Faunengemeinschaften geschützter mediterraner Schlicksande – EUNIS MB553 im Porträt
Der Biotoptyp EUNIS MB553 beschreibt die Tierwelt flacher, geschützter Sand-Schlickböden des Mittelmeeres. Er findet sich in Tiefen zwischen 1 und 15 m mit geringer Wasserbewegung, wird von Muscheln, Borstenwürmern und Krebstieren dominiert und beherbergt charakteristische Seegras- und Algenbestände. Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen bewertet ihn als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage); eine direkte Gefährdungseinstufung ist daher nicht möglich. Der Lebensraum überschneidet sich mit mehreren FFH-Lebensraumtypen (1130 Ästuarien, 1160 Flache große Meeresarme und -buchten, 1150 Lagunen), ist aber nicht mit diesen gleichzusetzen.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Faunal communities of sheltered Mediterranean infralittoral muddy sands
- EUNIS
- MB553
- EU-28
- Data Deficient
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 1130; 1160; 1150 – Estuaries; Large shallow inlets and bays; * Coastal lagoons
Das Wichtigste in Kürze
Der marine Biotoptyp EUNIS MB553 – Faunal communities of sheltered Mediterranean infralittoral muddy sands – umfasst die charakteristischen Tier- und Pflanzengemeinschaften auf wind- und strömungsgeschützten Schlicksandböden des Mittelmeers. Er kommt in flachen Küstengewässern (1–15 m Tiefe) mit sehr ruhiger Hydrodynamik vor, wo sich feine Sedimente und organisches Material stabil ablagern können. Solche Standorte weisen oft stark schwankende Salzgehalte und Temperaturen auf und werden von besonders anpassungsfähigen (euryhalinen und eurythermen) Organismen besiedelt. Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen stuft den Lebensraum als „Data Deficient“ ein – es liegen also nicht genügend Daten vor, um eine Gefährdungskategorie zu bestimmen. Der Biotoptyp überlappt mit mehreren Anhang‑I‑Lebensraumtypen der FFH‑Richtlinie, namentlich 1130 (Ästuarien), 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1150 (Lagunen), ohne jedoch eine echte Gleichsetzung zu erlauben. Ein offizieller Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
Was ist EUNIS MB553?
EUNIS (European Nature Information System) klassifizert europaweit Biotoptypen. Der Code MB553 steht für einen rein marinen Lebensraum des Infralitorals (ständig wasserbedeckte Flachwasserzone) im Mittelmeer. Der Name beschreibt treffend den Kern: Es handelt sich um Faunengemeinschaften, die auf windgeschützten, schlickig-sandigen Böden siedeln – also nicht um einen rein physikalischen Sedimenttyp, sondern um die typische Lebensgemeinschaft, die sich unter diesen Bedingungen einstellt. Der Biotoptyp ist Teil der größeren Gruppe der „Infralittoral muddy sands“ und repräsentiert den mediterranen, besonders geschützten Ausprägungstyp.
Die Beschreibung basiert auf der erweiterten Europäischen Roten Liste der Biotoptypen (2022), die von der Europäischen Umweltagentur (EEA) herausgegeben wurde. Das Habitat trägt die Roten-Liste-Projektkennung MEDA5.28 und ist dem marinen Habitatverband A5.28 zugeordnet. Es wird ausschließlich in der biogeografischen Region MED (Mittelmeer) geführt; Länderangaben sind in den Quelldaten nicht enthalten.
Lebensraum und Umweltbedingungen
Der Biotoptyp MB553 findet sich in geschützten Meeresbuchten, Lagunen und Ästuaren, wo die Wasserbewegung sehr gering ist und sich stabile Sedimentverhältnisse einstellen. Die Wassertiefe liegt typischerweise zwischen 1 und 15 Metern. Das Substrat ist ein Gemisch aus Sand (oft reich an Molluskenschalen) und Schlick in variablen Anteilen. Die Schlüsselgrößen für die Artenzusammensetzung sind der Gehalt an organischem Material und der Silt‑Ton‑Anteil (Korngrößen < 63 µm).
Die flachen, geschützten Lagen führen zu stark schwankenden Umweltbedingungen: Wechselnder Süßwassereintrag und Verdunstung lassen den Salzgehalt stark variieren; gleichzeitig erwärmt sich das Wasser in den Sommermonaten rasch und kühlt im Winter ab. Deshalb dominieren euryhaline (salzgehaltstolerante) und eurytherme (temperaturtolerante) Organismen der Weichböden. Wird das Substrat zusätzlich durch hydrothermale Quellen oder organische Belastung aufgeheizt, können besonders hitze- und sulfidtolerante Lebensgemeinschaften entstehen – eine der beschriebenen Subvarianten.
Der Lebensraum kann natürlicherweise von Makroalgen oder Seegräsern besiedelt sein. Fehlen diese, dominieren wirbellose Tiere, vor allem Vielborster (Polychaeten), Muscheln und Krebse.
Charakteristische Artengemeinschaften
Die Tierwelt des MB553 ist artenreich und wird von Weichbodenbewohnern geprägt. Die folgende Tabelle fasst die typischen Arten nach Großgruppen zusammen:
| Gruppe | Charakteristische Arten (Auswahl) |
|---|---|
| Muscheln (Bivalvia) | Cerastoderma glaucum (Lagunen-Herzmuschel), Thracia papyracea, Loripes lacteus, Pinna nobilis (Edle Steckmuschel, selten), Ruditapes decussatus (Teppichmuschel), Scrobicularia plana, Abra spp., Tellina tenuis, Venerupis aureus |
| Schnecken (Gastropoda) | Cyclope neritea, Nassarius reticulatus (Netzreusenschnecke) |
| Krebstiere (Crustacea) | Ampelisca brevicornis, Leucothoe incisa, Pestarella thyrrena (=Callianassa), Corophium spp., Cyathura carinata (eine Assel), Upogebia pusilla, Idotea baltica |
| Vielborster (Polychaeta) | Neanthes caudata, Pseudomastus deltaicus, Notomastus latericeus, Ampharete finmarchica, Heteromastus filiformis, Mediomastus fragilis, Nereis diversicolor, Capitella capitata |
| Phoronida (Hufeisenwürmer) | Phoronis psammophila (sehr häufig) |
| Seegurken (Holothuroidea) | mehrere nicht näher bestimmte Arten, die auf der Oberfläche gleiten |
| Fische | Anguilla anguilla (Europäischer Aal), Dicentrarchus labrax (Wolfsbarsch), Gobius spp. (Grundeln), Solea spp. (Seezungen) |
| Seegräser | Zostera noltii (Zwerg-Seegras), Cymodocea nodosa |
| Grünalgen (Chlorophyta) | Ulva spp. (Meersalat), Cladophora spp., Acetabularia calyculus, Caulerpa prolifera (in einem Subtyp) |
Fehlen Seegras und Makroalgen, wird die wirbellose Fauna von Polychaeten und der genannten Phoronidenart dominiert; die Muscheln Thracia papyracea und Cerastoderma glaucum sind dann besonders häufige filtrierende Arten. Schnecken und Seegurken bewegen sich als Weidegänger oder Sedimentfresser auf der Substratoberfläche. Die Edle Steckmuschel Pinna nobilis wird nur gelegentlich beobachtet und gilt als sensible Art.
Subhabitate – fünf ökologische Varianten
Die amtliche Beschreibung unterscheidet fünf Subhabitate mit jeweils eigenen Kennarten und Umweltbedingungen:
- Subhabitat mit Caulerpa prolifera auf sehr flachen, geschützten Schlicksanden – besiedelt von der invasiv auftretenden Grünalge Caulerpa prolifera.
- Subhabitat mit Pestarella thyrrena und Kellia sp. – Silt‑Ton‑Anteil > 5 %, mäßig bis hoher Gehalt an organischer Substanz.
- Subhabitat mit Cerastoderma glaucum und Cyathura carinata – charakteristisch für kompakte Sedimente unter Süßwassereinfluss, oft in organisch belasteten Brackgewässern.
- Subhabitat mit Loripes lacteus und Ruditapes‑Arten – in Buchten, Ästuaren und Lagunen, flach und stark meerwasserbeeinflusst.
- Subhabitat hydrothermaler Ausflüsse mit Cyclope neritea und Nematoden – nur in sehr flachen Zonen (< 10 m) mit hohen Sulfidkonzentrationen, erhöhter Sedimenttemperatur und hohen Salzgehalten.
Diese Untergliederung zeigt, wie flexibel der Biotoptyp auf unterschiedliche Salinitäts‑, Temperatur‑ und Nährstoffgradienten reagiert.
Bioindikatoren und ökologische Qualität
Praktisch alle in der Habitatbeschreibung genannten Arten werden als Bioindikatoren für die Umweltqualität betrachtet. Die meisten Muschelarten reagieren empfindlich auf Eutrophierung (Nährstoffanreicherung). Bei zunehmender Überdüngung verschiebt sich die Gemeinschaft zu toleranteren, opportunistischen Arten. Veränderungen in der Abundanz (Häufigkeit) und im Artenreichtum des Benthos gelten daher als verlässliche Zeiger für den Erhaltungszustand.
Besonders hervorgehoben wird die Teppichmuschel Ruditapes decussatus, die als Indikator für Schadstoffbelastungen eingesetzt werden kann, wenn Miesmuscheln (Mytilus sp.) vor Ort fehlen. Die Anreicherung von Schadstoffen im Gewebe dieser Muschel lässt Rückschlüsse auf die Wasserqualität zu.
Gefährdung und Schutzstatus
Europäische Rote Liste
Der Biotoptyp MB553 wird in der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen sowohl für die EU28 als auch für das erweiterte Gebiet EU28+ einheitlich als „Data Deficient“ (DD, ungenügende Datengrundlage) geführt. Ein Gefährdungskriterium wurde nicht bestimmt. Das bedeutet: Die verfügbaren Informationen reichen nicht aus, um eine Zuordnung zu den Kategorien „ungefährdet“, „gefährdet“ oder „vom Aussterben bedroht“ zu rechtfertigen. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn viele derartige Flachwasserhabitate im Mittelmeerraum stehen unter starkem Nutzungsdruck (Tourismus, Fischerei, Schadstoffeinträge).
FFH-Anhang I und Artikel 17
Der Lebensraum steht in engem ökologischen Zusammenhang mit mehreren FFH-Lebensraumtypen des Anhangs I der Habitatrichtlinie (92/43/EWG):
- 1130 – Ästuarien
- 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten
- 1150 – * Lagunen (prioritärer Lebensraum)
Die Verknüpfung ist in den Quelldaten mit dem Qualifier „#“ versehen, was darauf hinweist, dass es sich um Überschneidungen oder partielle Entsprechungen handelt, jedoch nicht um eine eindeutige Gleichsetzung. Das bedeutet, dass Flächen des Typs MB553 häufig in gemeldeten FFH‑Gebieten liegen können, die für die oben genannten Lebensraumtypen ausgewiesen sind. Ein eigener, spezifischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
Bedeutung für Natur- und Küstenschutz
Geschützte Schlick- und Sandflachwasserbereiche wie MB553 erfüllen mehrere wichtige Funktionen:
- Sie sind Kinderstube für zahlreiche Fischarten (Aal, Wolfsbarsch, Grundeln, Seezungen).
- Sie dienen als Filtersystem: Filtrierende Muscheln und Würmer reinigen das Wasser.
- Sie stabilisieren Sedimente und tragen so zum Küstenschutz bei.
- Sie beherbergen seltene und gefährdete Arten wie die Edle Steckmuschel – auch wenn sie dort nur punktuell auftreten.
Ein direkter Bezug zu Gärten oder Siedlungsräumen besteht nicht – dieser Biotoptyp lässt sich nicht 1:1 nachbilden. Lediglich für das Verständnis: Einige Prinzipien der nährstoffarmen Schlick‑Sedimente und des Brackwassereinflusses können in naturnahen Teich‑ oder Lagunenprojekten mit Meereswasseranschluss eine Rolle spielen; der spezifische Artenmix ist jedoch an die natürlichen Rahmenbedingungen des Mittelmeeres gebunden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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Was ist der Biotoptyp EUNIS MB553 genau? EUNIS MB553 beschreibt die Lebensgemeinschaften der Fauna auf windgeschützten, schlickig-sandigen Böden im flachen Mittelmeer (1–15 m). Es handelt sich um einen rein marinen Biotoptyp, der in Buchten, Lagunen und Ästuaren vorkommt.
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Welche typischen Arten gehören zu diesem Lebensraum? Zu den Kennarten zählen Muscheln wie die Lagunen-Herzmuschel (Cerastoderma glaucum) und die Teppichmuschel (Ruditapes decussatus), Krebsarten wie Cyathura carinata, zahlreiche Borstenwürmer, Seegräser wie Zostera noltii und Fische wie Wolfsbarsch und Aal.
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Wie ist die Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste? Der Lebensraum wird als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) eingestuft. Das heißt, es fehlen ausreichende Informationen, um eine Aussage zum tatsächlichen Gefährdungsgrad zu treffen.
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Welche Rolle spielen die fünf Subhabitate? Die fünf Subvarianten spiegeln unterschiedliche Umweltbedingungen wider – vom Einfluss hydrothermaler Quellen bis zu Süßwasserzufluss. Sie helfen, den Biotoptyp ökologisch feiner zu gliedern und gezielte Schutzmaßnahmen zu planen.
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Gehört MB553 zu den FFH-Lebensraumtypen? Nein, er ist nicht als eigener FFH-Lebensraumtyp gelistet, überschneidet sich aber mit den Typen 1130 (Ästuarien), 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1150 (Lagunen). In den Quelldaten ist diese Verknüpfung mit dem Qualifier „#“ versehen, der eine Teilüberlappung anzeigt.
Quellen
Häufige Fragen
Was ist der Biotoptyp EUNIS MB553 genau?
EUNIS MB553 beschreibt die Lebensgemeinschaften der Fauna auf windgeschützten, schlickig-sandigen Böden im flachen Mittelmeer (1–15 m). Es handelt sich um einen rein marinen Biotoptyp, der in Buchten, Lagunen und Ästuaren vorkommt.
Welche typischen Arten gehören zu diesem Lebensraum?
Zu den Kennarten zählen Muscheln wie die Lagunen-Herzmuschel (*Cerastoderma glaucum*) und die Teppichmuschel (*Ruditapes decussatus*), Krebsarten wie *Cyathura carinata*, zahlreiche Borstenwürmer, Seegräser wie *Zostera noltii* und Fische wie Wolfsbarsch und Aal.
Wie ist die Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste?
Der Lebensraum wird als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) eingestuft. Das heißt, es fehlen ausreichende Informationen, um eine Aussage zum tatsächlichen Gefährdungsgrad zu treffen.
Welche Rolle spielen die fünf Subhabitate?
Die fünf Subvarianten spiegeln unterschiedliche Umweltbedingungen wider – vom Einfluss hydrothermaler Quellen bis zu Süßwasserzufluss. Sie helfen, den Biotoptyp ökologisch feiner zu gliedern und gezielte Schutzmaßnahmen zu planen.
Gehört MB553 zu den FFH-Lebensraumtypen?
Nein, er ist nicht als eigener FFH-Lebensraumtyp gelistet, überschneidet sich aber mit den Typen 1130 (Ästuarien), 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1150 (Lagunen). In den Quelldaten ist diese Verknüpfung mit dem Qualifier „#“ versehen, der eine Teilüberlappung anzeigt.