Zum Hauptinhalt springen
EUNIS: MA153Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 1160; 1170

Meeresfels-Lebensgemeinschaften der oberen Mediolitoralzone im Mittelmeer (EUNIS MA153)

Der EUNIS-Lebensraumtyp MA153 bezeichnet die Lebensgemeinschaften der oberen Mediolitoralzone (Brandungszone) auf Fels, Blöcken und Steinen an der Mittelmeerküste. Er wird von Arten besiedelt, die lange Trockenfallperioden überstehen, darunter Seepocken, Strandschnecken und Napfschnecken. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft ihn in der EU28 als ungefährdet (Least Concern) ein. Er ist mit den FFH-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) assoziiert.

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities of Mediterranean upper mediolittoral rock
EUNIS
MA153
EU-28
Least Concern
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: MA153
  • Name: Communities of Mediterranean upper mediolittoral rock (Lebensgemeinschaften der oberen Mediolitoralzone im Mittelmeer auf Fels)
  • Lebensraum: Brandungszone (Mediolitoral) an Mittelmeerküsten auf gewachsenem Fels, Blöcken und Steinen
  • Rote-Liste-Status EU28: Least Concern (ungefährdet)
  • Rote-Liste-Status EU28+: Data Deficient (ungenügende Datenlage)
  • FFH-Annex-I-Bezug: assoziiert mit 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe)
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
  • Biogeografische Region: Mediterran (MED)

Der Lebensraumtyp umfasst die charakteristischen Tier- und Pflanzengemeinschaften der oberen Gezeitenzone an felsigen Küsten des Mittelmeers. Er bildet einen oft mehrere Meter breiten Gürtel aus robusten Arten, die an extreme Wechsel zwischen Überflutung und Trockenfallen angepasst sind.

EUNIS-Typologie: MA153 und Einordnung

Die European Nature Information System (EUNIS)-Klassifikation ordnet den Lebensraum MA153 der marinen Felsküste zu. Das Kürzel „MA“ steht für marine Lebensräume des Litorals (Gezeitenzone). Der Code MA153 beschreibt dabei die spezifische Ausprägung des oberen Mediolitorals (eulitorale Stufe mit starkem Welleneinfluss und langen Emersionsphasen) auf Hartsubstraten wie anstehendem Fels, großen Blöcken und Steinen.

Typisch für diese Zone ist der ständige Wechsel zwischen Wasserbedeckung und Trockenfallen. In der Brandung stark bespülte Küstenabschnitte können einen breiten Gürtel aus widerstandsfähigen Organismen ausbilden, der über drei Meter hoch sein kann. In geschützteren Lagen oder in tieferen Bereichen der Zone setzen sich zunehmend Algen durch, weil die Feuchtigkeit länger erhalten bleibt.

Die genaue Einordnung dient dem europaweiten Monitoring der marinen Biodiversität und ermöglicht eine einheitliche Bewertung des Erhaltungszustands.

Rote Liste der Lebensräume: Europaweit ungefährdet?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (European Red List of Habitats) bewertet den Typ MA153 differenziert:

  • Für die EU28 (ehemalige EU inklusive Vereinigtes Königreich) wird er als Least Concern (LC) eingestuft. Das bedeutet, der Lebensraum gilt innerhalb dieser geografischen Einheit als nicht gefährdet. Die Arten sind überwiegend stresstolerant und die Felsküsten sind weit verbreitet.
  • Für die erweiterte Betrachtung EU28+ (einschließlich weiterer europäischer Länder außerhalb der EU) lautet die Einstufung Data Deficient (DD), da für diese Gebiete unzureichende Daten vorliegen, um eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen.

Die Einstufung „Least Concern“ ist keine Entwarnung, sondern zeigt, dass aktuell keine akute Bestandsbedrohung auf Ebene der EU28 erkennbar ist. Lokale Belastungen durch Verschmutzung oder Küstenbebauung können dennoch erhebliche Auswirkungen haben, wie der unten beschriebene Qualitätsindikator zeigt.

FFH-Richtlinie und Annex-I-Bezug

Der Lebensraum MA153 ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp nach Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Er wird jedoch als Bestandteil oder assoziierte Ausprägung zweier großflächiger Meereslebensraumtypen geführt:

Annex-I-CodeNameVerknüpfung
1160Flache große Meeresarme und -buchten (Large shallow inlets and bays)# (assoziiert, nicht deckungsgleich)
1170Riffe (Reefs)# (assoziiert, nicht deckungsgleich)

Das Symbol „#“ in den Quelldaten zeigt an, dass MA153 in diesen beiden komplexen Lebensräumen eingeschlossen sein kann, aber keine vollständige Übereinstimmung besteht. Wo Felsriffe oder felsige Abschnitte von Meeresarmen bis in die Mediolitoralzone reichen, können die charakteristischen Gemeinschaften des MA153 auftreten. Für das Management dieser FFH-Gebiete ist die Kenntnis des genauen EUNIS-Typs hilfreich, um Maßnahmen gezielt planen zu können.

Lebensraum der Oberen Mediolitoralzone im Mittelmeer

Das Mediolitoral – auch Gezeitenzone oder Brandungszone genannt – umfasst den Küstenbereich zwischen mittlerem Hoch- und Niedrigwasser. Im oberen Mediolitoral, das nur kurzzeitig von Wasser bedeckt wird und über Stunden hinweg der Luft und Sonne ausgesetzt ist, herrschen extreme Bedingungen: starke Temperaturschwankungen, hohe UV-Strahlung, Salzstress und mechanische Wellenbelastung.

Auf felsigem Untergrund siedeln hier Spezialisten, die lange Trockenperioden ertragen können. In der oberen Zone dominieren Seepocken (z. B. Chthamalus stellatus, Chthamalus montagui), kleine Strandschnecken (z. B. Melarhaphe neritoides, Echinolittorina punctata) und Napfschnecken (z. B. Patella rustica). Sie bilden dichte Bestände, die auf stark bespülten Küsten einen meterhohen Streifen formen.

Im unteren Teil des Lebensraums, wo die Felsen länger feucht bleiben, können sich Algen etablieren und das Bild bestimmen. Rotalgen wie Rissoella verruculosa, Braunalgen wie Ralfsia verrucosa und Grünalgen der Gattung Blidingia treten hier auf. Auch Blaualgenkrusten und Flechten gehören zum festen Inventar.

Charakteristische Arten und ihre Anpassungen

Die Artenvielfalt dieses Lebensraums ist an die extremen Standortbedingungen angepasst. Viele Organismen besitzen Schutzmechanismen gegen Austrocknung, Temperaturstress und starke Sonneneinstrahlung. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Artengruppen und einige charakteristische Vertreter zusammen.

ArtengruppeCharakteristische Arten (Auswahl)Anpassungen
Rotalgen (Rhodophyta)Rissoella verruculosa, Pyropia elongata, Nemalion helmintoides, Bangia fuscopurpurea, Polysiphonia sertularioidesSchleimhüllen, Pigmentschutz, Austrocknungstoleranz
Braunalgen (Phaeophyta)Ralfsia verrucosa, Scytosiphon lomentaria, Hapalospongidion macrocarpumKrustenbildung, Dickblättrigkeit
Grünalgen (Chlorophyta)Blidingia chadefaudii, Blidingia minimaKurzer Lebenszyklus, robuste Zellwände
Blaualgen (Cyanophyta)Rivularia atra, Calothrix crustacea, Brachytrichia quoyiSchleimkapseln, Trockenstarre
FlechtenVerrucaria amphibia, Pyrenocollema halodytesSymbiose Pilz-Alge, Extremtoleranz
Schnecken (Gastropoda)Patella rustica, Melarhaphe neritoides, Echinolittorina punctata, Phorcus turbinatusGehäusedeckel, Rückzug in Spalten, Schleimnetz
Seepocken (Cirripedia)Chthamalus stellatus, Chthamalus montagui, Euraphia depressaKalkgehäuse mit Deckelplatten
Asseln (Isopoda)Ligia italicaFeuchthaltung unter Steinen
Krabben (Decapoda)Pachygrapsus marmoratusSpaltenbewohner, salzig-feuchte Nischen
InsektenFucellia sp.Larven in Algenwatten

Qualitätsindikator: Rissoella verruculosa

Obwohl viele Arten dieses Lebensraums sehr widerstandsfähig gegenüber Umweltbelastungen und menschlichen Störungen sind, gibt es eine Ausnahme: die Rotalge Rissoella verruculosa. Sie ist kennzeichnend für einen der assoziierten Biotope und reagiert empfindlich auf Verschmutzung und anthropogene Aktivitäten (z. B. Trittbelastung, Hafenbau).

Ihr Vorkommen oder Fehlen kann daher als potenzieller Qualitätsindikator für den Lebensraum MA153 dienen. Ein gut ausgeprägter Bestand von Rissoella verruculosa deutet auf eine naturnahe, wenig belastete Felsküste hin.

Zusätzlich wird in den Quelldaten ein an spanischen Atlantikküsten verwendeter „Quality of Rocky Bottoms Index“ (CFR) genannt, der die Makroalgengemeinschaften bewertet. Eine Anwendung auf den hier beschriebenen mediterranen Lebensraum erscheint grundsätzlich möglich, ist aber nicht standardisiert.

Gefährdung und Schutzstatus in der EU

  • Rote-Liste-Kategorie: Least Concern (EU28) / Data Deficient (EU28+)
  • FFH-Annex-I: nicht eigenständig, aber assoziiert mit 1160 und 1170
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben (keine gemeldeten Bewertungen für diesen spezifischen EUNIS-Typ)
  • Biogeografische Region: Mediterran

Die Einstufung als „ungefährdet“ spiegelt die weite Verbreitung und die Toleranz der meisten typischen Arten wider. Es bedeutet jedoch nicht, dass der Lebensraum frei von Gefährdungen ist. Lokal können Küstenverbauung, Wasserverschmutzung, Ölunfälle und intensive Freizeitnutzung negative Auswirkungen haben. Da der Typ nicht als eigener FFH-Lebensraum gelistet ist, fließt sein Zustand nur indirekt über die großflächigen Meereslebensraumtypen 1160 und 1170 in die Berichterstattung ein.

Bedeutung für den Naturhaushalt

Die felsige obere Brandungszone des Mittelmeers ist kein toter Raum. Sie bietet eine unverzichtbare Nahrungsquelle für Watvögel, Fische während der Flut und terrestrische Räuber wie Klippenkrabben und Gezeitenvögel. Die Algenpolster tragen zur Primärproduktion bei und stabilisieren den Sauerstoffhaushalt im flachen Wasser. Seepocken und Schnecken wiederum sind wichtige Glieder der Nahrungskette.

Zudem fungiert der mehrstöckige Gürtel aus Schnecken, Seepocken und Algen als natürlicher Küstenschutz, indem er die Wellenenergie dämpft und die Erosion des Felsuntergrundes verlangsamt.

Praktische Einordnung für Küstengemeinden und Gärten?

Der Lebensraum MA153 ist ein rein mariner Biotoptyp und kann nicht im Garten oder in einer Kommune nachgebaut werden. Mittelmeergemeinden mit felsigen Küstenabschnitten können jedoch durch folgende Maßnahmen zum Erhalt beitragen:

  • Vermeidung von Betonversiegelung und Spritzbeton an natürlichen Felsküsten
  • Lenkung von Besucherströmen, um Trittschäden an Algen- und Flechtenkrusten zu minimieren
  • Sicherung der Wasserqualität durch Kläranlagen und Reduzierung von Nährstoffeinträgen
  • Berücksichtigung des EUNIS-Typs MA153 in kommunalen Küstenschutz- und Raumordnungsplänen

Auch wenn der Biotoptyp nicht 1:1 im Siedlungsraum umsetzbar ist, kann das Wissen um seine Existenz die Wertschätzung naturnaher Felsküsten steigern und falsche „Säuberungsaktionen“ verhindern, die die charakteristischen schwarzen Krusten und Algenbeläge entfernen.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist der Meereslebensraum MA153?

MA153 bezeichnet die Lebensgemeinschaften der oberen Mediolitoralzone (Brandungszone) auf Fels, Blöcken und Steinen an der Mittelmeerküste. Er wird von extrem anpassungsfähigen Arten wie Seepocken, Strandschnecken und Napfschnecken dominiert, die lange Trockenfallperioden überstehen.

Welche typischen Arten kommen in diesem Lebensraum vor?

Charakteristisch sind Seepocken (z. B. *Chthamalus stellatus*), Schnecken (*Patella rustica*, *Melarhaphe neritoides*), Rotalge *Rissoella verruculosa*, Braunalge *Ralfsia verrucosa* und Grünalgen der Gattung *Blidingia*. Auch Flechten und Blaualgenkrusten sind häufig.

Ist der Lebensraum MA153 gefährdet?

Innerhalb der EU28 (ehemalige EU inklusive UK) wird er laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume als Least Concern (ungefährdet) eingestuft. Für die erweiterte Region EU28+ gilt er als Data Deficient (ungenügende Datenlage). Lokale Belastungen sind dennoch möglich.

In welchen FFH-Lebensraumtypen ist MA153 enthalten?

MA153 ist kein eigener FFH-Typ, aber mit den Anhang-I-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) assoziiert. In diesen komplexen Lebensräumen können die Felsküstengemeinschaften auftreten, wenn die Bedingungen passen.

Wie erkennt man eine gute Qualität dieses Lebensraums?

Ein potenzieller Qualitätsindikator ist das Vorkommen der Rotalge *Rissoella verruculosa*. Sie reagiert empfindlich auf Verschmutzung und menschliche Störungen. Ihr Vorhandensein weist auf einen naturnahen, wenig belasteten Zustand hin.

Quellen