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EUNIS: H2.5Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 8150

EUNIS H2.5: Temperate, lowland to montane siliceous scree – saure Schutthalden warmer Standorte in Europa

EUNIS H2.5 bezeichnet saure Silikatschutthalden warmer Hänge in der submontanen bis montanen Stufe. Der Lebensraum ist in der Roten Liste der EU als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft und dem FFH-Annex-I-Typ 8150 (Medio-European upland siliceous screes) zugeordnet. Typisch sind eine artenarme, oft farn- oder flechtenreiche Vegetation und ein kaltes Mikroklima, das eiszeitliche Reliktarten beherbergt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Temperate, lowland to montane siliceous scree
EUNIS
H2.5 – Acid siliceous screes of warm exposures
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
8150 – Medio-European upland siliceous screes

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: H2.5 – Acid siliceous screes of warm exposures
  • Kurzbeschreibung: Saure, sonnenwarme Silikatschutthalden und Moränen der unteren Hanglagen europäischer Gebirge und Hügelländer, geprägt von vulkanischen, kristallinen oder metamorphen Gesteinen mit saurer bis neutraler Reaktion.
  • Vegetation: Artarm, oft farn- oder krautdominiert, mit spezialisierten Moosen und Flechten; stellenweise vegetationsfrei.
  • Rote Liste (EU28 und EU28+): Least Concern (nicht gefährdet).
  • FFH-Annex I: Typ 8150 „Medio-European upland siliceous screes“.
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
  • Qualitätsmerkmale: natürliche Erosionsprozesse, Vorkommen seltener oder endemischer Arten, Abwesenheit menschlicher Nutzung (z. B. Beweidung) und invasiver Arten (v. a. Robinia pseudacacia).

Was ist der Biotoptyp EUNIS H2.5?

EUNIS H2.5 umfasst saure Silikatschutthalden warmer, sonnenexponierter Standorte – von der Ebene bis in die Montanstufe. Das sind meist grobe Blockhalden, Lavaschlacken, Felsbruchhalden oder Moränen aus Silikatgestein, die im Sommer stark aufheizen und gleichzeitig ein kaltes Mikroklima im Inneren bewahren.

Die geologischen Ausgangsmaterialien sind vulkanische, kristalline, metamorphe oder saure Sedimentgesteine mit saurer bis neutraler Bodenreaktion. Oft sind die Schutthalden mit Feinboden durchsetzt. Die Vegetation kann vollständig fehlen oder wird von Farnen, Gräsern, Moosen und Flechten aufgebaut. Im Vergleich zu kalkreichen Kalkschutthalden ist die Artenzahl niedriger, dafür kommen mehr Farnarten vor.

Künstliche Standorte wie Steinbrüche können ähnliche Gesellschaften tragen, zählen aber nicht zu diesem Lebensraumtyp.


Verbreitung und typische Regionen

Nach den offiziellen Beschreibungen findet man diesen Lebensraum auf den warmen Unterhängen der Mittelgebirge und der nemoralen Zone Europas. Dazu gehören:

  • Alpen (subalpine Stufe)
  • Pyrenäen
  • Hercynische Gebirge (z. B. Harz, Schwarzwald, Vogesen)
  • Peripherie der Karpaten
  • Lokal auch in Hügel- und Tieflandgebieten Mitteleuropas

Eine exakte Länderliste oder eine Zuordnung zu biogeografischen Regionen ist in den Quelldaten nicht enthalten. Es handelt sich um keine flächendeckende, sondern eine standortbedingte Azonalvegetation.


Lebensraum und Charakterarten

Die Lebensgemeinschaft ist stark von Extremen geprägt: Bewegter Schutt, extreme Temperaturunterschiede zwischen Steinoberfläche und Hohlräumen sowie Nährstoffarmut lassen nur wenige, hoch spezialisierte Arten zu. Typisch ist ein Mikroklima mit kaltluftgefüllten Hohlräumen, das auch als Rückzugsraum für wirbellose Glazialrelikte dient.

Besonderheiten der Vegetation

  • Farnreichtum ist das auffälligste Merkmal – deutlich mehr Farnarten als auf Kalkschutt. Charakterarten: Cryptogramma crispa, Dryopteris oreades, Dryopteris expansa.
  • In der subalpinen Stufe der Alpen und Pyrenäen dominieren Arten wie Senecio leucophyllus, Taraxacum pyrenaicum, Galeopsis pyrenaica, Xatardia scabra.
  • Im mitteleuropäischen und karpatischen Raum übernehmen Achnatherum calamagrostis, Melica ciliata und Galeopsis ladanum die Vorherrschaft.
  • Moose und Flechten sind prägend: Ceratodon purpureus, Racomitrium spp., Cladonia spp., Stereocaulon spp., Umbilicaria spp. können offene Schuttflächen überziehen.

Tabelle: Charakteristische Artengruppen

GruppeTypische Arten (Auswahl wissenschaftlicher Namen)
Gefäßpflanzen (Farne)Cryptogramma crispa, Dryopteris oreades, D. expansa, D. affinis, Asplenium adiantum-nigrum subsp. onopteris
Gefäßpflanzen (Kräuter)Achnatherum calamagrostis, Melica ciliata, Galeopsis ladanum, G. pyrenaica, Senecio leucophyllus, Taraxacum pyrenaicum, Epilobium collinum, Geranium robertianum, Poa nemoralis, Digitalis purpurea
MooseCeratodon purpureus, Racomitrium spp.
FlechtenCladonia arbuscula, C. cariosa, C. fimbriata, Stereocaulon incrustatum, S. paschale, Umbilicaria spp.

Die Aufzählung ist nicht abschließend und stammt direkt aus der offiziellen Roten Liste der Lebensräume (EEA 2022).


Qualitätskriterien und Schutzstatus

Indikatoren für gute Habitatqualität

Die Erhaltung des Lebensraums wird anhand folgender Faktoren bewertet:

  • Weiterhin ablaufende natürliche Erosionsprozesse (keine Befestigung der Halde),
  • Vorhandensein seltener, reliktärer oder endemischer Arten,
  • keine menschlichen Aktivitäten wie Beweidung oder Freizeitnutzung,
  • Abwesenheit invasiver Arten – speziell Robinia pseudacacia fördert die Stabilisierung von Schutthalden und verdrängt die typische Flora.

FFH-Richtlinie: Annex I

Der Lebensraumtyp ist als FFH-Lebensraumtyp 8150 „Medio-European upland siliceous screes“ im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) gelistet. Damit gehört er zu den Lebensräumen von gemeinschaftlichem Interesse. Die Bezeichnung im Annex I („Upland“) betont die montane Prägung, auch wenn Vorkommen in Tieflagen möglich sind.

Erhaltungszustand gemäß Artikel 17

Zum Artikel-17-Bericht (Erhaltungszustand) liegen in den verwendeten Quelldaten keine Angaben vor. Der Datensatz zur Europäischen Roten Liste enthält kein entsprechendes Feld. Für Mitgliedstaat-spezifische Bewertungen müssten die nationalen Berichte konsultiert werden.


Gefährdung und Europäische Rote Liste

Der Lebensraum EUNIS H2.5 ist in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EEA, 2022) für die Gebiete EU28 und EU28+ einheitlich als „Least Concern“ (LC) – nicht gefährdet – eingestuft. Es wurden keine spezifischen Gefährdungskriterien aufgelistet, sodass aktuell von einer stabilen Gesamtsituation ausgegangen wird.

Diese Einstufung bedeutet jedoch nicht, dass alle Einzelvorkommen unbedroht sind. Lokal können Gefahren bestehen:

  • Stabilisierung von Schutthalden durch Wiederaufforstung oder invasive Gehölze (besonders Robinie),
  • Touristischer Druck und Trittschäden,
  • Beweidung, die die empfindliche Vegetation schädigt,
  • Abbau von Gesteinen und Rohstoffgewinnung.

Bedrohungen und Schutzmaßnahmen

Explizite Bedrohungslisten sind in den Quelldaten nicht enthalten. Aus den Qualitätsindikatoren und der allgemeinen Habitatbeschreibung lassen sich jedoch folgende potenzielle Gefahren ableiten:

  1. Invasive Arten: Die Robinie (Robinia pseudacacia) fixiert den Schutt, unterbindet die natürliche Erosion und kann zum Erlöschen der typischen Flora führen.
  2. Menschliche Nutzung: Beweidung, Freizeitaktivitäten oder forstliche Eingriffe können die Dynamik der Halden stören.
  3. Klimatische Veränderungen: Erhöhte Trockenheit oder veränderte Frostwechsel könnten das kühle Mikroklima beeinträchtigen, das für Glazialrelikte lebensnotwendig ist.

Mögliche Schutzstrategien (orientiert an den Qualitätsindikatoren):

  • Freihalten von Bestockung und invasiven Gehölzen,
  • Lenkung von Besucherströmen,
  • Unterlassen von Entwässerungen oder Stabilisierungsmaßnahmen,
  • Ausweisen als Schutzgebiete, wo regional erforderlich.

Detaillierte Wiederherstellungsmaßnahmen sind in den Daten nicht ausgewiesen.


Bedeutung für die Biodiversität

Saure Silikatschutthalden sind nicht nur extreme Lebensräume für hoch spezialisierte Pflanzen, sondern auch Rückzugsgebiete für Wirbellose, die als Glazialrelikte gelten. Das kaltlufterfüllte Blockgewirr simuliert Bedingungen, die seit der letzten Eiszeit verloren gegangen sind. Damit tragen sie zur genetischen und funktionalen Vielfalt auf europäischer Ebene bei.

Für die Pflanzenwelt bieten sie eine erstaunliche Farnvielfalt, die auf Kalkhalden nicht erreicht wird. Flechten- und Moosgesellschaften können vollkommene Deckung erreichen und stabilisieren den Oberflächenbereich, ohne die Dynamik zu stoppen.


Kann man diesen Biotoptyp im Garten oder in der Kommune nachbilden?

Eine 1:1-Übertragung des Lebensraums EUNIS H2.5 in einen Garten ist nicht möglich. Die natürlichen Schutthalden sind durch ihre Hanglage, das spezifische Gestein, die ständige Frost- und Eisschuttbewegung sowie das sehr kühle Mikroklima gekennzeichnet. Ein Steingarten mit Silikatstein kann einzelnen Arten einen Standort bieten, aber nicht die „Dynamik und Kältequelle“ des Originals erzeugen.

In der kommunalen Planung können ungestörte Schutthalden als Trittsteinbiotope gesichert werden, indem sie von Bebauung, Wegebau und Sportnutzung freigehalten werden. Aufklärung über die Empfindlichkeit hilft, Trittschäden zu vermeiden.


FAQ – Häufig gestellte Fragen

1. Was bedeutet der EUNIS-Code H2.5?

Es ist die europäische Typisierung für saure Silikatschutthalden warmer, sonniger Standorte. „Acid siliceous screes of warm exposures“ beschreibt den Gesteinschemismus (silikatisch, sauer) und das Kleinklima (warm).

2. Welcher FFH-Lebensraumtyp entspricht EUNIS H2.5?

Der entsprechende Annex-I-Typ ist 8150 „Medio-European upland siliceous screes“. Die gesetzliche Grundlage bildet die FFH-Richtlinie.

3. Wie gefährdet ist dieser Lebensraum in Europa?

Beide Bewertungen – EU28 und EU28+ – stufen ihn als „Least Concern“ (nicht gefährdet) ein. Lokale Bestände können dennoch bedroht sein.

4. Warum sind Farne so charakteristisch für saure Schutthalden?

Der Nährstoffmangel und das bewegte Substrat begünstigen Arten mit Rhizomspeichern und hoher Sporenproduktion. Auf saurem Gestein ist die Konkurrenz durch kalkliebende Blütenpflanzen gering, sodass Farne eine höhere Diversität erreichen als auf Kalkschutt.

5. Stören Wanderer und Kletterer den Lebensraum?

Ja. Trittschäden, Müll und Lagern von Material können die empfindlichen Moos- und Flechtenkrusten zerstören und die Erosionsdynamik beeinträchtigen. Deshalb zählen Betretungsfreiheit und Besucherlenkung zu den Qualitätsindikatoren.


Quellen


Verwendete Geodaten und weitere Informationen

Geo-Entitäten (Regionen ohne politische Grenzen): Alpen, Pyrenäen, Hercynische Gebirge, Karpaten, Mitteleuropäische Hügelländer. Keine Länderlisten vorhanden.

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Häufige Fragen

Was bedeutet der EUNIS-Code H2.5?

Es ist die europäische Typisierung für saure Silikatschutthalden warmer, sonniger Standorte. „Acid siliceous screes of warm exposures“ beschreibt den Gesteinschemismus (silikatisch, sauer) und das Kleinklima (warm).

Welcher FFH-Lebensraumtyp entspricht EUNIS H2.5?

Der entsprechende Annex-I-Typ ist 8150 „Medio-European upland siliceous screes“. Die gesetzliche Grundlage bildet die FFH-Richtlinie.

Wie gefährdet ist dieser Lebensraum in Europa?

Beide Bewertungen – EU28 und EU28+ – stufen ihn als „Least Concern“ (nicht gefährdet) ein. Lokale Bestände können dennoch bedroht sein.

Warum sind Farne so charakteristisch für saure Schutthalden?

Der Nährstoffmangel und das bewegte Substrat begünstigen Arten mit Rhizomspeichern und hoher Sporenproduktion. Auf saurem Gestein ist die Konkurrenz durch kalkliebende Blütenpflanzen gering, sodass Farne eine höhere Diversität erreichen als auf Kalkschutt.

Stören Wanderer und Kletterer den Lebensraum?

Ja. Trittschäden, Müll und Lagern von Material können die empfindlichen Moos- und Flechtenkrusten zerstören und die Erosionsdynamik beeinträchtigen. Deshalb zählen Betretungsfreiheit und Besucherlenkung zu den Qualitätsindikatoren.

Quellen