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EUNIS: H2.3Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 8110

Temperate high-mountain siliceous scree (EUNIS H2.3) – Silikatschutthalden der Hochgebirge

Die temperierte hochmontane Silikatschutthalde (EUNIS H2.3) ist ein von sauren Gesteinsfragmenten geprägter Lebensraum oberhalb von 1000 m in den Gebirgen der nemoralen Zone Europas. Sie ist als FFH-Lebensraumtyp 8110 geschützt und in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als ungefährdet (Least Concern) eingestuft. Typisch sind angepasste Polsterpflanzen, Farne und Moose wie Androsace alpina, Saxifraga bryoides und Cryptogramma crispa.

Einordnung

Originalbezeichnung
Temperate high-mountain siliceous scree
EUNIS
H2.3 – Temperate-montane acid siliceous screes
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
8110 – Siliceous scree of the montane to snow levels (Androsacetalia alpinae and Galeopsietalia ladani)

Das Wichtigste in Kürze

Die temperierte hochmontane Silikatschutthalde (EUNIS-Code H2.3) ist ein natürlicher Lebensraum aus sauren Gesteinsbruchstücken in den Hochlagen der europäischen Gebirge. Sie kommt vor allem oberhalb von 1000 m in den Alpen, Pyrenäen, Karpaten, Apenninen und Teilen der Balkanhalbinsel vor. Der Lebensraum beherbergt spezialisierte, oft reliktäre oder endemische Pflanzenarten und unterliegt natürlichen Erosionsprozessen. Er ist im Anhang I der FFH-Richtlinie als Lebensraumtyp 8110 (Silikatschutthalden der montanen bis nivalen Stufe) gelistet und wird in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als „Least Concern“ (ungefährdet) geführt.


Was ist die temperierte hochmontane Silikatschutthalde? (EUNIS H2.3)

Die temperierte hochmontane Silikatschutthalde ist ein Schuttlebensraum, der aus silikatischen (sauren) Gesteinen wie Quarzit, Granit und Sandstein aufgebaut ist. Er bildet sich in hohen Lagen (meist über 1000 m) und an kühlen Standorten der nemoralen Zone Europas. Die Steine entstehen durch Frostsprengung an Felswänden und sammeln sich als Schutthalden, Blockhalden, Moränen oder Steinströme an Hängen und auf Gipfelfluren.

Silikatschutthalden sind feuchter als Kalkschutthalden, weil das Material ein höheres Wasserrückhaltevermögen besitzt. An länger schneebedeckten Hängen können sich humusreiche, feuchte Varianten ausbilden, die von alpinen Hainsimsen (z. B. Luzula alpinopilosa) dominiert werden und Übergänge zu Schneetälchen-Gesellschaften zeigen. Die Vegetation setzt sich aus an nährstoffarme, saure Bedingungen angepassten (acidophilen) Arten zusammen, die oft polster- oder horstförmig zwischen den Steinen wachsen.

Die wichtigsten pflanzensoziologischen Verbände sind:

  • Androsacion alpinae – weit verbreitet in Alpen und Karpaten
  • Senecionion leucophylli und Dryopteridion oreadis – typisch für die Pyrenäen – Die Schutthalden des Kaukasus gehören nicht zu diesem Lebensraumtyp, da sie von eigenen endemischen Verbänden besiedelt werden.

Lebensraum und charakteristische Arten

Silikatschutthalden sind extrem dynamische Standorte. Die ständige natürliche Erosion und die groben Substrate lassen nur hochspezialisierte Arten zu. Die wichtigsten Artengruppen sind:

GruppeAusgewählte charakteristische Arten
BlütenpflanzenAlpen-Mannsschild (Androsace alpina), Stängelloses Leimkraut (Silene acaulis), Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides), Alpen-Säuerling (Oxyria digyna), Alpen-Lein (Linaria alpina), Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis), Kriechende Nelkenwurz (Geum reptans), Alpen-Wundklee (Achillea erba-rotta), Zwerg-Wundklee (A. nana), Filzfarnblättrige Alpendost (Adenostyles leucophylla), Tatra-Löffelkraut (Cochlearia tatrae), u. v. m.
FarneKrauser Rollfarn (Cryptogramma crispa), Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris), Großer Dornfarn (Dryopteris dilatata), Alpen-Frauenfarn (Athyrium distentifolium), Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis)
MooseAlpen-Widertonmoos (Polytrichum alpinum), Gewelltes Zackenmützenmoos (Racomitrium lanuginosum), Gekrümmtes Sichelmoos (Sanionia uncinata)
FlechtenPolyblastia alpina, Solorina crucea
VögelMauerläufer (Tichodroma muraria), Alpenbraunelle (Prunella collaris), Steinhuhn (Alectoris graeca), Steinrötel (Monticola saxatilis)
ReptilienMauereidechse (Podarcis muralis)
SäugetiereSchneemaus (Chionomys nivalis)

Die Zusammensetzung der Vegetation variiert stark mit der Höhenlage und der geographischen Region. Obwohl Silikatschutthalden weniger artenreich sind als Kalkschutthalden, beherbergen sie dennoch viele reliktäre und lokale Endemiten.


EUNIS-Klassifikation und FFH-Anhang I

  • EUNIS-Code: H2.3 (Temperate-montane acid siliceous screes)
  • EUNIS-Name: Temperate Hochgebirgs-Silikatschutthalde (temperate high-mountain siliceous scree)
  • FFH-Lebensraumtyp (Anhang I): 8110 – „Silikatschutthalden der montanen bis nivalen Stufe (Androsacetalia alpinae und Galeopsietalia ladani)“

Die Zuordnung zum FFH-Typ 8110 ist nicht deckungsgleich (Crosswalk-Qualifier „<“), d. h. der EUNIS-Typ H2.3 umfasst etwas mehr als die im Anhang I definierte Fläche. Die europäischen Schutzbemühungen konzentrieren sich auf die im Anhang I genannten Ausprägungen.

Der Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist für diesen Lebensraumtyp in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Eine einheitliche EU-Bewertung liegt derzeit nicht vor.


Gefährdung und Rote Liste

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+, Stand 2022) bewertet die temperierte hochmontane Silikatschutthalde als „Least Concern“ (LC) – ungefährdet. Diese Einstufung gilt für den gesamten Bewertungsraum.

Gefährdungsursachen sind in den verwendeten Quelldaten nicht explizit aufgeführt. Allgemein können jedoch menschliche Aktivitäten wie Beweidung, Trittbelastung oder der Bau von Infrastruktur die natürlichen Erosionsdynamiken stören und die Qualität des Lebensraums mindern. Das Eindringen gebietsfremder Arten stellt ein weiteres potenzielles Risiko dar, ist aber im Hochgebirge meist gering.

Die Qualität des Lebensraums wird anhand folgender Indikatoren beurteilt:

  • Fortbestehen natürlicher Erosionsprozesse
  • Vorkommen seltener, reliktärer oder endemischer Arten
  • Abwesenheit von menschlichen Eingriffen (einschließlich Beweidung)
  • Fehlen gebietsfremder Arten

Weil die natürlichen Standorte oft abgelegen und schwer zugänglich sind, sind direkte anthropogene Gefährdungen in vielen Regionen noch gering. Der Klimawandel mit zunehmender Erwärmung und Veränderung der Schneedeckendynamik könnte jedoch künftig die Standortbedingungen beeinflussen.


Qualitätsmerkmale und Schutz

Eine intakte Silikatschutthalde zeigt fortwährende Steinschlag- und Erosionsdynamik, eine lückige, aber stabile Vegetation aus einheimischen Spezialisten und keine Anzeichen von Nährstoffeinträgen oder Trittschäden. Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, diese natürlichen Prozesse zu erhalten.

  • Keine Erschließung durch Wege, Skipisten oder Klettersteige im direkten Schuttbereich
  • Fernhalten von Weidetieren, die Trittschäden und Eutrophierung verursachen können
  • Monitoring endemischer und seltener Arten als Frühwarnsystem
  • Integrativer Klimaschutz zur Erhaltung der hydrologischen und thermischen Verhältnisse

Für den Garten oder die Kommune ist dieser Lebensraum nicht nachbildbar. Es handelt sich um eine ursprüngliche, hochdynamische Wildnis, die ausschließlich an Gebirgsstandorten mit natürlicher Frostverwitterung existiert. Im kommunalen Naturschutz kann jedoch auf die Bedeutung solcher Lebensräume im Rahmen von Sensibilisierungs- und Bildungsmaßnahmen hingewiesen werden, z. B. über Naturlehrpfade in Gebirgsregionen.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was versteht man unter einer Silikatschutthalde?

Eine Silikatschutthalde ist ein Lebensraum aus Bruchstücken saurer Gesteine (z. B. Granit, Quarzit), die durch Frostsprengung entstanden sind und sich an Hängen oder auf Gipfeln der Hochgebirge ansammeln. Sie besitzt eine spezielle Flora und Fauna, die an die extremen Bedingungen und die ständige natürliche Erosion angepasst ist.

2. Wo in Europa kommt der Lebensraumtyp H2.3 vor?

Der Lebensraum findet sich in den Gebirgen der nemoralen Zone Europas: Alpen, Pyrenäen, Karpaten, Apenninen und zentralen und östlichen Teilen der Balkanhalbinsel. Die genauen Länderlisten sind in den vorliegenden Quelldaten nicht verzeichnet. Die Schutthalden des Kaukasus sind ausgenommen.

3. Welche typischen Pflanzenarten findet man in dieser Schutthalde?

Charakteristisch sind Alpen-Mannsschild (Androsace alpina), Stängelloses Leimkraut (Silene acaulis), Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides), Alpen-Säuerling (Oxyria digyna), Krauser Rollfarn (Cryptogramma crispa) und viele weitere acidophile Arten. Die genaue Zusammensetzung variiert mit Höhenlage und Region.

4. Ist die temperierte hochmontane Silikatschutthalde gefährdet?

Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume ist sie ungefährdet (Least Concern). Lokal können menschliche Einflüsse wie Wegebau, Beweidung oder Klimaänderungen die Qualität beeinträchtigen, aber die Daten des EEA enthalten hier keine spezifischen Bedrohungen.

5. Wie unterscheidet sich die Silikatschutthalde von einer Kalkschutthalde?

Silikatschutthalden bestehen aus sauren Gesteinen, während Kalkschutthalden (z. B. EUNIS H2.4) auf basischen, kalkhaltigen Substraten liegen. Silikatschutthalden sind wegen des höheren Wasserrückhaltevermögens feuchter und weisen eine geringere Artenvielfalt und weniger Pflanzengesellschaften auf als Kalkschutthalden. Auch die Vegetationsverbände unterscheiden sich grundlegend (Androsacion alpinae vs. Verbände auf Kalk).


Tabellarische Übersicht

MerkmalDetails
EUNIS-CodeH2.3
EUNIS-NameTemperate Hochgebirgs-Silikatschutthalde
FFH-Lebensraumtyp8110 – Silikatschutthalden der montanen bis nivalen Stufe
EU-Rote-Liste-Kategorie (EU28+)Least Concern (LC)
HauptverbreitungAlpen, Pyrenäen, Karpaten, Apenninen, Balkanhalbinsel (über 1000 m)
ArtengruppenHochspezialisierte Polsterpflanzen, Farne, Moose, Flechten, alpine Vögel
QualitätsindikatorenNatürliche Erosion, reliktäre/endemische Arten, keine Beweidung, keine gebietsfremden Arten
Artikel-17-Erhaltungszustandin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

Quellen

  • Europäische Umweltagentur (EEA): European Red List of Habitats – Terrestrial habitats, 2022, erweitertes Paket. Link
  • EUNIS habitat classification: H2.3 – Temperate-montane acid siliceous screes. Link
  • EEA Red List Habitat Browser. Link
  • Artikel 17 Datenbank der FFH-Richtlinie. Link
  • Europäische Kommission: Habitats Directive. Link
  • SDI-EEA Datashare: European Red List of Habitats package. Link

Häufige Fragen

Was versteht man unter einer Silikatschutthalde?

Eine Silikatschutthalde ist ein Lebensraum aus Bruchstücken saurer Gesteine (z. B. Granit, Quarzit), die durch Frostsprengung entstanden sind und sich an Hängen oder auf Gipfeln der Hochgebirge ansammeln. Sie besitzt eine spezielle Flora und Fauna, die an die extremen Bedingungen und die ständige natürliche Erosion angepasst ist.

Wo in Europa kommt der Lebensraumtyp H2.3 vor?

Der Lebensraum findet sich in den Gebirgen der nemoralen Zone Europas: Alpen, Pyrenäen, Karpaten, Apenninen und zentralen und östlichen Teilen der Balkanhalbinsel. Die genauen Länderlisten sind in den vorliegenden Quelldaten nicht verzeichnet. Die Schutthalden des Kaukasus sind ausgenommen.

Welche typischen Pflanzenarten findet man in dieser Schutthalde?

Charakteristisch sind Alpen-Mannsschild (*Androsace alpina*), Stängelloses Leimkraut (*Silene acaulis*), Moos-Steinbrech (*Saxifraga bryoides*), Alpen-Säuerling (*Oxyria digyna*), Krauser Rollfarn (*Cryptogramma crispa*) und viele weitere acidophile Arten. Die genaue Zusammensetzung variiert mit Höhenlage und Region.

Ist die temperierte hochmontane Silikatschutthalde gefährdet?

Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume ist sie ungefährdet (Least Concern). Lokal können menschliche Einflüsse wie Wegebau, Beweidung oder Klimaänderungen die Qualität beeinträchtigen, aber die Daten des EEA enthalten hier keine spezifischen Bedrohungen.

Wie unterscheidet sich die Silikatschutthalde von einer Kalkschutthalde?

Silikatschutthalden bestehen aus sauren Gesteinen, während Kalkschutthalden (z. B. EUNIS H2.4) auf basischen, kalkhaltigen Substraten liegen. Silikatschutthalden sind wegen des höheren Wasserrückhaltevermögens feuchter und weisen eine geringere Artenvielfalt und weniger Pflanzengesellschaften auf als Kalkschutthalden. Auch die Vegetationsverbände unterscheiden sich grundlegend.

Quellen