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EUNIS: H2.1Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 8110

Boreal-arktischer Silikatschutt und Blockhalden – EUNIS H2.1

Der Lebensraumtyp „Boreal and arctic siliceous scree and block field“ (EUNIS H2.1) umfasst vegetationsarme Ansammlungen von Silikatblöcken, -steinen und -kies in der borealen und arktischen Region Europas. Geprägt von natürlicher Hangdynamik, Frost oder alten Strandablagerungen, bieten diese basenarmen Standorte spezialisierten Flechten, Moosen und Gefäßpflanzen ein Zuhause. In der europäischen Roten Liste der Biotope gilt er als ungefährdet (Least Concern). FFH-rechtlich wird ein Teil davon dem Lebensraumtyp 8110 (Silikatschutt der montanen bis nivalen Stufe) zugeordnet.

Einordnung

Originalbezeichnung
Boreal and arctic siliceous scree and block field
EUNIS
H2.1 – Cold siliceous screes
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
8110 – Siliceous scree of the montane to snow levels (Androsacetalia alpinae and Galeopsietalia ladani)

Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das? Boreale und arktische, nahezu vegetationsfreie Block- und Schutthalden aus Silikatgestein – von kleinen Blockfeldern der südlichen borealen Taiga bis zu den isländischen Hochlandwüsten
  • EUNIS-Code: H2.1 – Cold siliceous screes
  • FFH-Anhang I: 8110 (Siliceous scree of the montane to snow levels) – beschreibt einen Ausschnitt dieses Lebensraums
  • Europäische Rote Liste der Biotope: Least Concern (ungefährdet), sowohl für EU28 als auch EU28+
  • Schlüsselfaktoren: Störungsregime (Steinschlag, Frost, Beweidung), Basenarmut, Offenheit
  • Charakterarten: bunte Flechtengesellschaften (Umbilicaria, Stereocaulon), Moose wie Racomitrium lanuginosum und vaskuläre Pionierpflanzen wie Oxyria digyna, Silene acaulis oder Cryptogramma crispa
  • Gefährdungen: Sukzession zu Gehölzen (v. a. im borealen Bereich), übermäßige Erosion durch Freizeitnutzung, Verlust traditioneller Beweidung

Was ist EUNIS H2.1? – Ein Überblick

Der Lebensraumtyp „Boreal and arctic siliceous scree and block field“ (EUNIS H2.1) bezeichnet alle Formen borealer und arktischer, nahezu vegetationsfreier Ansammlungen von silikatischen Blöcken, Steinen oder Kies, die nicht dem Litoral zugeordnet werden. Die Bezeichnung „scree“ und „block field“ wird in der englischen Fachsprache für verschiedene geologische Bildungen verwendet.

Scree (auch Talus genannt) entsteht durch Hangprozesse an Steilhängen oder unter Felswänden. Typisch ist eine Sortierung des Materials: Die größten Blöcke rollen am weitesten hangabwärts, während feineres Material im oberen Hangbereich verbleibt. Blockfelder hingegen sind flächige Blockansammlungen, die oft durch glaziale Ablagerung, Frostsprengung anstehender Felsen oder Frosthebung aus Moränenmaterial entstanden sind. Eine Sonderform bilden alte Strandwälle, die durch ehemalige Küstendynamik aufgeschüttet wurden und heute weit oberhalb der aktuellen Ostseeuferlinie liegen.

All diese Substrate sind basenarm (silikatisch) und beherbergen azidophile Pflanzengesellschaften. Weil der Lebensraum von den südschwedischen Blockhalden der borealen Nadelwälder bis zu den blockübersäten Hochflächen Islands reicht, ist seine biologische Vielfalt sehr heterogen.

Entscheidend für die Existenz dieser Lebensräume ist ein naturnahes oder halbnatürliches Störungsregime: periodischer Steinschlag, Substratbewegung, Feuer (in boreal geprägten Bereichen) und teilweise auch traditionelle Beweidung erhalten die offenen Bedingungen und verhindern das Aufkommen von Gehölzen.

Systematische Einordnung: EUNIS, FFH und Rote Liste

EUNIS-Typologie

  • Code: H2.1
  • Name: Cold siliceous screes
  • Beschreibung: boreale und arktische Silikatschutt- und Blockhalden
  • Abgrenzung: Reine Eis- und Moränenbiotope (H4.3) werden als separater Typ geführt. Wald- und Gebüschstadien (G- und F-Typen) sind ausgeschlossen, auch wenn manche Blockfelder einzelne Baum- oder Strauchgruppen aufweisen können. Der Lebensraum umfasst nur die offene, vegetationsarme Matrix.

FFH-Lebensraumtyp 8110

Der FFH-Anhang I listet unter Code 8110 den „Siliceous scree of the montane to snow levels (Androsacetalia alpinae and Galeopsietalia ladani)“. Dieser Typ ist als Teilmenge („<“) von EUNIS H2.1 zu verstehen: Er deckt die vorwiegend montan-alpin geprägten Ausbildungen der Silikatschutthalden ab. Boreale Flachlandblockfelder und eiszeitliche Strandwälle werden durch 8110 nicht vollständig erfasst.

Europäische Rote Liste der Biotope

  • Gefährdungskategorie: Least Concern (LC) – sowohl in der EU28- als auch in der EU28+-Bewertung.
  • Begründung: Der Lebensraum ist in der Gesamtbilanz weit verbreitet und hauptsächlich durch natürliche Prozesse offengehalten. Lokale Rückgänge durch Verbuschung oder intensive Beweidung sind bekannt, gefährden den Typ aber nicht gesamteuropäisch.
  • Erhaltungszustand (Artikel 17): In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Lebensraum und Ökologie

| Faktor | Beschreibung |
|---|---|
| Geologie | Silikatgesteine (Granit, Gneis, Quarzit u.a.), basenarm |
| Substratsortierung | Hoch: Grobblöcke hangabwärts, Feines oben; in Blockfeldern oft gleichmäßig |
| Dynamik permanent | Steinschlag, Frosthebung, Kryoturbation; in borealen Bereichen episodisch |
| Feuchtehaushalt | Von frisch bis sommertrocken, je nach Hangneigung und Klima |
| Offenheit | Entscheidend: Keine geschlossene Gehölzschicht, in der Arktis durch Klima, in tieferen Lagen durch Störung (Beweidung, Feuer) |

Pflanzendecke: Flechten und Moose dominieren

Die Vegetation dieser Schuttstandorte ist eine Mischung aus Flechten, Moosen und vereinzelten Gefäßpflanzen – genau jene Organismen, die mit extremen Nährstoffmangel, mechanischer Belastung und Temperaturwechseln zurechtkommen.

  • Auf den Blockoberseiten wachsen Krustenflechten (z.B. Rhizocarpon geographicum, Porpidia) und Blattflechten (z.B. Umbilicaria, Parmelia saxatilis).
  • In Felsspalten und auf windstillen Seiten etablieren sich Moospolster (Racomitrium lanuginosum, Andreaea rupestris).
  • Zwischen den Blöcken, wo Feinerde eingetragen wird, finden sich krautige Pionierpflanzen – viele mit Polsterwuchs (Silene acaulis), Rosetten (Oxyria digyna) oder flachen Rhizomen.

Wo Gefäßpflanzen Fuß fassen

Wo genug Feinmaterial zwischen den Blöcken liegt, treten typische Gefäßpflanzengesellschaften auf. In den skandinavischen Schutthalden von der borealen bis zur hochalpinen Stufe sind u.a. charakteristisch:

  • Oxyria digyna (Alpen-Säuerling) – eine der häufigsten Arten auf Silikatschutt
  • Cryptogramma crispa (Krauser Rollfarn) und Cystopteris fragilis (Zerbrechlicher Blasenfarn) – typisch für feinschuttreiche, halbschattige Halden
  • Silene acaulis (Stängelloses Leimkraut) und Dryas octopetala (Silberwurz) – Polsterstauden, die organisches Material anreichern
  • Deschampsia alpina (Alpen-Schmiele) und Festuca ovina (Schaf-Schwingel) – Gräser an Ruhigstellen

Im arktischen Teil (Island, Svalbard) treten zusätzlich Arten wie Cerastium arcticum, Papaver radicatum coll. und Potentilla robbinsiana ssp. hypactica auf.

Übergänge zu anderen Biotoptypen

In tieferen Lagen oder bei nachlassender Störung gehen die Schuttfluren allmählich über in:

  • Zwergstrauchheiden (Empetrum, Vaccinium) bei zunehmender Bodenbildung
  • Grasland auf stabilisierten Feinschuttböden
  • Fjell-Felder (H5.1) nahe der Gipfelregionen

Die Übergänge sind fließend und werden oft durch Mikrorelief, Dauer der Schneebedeckung und Beweidungsintensität gesteuert.

Charakteristische Arten

Die nachfolgende Tabelle fasst besonders bezeichnende Arten zusammen, differenziert nach Pflanzengruppen und regionalen Schwerpunkten (laut Europäischer Roter Liste). Fett = in der Quelle besonders hervorgehoben.

Gefäßpflanzen

ArtnameAnmerkungen (B = boreal, I = Island, S = Svalbard)
Alchemilla alpinaI
Arabis alpinaI
Arctostaphylos uva-ursiB
Arenaria norvegicaI, dort auch auf nicht-basischen Schutthalden verbreitet
Armeria maritimaI
Cryptogramma crispaB
Cystopteris fragilisB
Deschampsia alpina
Dryas octopetalaI
Empetrum nigrumB
Oxyria digynaweit verbreitet
Poa glauca
Ranunculus glacialisalpin
Saxifraga oppositifoliaarktisch-alpin
Silene acaulispolsterbildend
Vaccinium myrtillus, V. vitis-idaeaB, als Vor- und Begleitarten
Woodsia ilvensisB

Moose

  • Andreaea rupestris – Klaffmoos, typisch auf Silikatblöcken
  • Racomitrium lanuginosum – formschönes Wollgrasmoos, im feuchteren Schutt
  • Polytrichum spp. – in humusgefüllten Lücken
  • Pleurozium schreberi – in stabileren borealen Blockfeldern

Flechten (auszugsweise)

  • Umbilicaria spp. (Nabelflechten)
  • Stereocaulon spp. (Strauchflechten, z.T. Korallenflechten)
  • Rhizocarpon geographicum (Landkartenflechte)
  • Cladonia spp., Cladina spp.
  • Parmelia saxatilis
  • Cetraria spp.
  • Arctoparmelia centrifuga (Kreisflechte, typisch für stabile Blockfelder)

Die Artenliste für Gefäßpflanzen ist lang und spiegelt die Heterogenität des Typs wider. Sie umfasst auch anspruchslose Arten wie Calamagrostis epigejos oder Verbascum thapsus, die in gestörten Übergangsbereichen auftreten können. Entscheidend ist das Gesamtbild: eine offene, störungsgeprägte Vegetation mit Dominanz von Flechten und Moosen.

Verbreitung in Europa

Der Lebensraumtyp ist auf die boreale und arktische Zone beschränkt. Die größten Ausdehnungen finden sich:

  1. Island – riesige Kies- und Blockwüsten, sowohl aktive Schutthalden als auch gealterte Blockfelder (auch Strandwall-Hochebenen).
  2. Skandinavisches Gebirge – von der südlichen Taiga bis zu mittel- und hochalpinen Lagen. Hier sind Schutthalden an Steilhängen weit verbreitet.
  3. Nordfennoskandische Gipfelplateaus – großflächige stabile Blockfelder auf den Höhenzügen.
  4. Alte Strandwälle um die Ostseeküste (vor allem Schweden, Finnland) – Relikte nacheiszeitlicher Küstendynamik, die heute als flache Blockfelder in Wäldern liegen.

Konkrete Länderlisten oder biogeografische Regionen sind in den Quelldaten nicht genannt. Die allgemeine geografische Verbreitung lässt sich jedoch aus den Beschreibungen eindeutig ableiten.

Gefährdung und Störungen

Trotz der Einstufung als „Least Concern“ ist der Lebensraum lokal gefährdet. Die wichtigsten Faktoren:

  • Sukzession – In borealen Regionen, wo das Störungsregime (Feuer, Frost, Beweidung) nachlässt, dringen langsam Bäume und Sträucher von den Rändern vor. Besonders kleine Blockfelder können komplett zuwachsen.
  • Beweidungsaufgabe – Jahrtausendealte Beweidungstraditionen (v.a. mit Schafen) hielten die Schutthalden offen. Wird diese Nutzung aufgegeben, beschleunigt sich die Verbuschung.
  • Freizeitnutzung – Wandern, Klettern oder Mountainbiking können zu zusätzlicher Erosion führen, die die typische Vegetation schädigt.
  • Klimawandel – Höhere Temperaturen können die Frostwechseldynamik verändern, in der Arktis etwa die Stabilität der Blockfelder beeinflussen und gleichzeitig das Aufkommen von Gefäßpflanzen begünstigen.

In den vorliegenden Quelldaten sind keine spezifischen Gefährdungsfaktoren aufgeführt; die oben genannten ergeben sich aus der Habitatbeschreibung (Indikatoren guter Qualität).

Bedeutung für die Artenvielfalt

Obwohl diese Schutthalden auf den ersten Blick lebensfeindlich wirken, sind sie Hotspots für spezialisierte Kryptogamen (Flechten, Moose). In den eiszeitlich geprägten Landschaften Europas bieten sie einzigartige Nischen:

  • Mikrohabitatvielfalt: Blockoberseite, Felsspalte, Blockunterseite, Vertikalseite, Feinerdepolster – jede Struktur beherbergt andere Arten.
  • Endemismus: Viele Flechten und Moose sind auf große Höhen oder hohe Breiten beschränkt und nur hier zu finden.
  • Pionierstandorte: Die spärliche Vegetation stellt frühe Sukzessionsstadien dar; von ihnen aus können sich unter günstigen Umständen weitere Böden entwickeln.
  • Klimageschichte: Einige isolierte Blockfelder dienen als eiszeitliche Rückzugsgebiete für Kälte spezialisierte Arten.

Kann man diesen Lebensraum im Garten nachbilden?

Die kurze Antwort: Nein, nicht im Sinne eines echten Biotops. Boreale Schutthalden sind an großflächige geologische Bedingungen, extremes Klima und natürliche Dynamik gebunden. Ein Steingarten mit Silikatfindlingen und Kies kann einige der Flechten und Moose beherbergen, aber niemals das Zusammenspiel von Hangprozessen, Substratsortierung und episodischen Störungen ersetzen. Zudem sind viele der charakteristischen Arten auf Hochgebirgs- oder Arktisbedingungen angewiesen und würden in Mitteleuropa nicht gedeihen.

Denkbar im Kommunen-Kontext ist die Anlage von Schotterflächen oder Blocksteinhaufen aus Silikatgestein, die als Trittsteinbiotope für heimische Magerkeitszeiger dienen, jedoch immer im Kontext der regionaltypischen Trockenbiotope, nicht als 1:1-Imitation eines borealen Blockfeldes.

FAQ

[
  {
    "question": "Was ist der Unterschied zwischen EUNIS H2.1 und dem FFH-Typ 8110?",
    "answer": "EUNIS H2.1 umfasst alle borealen und arktischen Silikatschutt- und Blockhalden. Der FFH-Lebensraumtyp 8110 (Siliceous scree of the montane to snow levels) ist ein Teilausschnitt daraus und bezieht sich vor allem auf die montan-alpinen Ausprägungen. Blockfelder an alten Ostseestränden fallen nicht unter 8110, werden aber von H2.1 erfasst."
  },
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    "question": "Wie gefährdet ist dieser Lebensraum?",
    "answer": "In der europäischen Roten Liste der Biotope wird er als Least Concern (ungefährdet) eingestuft – sowohl in der EU mit 28 Mitgliedstaaten als auch bei erweiterter Betrachtung. Lokal kann es jedoch zu Verlusten durch Verbuschung oder übermäßige Erosion kommen."
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    "question": "Welche Pflanzen sind typisch für Silikatschutthalden?",
    "answer": "Typisch sind säuretolerante, oft polster- oder rosettenbildende Arten. Häufig sind der Alpen-Säuerling (Oxyria digyna), der Krause Rollfarn (Cryptogramma crispa), das Stängellose Leimkraut (Silene acaulis) sowie zahlreiche Flechten (Landkartenflechte, Nabelflechten) und Moose (Racomitrium lanuginosum, Andreaea)."
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  {
    "question": "Warum sind viele Blockhalden nicht bewaldet?",
    "answer": "Die Offenheit wird durch ein anhaltendes Störungsregime gesichert: Steinschlag, Frosthebung, das extreme arktische Klima oder – in tieferen Lagen – regelmäßige Brände und traditionelle Beweidung verhindern das Aufkommen von Bäumen und Sträuchern. Ohne diese Störungen würden viele Halden langsam verbuschen."
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    "question": "Kann man diesen Lebensraumtyp in Mitteleuropa finden?",
    "answer": "Der boreal-arktische Silikatschutt ist auf hohe Breiten oder Hochgebirgslagen beschränkt. In Mitteleuropa kommen ähnliche, aber floristisch abweichende Silikatschutthalden vor, die teilweise unter andere FFH-Typen fallen (z.B. 8110 in den Alpen). Echte Blockfelder der hier beschriebenen Ausprägung fehlen."
  }
]

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen EUNIS H2.1 und dem FFH-Typ 8110?

EUNIS H2.1 umfasst alle borealen und arktischen Silikatschutt- und Blockhalden. Der FFH-Lebensraumtyp 8110 (Siliceous scree of the montane to snow levels) ist ein Teilausschnitt daraus und bezieht sich vor allem auf die montan-alpinen Ausprägungen. Blockfelder an alten Ostseestränden fallen nicht unter 8110, werden aber von H2.1 erfasst.

Wie gefährdet ist dieser Lebensraum?

In der europäischen Roten Liste der Biotope wird er als Least Concern (ungefährdet) eingestuft – sowohl in der EU mit 28 Mitgliedstaaten als auch bei erweiterter Betrachtung. Lokal kann es jedoch zu Verlusten durch Verbuschung oder übermäßige Erosion kommen.

Welche Pflanzen sind typisch für Silikatschutthalden?

Typisch sind säuretolerante, oft polster- oder rosettenbildende Arten. Häufig sind der Alpen-Säuerling (Oxyria digyna), der Krause Rollfarn (Cryptogramma crispa), das Stängellose Leimkraut (Silene acaulis) sowie zahlreiche Flechten (Landkartenflechte, Nabelflechten) und Moose (Racomitrium lanuginosum, Andreaea).

Warum sind viele Blockhalden nicht bewaldet?

Die Offenheit wird durch ein anhaltendes Störungsregime gesichert: Steinschlag, Frosthebung, das extreme arktische Klima oder – in tieferen Lagen – regelmäßige Brände und traditionelle Beweidung verhindern das Aufkommen von Bäumen und Sträuchern. Ohne diese Störungen würden viele Halden langsam verbuschen.

Kann man diesen Lebensraumtyp in Mitteleuropa finden?

Der boreal-arktische Silikatschutt ist auf hohe Breiten oder Hochgebirgslagen beschränkt. In Mitteleuropa kommen ähnliche, aber floristisch abweichende Silikatschutthalden vor, die teilweise unter andere FFH-Typen fallen (z.B. 8110 in den Alpen). Echte Blockfelder der hier beschriebenen Ausprägung fehlen.

Quellen