt keine massiven anthropogenen Eingriffe in das hydrogeologische System (z. B. Wasserentnahme, Drainage).
  3. Ruderalarten, Neophyten oder stark stickstoffliebende Pflanzen, die auf übermäßige Eutrophierung oder Störung hindeuten, fehlen weitgehend.

In den vorliegenden Quelldaten wird keine detaillierte Liste von Gefährdungen aufgeführt. Die Qualitätsindikatoren legen jedoch nahe, dass vor allem Veränderungen des Wasserhaushalts – etwa durch Entwässerung für die Landwirtschaft, Grundwasserabsenkungen oder die Abdichtung von Karstspalten – zu den Hauptrisiken zählen. Ebenso kann Nährstoffeintrag aus umliegenden Flächen die typische Vegetation verdrängen.

Rote-Liste-Einstufung und Schutzstatus

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (European Red List of Habitats) bewertet den Biotoptyp C1.6 sowohl für die EU28 als auch für den erweiterten geografischen Rahmen (EU28+) als „Least Concern“ – also nicht gefährdet. Das bedeutet, dass auf kontinentaler Ebene derzeit kein erhöhtes Verschwindensrisiko besteht. Zu beachten ist jedoch, dass die regionalen Zustände erheblich abweichen können. Einzelne Vorkommen – insbesondere die der seltenen Gipskarstseen – können national oder lokal stark gefährdet oder vom Verschwinden bedroht sein.

Schutzrechtlich genießen die Untertypen Turloughs und Gipskarstseen eine Sonderstellung: Sie sind im Anhang I der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) als Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse gelistet. Turloughs (Code 3180) führen den Prioritärstatus (* priorisierter Lebensraum), was eine besondere Verantwortung der Mitgliedstaaten für ihren Schutz begründet. Der FFH-Erhaltungszustand nach Artikel 17 (Berichtspflicht der EU-Staaten) ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben; für eine aktuelle Einschätzung müssen die jeweiligen nationalen FFH-Berichte konsultiert werden.

Bedeutung für Mensch und Garten – was kann man daraus lernen?

Auch wenn ein echter Turlough oder ein Gipskarstsee nicht im Garten nachbaubar ist, lohnt sich ein Blick auf die ökologischen Prinzipien. Viele Gartenteichbesitzer erleben einen „temporären Teich“ ungewollt, wenn ein Folienteich im Sommer undicht wird. Dabei zeigt sich, dass wechselfeuchte Bereiche eine erstaunliche Artenfülle fördern können. Naturnahe Kleingewässer, deren Wasserstand mit den Jahreszeiten schwankt, bieten Lebensraum für Libellen, Molche und seltene Wasserpflanzen und benötigen keine technische Dauerbefüllung.

In Kommunen können temporäre Regenwassermulden oder periodisch geflutete Senken die Biodiversität erhöhen. Dabei ist es wichtig, die natürliche Dynamik zuzulassen und nicht durch eine zu starke Gestaltung zu stören. Die europäische Perspektive zeigt: Selbst Lebensräume, die nur wenige Wochen im Jahr Wasser führen, können einen unschätzbaren Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was ist ein temperates temporäres Stillgewässer?

Ein Stillgewässer der gemäßigten Zone, das periodisch ganz oder teilweise trockenfällt. Der Wasserstand wird durch Grundwasser und Niederschläge bestimmt. Die Lebensgemeinschaften sind auf den Wechsel von Nass- und Trockenphase angewiesen (EUNIS C1.6).

2. Worin unterscheiden sich Turloughs und Gipskarstseen?

Turloughs entstehen auf Kalkstein und füllen sich meist im Herbst über Karstspalten; sie sind ein prioritärer FFH-Lebensraum (*3180). Gipskarstseen liegen in Gips-Karstgebieten, weisen hohe Sulfatkonzentrationen auf und sind extrem selten (FFH-Code 3190).

3. Sind diese Gewässer in Europa gefährdet?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet den Gesamttyp C1.6 als ungefährdet (Least Concern). Lokal können jedoch starke Gefährdungen bestehen, insbesondere bei den seltenen Gipskarstseen.

4. Welche Rolle spielen diese Gewässer für Amphibien?

Temporäre Stillgewässer sind ideale Laichgewässer für Frösche, Kröten und Molche, weil Fische als Fressfeinde fehlen. Viele Amphibienarten nutzen die Frühjahrsüberschwemmung zur Fortpflanzung, bevor das Wasser versickert.

5. Kann ich einen solchen Lebensraum im Garten anlegen?

Einen echten Turlough oder Gipskarstsee kann man nicht nachbauen, da die Geologie fehlt. Ein naturnaher Gartenteich mit stark schwankendem Wasserstand kann jedoch ähnliche ökologische Nischen bieten und die lokale Artenvielfalt fördern.

Häufige Fragen

Was ist ein temperates temporäres Stillgewässer?

Ein Stillgewässer der gemäßigten Zone, das periodisch ganz oder teilweise trockenfällt. Der Wasserstand wird durch Grundwasser und Niederschläge bestimmt. Die Lebensgemeinschaften sind auf den Wechsel von Nass- und Trockenphase angewiesen (EUNIS C1.6).

Worin unterscheiden sich Turloughs und Gipskarstseen?

Turloughs entstehen auf Kalkstein und füllen sich meist im Herbst über Karstspalten; sie sind ein prioritärer FFH-Lebensraum (*3180). Gipskarstseen liegen in Gips-Karstgebieten, weisen hohe Sulfatkonzentrationen auf und sind extrem selten (FFH-Code 3190).

Sind diese Gewässer in Europa gefährdet?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet den Gesamttyp C1.6 als ungefährdet (Least Concern). Lokal können jedoch starke Gefährdungen bestehen, insbesondere bei den seltenen Gipskarstseen.

Welche Rolle spielen diese Gewässer für Amphibien?

Temporäre Stillgewässer sind ideale Laichgewässer für Frösche, Kröten und Molche, weil Fische als Fressfeinde fehlen. Viele Amphibienarten nutzen die Frühjahrsüberschwemmung zur Fortpflanzung, bevor das Wasser versickert.

Kann ich einen solchen Lebensraum im Garten anlegen?

Einen echten Turlough oder Gipskarstsee kann man nicht nachbauen, da die Geologie fehlt. Ein naturnaher Gartenteich mit stark schwankendem Wasserstand kann jedoch ähnliche ökologische Nischen bieten und die lokale Artenvielfalt fördern.

Quellen