Lebensgemeinschaften auf baltischem zirkalitoralem Hartsubstrat – EUNIS MC13B-MC2312 im Porträt
Die Lebensgemeinschaften auf zirkalitoralem Hartsubstrat der Ostsee (EUNIS MC13B–MC2312) sind benthische Habitate der aphotischen Zone mit mindestens 90 % Hartsubstratbedeckung (Ton, Mergel, Manganknollen). Charakterarten wie Miesmuscheln (Mytilus) und Astarte-Arten prägen die Besiedlung. Die Europäische Rote Liste bewertet den Biotoptyp als ungefährdet (Least Concern).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Communities on Baltic circalittoral clay and other hard substrata
- EUNIS
- MC13B; MC13C; MC13D; MC13E; MC13F; MC231; MC2311; MC2312
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs
Das Wichtigste in Kürze
Dieser Artikel beschreibt den Meeresbiotoptyp „Communities on Baltic circalittoral clay and other hard substrata“, der in der Tiefenzone unterhalb der durchlichteten Bereiche (aphotische Zone) der Ostsee vorkommt. Er umfasst Lebensgemeinschaften auf harten Substraten wie verfestigtem Ton, Mergelgestein, Ferromanganknollen oder Torf, die mindestens 90 Prozent des Meeresbodens bedecken. Nach der Europäischen Roten Liste der Habitate (EU28 und EU28+) gilt der Typ als nicht gefährdet (Least Concern). Die Habitatcodes gemäß EUNIS lauten MC13B, MC13C, MC13D, MC13E, MC13F, MC231, MC2311 und MC2312.
EUNIS-Typologie: Einblicke in die Codes und das Substrat
Die EUNIS-Klassifikation (European Nature Information System) ordnet diesen Lebensraum mehreren Codes zu, die verschiedene Ausprägungen des zirkalitoralen Hartsubstrats in der Ostsee widerspiegeln:
- MC13B – Baltisches aphotisches Hartsubstrat (harter Ton)
- MC13C – Substrat mit Mergelgestein
- MC13D – Ferromanganknollen
- MC13E – Torfsubstrat
- MC13F – Sonstige harte Substrate
- MC231 – Gemeinschaften auf zirkalitoralem Hartsubstrat
- MC2311 und MC2312 – Feinunterteilungen nach dominanten Arten (Mytilidae bzw. Astarte spp.)
Allen Codes gemeinsam ist die Lage in der aphotischen Zone des baltischen Meeresbeckens, wo kein Licht für benthische Primärproduktion mehr zur Verfügung steht. Die Substratbedeckung durch Hartmaterialien beträgt laut HELCOM HUB-Klassifikation mindestens 90 %. Harte Tonbänke treten vor allem in energiereichen Umgebungen auf, Mergelgestein wurde nur im Baltischen Hauptbecken, im Beltsee und im Öresund dokumentiert, Ferromanganknollen im Baltischen Hauptbecken, Bottnischen Meerbusen, Finnischen Meerbusen und Rigaischen Meerbusen.
Lebensraum und biotische Gemeinschaften
Die berühmten Epibenthosgemeinschaften werden von sessilen bis semisessilen bivalven Muscheln dominiert. Typische Bedeckungsgrade liegen bei mindestens 10 %, wobei keine aufrecht wachsende perennierende Artengruppe mehr als 10 % Deckung erreicht. In manchen Fällen kann die Makrofauna vollständig fehlen.
Zwei Untereinheiten (Biotope) werden unterschieden:
- Baltisches aphotisches Hartsubstrat mit Mytilidae-Dominanz (AB.B1E1) – überwiegend Miesmuscheln der Gattung Mytilus.
- Baltisches aphotisches Hartsubstrat mit Astarte-Dominanz (AB.B1E4) – charakterisiert durch kälteliebende, salzbedürftige Arten wie Astarte borealis und Astarte elliptica, die häufig 70–90 % der Biomasse ausmachen.
Die bodennahen Wasserschichten weisen eine Salinität von 10–15 psu (Practical Salinity Units), Temperaturen zwischen 3 und 8 °C und relativ gute Sauerstoffverhältnisse auf. Da nur sehr wenige Makrofauna-Arten in das harte Material eindringen können, bildet die Epifauna die bestimmende Lebensform.
Charakterarten
Die in den Quelldaten genannten charakteristischen Arten sind:
- Mytilus spp. (Miesmuscheln, meist Mytilus edulis bzw. der baltische Komplex)
- Astarte borealis
- Astarte elliptica
Diese Arten definieren die beiden Hauptbiotope und dienen als potenzielle Indikatoren für den ökologischen Zustand. Informationen zu weiteren Begleitarten liegen in den verwendeten Quellen nicht vor.
Europäische Rote Liste: Einstufung als ungefährdet
Die Europäische Rote Liste der Habitate (European Red List of Habitats), veröffentlicht durch die Europäische Umweltagentur (EEA), bewertet diesen Lebensraumtyp sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte EU28+ Region als nicht gefährdet (Least Concern). Die Einstufung erfolgte im Rahmen des Projekts, das 2022 in einer verbesserten Datenzusammenstellung mündete. Ein spezifisches Gefährdungskriterium wird in der Quelldatenzeile nicht angegeben; die Kategorie „Least Concern“ zeigt an, dass aus europäischer Sicht aktuell kein erhöhtes Risiko für den Fortbestand des Habitats besteht.
FFH-Richtlinie und Schutzstatus
Der Biotoptyp ist mit zwei Anhang‑I-Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH, 92/43/EWG) assoziiert:
- 1160 – Große flache Buchten und Meeresarme (Large shallow inlets and bays)
- 1170 – Riffe (Reefs)
Beide Einträge sind durch das „#“-Symbol als Querverweis gekennzeichnet, was auf eine fachliche Überlappung hindeutet – das heißt, unter diesen FFH-Codes geschützte Flächen können Bereiche mit dem hier beschriebenen Hartsubstrat aufweisen. Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben, sodass eine gesamteuropäische Bewertung der konkreten Schutzsituation auf dieser Basis nicht möglich ist.
Biogeografische Verbreitung
Das Habitat ist ausschließlich der biogeografischen Region „BAL – Baltic“ zugeordnet. Nationale Zuordnungen zu EU-Mitgliedstaaten sind in der Datengrundlage nicht enthalten. Die Verbreitung erstreckt sich nach den Angaben über das Baltische Hauptbecken, den Beltsee, den Öresund, den Bottnischen Meerbusen, den Finnischen Meerbusen und den Rigaischen Meerbusen – also den gesamten baltischen Raum mit Ausnahme der flacheren Küstenbereiche und der Übergangszonen.
Qualitätsindikatoren und Bewertungsrahmen
Es gibt bisher keine allgemein anerkannten Qualitätsindikatoren für diesen Habitattyp. In der Beschreibung werden jedoch potenzielle Ansätze genannt:
- Vorkommen charakteristischer und empfindlicher Arten
- Wasserqualitätsparameter (Sauerstoff, Salinität, Temperatur)
- Expositionsgrad gegenüber Belastungen
- Trophische Indizes oder Sukzessionsstadien
Für bestimmte Schutzgebiete (z. B. Natura‑2000‑Gebiete) können lokal Referenzwerte definiert sein. In der Praxis gelten Diversität, Abundanz und Biomasse der dominierenden Muschelarten und der assoziierten Fauna als vielversprechende Indikatoren für den guten ökologischen Zustand.
Einordnung für Küstengemeinden und Naturinteressierte
Auch wenn es sich um ein rein marines Habitat handelt, das nicht auf Gartengrundstücken nachgebildet werden kann, besitzt es eine hohe Relevanz für das ökologische Bewusstsein in Ostseeanrainerregionen. Das Wissen um die Existenz und die Bedingungen dieser Bodengemeinschaften unterstützt:
- die sachgemäße Bewertung von Eingriffen in Küstengewässer
- die Ausweisung und das Management mariner Schutzgebiete
- die Sensibilisierung für den Schutz störungsempfindlicher Hartsubstrat-Lebensräume
Bürgerwissenschaftliche Projekte zur Kartierung von Muschelbänken oder zur Wasserqualität können helfen, Datenlücken zu schließen – ein Umstand, der wegen der fehlenden einheitlichen Indikatoren von Bedeutung ist.
Tabelle: Auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| EUNIS‑Codes | MC13B, MC13C, MC13D, MC13E, MC13F, MC231, MC2311, MC2312 |
| Lebensraumtyp | Benthisches Habitat der aphotischen Zone mit ≥90 % Hartsubstratbedeckung (Ton, Mergel, Ferromanganknollen, Torf) |
| Charakterarten | Mytilus spp., Astarte borealis, Astarte elliptica |
| Rote‑Liste‑Kategorie | Least Concern (EU28 & EU28+) |
| FFH‑Anhang‑I‑Code | 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme), 1170 (Riffe) |
| Biogeografische Region | BAL (Baltic) |
| Artikel‑17‑Erhaltungszustand | In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Typische Salinität | 10–15 psu |
| Typische Temperatur | 3–8 °C |
| Hauptverbreitung | Ostsee, u. a. Beltsee, Öresund, Bottnischer Meerbusen, Finnischer Meerbusen, Rigascher Meerbusen |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Was genau ist der Biotoptyp „Communities on Baltic circalittoral clay and other hard substrata“? Es handelt sich um eine benthische Lebensgemeinschaft der tiefen, lichtlosen Zone (aphotisch) der Ostsee, bei der harte Substrate wie Ton, Mergelgestein, Manganknollen oder Torf mindestens 90 % des Meeresbodens bedecken. Die Besiedlung erfolgt vor allem durch Muscheln, die auf dieser Hartsubstratschicht leben.
2. Welche typischen Arten kommen in diesem Habitat vor? Als charakteristisch gelten Miesmuscheln (Mytilus spp.) sowie die kalte und salzige Bedingungen bevorzugenden Arten Astarte borealis und Astarte elliptica. In einigen Ausprägungen dominieren Mytiliden, in anderen Astarte-Arten mit einem Biomasseanteil von 70–90 %.
3. Ist dieser Lebensraum gefährdet? Nein, nach der Europäischen Roten Liste der Habitate (EU28 und EU28+) wird der Typ als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Eine spezifische Gefährdungsursache ist in der verwendeten Datengrundlage nicht dokumentiert.
4. Welchen Schutzstatus hat das Habitat nach EU-Recht? Es ist kein eigener Anhang‑I-Lebensraum der FFH-Richtlinie, aber es gibt fachliche Überschneidungen mit den FFH-Codes 1160 (große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe). Der Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 wird für diesen Typ nicht gesondert ausgewiesen.
5. Wo kann man diesen Biotoptyp beobachten oder erforschen? Da es sich um ein Tiefenhabitat ohne Licht handelt, ist eine direkte Beobachtung nur mit technischen Hilfsmitteln (Unterwasserfahrzeuge, Greiferproben) möglich. Interessierte in Ostseeregionen können sich an Monitoringprogrammen oder bürgerwissenschaftlichen Projekten zur Erfassung der Wasserqualität und Muschelbestände beteiligen.
Quellen
Häufige Fragen
Was genau ist der Biotoptyp „Communities on Baltic circalittoral clay and other hard substrata“?
Es handelt sich um eine benthische Lebensgemeinschaft der tiefen, lichtlosen Zone (aphotisch) der Ostsee, bei der harte Substrate wie Ton, Mergelgestein, Manganknollen oder Torf mindestens 90 % des Meeresbodens bedecken. Die Besiedlung erfolgt vor allem durch Muscheln, die auf dieser Hartsubstratschicht leben.
Welche typischen Arten kommen in diesem Habitat vor?
Als charakteristisch gelten Miesmuscheln (*Mytilus* spp.) sowie die kalte und salzige Bedingungen bevorzugenden Arten *Astarte borealis* und *Astarte elliptica*. In einigen Ausprägungen dominieren Mytiliden, in anderen Astarte-Arten mit einem Biomasseanteil von 70–90 %.
Ist dieser Lebensraum gefährdet?
Nein, nach der Europäischen Roten Liste der Habitate (EU28 und EU28+) wird der Typ als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Eine spezifische Gefährdungsursache ist in der verwendeten Datengrundlage nicht dokumentiert.
Welchen Schutzstatus hat das Habitat nach EU-Recht?
Es ist kein eigener Anhang‑I-Lebensraum der FFH-Richtlinie, aber es gibt fachliche Überschneidungen mit den FFH-Codes 1160 (große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe). Der Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 wird für diesen Typ nicht gesondert ausgewiesen.
Wo kann man diesen Biotoptyp beobachten oder erforschen?
Da es sich um ein Tiefenhabitat ohne Licht handelt, ist eine direkte Beobachtung nur mit technischen Hilfsmitteln (Unterwasserfahrzeuge, Greiferproben) möglich. Interessierte in Ostseeregionen können sich an Monitoringprogrammen oder bürgerwissenschaftlichen Projekten zur Erfassung der Wasserqualität und Muschelbestände beteiligen.