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EUNIS: G2.5Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 9370

Kanarische Phoenix-Haine (G2.5) – Ein gefährdeter Lebensraum

Kanarische Phoenix-Haine (EUNIS G2.5) sind lichte Palmengroven mit der Kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis) auf Kolluvialböden der Kanarischen Inseln. Sie sind durch temporäres Grundwasser aus winterlichen Starkregen geprägt und azonal in trocken-ariden Klimastufen. Der Lebensraum ist als prioritärer FFH-Lebensraumtyp (9370) geschützt und wird in der Europäischen Roten Liste der Biotope als 'Vulnerable' (gefährdet) eingestuft.

Einordnung

Originalbezeichnung
Canarian Phoenix grove
EUNIS
G2.5 – Palm groves
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Vulnerable
FFH-Anhang I
9370 – * Palm groves of Phoenix

Das Wichtigste in Kürze

Kanarische Phoenix-Haine sind ein seltener, von der Kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis) geprägter Lebensraum. Sie stocken auf Kolluvialböden an Hangmittelzonen oder am Fuß unregelmäßiger Sturzbäche und sind durch kurzzeitig anstehendes Grundwasser nach winterlichen Starkregen charakterisiert.

Der Biotoptyp ist nur auf den Kanarischen Inseln endemisch, azonal in trockenen bis ariden Klimastufen verbreitet und ein prioritärer Lebensraum gemäß Anhang I der FFH-Richtlinie (Code 9370). Nach der Europäischen Roten Liste der Biotope gilt er als Vulnerable (gefährdet).

Die Haine sind meist artenarm und durch historische Nutzung (Palmsaftgewinnung) überformt, weisen jedoch wertvolle Qualitätsmerkmale wie alte Bäume, Totholzstrukturen und eine natürliche Verjüngung auf, wenn invasive Pflanzenarten fehlen und die natürliche Hydrologie intakt ist.


EUNIS-Klassifikation und Nomenklatur

Die EUNIS-Datenbank (European Nature Information System) ordnet den Lebensraum unter dem Code G2.5 – Palm groves ein. Die Bezeichnung „Canarian Phoenix grove“ spezifiziert die auf den Kanaren vorkommende Ausbildung. In der EUNIS-Hierarchie sind Palmengroven Teil der Wälder und Forste. Der hier behandelte Biotoptyp wird durch die Dominanz der endemischen Kanarischen Dattelpalme und die besonderen abiotischen Standortbedingungen definiert.

Die in den vorliegenden Quelldaten angegebenen Biogeographischen Regionen sind nicht spezifiziert; der Lebensraum kommt ausschließlich in der makaronesischen Region vor, und zwar in deren trocken-ariden Höhenstufen des Infra- bis Thermomediterran. Die Länderliste ist in den Quelldaten nicht enthalten – die Verbreitung beschränkt sich jedoch ausschließlich auf die Kanarischen Inseln (Spanien).


FFH-Anhang I: Code 9370 – Prioritärer Lebensraum

Der Lebensraum ist in Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) als Prioritärer Lebensraumtyp gelistet:

  • Code: 9370
  • Name: * Palm groves of Phoenix (Palmengroven von Phoenix)

Damit genießen die Kanarischen Phoenix-Haine europaweit einen strengen Schutz. Die Mitgliedstaaten müssen für diesen Lebensraum besondere Schutzgebiete im Netzwerk Natura 2000 ausweisen und einen günstigen Erhaltungszustand anstreben.

Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Dies bedeutet nicht, dass er unbekannt ist, sondern dass im genutzten EEA-Datensatz (2022) kein länderübergreifender Artikel-17-Status für diesen spezifischen Biotoptyp zusammengeführt wurde.


Europäische Rote Liste der Biotope: Vulnerable

Die Europäische Rote Liste der Biotope (RLG2.5b) bewertet den Kanarischen Phoenix-Hain auf dem Gebiet der EU28 sowie EU28+ als Vulnerable (gefährdet). Das bedeutet, dass der Lebensraum in seinem Bestand ernsthaft bedroht ist und ohne geeignete Schutzmaßnahmen einer höheren Gefährdungskategorie zusteuern könnte.

Die Einstufung basiert auf folgenden zentralen Risikofaktoren:

  • kleines natürliches Verbreitungsgebiet (Endemit der Kanaren)
  • hohe Abhängigkeit von einer intakten, saisonal schwankenden Grundwassersituation
  • historische Übernutzung und anthropogene Überformung (z. B. Guarapero-Gewinnung)
  • Konkurrenz durch invasive, nicht heimische Arten (wie Opuntia spp., Agave sp.)
  • Stickstoffeintrag und Ruderalisierung durch nitrophile Arten der Ordnung Forskaleo-Rumicetalia lunariae

Ökologie und Lebensraum

Kanarische Phoenix-Haine sind azonale Gehölzformationen – sie kommen in Regionen vor, deren zonale Klimaxvegetation aus trockenheitsangepassten Strauchgesellschaften (kanarische Xerophythen-Steppen, EUNIS F8.1) oder Wacholderwäldern (G3.9c) besteht. Der Schlüssel zu ihrer Existenz ist die unterirdische, episodische Wasserführung:

  • Standorte sind Hangfußlagen oder Talsohlen mit tiefgründigen Kolluvialböden.
  • In den Wintermonaten führen kurze, heftige Regenfälle zu oberflächennahen Grundwasserströmen, die die Palmenwurzeln erreichen.
  • Außerhalb dieser feuchten Phasen bleibt der Oberboden trocken, sodass nur tiefwurzelnde Spezialisten überleben können.

Die Haine bilden lichte Baumbestände mit wenig Unterwuchs. Typisch sind ein schütteres Mikrophanerophyten-Stockwerk und eine spärliche Krautschicht. Ursprünglich dürfte die natürliche Bestockung dichter gewesen sein und neben Palmen auch andere Baumarten wie den Drachenbaum (Dracaena draco) enthalten haben – eine Art trocken-edaphisch-hygrophiler Wald mit Lianen und hohen Sträuchern.

Heute sind die meisten Vorkommen durch die Nutzung zur Palmhonig- oder Guarapo-Gewinnung verarmt. Dabei wird der Saft der Palme angezapft und zu Sirup eingekocht. Diese traditionelle Praxis hat die Populationsstruktur stark vereinfacht und vielerorts die Verjüngung unterbunden.


Charakteristische Arten

Die folgenden Gehölzarten sind typische Bestandteile der Kanarischen Phoenix-Haine und wurden in der Roten Liste der Biotope als charakteristisch aufgeführt:

Artname (wissenschaftlich)Deutscher Name / Anmerkung
Phoenix canariensisKanarische Dattelpalme, dominante Schlüsselart
Dracaena dracoKanarischer Drachenbaum
Plocama pendula(kein etablierter deutscher Name)
Periploca laevigataGlatte Baumschlinge, eine Lianenart
Dracaena tamaranaeGran-Canaria-Drachenbaum, extrem selten

Besonders bemerkenswert ist die einstmalige Vergesellschaftung mit Dracaena draco und Dracaena tamaranae, die auf eine früher reichhaltigere, waldartige Struktur hinweist. Heute fehlen diese Begleiter vielerorts oder sind nur noch als Einzelexemplare vorhanden.


Qualitätsmerkmale und Gefährdungen

Der gute Erhaltungszustand eines Kanarischen Phoenix-Hains zeichnet sich durch folgende Indikatoren aus (nach Europäischer Roter Liste):

  • Keine forstliche Nutzung im überwiegenden Teil der Fläche
  • Intakte natürliche Hydrologie (ungestörte Grundwasserdynamik)
  • Natürliche Artenzusammensetzung des Kronendachs
  • Strukturvielfalt mit (halb-)natürlicher Altersstruktur und vollständiger Schichtung
  • Typische Flora und Fauna der Region
  • Vorhandensein von Altbäumen und liegendem wie stehendem Totholz inklusive der daran gebundenen Arten
  • Natürliche Störungsereignisse (z. B. Windwurf) mit nachfolgender Verjüngung
  • Lange historische Kontinuität (alte Waldstandorte) mit hoher Artenvielfalt
  • Keine gebietsfremden Arten (wie Opuntia spp. und Agave sp.) in irgendeiner Schicht
  • Geringe Deckung von Stickstoffzeigern der Ordnung Forskaleo-Rumicetalia lunariae

Umgekehrt lassen sich aus diesen Qualitätskriterien die wesentlichen Gefährdungsfaktoren ableiten:

  • Invasive gebietsfremde Pflanzen: Feigenkakteen und Agaven beschatten den Boden, verdrängen die spärliche Unterwuchsflora und verändern das Mikroklima.
  • Hydrologische Eingriffe: Wasserentnahme, Drainage oder Versiegelung unterbrechen die lebenswichtigen kurzzeitigen Grundwasserflüsse.
  • Landwirtschaftliche Intensivierung: Düngung und Bodenbearbeitung in der Umgebung fördern das Eindringen nitrophiler Ruderalarten.
  • Überweidung: Ziegen und Schafe können die Verjüngung der Palmen und anderer Gehölze verhindern.
  • Traditionelle Nutzung: Die Guarapo-Gewinnung schwächt die Palmen und verringert das Samenangebot, wenn sie zu intensiv betrieben wird.
  • Fragmentierung und Holzentnahme: Verkleinerung und Isolierung der Bestände erhöhen das Aussterberisiko lokaler Populationen.

Erhaltungszustand nach Artikel 17

Der länderübergreifende Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den verwendeten Datensätzen (EEA-enhanced European Red List of Habitats 2022) nicht angegeben.

Die EU-weite Bewertung eines solch kleinräumigen, nur in einer biogeographischen Region vorkommenden Lebensraumtyps ist methodisch anspruchsvoll und oft lückenhaft. In der nationalen Berichterstattung Spaniens für die Kanaren wird vermutlich eine separate Einstufung vorgenommen, die hier jedoch nicht als aggregierte Information vorlag.


Bedeutung für den Naturschutz und den Menschen

Die Kanarischen Phoenix-Haine sind nicht nur ein europaweit prioritärer Lebensraum, sondern auch Teil des kulturellen Erbes der Inseln. Die traditionsreiche Gewinnung von Palmhonig ist ein immaterielles Kulturgut, das jedoch mit dem Erhalt der natürlichen Ressourcen in Einklang gebracht werden muss. Der Schutz der Haine sichert zugleich:

  • die genetische Vielfalt endemischer Pflanzen wie der Kanarischen Dattelpalme und des Drachenbaums
  • Lebensraum für spezialisierte wirbellose Tiere, Vögel und Flechten
  • die weitere Existenz einer jahrhundertealten Landnutzungsform, wenn sie nachhaltig ausgeübt wird
  • die Funktion als grüne Inseln in einer ansonsten trockenen Landschaft

Für Kommunen und Landschaftspflegeverbände auf den Kanaren bieten Phoenix-Haine ein Ziel für extensive Erholungsnutzung und Umweltbildung, solange die Unterwuchs- und Grundwasserverhältnisse nicht beeinträchtigt werden.

Hinweis: Eine direkte Nachbildung dieses Biotoptyps in mitteleuropäischen Gärten ist aufgrund seiner speziellen hydrologischen und klimatischen Ansprüche nicht möglich. Einzelne Exemplare der Kanarischen Dattelpalme können zwar als Zierpflanzen kultiviert werden, doch die komplexe azonale Standortdynamik lässt sich nicht reproduzieren.


Schutz und Wiederherstellung

Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Kanarischen Phoenix-Haine sollten an den genannten Qualitätsmerkmalen ansetzen:

  1. Sicherung der Wasserhaushalts: Keine Grundwasserentnahme oder Drainage im Einzugsgebiet der Haine; Bewahrung der natürlichen Gerinneverläufe.
  2. Entfernung invasiver Pflanzen: Bekämpfung von Opuntien und Agaven, möglichst mechanisch und ohne Biozide.
  3. Extensivierung der Landwirtschaft: Pufferzonen ohne Düngung, keine Herbizide; Förderung traditioneller, extensiver Weidewirtschaft.
  4. Nachhaltige Guarapo-Nutzung: Festlegung von Höchstmengen, Ruheperioden und Schutz alter Bäume, um die natürliche Verjüngung zu ermöglichen.
  5. Förderung der Strukturvielfalt: Belassen von Alt- und Totholz, Zulassen von Windwurfflächen, ggf. Wiederansiedlung von verschollenen Begleitarten wie Dracaena draco und Dracaena tamaranae.
  6. Monitoring: Regelmäßige Erfassung der Artenzusammensetzung, Altersstruktur und Ausbreitung von Neophyten.

Im Rahmen von Natura 2000 sind für diesen Lebensraumtyp Schutzgebiete einzurichten. Die vorliegenden Quelldaten liefern keine Kartierungsdetails oder landesspezifische Umsetzungsberichte, sodass hier nicht auf konkrete Gebiete eingegangen werden kann.


FAQ

1. Was ist das Besondere an den Kanarischen Phoenix-Hainen? Sie sind der einzige Lebensraum Europas, in dem die Kanarische Dattelpalme natürliche, grundwassergesteuerte Haine bildet. Ihre azonale Lage in Trockengebieten macht sie zu ökologischen Inseln mit hoher Biodiversität.

2. Warum sind die Haine gefährdet? Nach der Europäischen Roten Liste sind sie als „Vulnerable“ eingestuft, weil ihr kleines Verbreitungsgebiet durch invasive Arten, Wassernutzung und historische Überformung (Guarapo-Gewinnung) bedroht ist.

3. Gehören Kanarische Phoenix-Haine zu Natura 2000? Ja, sie sind ein prioritärer Lebensraumtyp des Anhangs I der FFH-Richtlinie (Code 9370). Die EU-Mitgliedstaaten müssen für diesen Typ Schutzgebiete ausweisen und einen günstigen Erhaltungszustand wiederherstellen.

4. Kann man solche Haine im Garten nachpflanzen? Nein. Die spezielle Kombination aus Kolluvialböden, winterlichen Grundwasserflüssen und Klima lässt sich in einem üblichen Garten nicht nachbauen. Kanarische Dattelpalmen als Zierpflanzen sind keine naturnahen Lebensräume.

5. Welche typischen Arten kommen neben der Palme noch vor? Zu den charakteristischen Gehölzen zählen der Kanarische Drachenbaum (Dracaena draco), die Glatte Baumschlinge (Periploca laevigata) und die extrem seltene Gran-Canaria-Drachenbaumart Dracaena tamaranae.


Quellen

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an den Kanarischen Phoenix-Hainen?

Sie sind der einzige Lebensraum Europas, in dem die Kanarische Dattelpalme natürliche, grundwassergesteuerte Haine bildet. Ihre azonale Lage in Trockengebieten macht sie zu ökologischen Inseln mit hoher Biodiversität.

Warum sind die Haine gefährdet?

Nach der Europäischen Roten Liste sind sie als „Vulnerable“ eingestuft, weil ihr kleines Verbreitungsgebiet durch invasive Arten, Wassernutzung und historische Überformung (Guarapo-Gewinnung) bedroht ist.

Gehören Kanarische Phoenix-Haine zu Natura 2000?

Ja, sie sind ein prioritärer Lebensraumtyp des Anhangs I der FFH-Richtlinie (Code 9370). Die EU-Mitgliedstaaten müssen für diesen Typ Schutzgebiete ausweisen und einen günstigen Erhaltungszustand wiederherstellen.

Kann man solche Haine im Garten nachpflanzen?

Nein. Die spezielle Kombination aus Kolluvialböden, winterlichen Grundwasserflüssen und Klima lässt sich in einem üblichen Garten nicht nachbauen. Kanarische Dattelpalmen als Zierpflanzen sind keine naturnahen Lebensräume.

Welche typischen Arten kommen neben der Palme noch vor?

Zu den charakteristischen Gehölzen zählen der Kanarische Drachenbaum (Dracaena draco), die Glatte Baumschlinge (Periploca laevigata) und die extrem seltene Gran-Canaria-Drachenbaumart Dracaena tamaranae.

Quellen