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EUNIS: E1.8Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 6160

Offene iberische supramediterrane Trockenrasen auf Silikat (EUNIS E1.8)

Der Biotoptyp E1.8 umfasst offene, von harten Schwingelgräsern (Festuca) beherrschte Trockenrasen auf flachgründigen Silikatböden im westlichen Iberischen Gebirge. Die geschlossene, niedrige Vegetation (5–10 cm) beherbergt viele iberische Endemiten. Die Europäische Rote Liste der Habitate stuft ihn als „Least Concern“ (ungefährdet) ein. Im Anhang I der FFH-Richtlinie wird er unter dem Code 6160 (Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen) geführt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Open Iberian supramediterranean dry acid and neutral grassland
EUNIS
E1.8 – Closed Mediterranean dry acid and neutral grassland
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
6160 – Oro-Oberian Festuca indigesta grasslands

Das Wichtigste in Kürze

Der Lebensraumtyp E1.8 – Offene iberische supramediterrane Trockenrasen auf sauren und neutralen Böden ist ein Grasland-Ökosystem, das ausschließlich im westlichen Teil der Iberischen Halbinsel vorkommt. Es handelt sich um mehrjährige, niedrigwüchsige Rasen, die von Schwingelarten (Festuca) und vielen kleinwüchsigen Kräutern und Halbsträuchern gebildet werden. Die Vegetationsdecke ist dicht (60–90 % Bedeckung), aber nur 5 bis 10 cm hoch; einzelne Pflanzen können bis 30 cm herausragen.

Die Böden sind flachgründig, trocken und nährstoffarm – oft handelt es sich um sogenannte Lithosole über Silikatgestein. Die Rasen kommen in mittleren bis hohen Lagen (supra- bis oromediterrane Stufe) vor und sind perfekt an sommerliche Trockenheit angepasst. Traditionelle Beweidung (vor allem durch Schafe) hat diesen Lebensraum über Jahrhunderte geprägt und trägt bis heute zu seiner Erhaltung bei.

Aus Sicht des europäischen Naturschutzes ist der Habitattyp derzeit nicht gefährdet (Rote-Liste-Kategorie „Least Concern“). Er ist zudem als FFH-Lebensraumtyp im Anhang I der Richtlinie 92/43/EWG aufgeführt, und zwar unter dem Namen „Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen“ (Code 6160).

Zu seinem Erhalt tragen extensive Nutzungsformen und der Verzicht auf Aufforstungen mit Nadelbäumen bei. Eine direkte Nachbildung im eigenen Garten ist aufgrund der extremen Standortansprüche und der spezifischen Höhenlage nicht möglich. Der Lebensraum hat eine herausragende Bedeutung für viele endemische Pflanzenarten der Iberischen Halbinsel.


EUNIS-Klassifikation: Einordnung des Lebensraums

Der EUNIS-Code E1.8 steht in der europäischen Klassifikation für „Geschlossene mediterrane Trockenrasen auf sauren und neutralen Böden“ (Closed Mediterranean dry acid and neutral grassland). Innerhalb dieses Oberbegriffs wird der hier beschriebene Subtyp als „Offene iberische supramediterrane Trockenrasen auf sauren und neutralen Böden“ spezifiziert.

Die Bezeichnung „supramediterran“ weist darauf hin, dass sich die Rasen in einer Höhenstufe oberhalb des typischen mediterranen Hartlaubwaldes befinden, also in kühleren Gebirgslagen. Anders als der Oberbegriff „geschlossen“ vermuten lässt, erreicht die Vegetation zwar Deckungsgrade von 60 bis 90 %, bleibt aber aufgrund der geringen Wuchshöhe und der mosaikartigen Verteilung mit anderen Rasentypen strukturell offen.

Die EUNIS-Typologie dient als Referenzsystem für alle europäischen Lebensräume und ist eng mit der FFH-Richtlinie und der Roten Liste der Habitate verknüpft.


Rote Liste der Habitate: Gefährdungseinstufung

Die Europäische Rote Liste der Habitate (European Red List of Habitats) bewertet den Lebensraumtyp E1.8 mit der Kategorie:

Least Concern (LC) – nicht gefährdet

Diese Einstufung gilt sowohl für die EU28-Staaten als auch für die erweiterte EU28+-Region.

Ein spezifisches Kriterium, das zu dieser Einstufung geführt hat, ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Die positive Bewertung bedeutet nicht, dass der Lebensraum als unverwundbar gilt, sondern dass nach den Bewertungskriterien der Roten Liste (Rückgang, Seltenheit, räumliche Ausdehnung, absehbare Bedrohungen) derzeit kein erhöhtes Aussterberisiko auf europäischer Ebene besteht.


FFH-Richtlinie (Annex I): Schutzstatus in der EU

Im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) wird ein Teil der in E1.8 enthaltenen Ausprägungen unter dem Code 6160 geführt: „Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen“.

Die FFH-Richtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, für diese Lebensraumtypen ein günstiges Erhaltungsstadium zu bewahren oder wiederherzustellen. Konkrete Angaben zum Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegen im verwendeten Datenpaket jedoch nicht vor.

Es handelt sich um einen Lebensraum von gemeinschaftlichem Interesse, dessen Vorkommen sich auf die biogeographische Region der Iberischen Halbinsel beschränkt.


Lebensraum und typische Merkmale

Die Rasen des Typs E1.8 besiedeln flachgründige, trockene Silikatböden (Lithosole) über Granit, Gneis, Sandstein, Schiefer oder ultramafischen Gesteinen. Hydromorphe Eigenschaften fehlen vollständig. Die Standorte umfassen:

  • Primäre Felsköpfe und Felsrasen
  • Sekundäre, durch Erosion freigelegte Flächen
  • Mosaike mit anderen Rasengesellschaften wie Borstgrasrasen (E1.7a) oder Pfeifengraswiesen (E2.4)

Das Erscheinungsbild wird dominiert von:

  • Dichten, 5–10 cm hohen Grasteppichen
  • Einzelnen, etwas höher aufragenden Horstgräsern und Kräutern (bis 30 cm)
  • Angepassten Wuchsformen an Sommertrockenheit und Nährstoffarmut (Halbsträucher, Polsterpflanzen)

Die traditionelle Schafbeweidung ist ein natürlicher Bestandteil vieler Flächen und fördert eine niedrige, artenreiche Struktur.


Artenvielfalt und charakteristische Pflanzen

Der Biotoptyp ist ausgesprochen reich an iberischen Endemiten. Besonders viele Arten gehören zu den Familien der Bleiwurzgewächse (Plumbaginaceae, Gattung Armeria), Nelkengewächse (Caryophyllaceae) und Schwingelgräser (Festuca).

Dominante Arten (ständig mit hoher Deckung vertreten)

ArtDeutsch/Kurzbezeichnung
Agrostis truncatulaBorstgrasart
Arenaria frigidaKälte-Sandkraut
Armeria eriophyllaGrasnelke
Armeria langei s.l.Langes Grasnelke
Armeria odorataDuft-Grasnelke
Festuca gredensisGredos-Schwingel
Festuca rivas-martineziiRivas-Martinez-Schwingel
Festuca summilusitanaSchwingel-Art
Hieracium castellanumKastilisches Habichtskraut
Leucanthemopsis pallidaBlasse Margeritenartige
Leucanthemopsis pulverulentaMehl-Margeritenartige
Plantago radicataWurzel-Wegerich

Diagnostische (kennzeichnende) Arten (Auswahl)

Die vollständige Liste umfasst über 40 Arten, darunter:

  • Armeria caballeroi
  • Armeria humilis s.l.
  • Armeria transmontana
  • Cent aurea alba
  • Dianthus laricifolius s.l.
  • Erysimum nevadense
  • Silene legionensis
  • Thymus serpylloides

Diese Arten sind nahezu ausschließlich in diesem Lebensraum oder eng verwandten Pflanzengesellschaften anzutreffen und daher von hohem naturschutzfachlichem Wert.


Verbreitung und Vorkommen

Nach den vorliegenden Daten werden keine spezifischen Länderlisten oder biogeografischen Regionen bereitgestellt. Die Beschreibung des Lebensraums schränkt seine natürliche Verbreitung jedoch klar ein: Der Typ E1.8 kommt im westlichen Teil der Iberischen Halbinsel in den höheren Mittel- und Hochgebirgen vor.

Nennenswerte Ausprägungen finden sich:

  • In Nordostportugal (Trás-os-Montes) über mafischen und ultramafischen Gesteinen – hier existiert der endemische Verband Armerion eriophyllae.
  • In der spanischen Sierra Nevada und den Filabres auf Schiefer – dort mit dem endemischen Verband Thymion serpylloidis.
  • In westlichen iberischen Mittelgebirgen auf sandigen Böden aus Granit, Gneis und Sandstein – hier dominiert die weit verbreitete Assoziation Hieracio castellani-Plantaginion radicatae.

Ein Vorkommen außerhalb dieses Kerngebiets ist nicht dokumentiert.


Gefährdung und Erhaltungszustand

Aufgrund der Einstufung als „Least Concern“ ist derzeit kein akuter Handlungsbedarf auf europäischer Ebene angezeigt. Jedoch sind lokale Beeinträchtigungen zu beachten:

  • Aufgabe der traditionellen Beweidung kann zu Verbuschung führen.
  • Aufforstungen mit standortfremden Nadelhölzern zerstören die offenen Rasen.
  • Eine zu extensive Nutzungsänderung hin zu intensiverer Landwirtschaft ist aufgrund der ungünstigen Standortbedingungen selten, würde die Flächen aber rasch degradieren.

Ein guter Erhaltungszustand wird nach den Angaben in der Roten Liste durch folgende Merkmale angezeigt:

  • Niedrige Vegetationshöhe ohne dominante Gehölze
  • Hohe Kraut- und Grasdeckung (nicht zwingend 100 %)
  • Zeichen einer mäßigen Beweidung
  • Keine künstlichen Nadelholzbestände

Der offizielle Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist im ausgewerteten Datenbestand nicht vermerkt.


Bedeutung für den Naturschutz und was Bürger tun können

Diese Rasen sind ein Hotspot der Pflanzenvielfalt im Mittelmeerraum und unersetzlich für viele endemische Arten. Ihr Erhalt hängt wesentlich von der Fortführung oder Wiederaufnahme einer standortangepassten, extensiven Beweidung ab.

Auch wenn die Flächen überwiegend in eher dünn besiedelten Bergregionen liegen, gibt es Anknüpfungspunkte für bürgerschaftliches Engagement:

  • Unterstützung von regionalen Schäfereibetrieben, die zur Offenhaltung der Landschaft beitragen
  • Förderung von Naturpark-Projekten und Schutzgebietsbetreuungen in den iberischen Gebirgen
  • Sensibilisierung für die Einzigartigkeit dieser Lebensräume, z. B. bei Reisen oder über Naturfotografie

Eine direkte Übertragung in den Garten ist nicht möglich – die extremen Standortbedingungen und Höhenlagen lassen sich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets nicht nachbilden. Zudem sind viele der prägenden Arten in Mitteleuropa nicht heimisch und würden im Tiefland nicht überleben.


Charakteristika auf einen Blick

MerkmalBeschreibung
EUNIS-CodeE1.8 (Geschlossene mediterrane Trockenrasen, sauer/neutral)
Lebensraum-NameOffene iberische supramediterrane Trockenrasen (sauer/neutral)
FFH-Code (Annex I)6160 – Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen
Rote Liste – EULeast Concern (nicht gefährdet)
VegetationstypMehrjährige Horstgrasrasen mit Halbsträuchern
Typische Höhe5–10 cm, einzelne Pflanzen bis 30 cm
Bodendeckschicht60–90 %
BodentypFlachgründe Lithosole über Silikat
KlimazoneSupra- bis oromediterran
VerbreitungsschwerpunktWestliches Iberien (Portugal, Spanien)
Traditionelle NutzungExtensive Schafbeweidung
GefährdungsursachenAufgabe der Beweidung, Aufforstung

FAQ – Häufige Fragen zum Biotoptyp E1.8

1. Was versteht man unter dem EUNIS-Code E1.8?

Der EUNIS-Code E1.8 bezeichnet „Geschlossene mediterrane Trockenrasen auf sauren und neutralen Böden“. Der hier beschriebene Subtyp ist die offene, iberische supramediterrane Ausprägung. Es handelt sich um niedrige, von Schwingelgräsern beherrschte Rasen in den westlichen Gebirgen der Iberischen Halbinsel.

2. Welcher FFH-Lebensraumtyp ist mit E1.8 verknüpft?

Im Anhang I der FFH-Richtlinie ist der Typ unter dem Code 6160 – Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen aufgeführt. Er gehört damit zu den Lebensräumen von gemeinschaftlichem Interesse, für die ein günstiger Erhaltungszustand angestrebt wird.

3. Wie ist die aktuelle Gefährdungslage?

Die Europäische Rote Liste der Habitate bewertet den Typ E1.8 als „Least Concern“ (nicht gefährdet). Es bestehen derzeit keine Anzeichen für einen europaweiten Bestandsrückgang, der eine höhere Gefährdungskategorie rechtfertigen würde.

4. Welche Pflanzen sind für diesen Lebensraum besonders typisch?

Dominant sind Horstgräser wie Festuca summilusitana oder Festuca gredensis sowie zahlreiche Grasnelken (Armeria spp.) und Nelkengewächse. Viele der diagnostischen Arten, etwa Silene legionensis oder Thymus serpylloides, sind iberische Endemiten und kommen fast ausschließlich in diesen Rasen vor.

5. Wo kommt der Biotoptyp konkret vor?

Er wächst in mittleren und hohen Lagen der westlichen Iberischen Halbinsel, insbesondere in Nordostportugal (Trás-os-Montes) und in spanischen Gebirgen wie der Sierra Nevada und den Filabres, sowie in westlichen Mittelgebirgen. Länderlisten oder biogeografische Regionen sind im vorliegenden Datenbestand nicht einzeln aufgeführt.


Weiterführende Informationen und Quellen

Häufige Fragen

Was versteht man unter dem EUNIS-Code E1.8?

Der EUNIS-Code E1.8 bezeichnet „Geschlossene mediterrane Trockenrasen auf sauren und neutralen Böden“. Der hier beschriebene Subtyp ist die offene, iberische supramediterrane Ausprägung. Es handelt sich um niedrige, von Schwingelgräsern beherrschte Rasen in den westlichen Gebirgen der Iberischen Halbinsel.

Welcher FFH-Lebensraumtyp ist mit E1.8 verknüpft?

Im Anhang I der FFH-Richtlinie ist der Typ unter dem Code 6160 – Oro-iberische Festuca indigesta-Rasen aufgeführt. Er gehört damit zu den Lebensräumen von gemeinschaftlichem Interesse.

Wie ist die aktuelle Gefährdungslage?

Die Europäische Rote Liste der Habitate bewertet den Typ E1.8 als „Least Concern“ (nicht gefährdet). Es bestehen derzeit keine Anzeichen für einen europaweiten Bestandsrückgang, der eine höhere Gefährdungskategorie rechtfertigen würde.

Welche Pflanzen sind für diesen Lebensraum besonders typisch?

Dominant sind Horstgräser wie Festuca summilusitana oder Festuca gredensis sowie zahlreiche Grasnelken (Armeria spp.) und Nelkengewächse. Viele der diagnostischen Arten sind iberische Endemiten, etwa Silene legionensis oder Thymus serpylloides.

Wo kommt der Biotoptyp konkret vor?

Er wächst in mittleren und hohen Lagen der westlichen Iberischen Halbinsel, insbesondere in Nordostportugal (Trás-os-Montes) und in spanischen Gebirgen wie der Sierra Nevada und den Filabres. Länderlisten oder biogeografische Regionen sind im vorliegenden Datenbestand nicht einzeln aufgeführt.

Quellen