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EUNIS: D2.3Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 7140

Nicht kalkhaltiges Schwingrasenmoor (D2.3) – Ein sensibler Lebensraum im Überblick

Das nicht kalkhaltige Schwingrasenmoor (EUNIS-Code D2.3) ist ein sehr nasser, saurer Moorlebensraum mit schwimmenden Torfdecken (Schwingrasen). Es wird von mineralischem Grundwasser gespeist, weist einen pH-Wert unter 7 auf und beherbergt typische Arten wie Schlamm-Segge, Fieberklee und Torfmoose. Nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume gilt es als „Vulnerable“ (gefährdet). Es entspricht dem FFH-Lebensraumtyp 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoore).

Einordnung

Originalbezeichnung
Non-calcareous quaking mire
EUNIS
D2.3 – Transition mires and quaking bogs
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Vulnerable
FFH-Anhang I
7140 – Transition mires and quaking bogs

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Typ: D2.3 – Transition mires and quaking bogs (nicht kalkhaltiges Schwingrasenmoor)
  • Rote Liste Europa: Vulnerable (gefährdet) – EU28 und EU28+
  • FFH-Anhang I: Code 7140 („Übergangs- und Schwingrasenmoore“)
  • Kennzeichen: extrem nasse, saure bis mäßig saure Moore mit schwimmenden Torfrasen (Schwingdecken), nährstoffarme Übergangs- und Zwischenmoorvegetation
  • Typische Arten: Fieberklee, Schlamm-Segge, Schnabel-Segge, Weißes Schnabelried, verschiedene Torfmoose
  • Wasserhaushalt: ganzjährig oberflächennaher Wasserspiegel; Tritt führt zum typischen „Schwingen“
  • Erhaltungszustand (Art. 17): in den vorliegenden Quelldaten nicht enthalten

EUNIS-Klassifikation und Lebensraumtyp

Das nicht kalkhaltige Schwingrasenmoor wird im europaweit gültigen EUNIS-System unter dem Code D2.3 („Transition mires and quaking bogs“) geführt. Es gehört zu den mineralisch gespeisten Mooren (Niedermoore im weiteren Sinne), die sich durch einen hohen und stabil anstehenden Grundwasserspiegel auszeichnen. Im Gegensatz zu Hochmooren (D1.1) fehlt eine aufgewölbte Torfkuppe, und anders als bei Aapa-Mooren (D3.2) treten keine langgezogenen Strang-Hohl-Strukturen auf. Von kalkreichen Schwingrasen (D4.1c) unterscheidet sich der Typ durch das Fehlen kennzeichnender Kalkmoos-Arten der Gattungen Scorpidium.

Der Name Schwingrasenmoor verweist auf die oft schwimmenden Torfdecken, die bei der Verlandung von Gewässern entstehen oder sich in stark durchströmten Hangmooren ausbilden. Die Torfpackungsdichte ist gering – betritt man die Fläche, gibt sie charakteristisch nach („quaking“).

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume, herausgegeben von der EU-Umweltagentur (EEA), bewertet das nicht kalkhaltige Schwingrasenmoor als Vulnerable (gefährdet). Diese Einstufung gilt sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte Bewertung (EU28+). Konkrete Gefährdungskriterien oder Trendangaben sind in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt, die Vulnerable-Einstufung signalisiert aber ein hohes Rückgangs- und Beeinträchtigungsrisiko.

FFH-Richtlinie und Annex I

Der Lebensraum fällt unter den Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) mit dem Code 7140„Übergangs- und Schwingrasenmoore“. Diese Verbindung unterstreicht den Schutzstatus innerhalb der EU und verpflichtet die Mitgliedstaaten, einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Eine spezifische Bewertung des Erhaltungszustands nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den verwendeten Quelldaten nicht für diesen Subtyp ausgewiesen, da die Berichterstattung auf höherer Ebene (Code 7140) aggregiert erfolgt.

Lebensraum und Artenvielfalt

Schwingrasenmoore zählen zu den artenreichsten Moortypen des gemäßigten Europas. Ihre Vegetation setzt sich aus nährstoffarmes bis mäßig nährstoffreiches Zwischenmoor („poor fen“) zusammen, wobei der pH-Wert im sauren bis mäßig sauren Bereich (unter 7) liegt.

Pflanzensoziologisch prägend sind:

  • am Wasser stehende oder flutende Torfmoose (Sphagnum cuspidatum, S. platyphyllum und andere)
  • niedrige Seggenrieder mit Arten wie Carex limosa und Carex rostrata
  • amphibische Kräuter wie Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Sumpf-Calla (Calla palustris)
  • karnivore Pflanzen wie Wasserschlauch-Arten (Utricularia intermedia, U. minor)

Wo die Torfdecke dicker wird, können fast ombrotrophe Bulten mit Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und Torfmoosen wie Sphagnum magellanicum aufwachsen. Charakteristisch bleiben jedoch tiefer wurzelnde minerotrophe Arten.

Charakteristische Arten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle listet typische Gefäßpflanzen, Moose und einen Leitvogel auf, basierend auf den offiziellen Lebensraumbeschreibungen.

GruppeWissenschaftlicher NameDeutscher Name
GefäßpflanzeAndromeda polifoliaRosmarinheide
GefäßpflanzeCalla palustrisSumpf-Calla (Schlangenwurz)
GefäßpflanzeCarex limosaSchlamm-Segge
GefäßpflanzeCarex rostrataSchnabel-Segge
GefäßpflanzeCarex lasiocarpaFaden-Segge
GefäßpflanzeEriophorum angustifoliumSchmalblättriges Wollgras
GefäßpflanzeEquisetum fluviatileTeich-Schachtelhalm
GefäßpflanzeMenyanthes trifoliataFieberklee
GefäßpflanzePotentilla palustrisSumpf-Blutauge
GefäßpflanzeRhynchospora albaWeißes Schnabelried
GefäßpflanzeScheuchzeria palustrisBlumenbinse
GefäßpflanzeUtricularia intermediaMittlerer Wasserschlauch
GefäßpflanzeVaccinium oxycoccosGemeine Moosbeere
GefäßpflanzeDrosera rotundifoliaRundblättriger Sonnentau
MoosSphagnum cuspidatumSpieß-Torfmoos
MoosSphagnum fallaxGefälliges Torfmoos
MoosSphagnum majusGroßes Torfmoos
MoosSphagnum subsecundumEinseitswendiges Torfmoos
MoosWarnstorfia fluitansFlutendes Schlauchblattmoos
MoosCalliergonella cuspidataSpitzblättriges Schönmoos
VogelTringa glareolaBruchwasserläufer

Diese Auswahl spiegelt das typische Artenspektrum wider; je nach Region und Ausprägung können weitere seltene Arten hinzutreten.

Qualitätsmerkmale und Zustandsindikatoren

Ein intaktes nicht kalkhaltiges Schwingrasenmoor erkennt man an folgenden Kriterien:

  • Wasserstand: Der Moorkörper ist ganzjährig wassergesättigt; der Wasserspiegel ist stets an der Oberfläche sichtbar.
  • Torfpackung: Die Dichte des Torfes ist gering; beim Betreten entsteht das namensgebende Schwingen (Nachgiebigkeit der Matte).
  • Entwässerungseinflüsse: Gräben, die den Wasserstand absenken oder starke Pegelschwankungen verursachen, gelten als Beeinträchtigung.
  • Vegetationsstruktur: Eine Verschlechterung zeigt sich in der Abnahme nässegebundener Moorarten (z. B. bei Vögeln), einer Zunahme von Gehölzen und der Ausdehnung von Bultvegetation auf Kosten der Schlenken- und Schwingrasenflächen.

Bedrohungen und Schutz

Die für die Einstufung maßgeblichen konkreten Bedrohungen sind in den Quelldaten nicht als separate Liste aufgeführt. Aus den Qualitätsindikatoren lassen sich jedoch die wesentlichen Gefährdungsfaktoren ableiten:

  • Entwässerung und Wasserstandsabsenkung (etwa durch Melioration, Torfabbau, angrenzende Landnutzung)
  • Nähr- und Schadstoffeintrag aus benachbarten Flächen
  • Verbuschung und Verlust offener Torfmoosflächen als Folge von Austrocknung
  • Klimawandel, der das Wasserregime zusätzlich belastet

Schutz und Wiederherstellung erfordern vor allem die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts. Maßnahmen wie Grabenverschluss, Anhebung des Grundwasserspiegels und Pufferzonen sind typische Elemente des Moormanagements. In Kommunen und Gärten kann der Lebensraum nicht 1:1 nachgebaut werden; die Illusion eines „Garten-Schwingrasens“ scheitert an den komplexen hydrologischen Bedingungen und der strengen Nährstoffarmut. Lokale Initiativen zur Wiedervernässung von Restmooren oder zur Anlage von Kleingewässern mit Schwingrasenansätzen in extensiv gepflegten Feuchtwiesen können aber durchaus eine Rolle im Naturschutz spielen – immer unter fachlicher Anleitung.


FAQ

1. Was ist ein Schwingrasenmoor? Ein Schwingrasenmoor ist ein nasses Moor mit einer schwimmenden Torfdecke, die beim Betreten nachgibt („schwingt“). Es wird von mineralischem Grundwasser gespeist und bleibt sauer bis schwach sauer (pH < 7).

2. Welcher FFH-Code gilt für nicht kalkhaltige Schwingrasenmoore? Der Lebensraum ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 7140 – Übergangs- und Schwingrasenmoore. Dieser Code umfasst sowohl kalkhaltige als auch nicht kalkhaltige Ausprägungen.

3. Ist das nicht kalkhaltige Schwingrasenmoor in Europa gefährdet? Ja, die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet es als Vulnerable (gefährdet). Die Einstufung basiert auf der EU28- und EU28+-Bewertung.

4. Welche Pflanzen sind typisch für diesen Moorlebensraum? Charakteristisch sind Fieberklee, Schlamm-Segge, Schnabel-Segge, Weißes Schnabelried, Schmalblättriges Wollgras, Mittlerer Wasserschlauch und verschiedene Torfmoose (z. B. Sphagnum cuspidatum und Sphagnum majus).

5. Kann ich ein Schwingrasenmoor im eigenen Garten anlegen? Nein, ein echtes Schwingrasenmoor lässt sich im Garten nicht herstellen. Die extrem nährstoffarmen, konstant nassen Bedingungen und die erforderliche Torfbildung über Jahre sind im Gartenmaßstab nicht reproduzierbar. Kleinere Feuchtbiotope mit Moorbeetpflanzen können jedoch einen Beitrag zur Umweltbildung leisten, ohne die Funktion des echten Lebensraums zu ersetzen.


Quellen

Alle Angaben basieren auf dem EEA-erweiterten Paket der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (2022) und den offiziellen EUNIS- und FFH-Daten. Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 ist in den verwendeten Quelldaten nicht individuell für den Subtyp D2.3 ausgewiesen.

Häufige Fragen

Was ist ein Schwingrasenmoor?

Ein Schwingrasenmoor ist ein nasses Moor mit einer schwimmenden Torfdecke, die beim Betreten nachgibt („schwingt“). Es wird von mineralischem Grundwasser gespeist und bleibt sauer bis schwach sauer (pH < 7).

Welcher FFH-Code gilt für nicht kalkhaltige Schwingrasenmoore?

Der Lebensraum ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 7140 – Übergangs- und Schwingrasenmoore. Dieser Code umfasst sowohl kalkhaltige als auch nicht kalkhaltige Ausprägungen.

Ist das nicht kalkhaltige Schwingrasenmoor in Europa gefährdet?

Ja, die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet es als Vulnerable (gefährdet). Die Einstufung basiert auf der EU28- und EU28+-Bewertung.

Welche Pflanzen sind typisch für diesen Moorlebensraum?

Charakteristisch sind Fieberklee, Schlamm-Segge, Schnabel-Segge, Weißes Schnabelried, Schmalblättriges Wollgras, Mittlerer Wasserschlauch und verschiedene Torfmoose (z. B. Sphagnum cuspidatum und Sphagnum majus).

Kann ich ein Schwingrasenmoor im eigenen Garten anlegen?

Nein, ein echtes Schwingrasenmoor lässt sich im Garten nicht herstellen. Die extrem nährstoffarmen, konstant nassen Bedingungen und die erforderliche Torfbildung über Jahre sind im Gartenmaßstab nicht reproduzierbar. Kleinere Feuchtbiotope mit Moorbeetpflanzen können jedoch einen Beitrag zur Umweltbildung leisten.

Quellen