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EUNIS: MB13G; MB13H; MB13J; MB13K; MB13L; MB13M; MB2311; MB233Europäische Rote Liste: Near ThreatenedFFH-Anhang I: 1160; 1170

Gemeinschaften auf baltischen infralittoralen Ton- und anderen Hartsubstraten

Gemeinschaften auf baltischen infralittoralen Ton- und anderen Hartsubstraten sind ein benthischer Meereslebensraum der photischen Zone der Ostsee. Der Meeresboden besteht zu mindestens 90 % aus Hartton, Mergelstein, Eisen-Mangan-Konkretionen und/oder Torf. Sessile/semi-sessile epibenthische Muscheln bedecken mindestens 10 % der Fläche. Der Lebensraum kommt nur in der Ostsee vor und ist nach der Europäischen Roten Liste der Biotope als Near Threatened (potenziell gefährdet) eingestuft.

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities on Baltic infralittoral clay and other hard substrata
EUNIS
MB13G; MB13H; MB13J; MB13K; MB13L; MB13M; MB2311; MB233
EU-28
Near Threatened
EU-28+
Near Threatened
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensraumtyp: Benthische Gemeinschaften auf hartem Ton, Mergel, Eisen-Mangan-Konkretionen und Torf in der lichtdurchfluteten Flachwasserzone der Ostsee.
  • EUNIS-Codes: MB13G, MB13H, MB13J, MB13K, MB13L, MB13M, MB2311, MB233
  • Rote-Liste-Status: Near Threatened (potenziell gefährdet) – sowohl EU28 als auch EU28+.
  • FFH-Annex-I-Bezug: 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten), 1170 (Riffe).
  • Verbreitung: Ausschließlich in der Ostsee – vom Belt über die zentrale Ostsee bis zum Bottnischen Meerbusen, Finnischen Meerbusen und Rigaischen Meerbusen.
  • Charakteristische Arten: Je nach Substrat Miesmuscheln (Mytilus spp.), Pferdemuscheln (Modiolus modiolus) oder Bohrmuscheln (Barnea candida, Zirfaea crispata) sowie vereinzelt Großalgen.
  • Besonderheit: Der Lebensraum umfasst sieben assoziierte Biotope, die sich auf vier Hartton-Gesellschaften und drei Sonderformen (Mergel, Eisen-Mangan-Konkretionen, Torf) verteilen.

Was sind Gemeinschaften auf baltischen infralittoralen Hartsubstraten?

Dieser marine Lebensraum beschreibt den Meeresboden in der photischen Zone (lichtdurchflutetes Flachwasser) der Ostsee, der zu mindestens 90 % aus Hartton, Mergelstein, Eisen-Mangan-Konkretionen oder Torf besteht. Anders als Weichböden (Sand, Schlick) bieten diese harten Substrate eine feste Unterlage für aufsitzende (sessile) oder halbsessile Tiere – insbesondere für epibenthische Muscheln. Definitionsgemäß müssen diese Muscheln und ggf. andere sessile Organismen eine Deckung von mindestens 10 % der Meeresbodenfläche erreichen, während keine aufrecht wachsende mehrjährige Organismengruppe (z. B. Großalgen oder Seegräser) mehr als 10 % decken darf. In einigen Ausprägungen fehlt Makrovegetation oder Makrofauna sogar völlig.

Der Fachbegriff infralittoral bezeichnet den Bereich unterhalb der Niedrigwasserlinie, der noch ausreichend Licht für benthische Primärproduzenten erhält – in der Ostsee reicht diese Zone typischerweise von 0 bis etwa 20 Meter Wassertiefe. Die Abgrenzung erfolgt nach der HELCOM HUB-Klassifikation, einem einheitlichen System für baltische benthische Biotope.

EUNIS-Zuordnung und Klassifikation

Das European Nature Information System (EUNIS) ordnet diesen Lebensraum mehreren Codes zu:

  • MB13G, MB13H, MB13J, MB13K, MB13L, MB13M – Gemeinschaften auf baltischem Infralittoral-Ton und anderen Hartsubstraten.
  • MB2311 – Erweiterte Zuordnung innerhalb der marinen benthischen Lebensräume.
  • MB233 – Weitere übergeordnete Klassifikation.

Diese Codes bilden eine Gruppe von sieben assoziierten Biotopen:

  • Vier Biotope auf Hartton (AA.B1E1, AA.B1V, AA.B2T, AA.B4U): darunter von Miesmuscheln (Mytiliden) dominierte Flächen, Gemeinschaften mit gemischter Epibenthos-Zusammensetzung, spärlich besiedelte sowie solche ohne dominante Makrofauna.
  • Ein Biotop auf Mergelstein (AA.C – Baltic photic marl), das nur im eigentlichen Ostseebecken, der Beltsee und im Öresund vorkommt.
  • Ein Biotop auf Eisen-Mangan-Konkretionen (AA.F – Baltic photic ferromanganese concretion bottoms), typischerweise unterhalb von 10 m Tiefe, verbreitet im Ostseebecken, Bottnischen Meerbusen, Finnischen Meerbusen und Rigaischen Meerbusen.
  • Ein Biotop auf Torf (AA.G – Baltic photic peat bottoms), das durch marine Erosion subfossiler Torflager an deutschen und dänischen Küsten freigelegt wurde. Dieses Biotop kommt nur im eigentlichen Ostseebecken und der Beltsee vor.

Verbreitung und Standortbedingungen

Der gesamte Lebensraum ist ausschließlich auf die Ostsee beschränkt und gilt als charakteristisch für energiereiche, exponierte Küstenabschnitte. Die Angaben zu den Teilbiotopen zeigen eine feinere regionale Verteilung:

  • Hartton-Biotope sind in allen Expositionsklassen entlang der Ostseeküsten zu finden, solange das Substrat ansteht.
  • Mergelstein- und Eisen-Mangan-Biotope treten vor allem in den nördlichen und östlichen Becken der Ostsee auf (Bottnischer Meerbusen, Finnischer und Rigaischer Meerbusen).
  • Torf-Biotope sind auf Küstenbereiche mit subfossilen Torfschichten beschränkt – dokumentiert an deutschen und dänischen Küsten – und existieren dort in einem Salinitätsbereich von 7–18 psu, also im Brackwasserbereich der südwestlichen und zentralen Ostsee.

Die Wassertiefe reicht von der Niedrigwasserlinie bis etwa 20 m, wobei die Eisen-Mangan-Konkretionsböden verstärkt ab etwa 10 m Tiefe vorkommen. Gemeinsam ist allen Standorten die hohe Substrathärte und die dauerhafte Wasserbedeckung mit ausreichend Licht für benthische Algen und Tiere.

Ökologische Charakteristik und typische Arten

Die charakteristischen Arten unterscheiden sich je nach Substrat:

  • Auf hartem Ton dominieren Muscheln der Gattungen Mytilus (Miesmuscheln) und Modiolus modiolus (Pferdemuschel). Diese können mehr als die Hälfte der Biomasse ausmachen und bilden dichte, artenreiche Epibenthos-Gemeinschaften.
  • Auf Torf fehlen Epibenthos-Gemeinschaften meist ganz. Stattdessen haben sich spezialisierte Bohrmuscheln wie Barnea candida (Weiße Bohrmuschel) und Zirfaea crispata (Krause Bohrmuschel) an das Eindringen in das kompakte, aber erosionsanfällige Substrat angepasst. Die Oberfläche kann von fädigen, einjährigen Algen sowie einzelnen juvenilen Exemplaren von Fucus spp. (Blasentang) oder Chorda spp. (Meersaite) besiedelt sein.
  • Auf Mergel und Konkretionen sind spezifische Artengemeinschaften weniger detailliert dokumentiert. Hier ist die Artenvielfalt oft geringer, weil die harten, nährstoffarmen Substrate nur wenigen Organismen Halt bieten.

Die Qualität des Lebensraums wird anhand von Diversität, Abundanz und Biomasse der dominierenden Arten sowie der Begleitfauna beurteilt. Allerdings existieren keine europaweit einheitlichen Qualitätsindikatoren. In Schutzgebieten (Natura 2000) können standortspezifisch Referenzwerte festgelegt sein.

Bedeutung im europäischen Naturschutz (FFH, Rote Liste)

Europäische Rote Liste der Biotope

  • Kategorie: Near Threatened (NT) – potenziell gefährdet.
  • Bewertungsrahmen: EU28 und EU28+ (die erweiterte EU mit assoziierten Staaten).
  • Kriterium: Nicht spezifiziert in den vorliegenden Quelldaten.

Die Einstufung als Near Threatened signalisiert, dass der Lebensraum zwar derzeit nicht unmittelbar vom Verschwinden bedroht ist, aber bereits Beeinträchtigungen zeigt oder eine ungünstige Entwicklung befürchtet wird.

FFH-Richtlinie (Annex I)

Der Lebensraum überschneidet sich mit zwei FFH-Lebensraumtypen:

  • 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten
  • 1170 – Riffe

Diese Überschneidung erlaubt es, die betreffenden Flächen in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 zu integrieren, sofern sie naturschutzfachlich als Riffe oder flache Meeresarme ausgewiesen werden können. Die genaue Zuordnung erfolgt standortabhängig. Angaben zum Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegen für diesen Biotoptyp nicht vor.

Bedrohungen und Gefährdungsfaktoren

In den vorliegenden Quelldaten zur Europäischen Roten Liste sind für diesen Lebensraum keine spezifischen Bedrohungsfaktoren einzeln aufgeführt. Die Einstufung als Near Threatened beruht auf einer Gesamtbewertung durch Fachexpertise. Allgemeine Gefahren, die in der Ostsee auf Hartsubstrate im Infralittoral einwirken, umfassen:

  • Eutrophierung: Nährstoffeinträge können zu übermäßigem Algenwachstum führen, das die besiedelbaren Oberflächen überwuchert oder Lichtmangel verursacht.
  • Bodenschleppnetz-Fischerei: Mechanische Zerstörung epibenthischer Gemeinschaften.
  • Küstenbauwerke und Baggerungen: Veränderung der Hydrodynamik und Sedimentverfrachtung, die Hartsubstrate verschütten oder freilegen können.
  • Klimawandel: Temperaturerhöhung und Verschiebung der Salinitätsgradienten könnten die Artzusammensetzung nachhaltig verändern.

Da die detaillierten Gefährdungsfaktoren nicht spezifiziert sind, können lokal zusätzliche Stressoren eine Rolle spielen. Die Bewertung als potenziell gefährdet unterstreicht jedoch den Vorsorgegedanken: Es wird davon ausgegangen, dass bereits moderate Beeinträchtigungen den Lebensraum negativ verändern können.

Qualitätsmerkmale und Indikatoren

Grundsätzlich werden marine Lebensraumqualitäten über biotische und abiotische Indikatoren erfasst:

  • Vorkommen charakteristischer und störungsempfindlicher Arten.
  • Wasserqualitätsparameter (Nährstoffkonzentration, Sichttiefe).
  • Expositionsgrad gegenüber bestimmten Druckfaktoren.
  • Integrierende Indizes wie trophischer Index oder Sukzessionsstadien.

Für diesen Lebensraum gibt es keine allgemein vereinbarten Qualitätsindikatoren. In Schutzgebieten können jedoch standortspezifische Referenzwerte festgelegt sein, anhand derer der Zustand überwacht wird. Die Diversität, Abundanz und Biomasse der dominanten Arten sowie der Begleitfauna werden als potenzielle Qualitätsindikatoren genannt.

Hinweise für die Meeresraumplanung und den Küstenschutz

Auch wenn dieser Lebensraum nicht 1:1 in einen „Naturgarten“ übertragen werden kann, sind seine Erhaltung und Wiederherstellung wichtige Ziele der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und der regionalen HELCOM-Abkommen. Mögliche Maßnahmen:

  • Ausweisung von Meeresschutzgebieten mit Verbot zerstörerischer Nutzung auf Hartsubstraten.
  • Reduzierung von Nährstoffeinträgen aus Landwirtschaft und Siedlungen.
  • Lenkung der Fischerei – Vermeidung von Grundschleppnetzen über empfindlichen Substraten.
  • Monitoring der Artengemeinschaften auf repräsentativen Flächen.

Für Kommunen im Ostseeraum bedeutet dies, bei der Küsten- und Hafenentwicklung die mögliche Beeinträchtigung dieser oft übersehenen Bodenlebensräume zu prüfen.

Forschung und Wissenslücken

Besonders lückenhaft ist das Wissen über die Torf-Biotope (AA.G). Die Oberflächenbesiedlung durch Algen und die Ökologie der Bohrmuscheln sind nur unzureichend untersucht. Auch die genaue Verbreitung und die Reaktion der Eisen-Mangan-Konkretionsböden auf Umweltveränderungen sind nicht vollständig dokumentiert. Systematische Kartierungen und ein langfristiges Monitoring wären wünschenswert, um den tatsächlichen Gefährdungsgrad präziser einstufen zu können.

Steckbrief zum Lebensraum

MerkmalAngabe
BezeichnungGemeinschaften auf baltischen infralittoralen Ton- und anderen Hartsubstraten
EUNIS-CodesMB13G, MB13H, MB13J, MB13K, MB13L, MB13M, MB2311, MB233
Rote-Liste-StatusNear Threatened (potenziell gefährdet) – EU28 und EU28+
FFH-Annex-I-Codes1160 (Flache große Meeresarme und -buchten), 1170 (Riffe)
Biogeographische RegionBAL (Ostsee)
Wassertiefe0–20 m
Salinitätca. 7–18 psu (insbesondere Torf-Biotop)
Substratdeckung≥90 % Hartton, Mergel, Fe-Mn-Konkretionen oder Torf
Epibenthos-Deckung≥10 % sessile/semi-sessile Muscheln; keine mehrjährige Aufwuchsgruppe >10 %
Charakteristische ArtenMytilus spp., Modiolus modiolus (Hartton); Barnea candida, Zirfaea crispata, fädige Algen (Torf)
Assoziierte Biotope7: AA.B1E1, AA.B1V, AA.B2T, AA.B4U, AA.C, AA.F, AA.G
GefährdungsfaktorenIn den vorliegenden Quelldaten nicht spezifiziert
QualitätsindikatorenKeine einheitlichen, potenziell Diversität, Abundanz, Biomasse

FAQ

Was bedeutet „infralittoral“?

Der Begriff bezeichnet die flache, ständig wasserbedeckte Zone unterhalb der Niedrigwasserlinie, die noch ausreichend Licht für Benthospflanzen erhält. In der Ostsee reicht sie je nach Trübung bis etwa 20 m Tiefe.

Warum ist der Lebensraum „Near Threatened“?

Die Europäische Rote Liste der Biotope bewertet ihn als potenziell gefährdet. Obwohl keine einzelnen Bedrohungen aufgelistet sind, gehen Experten davon aus, dass eine Kombination aus Eutrophierung, mechanischer Zerstörung und Klimawandel langfristig zu einer Verschlechterung führen kann.

Wo genau kommt der Lebensraum vor?

Er ist ausschließlich in der Ostsee verbreitet – vom engeren Belt über die zentrale Ostsee bis in die großen Meeresbusen (Bottnischer Meerbusen, Finnischer Meerbusen, Rigaischer Meerbusen) sowie an deutschen und dänischen Küsten für das Torf-Biotop.

Welche geschützten Arten sind typisch?

Zu den charakteristischen, aber nicht zwingend geschützten Arten zählen Miesmuscheln (Mytilus), Pferdemuscheln (Modiolus modiolus) sowie die Bohrmuscheln Barnea candida und Zirfaea crispata. Makroalgen (z. B. Fucus, Chorda) kommen selten und meist nur als Juvenile vor.

Wie kann ich diesen Lebensraum erkennen?

Als Taucher oder bei Kartierungen erkennt man ihn an der dominanten harten Substratfläche – optisch oft als Ton- oder Mergelplatten, dunkle Eisen-Mangan-Krusten oder von Muscheln überzogene Böden. Die geringe oder fehlende Bedeckung durch große Algen und die auffälligen Muschelansammlungen sind typisch.

Häufige Fragen

Was bedeutet „infralittoral“?

Der Begriff bezeichnet die flache, ständig wasserbedeckte Zone unterhalb der Niedrigwasserlinie, die noch ausreichend Licht für Benthospflanzen erhält. In der Ostsee reicht sie je nach Trübung bis etwa 20 m Tiefe.

Warum ist der Lebensraum „Near Threatened“?

Die Europäische Rote Liste der Biotope bewertet ihn als potenziell gefährdet. Obwohl keine einzelnen Bedrohungen aufgelistet sind, gehen Experten davon aus, dass eine Kombination aus Eutrophierung, mechanischer Zerstörung und Klimawandel langfristig zu einer Verschlechterung führen kann.

Wo genau kommt der Lebensraum vor?

Er ist ausschließlich in der Ostsee verbreitet – vom engeren Belt über die zentrale Ostsee bis in die großen Meeresbusen (Bottnischer Meerbusen, Finnischer Meerbusen, Rigaischer Meerbusen) sowie an deutschen und dänischen Küsten für das Torf-Biotop.

Welche geschützten Arten sind typisch?

Zu den charakteristischen, aber nicht zwingend geschützten Arten zählen Miesmuscheln (Mytilus), Pferdemuscheln (Modiolus modiolus) sowie die Bohrmuscheln Barnea candida und Zirfaea crispata. Makroalgen (z. B. Fucus, Chorda) kommen selten und meist nur als Juvenile vor.

Wie kann ich diesen Lebensraum erkennen?

Als Taucher oder bei Kartierungen erkennt man ihn an der dominanten harten Substratfläche – optisch oft als Ton- oder Mergelplatten, dunkle Eisen-Mangan-Krusten oder von Muscheln überzogene Böden. Die geringe oder fehlende Bedeckung durch große Algen und die auffälligen Muschelansammlungen sind typisch.

Quellen