EUNIS E4.3 – Boreales und arktisches azidophiles alpines Grasland
Das boreale und arktische azidophile alpine Grasland (EUNIS E4.3) umfasst niedrige, schneebeeinflusste Gras-, Seggen-, Binsen- und Krautvegetation auf Silikatböden in Fennoskandinavien, Island und Schottland. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet es als ungefährdet (Least Concern). Es fällt unter FFH-Anhang I Code 6150 (Silikat-Alpin- und Boreales Grasland).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Boreal and arctic acidophilous alpine grassland
- EUNIS
- E4.3 – Acid alpine and subalpine grassland
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 6150 – Siliceous alpine and boreal grasslands
Das Wichtigste in Kürze
Das boreale und arktische azidophile alpine Grasland (EUNIS-Code E4.3) ist ein von Gräsern, Seggen, Binsen oder Kräutern beherrschter Vegetationstyp in den Gebirgen Fennoskandinaviens, Islands und Schottlands. Die Bestände sind fast immer niedriger als 30 cm, wachsen auf saurem Silikatgestein und stehen unter prägendem Einfluss einer lang liegenden Schneedecke. Der Lebensraumtyp gilt europaweit als ungefährdet (Least Concern), ist aber durch klimabedingte Verbuschung langfristig bedroht. Er ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 6150 (Siliceous alpine and boreal grasslands).
EUNIS-Steckbrief
Die EUNIS-Klassifikation ordnet das boreale und arktische azidophile alpine Grasland dem Code E4.3 zu, mit der Bezeichnung „Acid alpine and subalpine grassland“. Es handelt sich um die azidophile (säureliebende) Ausprägung der alpinen und subalpinen Grasländer. Die Vegetation bleibt nahezu immer unter 30 cm Höhe und wird stark von der Dauer der Schneebedeckung bestimmt. EUNIS sieht diesen Typ als einen eigenen Biotop innerhalb der Gruppe der alpinen und subalpinen Grasländer (E4).
Eine Besonderheit: Es gibt nicht die eine charakteristische Art für alle Ausprägungen dieses Lebensraums. Stattdessen wechselt die Artenkombination je nach Vegetationstyp – von graminoiden Bergheiden (Ordnung Juncetalia trifidi) mit Nardus stricta, Festuca ovina, Carex bigelowii und Juncus trifidus bis zu sekundären Bergwiesen mit Bistorta vivipara, Cerastium alpinum, Thalictrum alpinum und anderen (Verband Potentillo-Polygonion vivipari). Letztere werden als boreales Gegenstück zu den Berg-Mähwiesen (EUNIS E2.3) angesehen.
Europäische Rote Liste – Gefährdung
Die European Red List of Habitats (EU28+ und EU28) bewertet diesen Lebensraumtyp als Least Concern (ungefährdet) . Ein spezifisches Kriterium für die Einstufung ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Die Bewertung gilt für das gesamte europäische Areal, das sich im Wesentlichen auf die borealen und arktischen Hochlagen Fennoskandinaviens, Islands und Schottlands beschränkt. Trotz der stabilen Gesamteinschätzung wird auf eine langfristige Gefahr durch den Klimawandel hingewiesen: Höhere Temperaturen fördern das Aufkommen von Sträuchern und Bäumen und können die offenen Grasfluren verkleinern.
FFH-Anhang I und Artikel-17-Erhaltungszustand
Der Biotoptyp ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 6150 – Siliceous alpine and boreal grasslands (Silikat-Alpin- und Boreales Grasland). Das bedeutet, dass die Mitgliedstaaten der EU verpflichtet sind, für diesen Lebensraumtyp innerhalb des Natura-2000-Netzwerks einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Ein aktueller europaweiter Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht dokumentiert.
Lebensraum und Artenvielfalt
Standortbedingungen
Der Lebensraum ist auf saure Silikatgesteine angewiesen. Entscheidend ist eine dicke und lange liegenbleibende Schneedecke, die das Mikroklima prägt, die Wachstumsperiode verkürzt und die Vegetation niedrig hält. Die Bestände sind von Natur aus waldfrei und ohne Strauchschicht. Die Abgrenzung zum kalkreichen arktisch-alpinen Grasland (E4.4a) erfolgt nicht nur über die Bodenchemie, sondern auch über die meist geringere Bestandshöhe.
Vegetation und kennzeichnende Arten
Die Vegetation setzt sich aus niedrigen Gräsern, Seggen, Binsen und Stauden zusammen. Eine nach Ausprägung gegliederte Übersicht der charakteristischen Arten:
| Artengruppe | Charakteristische Arten |
|---|---|
| Gräser | Nardus stricta (Borstgras), Festuca ovina (Schaf-Schwingel), Deschampsia flexuosa (Draht-Schmiele), Trisetum spicatum (Ähriges Goldhafergras), Poa alpina (Alpen-Rispengras, oft kalkhold) |
| Seggen und Binsen | Carex bigelowii (Bigelow-Segge), Juncus trifidus (Dreispaltige Binse), Luzula multiflora ssp. frigida (Vielblütige Hainsimse) |
| Krautige Blütenpflanzen | Bistorta vivipara (Lebendgebärender Knöterich), Cerastium alpinum (Alpen-Hornkraut), Thalictrum alpinum (Alpen-Wiesenraute), Saussurea alpina (Alpen-Scharte), Ranunculus acris ssp. pumila (Zwerg-Scharfer Hahnenfuß), Silene acaulis (Stängelloses Leimkraut), Astragalus alpinus (Alpen-Tragant), Astragalus frigidus (Eis-Tragant), Erigeron uniflorus (Einköpfiges Berufkraut), Potentilla crantzii (Crantz-Fingerkraut), Solidago virgaurea (Gewöhnliche Goldrute), Veronica alpina (Alpen-Ehrenpreis), Viola biflora (Zweiblütiges Veilchen), Salix polaris (Polar-Weide), Cassiope tetragona (Viereckige Moosheide) |
| Moose und Lebermoose | Polytrichastrum alpinum, Polytrichum juniperinum |
| Flechten | Cetraria spp., Flavocetraria spp. |
Die mit (*) markierten Arten sind in Fennoskandinavien kalkliebend, verhalten sich in der Arktis aber gegenüber dem Bodensubstrat indifferent.
Qualitätsmerkmale
Ein gut ausgeprägter Bestand zeigt:
- Offenheit: keine Gehölze (Bäume oder Sträucher)
- Dominanz niedriger Vegetation: Gräser, Seggen, Binsen oder Kräuter bestimmen das Bild
- Prägung durch Schnee: eine dicke und lang liegende Schneedecke ist standorttypisch und unterdrückt höheren Wuchs
Bedrohungen und Klimawandel
Der größte langfristige Druck ist die Klimaerwärmung. Sie fördert das Höhenwachstum und die Ausbreitung von Zwergsträuchern und Bäumen, was die offene Grasvegetation zunehmend beschattet und verdrängt. Weitere konkrete Gefährdungen (etwa durch Tourismus, Beweidung oder Luftverschmutzung) werden in den vorliegenden offiziellen Quelldaten nicht genannt. Auch Hinweise zu spezifischen Wiederherstellungsmaßnahmen sind nicht enthalten.
Bedeutung für den Naturschutz in Gärten und Kommunen
Das boreale und arktische azidophile alpine Grasland kann im Tieflandgarten oder in städtischen Grünanlagen nicht 1:1 nachgebildet werden, da es eng an die extremen Bedingungen subarktischer Gebirge gebunden ist. Dennoch liefert das Verständnis dieses Lebensraumtyps wertvolle Impulse für die naturnahe Gestaltung von Schotter-, Kies- oder Sandflächen mit niedrigen Gräsern und Kräutern auf saurem Substrat – am ehesten in kühl-feuchten Regionen Mitteleuropas in Hochlagen. Wer solche Elemente anlegt, fördert immerhin Teile der typischen Artengarnitur und schafft offene, blütenreiche Mikrohabitate.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist das boreale und arktische azidophile alpine Grasland?
Es ist ein Vegetationstyp aus niedrigen Gräsern, Seggen, Binsen oder Kräutern, der auf sauren Silikatböden in den Gebirgen Fennoskandinaviens, Islands und Schottlands vorkommt. Die Bestände sind meist unter 30 cm hoch und werden von dicker, spät ausapernder Schneedecke geprägt (Quelle: European Red List of Habitats).
Ist dieser Lebensraumtyp gefährdet?
Nein, die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als Least Concern (ungefährdet) . Allerdings kann der Klimawandel durch Verbuschung langfristig Flächenverluste verursachen.
Welchem FFH-Lebensraumtyp entspricht E4.3?
Der EUNIS-Typ E4.3 ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 6150 – Siliceous alpine and boreal grasslands (Silikat-Alpin- und Boreales Grasland).
Welche Pflanzen sind typisch?
Es gibt viele verschiedene Pflanzengesellschaften. Häufig prägen Borstgras (Nardus stricta), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Bigelow-Segge (Carex bigelowii), Dreispaltige Binse (Juncus trifidus) sowie niedrige Stauden wie der Lebendgebärende Knöterich (Bistorta vivipara) oder das Stängellose Leimkraut (Silene acaulis) das Bild.
Wie unterscheidet sich E4.3 vom kalkreichen alpinen Grasland?
Der Unterschied liegt nicht nur im sauren Untergrund, sondern auch in der Bestandshöhe: Das azidophile Grasland ist meist noch niedriger als sein kalkreiches Gegenstück (EUNIS E4.4a). Einige typische Arten zeigen zudem ein wechselndes Kalkzeigerverhalten zwischen Fennoskandinavien und der Arktis.
Quellen
Häufige Fragen
Was ist das boreale und arktische azidophile alpine Grasland?
Es ist ein Vegetationstyp aus niedrigen Gräsern, Seggen, Binsen oder Kräutern, der auf sauren Silikatböden in den Gebirgen Fennoskandinaviens, Islands und Schottlands vorkommt. Die Bestände sind meist unter 30 cm hoch und werden von dicker, spät ausapernder Schneedecke geprägt (Quelle: European Red List of Habitats).
Ist dieser Lebensraumtyp gefährdet?
Nein, die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als Least Concern (ungefährdet). Allerdings kann der Klimawandel durch Verbuschung langfristig Flächenverluste verursachen.
Welchem FFH-Lebensraumtyp entspricht E4.3?
Der EUNIS-Typ E4.3 ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 6150 - Siliceous alpine and boreal grasslands (Silikat-Alpin- und Boreales Grasland).
Welche Pflanzen sind typisch?
Es gibt viele verschiedene Pflanzengesellschaften. Häufig prägen Borstgras (Nardus stricta), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Bigelow-Segge (Carex bigelowii), Dreispaltige Binse (Juncus trifidus) sowie niedrige Stauden wie der Lebendgebärende Knöterich (Bistorta vivipara) oder das Stängellose Leimkraut (Silene acaulis) das Bild.
Wie unterscheidet sich E4.3 vom kalkreichen alpinen Grasland?
Der Unterschied liegt nicht nur im sauren Untergrund, sondern auch in der Bestandshöhe: Das azidophile Grasland ist meist noch niedriger als sein kalkreiches Gegenstück (EUNIS E4.4a). Einige typische Arten zeigen zudem ein wechselndes Kalkzeigerverhalten zwischen Fennoskandinavien und der Arktis.