Stechpalmen-Wälder (Ilex aquifolium woodland) – EU-Biotoptyp G2.6
Der Stechpalmen-Wald (Ilex aquifolium woodland, EUNIS-Code G2.6) ist ein europaweit ungefährdeter Waldbiotoptyp (Least Concern), der durch die Dominanz baumförmiger Stechpalmen (Ilex aquifolium) geprägt wird. Er gilt meist als Ausprägung (Fazies) anderer Waldtypen, etwa von Buchen-, Eichen- oder Eibenwäldern. Der Lebensraum ist im Anhang I der FFH-Richtlinie als „Forests of Ilex aquifolium“ (Code 9380) gelistet.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Ilex aquifolium woodland
- EUNIS
- G2.6 – Holly woods
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 9380 – Forests of Ilex aquifolium
Das Wichtigste in Kürze
- Biotoptyp: Ilex aquifolium woodland (Stechpalmen-Wald, Holly woods)
- EUNIS: G2.6
- Europäische Rote Liste: Least Concern (nicht gefährdet) – EU28 und EU28+
- FFH-Anhang I: Ja, Code 9380 – „Forests of Ilex aquifolium“
- Artikel-17-Erhaltungszustand: in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
- Dominanzmerkmal: baumförmige Stechpalme (Ilex aquifolium) als alleinige dominante Baumart ohne wesentliche Mischbaumarten
- Ursprung: meist anthropogen begünstigte Fazies ursprünglicher Waldgesellschaften (Buchen-, Eichen-, Eibenwälder) durch historische Nutzung als Winterfutter und aktuelle Klimaerwärmung
- Gute Qualität: anhaltende Dominanz von Ilex aquifolium und Überleben der Begleitflora des ursprünglichen Waldtyps
Was ist der EUNIS-Biotoptyp G2.6?
Der EUNIS-Biotoptyp G2.6 mit dem Namen „Holly woods“ (Stechpalmen-Wälder) umfasst Waldbestände, die allein durch die Dominanz baumförmiger (arboreszenter) Individuen der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) definiert werden. In diesen Wäldern treten keine weiteren Baumarten als gleichrangige Mischbaumarten auf. Fachlich wird dieser Biotoptyp kritisch gesehen, weil es sich in der Regel nicht um eine eigenständige Waldgesellschaft handelt, sondern um eine Sonderausprägung (Fazies) anderer Waldtypen.
Die Definition basiert also auf dem reinen Vorherrschen der Stechpalme, unabhängig von der Frage, ob es sich um eine natürliche oder durch menschliche Nutzung entstandene Dominanz handelt.
Aus pflanzensoziologischer Sicht werden Stechpalmen-Wälder je nach Region als Fazies von
- G1.6 Buchenwäldern (Fagus sylvatica)
- G1.8 acidophilen Eichenwäldern (Quercus petraea-Aggregat)
- G3.9 Eibenwäldern (Taxus baccata, insbesondere reliktische Bestände)
betrachtet. Die Dominanz der Stechpalme kann durch historische Bewirtschaftung (siehe unten) oder durch den rezenten Klimawandel begünstigt worden sein.
Kurzprofil des Biotoptyps
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| EUNIS-Code | G2.6 |
| EUNIS-Name | Holly woods |
| Deutscher Name | Stechpalmen-Wald |
| FFH-Anhang-I-Code | 9380 |
| FFH-Anhang-I-Name | Forests of Ilex aquifolium |
| Rote-Liste-Einstufung | Least Concern (nicht gefährdet) |
| Geltungsraum Rote Liste | EU28 und EU28+ (Europäische Union plus weitere Länder) |
| Artikel-17-Erhaltungszustand | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Typische Wuchsregionen | Westeuropa, supra-mediterrane Gebirge, nemorale Zone |
Verbreitung und regionale Besonderheiten in Europa
Die europäischen Vorkommen des Stechpalmen-Waldes sind lückig und stark an die Ökologie der Stechpalme gebunden. Ursprünglich wurde der Biotoptyp für die supra-mediterrane Höhenstufe beschrieben, wo er auf Sardinien und Korsika sowie in den atlantischen Gebirgen Nordwestspaniens vorkommt. Dort wird er meist als reliktische Fazies von G3.9 Eibenwäldern angesehen.
Weitere, stärker verstreute Vorkommen existieren in der nemoralen Zone Westeuropas. Beispiele sind:
- Großbritannien, wo die Bestände wahrscheinlich Fazies von G1.6 Buchenwald oder G1.8 acidophilem Eichenwald sind.
- Weitere subozeanische Lagen West- und Mitteleuropas, in denen Ilex aquifolium durch forstliche Nutzung und Beweidung gefördert wurde.
Historisch spielte die Stechpalme eine wichtige Rolle als Winterfutter für Vieh („Holly fodder“). Landschaften mit einer traditionellen Verbindung von Waldweide und Holznutzung (Silvikultur) weisen daher eine lokale Massenvermehrung von Ilex auf. In den letzten Jahrzehnten begünstigt die Klimaerwärmung zudem die erfolgreiche Ausbreitung der Stechpalme in nördlichere und östlichere (subozeanische) Waldgesellschaften, sodass sich das Areal der charakteristischen Dominanzbestände verschiebt.
Rote Liste und Gefährdungseinstufung
Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen (European Red List of Habitats) bewertet den Stechpalmen-Wald sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte EU28+-Region als Least Concern (nicht gefährdet). Kriterien für eine höhere Gefährdungsstufe sind auf europäischer Ebene nicht erfüllt.
Da die Rote-Liste-Bewertung auf dem gesamten europäischen Areal beruht, können regionale Rückgänge oder nationale Gefährdungen nicht ausgeschlossen werden. Aus den vorliegenden Quelldaten gehen jedoch keine länderspezifischen Gefährdungsgrade oder negative Trends hervor.
FFH-Schutzstatus und Annex I (9380)
Der Biotoptyp ist im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) unter dem Code 9380 mit der Bezeichnung „Forests of Ilex aquifolium“ gelistet. Die Aufnahme in den Anhang I verpflichtet die Mitgliedstaaten, diese Wälder in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 einzubeziehen und einen günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen.
Der europaweite Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den genutzten Quelldaten nicht dokumentiert. Eine aktuelle aggregierte Bewertung liegt also nicht vor. Zuständige nationale Behörden können jedoch auf nationaler Ebene Berichte und Bewertungen vorlegen.
Lebensraum: Struktur und charakteristische Arten
Der Stechpalmen-Wald ist im Idealfall ein mehrschichtiger, immergrüner Laubwald mit deutlicher Dominanz der Stechpalme in der Baumschicht. Häufig finden sich noch Relikte der ursprünglichen Waldgesellschaft, da der Biotoptyp nicht aus einer eigenständigen Artenkombination entsteht, sondern aus der einseitigen Förderung von Ilex.
Charakteristische Arten (nach europäischer Beschreibung)
Baumschicht (dominant)
- Ilex aquifolium (Stechpalme) – dominierend
- Beigemischt oder reliktisch: Fagus sylvatica, Quercus petraea agg., Fraxinus excelsior
Strauchschicht
- Sorbus aucuparia (Vogelbeere)
- Carpinus betulus (Hainbuche)
- Crataegus monogyna (Eingriffeliger Weißdorn)
- Corylus avellana (Hasel)
- Prunus spinosa (Schlehe)
- Hedera helix (Efeu)
Krautschicht
- Pteridium aquilinum (Adlerfarn)
- Lonicera periclymenum (Wald-Geißblatt)
- Deschampsia flexuosa (Draht-Schmiele)
- Vaccinium myrtillus (Heidelbeere)
Moosschicht
- Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos)
- Dicranum scoparium (Besen-Gabelzahnmoos)
- Mnium hornum (Schwanenhals-Sternmoos)
Die Artenzusammensetzung spiegelt deutlich die Herkunft des jeweiligen Bestandes wider. So sind in ehemaligen Buchenwäldern anspruchsvollere Arten zu erwarten, während ehemalige Eichenwälder zu einer säurezeigenden Begleitvegetation neigen.
Indikatoren guter Qualität
Die europäische Bewertung nennt zwei Hauptkriterien für qualitativ hochwertige Stechpalmen-Wälder:
- Die Dominanz von Ilex aquifolium (unabhängig von ihrer Entstehung) bleibt das zentrale Qualitätsmerkmal.
- Das Fortbestehen der ursprünglichen Begleitflora, die aus dem vorherigen Waldtyp stammt, ist essenziell.
Damit ist die naturschutzfachliche Qualität unmittelbar an die Bewahrung des charakteristischen Artenspektrums gebunden – auch wenn der Waldtyp anthropogen überprägt ist.
Artenvielfalt und ökologische Bedeutung
Die ökologische Bedeutung des Stechpalmen-Waldes ist eng mit derjenigen des jeweiligen Ursprungswaldes verknüpft. Durch die immergrüne und dicht belaubte Krone der Stechpalme entstehen während des ganzen Jahres schattige, mikroklimatisch milde und luftfeuchte Bestände.
Für die heimische Fauna ist insbesondere die Stechpalme selbst von hohem Wert:
- Immergrünes Blattwerk bietet ganzjährig Deckung und Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten.
- Die roten Beeren (Steinfrüchte) sind eine wichtige Winternahrung für zahlreiche Vogelarten.
- Die Blüten liefern im späten Frühjahr Nektar und Pollen für Wildbienen und andere Insekten.
Für die Erhaltung der regionalen Biodiversität kommt es darauf an, dass die mit dem Biotoptyp assoziierte typische Begleitflora erhalten bleibt und nicht durch Sukzession oder Nutzungsänderungen verdrängt wird. In einigen Regionen können Stechpalmen-Wälder zudem als Reliktstandorte für seltene, kühl-feuchte Waldarten dienen, die anderswo verschwunden sind.
Bedrohungen und Schutz
Die europäischen Quelldaten nennen keine spezifischen Bedrohungen für den Biotoptyp G2.6. Auch detaillierte Hinweise zu Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen fehlen in der Datenbasis. Vor dem Hintergrund der Roten Liste (Least Concern) wird der Biotoptyp derzeit als stabil angesehen.
Mögliche Einflüsse, die die Qualität der Bestände beeinträchtigen können, sind:
- Aufgabe traditioneller Nutzungsformen, die Ilex historisch gefördert haben (z. B. Waldweide, aufgelichtete Bestände)
- intensive forstliche Umwandlung in Monokulturen
- Verdrängung der Begleitflora durch Nährstoffeinträge oder invasive Arten
Weil die Dominanz der Stechpalme vielerorts anthropogenen Ursprungs ist, kann die langfristige Erhaltung von Stechpalmen-Wäldern von einer Fortführung oder Simulation der traditionellen Bewirtschaftung abhängen. Die europäische FFH-Richtlinie verpflichtet immerhin zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustands, sodass auf nationaler Ebene Managementpläne entwickelt werden können.
Häufige Fragen (FAQ)
-
Was genau ist ein Stechpalmen-Wald nach EUNIS?
Der EUNIS-Biotoptyp G2.6 (Holly woods) umfasst Wälder, in denen die Stechpalme (Ilex aquifolium) als baumförmiger Bestandsbildner dominiert und keine anderen Bäume als gleichberechtigte Hauptbaumarten auftreten. Meist handelt es sich um eine von Menschen geförderte oder durch Klimaänderungen entstandene Fazies anderer Waldtypen. -
Ist der Stechpalmen-Wald in Europa gefährdet?
Nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt der Biotoptyp sowohl in der EU28 als auch in der erweiterten EU28+-Region als „Least Concern“ (nicht gefährdet). Es gibt keine akute europaweite Bedrohung. -
Unter welchem FFH-Code ist der Biotoptyp geschützt?
Der Stechpalmen-Wald ist im Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 9380 als „Forests of Ilex aquifolium“ gelistet und damit Teil des Natura-2000-Netzes. -
Wo in Europa findet man solche Wälder?
Schwerpunktvorkommen liegen auf Sardinien, Korsika und in den atlantischen Gebirgen Nordwestspaniens. Weitere verstreute Bestände existieren im westlichen Europa, etwa in Großbritannien, wo sie als Sonderausprägung von Buchen- oder Eichenwäldern gelten. -
Kann ich einen Stechpalmen-Wald im eigenen Garten nachbilden?
Im Garten lassen sich Stechpalmen gut pflanzen und dominante Gruppen können einen waldartigen Eindruck vermitteln. Allerdings ist der Biotoptyp G2.6 an eine charakteristische Waldstruktur und eine typische Begleitflora gebunden, die im kleinen Gartenmaßstab nicht 1:1 abgebildet werden kann. Für naturnahe Gärten bieten sich einzelne Stechpalmen oder kleine Gehölzgruppen mit heimischen Begleitarten an, ohne den Anspruch, einen echten Stechpalmen-Wald zu erzeugen.
Häufige Fragen
Was genau ist ein Stechpalmen-Wald nach EUNIS?
Der EUNIS-Biotoptyp G2.6 (Holly woods) umfasst Wälder, in denen die Stechpalme (Ilex aquifolium) als baumförmiger Bestandsbildner dominiert und keine anderen Bäume als gleichberechtigte Hauptbaumarten auftreten. Meist handelt es sich um eine von Menschen geförderte oder durch Klimaänderungen entstandene Fazies anderer Waldtypen.
Ist der Stechpalmen-Wald in Europa gefährdet?
Nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt der Biotoptyp sowohl in der EU28 als auch in der erweiterten EU28+-Region als „Least Concern“ (nicht gefährdet). Es gibt keine akute europaweite Bedrohung.
Unter welchem FFH-Code ist der Biotoptyp geschützt?
Der Stechpalmen-Wald ist im Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 9380 als „Forests of Ilex aquifolium“ gelistet und damit Teil des Natura-2000-Netzes.
Wo in Europa findet man solche Wälder?
Schwerpunktvorkommen liegen auf Sardinien, Korsika und in den atlantischen Gebirgen Nordwestspaniens. Weitere verstreute Bestände existieren im westlichen Europa, etwa in Großbritannien, wo sie als Sonderausprägung von Buchen- oder Eichenwäldern gelten.
Kann ich einen Stechpalmen-Wald im eigenen Garten nachbilden?
Im Garten lassen sich Stechpalmen gut pflanzen und dominante Gruppen können einen waldartigen Eindruck vermitteln. Allerdings ist der Biotoptyp G2.6 an eine charakteristische Waldstruktur und eine typische Begleitflora gebunden, die im kleinen Gartenmaßstab nicht 1:1 abgebildet werden kann.