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EUNIS: MB551; MB552Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1110; 1160

Feinsand-Lebensgemeinschaften im flachen Mittelmeer – EUNIS MB551 / MB552

Feinsand-Lebensgemeinschaften im mediterranen Infralittoral (EUNIS MB551 und MB552) sind artenreiche Tiergesellschaften auf sauberen Feinsandböden in 4–25 m Tiefe. Sie werden von Detritusfressern dominiert und enthalten viele als Bioindikatoren geeignete Muschelarten. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet den Typ als „Data Deficient“ (Daten unzureichend). FFH-seitig fällt er unter die Anhang-I-Typen 1110 (Sandbänke) und 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten).

Einordnung

Originalbezeichnung
Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand
EUNIS
MB551; MB552
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1110; 1160 – Sandbanks which are slightly covered by sea water all the time; Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensraumtyp: „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“ – artenreiche Tiergesellschaften auf sauerstoffreichen Feinsandböden der flachen Mittelmeerküsten.
  • Tiefe: 4 bis 25 Meter, offene Küsten mit mäßigem Welleneinfluss.
  • Dominierende Organismen: Detritusfresser (Deposit feeder), ergänzt durch Filtrierer und Räuber; typischerweise ohne dichte Algen- oder Seegrasbestände, jedoch oft mit Vorkommen von Cymodocea nodosa oder Posidonia oceanica.
  • EUNIS-Codes: MB551 und MB552 (faunistische Gemeinschaften im Infralittoral-Feinsand).
  • Europäische Rote Liste: Data Deficient (Daten unzureichend) – eine fundierte Gefährdungseinstufung ist derzeit nicht möglich.
  • FFH-Anhang I: Sandbänke mit ständiger leichter Meeresbedeckung (1110) und Flache große Meeresarme und -buchten (1160).
  • Verbreitung: Mediterrane biogeographische Region (MED).
  • Qualitätsanzeiger: Viele der charakteristischen Muschelarten reagieren empfindlich auf Eutrophierung; Veränderungen in Häufigkeit und Zusammensetzung zeigen veränderte Lebensraumqualität an.

Was sind „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“?

Bei diesem Biotoptyp handelt es sich um einen marinen Lebensraum, der auf offenen, mäßig wellenexponierten Küsten des Mittelmeeres vorkommt. Die Bodensubstrate bestehen aus sauberen Fein- und Mittelsanden mit einem messbaren Anteil an Feinfraktion (<63 µm). Durch die moderate Wasserbewegung kann sich organisches Material ablagern, ohne dass die Sedimente sauerstoffarm werden. Die Wassertiefe liegt typischerweise zwischen 4 und 25 Metern – also im Infralittoral, jener flachen Zone, die noch vom Tageslicht erreicht wird.

Der Lebensraum trägt seinen Namen, weil dort nicht Pflanzen oder Korallen, sondern Tiergemeinschaften (Faunal communities) das Bild bestimmen. Es dominieren wirbellose Tiere, die sich von abgestorbenen organischen Partikeln ernähren (Depositfresser). Daneben kommen auch Filtrierer und räuberische Arten vor. Algen und Seegräser fehlen meist als dichte Bestände, obwohl vereinzelte Vorkommen von Cymodocea nodosa (Knoten-Nixenkraut) oder Posidonia oceanica (Neptungras) durchaus üblich sind.

Untertypen (Sub-Habitate)

Die EUNIS-Beschreibung gliedert den Biotop in mehrere Untereinheiten, die sich durch ihre Leitarten und Tiefenverbreitung unterscheiden:

  • Spisula subtruncata-Subhabitat: Geprägt von den Muscheln Spisula subtruncata (Gemeine Trogmuschel) und Lucinella divaricata, oft auf etwas gröberen Feinsanden.
  • Nephthys hombergii-Subhabitat: Eine Übergangsgesellschaft zum tieferen Circalittoral, benannt nach dem Vielborster Nephthys hombergii.
  • Lentidium mediterraneum-Subhabitat: Typisch für flache (<4 m), sandige Areale in Ästuaren und Buchten, dominiert von der Mittelmeer-Bohrmuschel Lentidium mediterraneum.

EUNIS-Klassifikation und europäischer Bezug

Die European Nature Information System (EUNIS)-Typologie erfasst Lebensräume europaweit nach einheitlichen Kriterien. Der hier beschriebene Biotop wird unter den Codes MB551 und MB552 geführt. Beide stehen für „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“ – eine Aufspaltung in zwei Codes kann geringe strukturelle oder regionale Unterschiede abbilden; in den vorliegenden Quelldaten werden sie gemeinsam behandelt.

Mit dieser EUNIS-Zuordnung ist der Lebensraum eindeutig der marinen Habitat-Gruppe des Mittelmeerraums zugewiesen und lässt sich in europäischen Datenbanken vergleichen und kartieren.

Ökologische Merkmale und Lebensraumfunktion

Feinsandige Flachwasserböden sind produktive, aber auch sensible Ökosysteme. Die moderate Wellenbewegung sorgt für eine ständige Sauerstoffversorgung und verhindert, dass sich zu viel Feinsediment anreichert. Gleichzeitig lagern sich abgestorbene Algenreste, Kleintiere und Bakterienflocken ab – die Nahrungsgrundlage für Depositfresser. Diese Tiere durchwühlen den oberen Sedimenthorizont und fördern dabei die Remineralisierung von Nährstoffen. Filtrierer wie viele Muscheln entziehen dem freien Wasser Plankton und schwebende Partikel.

Die Lebensgemeinschaft entspricht in weiten Teilen der klassisch beschriebenen „Littoral Fine Sand assemblage“ und ist eng mit schlickreicheren Gesellschaften (Littoral Sandy Mud, Terrigenous Coastal Mud) verwandt. Weil es sich um Übergänge handelt, reagiert die Artenzusammensetzung empfindlich auf veränderte Sedimentbedingungen – etwa durch Einträge von Ton und Schluff.

Indikatorfunktion

Die meisten der hier lebenden Muschelarten gelten als Bioindikatoren für die Gewässerqualität. Insbesondere die Bivalvia (Muscheln) sind sehr sensitiv gegenüber Eutrophierung. Eine Verschiebung des Artengefüges, Massenvermehrungen opportunistischer Arten oder das Verschwinden empfindlicher Spezies können eine Verschlechterung der Lebensraumqualität anzeigen, bevor chemische Messungen dies nachweisen.

Charakteristische Arten – eine Feinsand-Gemeinschaft

Die Artenliste ist lang und umfasst Vertreter fast aller wirbellosen Tierstämme sowie einige Fische. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ausgewählte, in den Quelldaten genannte Leit- und Begleitarten.

TiergruppeAusgewählte charakteristische Arten (wissenschaftlich)
Mollusken (Muscheln, Schnecken)Spisula subtruncata, Lucinella divaricata, Donax trunculus, Tellina fabula, Thracia papyracea, Dosinia lupinus, Loripes lucinalis, Lentidium mediterraneum, Corbula gibba, Cerastoderma glaucum, Tellina tenuis
Krebstiere (Crustacea)Apseudopsis latreillii, Siphonoecetes dellavallei, Bathypoeia guillamsoniana, Ampelisca brevicornis, Perioculoides longimanus, Urothoe intermedia, Pseudocuma longicorne, Ampelisca diadema, Diogenes pugilator, Portumnus latipes
FischeGymnammodytes cicerelus (Mittelmeer-Sandaal), Arnoglossus laterna (Zwergbutt), Xyrichtys novacula (Gefleckter Lippfisch/Razorfish)
Ringelwürmer (Annelida)Owenia fusiformis, Paradoneis armata, Spio decoratus, Prionospio caspersi, Mediomastus fragilis, Magelona mirabilis, Ditrupa arietina, Notomastus aberans, Chone duneri, Nephthys hombergii, Aponuphis bilineata, Scolelepis squamata, Lumbrineris latreilli u. v. a.
Spritzwürmer (Sipunculida)Aspidosiphon spec.
Stachelhäuter (Echinodermata)Spatangus purpureus (Purpur-Herzigel), Echinocardium mediterraneum (Mittelmeer-Herzigel)
Fadenwürmer (Nematoda)verschiedene nicht näher bestimmte Arten

Die allermeisten Arten sind reine Meeresbewohner und an die speziellen Feinsandbedingungen gebunden. Eine Nachbildung dieses Lebensraumes im Garten oder Teich ist nicht möglich, da die hydrologischen und sedimentologischen Voraussetzungen sowie das Artenspektrum ausschließlich im natürlichen marinen Umfeld existieren.

EU-Schutzstatus: FFH-Richtlinie und Annex I

Der Lebensraumtyp ist in zwei Anhang-I-Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) eingebettet. Die Verknüpfung (Crosswalk) weist ihn als Teilmenge folgender geschützter Meeresbiotope aus:

  • 1110 – Sandbänke mit ständiger leichter Meeresbedeckung: Darunter fallen alle dauerhaft überfluteten Sandbänke des Sublitorals. Feinsandböden der Infralittoralzone mit ihrer charakteristischen Bodenfauna sind eine typische Ausprägung dieses FFH-Typs.
  • 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten: Solche Buchten und Lagunen enthalten häufig flach auslaufende Feinsandbereiche, in denen sich die beschriebenen Faunengemeinschaften entwickeln können.

Die offizielle Zuordnung erfolgt mit dem Qualifier „#“ („ist Teil von“) – das bedeutet, der hier besprochene Biotop ist nicht identisch mit dem gesamten FFH-Lebensraumtyp, sondern stellt eine konkrete feinsandige Ausprägung dar, die in den Anhang-I-Schutz eingeschlossen ist.

Erhaltungszustand nach Artikel 17 FFH-Richtlinie: In den vorliegenden Quelldaten sind keine konkreten Statusangaben für diesen Einzeltyp enthalten. Der allgemeine Erhaltungszustand der FFH-Typen 1110 und 1160 in der mediterranen Region wird gemäß dem offiziellen EU-Bericht (2019–2024) überwiegend als „ungünstig–unzureichend“ oder „ungünstig–schlecht“ eingestuft, aber eine direkte Übertragung auf diesen Feinbiotop ist ohne spezifische Daten nicht zulässig.

Europäische Rote Liste der Lebensräume: „Data Deficient“

Im Rahmen der European Red List of Habitats wurde der Lebensraum „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“ (MEDA5.23 / A5.23) evaluiert. Das Ergebnis lautet:

Data Deficient (DD) – Daten unzureichend

Das bedeutet: Es gibt nicht genügend Informationen über die räumliche Ausdehnung, die Bestandsentwicklung oder die konkreten Bedrohungen, um eine fundierte Einstufung in eine Gefährdungskategorie (z. B. „gefährdet“ oder „stark gefährdet“) vorzunehmen. Diese Einstufung gilt sowohl für die EU28- als auch für die EU28+-Erweiterung. Sie bedeutet nicht, dass der Lebensraum ungefährdet ist, sondern dass dringender Forschungsbedarf besteht.

Gefährdungen und Schutz

Da die Rote Liste den Status „Data Deficient“ vergibt, werden in den offiziellen Quelldaten keine spezifischen Bedrohungen aufgelistet. Allgemein ist jedoch bekannt, dass marine Feinsand-Ökosysteme im Mittelmeer unter vielfältigen Belastungen leiden können:

  • Eutrophierung: Übermäßige Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft, Aquakultur und ungeklärten Abwässern begünstigen Algenblüten und Sauerstoffdefizite. Da viele der charakteristischen Muschelarten ausgesprochen sensibel darauf reagieren, ist dies ein potenzieller Hauptgefährdungsfaktor.
  • Bodenschleppnetzfischerei: Grundberührende Fischereigeräte können die Sedimentstruktur zerstören und die Bodenfauna massiv schädigen.
  • Küstenbebauung, Baggerungen und Sedimentmanagement: Direkte Zerstörung oder Veränderung der Korngrößenverteilung.
  • Klimawandel: Erhöhte Wassertemperaturen und Versauerung könnten physiologische Grenzen der kälteliebenderen oder kalkbildenden Arten überschreiten.

Wiederherstellungsmaßnahmen sind in den vorliegenden Daten für diesen speziellen Biotop nicht beschrieben. Grundsätzlich jedoch können für feinsandige Meeresböden folgende Maßnahmen wirksam sein: Reduzierung der Nährstoffeinträge, Ausweisung von Meeresschutzgebieten mit Verbot grundberührender Fischerei und eine angepasste Küstenraumplanung.

Bedeutung für Mensch und Natur

Die unscheinbaren Feinsandflächen des Infralittorals erbringen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen:

  • Nahrungsnetz: Sie sind Kinderstube und Nahrungsquelle für zahlreiche Fischarten, darunter der Mittelmeer-Sandaal und Plattfische, die wiederum für die kommerzielle und Freizeitfischerei von Bedeutung sind.
  • Nährstoffkreislauf: Die umfangreiche biologische Durchmischung der Sedimente (Bioturbation) durch Würmer und Muscheln sorgt für einen effizienten Abbau organischer Substanz und hält das Ökosystem produktiv.
  • Küstenschutz: Stabile Sandböden mit intakter Fauna können Wellenenergie dämpfen und zur natürlichen Sedimentdynamik beitragen.
  • Bioindikation: Der Zustand der Bivalven-Gemeinschaften erlaubt Rückschlüsse auf die Wasserqualität und unterstützt damit das Monitoring von Küstengewässern.

Als Teil der FFH-geschützten Sandbank- und Bucht-Lebensräume stehen diese Gemeinschaften unter dem Schutz des Natura-2000-Netzwerks, auch wenn ihre Erfassung und Überwachung noch große Lücken aufweist.

Häufige Fragen zu Feinsand-Lebensgemeinschaften im Mittelmeer

1. Was ist der Lebensraumtyp „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“?

Es handelt sich um eine marine Tiergesellschaft auf sauberen Fein- und Mittelsandböden in 4–25 m Tiefe an offenen Mittelmeerküsten mit mäßiger Wellenbewegung. Detritusfresser dominieren das System, während Algen und Seegraswiesen meist fehlen.

2. Welche EUNIS-Codes gehören zu diesem Biotop?

Die zugehörigen EUNIS-Codes sind MB551 und MB552. Beide stehen für Faunengemeinschaften in Feinsanden des mediterranen Infralittorals.

3. Wie ist der Gefährdungsstatus laut Europäischer Roter Liste?

Die aktuelle Bewertung lautet „Data Deficient“ (DD), sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte EU28+. Das bedeutet, dass für eine gesicherte Gefährdungskategorie nicht genügend Daten vorliegen.

4. In welchen FFH-Lebensraumtypen kommt dieser Biotop vor?

Der Biotop ist Teil des FFH-Typs 1110 (Sandbänke mit ständiger leichter Meeresbedeckung) und kann auch im FFH-Typ 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) auftreten. Er ist eine konkrete Ausprägung innerhalb dieser schutzrelevanten Großlebensräume.

5. Welche charakteristischen Arten prägen diesen Lebensraum?

Leitarten sind die Muscheln Spisula subtruncata und Lucinella divaricata, dazu viele weitere Bivalvia wie Donax trunculus, Tellina fabula und Lentidium mediterraneum. Unter den Fischen sind der Mittelmeer-Sandaal (Gymnammodytes cicerelus) und der Zwergbutt (Arnoglossus laterna) typisch. Hinzu kommen zahlreiche Krebse, Vielborster und Stachelhäuter.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist der Lebensraumtyp „Faunal communities in Mediterranean infralittoral fine sand“?

Eine marine Tiergesellschaft auf sauberen Fein- und Mittelsandböden in 4–25 m Tiefe an offenen Mittelmeerküsten mit mäßiger Wellenbewegung. Detritusfresser dominieren das System, während Algen und Seegraswiesen meist fehlen.

Welche EUNIS-Codes gehören zu diesem Biotop?

Die zugehörigen EUNIS-Codes sind MB551 und MB552. Beide stehen für Faunengemeinschaften in Feinsanden des mediterranen Infralittorals.

Wie ist der Gefährdungsstatus laut Europäischer Roter Liste?

Data Deficient (DD), sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte EU28+. Das bedeutet, dass nicht genügend Daten für eine sichere Einstufung vorliegen.

In welchen FFH-Lebensraumtypen kommt dieser Biotop vor?

Der Biotop ist Teil des FFH-Typs 1110 (Sandbänke mit ständiger leichter Meeresbedeckung) und kann auch im FFH-Typ 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) auftreten.

Welche charakteristischen Arten prägen diesen Lebensraum?

Leitarten sind die Muscheln Spisula subtruncata und Lucinella divaricata, begleitet von vielen weiteren Bivalvia, Krebsen, Vielborstern, Fischen wie Gymnammodytes cicerelus und Arnoglossus laterna sowie Stachelhäutern.

Quellen