MA154 – Lebensgemeinschaften geschützter unterer Mediolitoralfelsen im Mittelmeer
MA154 umfasst die Lebensgemeinschaften der unteren Felsküstenzone (unteres Mediolitoral) im Mittelmeer, die vor starkem Wellenschlag und Strömungen geschützt liegen. Sie werden von Rotalgen (z. B. Ceramium ciliatum), Braunalgen (Nemoderma tingitanum) oder bei Nährstoffanreicherung von Grünalgen (Ulva-Arten) dominiert. Der Lebensraum ist in der Europäischen Roten Liste für die EU28 als ungefährdet (Least Concern) eingestuft, für das erweiterte EU28+-Gebiet jedoch mit unzureichender Datenlage (Data Deficient). Er kann Teil der FFH-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) sein.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Communities of sheltered Mediterranean lower mediolittoral rock
- EUNIS
- MA154
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs
Das Wichtigste in Kürze
Der EUNIS-Code MA154 bezeichnet Lebensgemeinschaften des geschützten unteren Mediolitoralfelsens im Mittelmeerraum. Das sind felsige Küstenabschnitte, die regelmäßig von den Gezeiten überflutet werden, aber kaum durch starke Wellen oder Strömungen belastet sind. Hier siedeln vor allem verschiedene Algenarten, die je nach lokalen Bedingungen dichte Teppiche oder Krusten auf dem Fels bilden.
- Rote Liste EU28: Least Concern (ungefährdet)
- Rote Liste EU28+: Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
- FFH-Anhang I: Teil der Typen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe)
- Verbreitung: Mediterrane biogeografische Region
- Charakterarten: Algen wie Ceramium ciliatum, Nemoderma tingitanum, Ulva spp., dazu Meeresschnecken, Krebse und Miesmuscheln
Dieser Beitrag ordnet MA154 in die EUNIS-Typologie ein, erläutert die Gefährdungseinstufung, den Bezug zur FFH-Richtlinie, die bestimmenden Arten und die wichtigsten Faktoren für die ökologische Qualität.
Was ist MA154? – EUNIS-Einordnung
MA154 gehört zur Gruppe MA1 – Mediolitorale Felsküsten des EUNIS-Habitatklassifikationssystems. Das Mediolitoral ist der Bereich der Küste, der zwischen der mittleren Hochwasser- und der mittleren Niedrigwasserlinie liegt und damit regelmäßig überflutet wird und wieder trockenfällt.
Im Unterschied zu stark brandungsexponierten Felsküsten handelt es sich bei MA154 um geschützte Standorte, an denen Wellenschlag und Strömung nur gering bis mäßig einwirken. Die Felsflächen können sanft abfallen, fast horizontal sein oder auch glatte, senkrechte Flächen bilden. Das untere Mediolitoral liegt tiefer als die obere Gezeitenzone und ist daher länger von Wasser bedeckt.
Die Lebensgemeinschaft wird in den Quelldaten in drei markante Ausprägungen gegliedert:
- Rotalgen-Teppich: In sehr flach geneigten Bereichen kann die Rotalge Ceramium ciliatum einen nahezu geschlossenen, weichen Bewuchs bilden.
- Braunalgen-Kruste: Auf glatten Felsen mit moderater bis geringer Wasserbewegung überzieht die Braunalge Nemoderma tingitanum als feste Kruste den Untergrund.
- Grünalgen-Dominanz: In nährstoffreichen Gewässern können Arten der Gattung Ulva (Meersalat) die Oberhand gewinnen und andere Algen verdrängen.
Die Artenzusammensetzung ist jedoch nicht auf diese drei Typen beschränkt; oft treten sie mosaikartig nebeneinander auf und werden von charakteristischen Tieren begleitet.
Rote Liste und Gefährdung
Die Bewertung für die Europäische Rote Liste der Habitate (Veröffentlichung 2022) unterscheidet zwischen zwei geografischen Bezugsräumen:
| Bewertungsgebiet | Gefährdungskategorie |
|---|---|
| EU28 | Least Concern (LC) – nicht gefährdet |
| EU28+ (EU28 plus Nachbarstaaten) | Data Deficient (DD) – Datenlage unzureichend |
Die Einstufung als Least Concern für die EU28 bedeutet, dass MA154 im Berichtszeitraum keine akute, flächige Gefährdung erkennen ließ. Dies liegt vor allem daran, dass die beiden weit verbreiteten Ausprägungen mit Ceramium ciliatum und Ulva-Arten sehr widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen sind und selbst in mäßig belasteten Küstenabschnitten fortbestehen.
Für das erweiterte Gebiet (EU28+, das auch nicht zur EU gehörende Mittelmeeranrainer einschließt) reichen die vorhandenen Daten jedoch nicht aus, um eine belastbare Kategorie festzulegen; daher gilt der Typ hier als Data Deficient.
Ein wichtiger Hinweis aus der Roten Liste: Die einzige empfindliche Ausprägung ist die von Nemoderma tingitanum dominierte Variante. Ein Rückgang ihres Deckungsgrads und der gesamten Artenzahl kann auf eine Verschlechterung der ökologischen Qualität hinweisen.
FFH und Schutzstatus
MA154 ist kein eigenständig berichtspflichtiger Lebensraumtyp der FFH-Richtlinie, kann aber Teil von Anhang-I-Lebensräumen sein. In den Quelldaten sind zwei Verknüpfungen vermerkt:
- 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten (Large shallow inlets and bays)
- 1170 – Riffe (Reefs)
Das Zeichen „#“ in den amtlichen Querverweisen bedeutet, dass MA154 nur einen Teilaspekt dieser Lebensraumtypen ausmacht. Taucht eine Felsstruktur, die von den typischen Algengesellschaften besiedelt wird, in einer flachen Bucht oder als Teil eines Riffs auf, kann sie zur Ausweisung des FFH-Gebiets und zu den erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen beitragen.
Zum Erhaltungszustand nach Artikel 17: Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand wird für MA154 in den vorliegenden Quelldaten nicht explizit ausgewiesen. Bewertungen nach Artikel 17 beziehen sich in der Regel auf die übergeordneten FFH-Typen (1160, 1170) und nicht auf diese feinere EUNIS-Einheit. Aussagekräftige Rückschlüsse sind daher nur auf Ebene der entsprechenden FFH-Lebensraumtypen möglich.
Lebensraum und typische Arten
Die Vegetation der geschützten unteren Mediolitoralfelsen wird von drei Algengruppen geprägt. Die charakteristischen Arten sind gemeinsam mit der begleitenden Tierwelt in der folgenden Tabelle zusammengestellt:
| Gruppe | Charakteristische Arten |
|---|---|
| Rotalgen (Rhodophyta) | Ceramium ciliatum, Corallina elongata, Hypnea musciformis, Gelidium pusillum, Callithamnion granulatum, Gastroclonium clavatum, Laurencia pyramidalis, Ceramium diaphanum, Polysiphonia sertularioides |
| Braunalgen (Phaeophyta) | Nemoderma tingitanum, Scytosiphon lomentaria, Sphacelaria cirrosa |
| Grünalgen (Chlorophyta) | Ulva prolifera, Ulva compressa, Ulva intestinalis, Ulva fasciata, Ulva rigida, Cladophora albida, Cladophora sericea, Cladophora vagabunda, Chaetomorpha aerea, Cladophora dalmaica, Cladophora laetevirens |
| Nesseltiere (Cnidaria) | Actinia schmidti (Rote Seerose) |
| Muscheln (Bivalvia) | Mytilus galloprovincialis (Mittelmeer-Miesmuschel) |
| Schnecken (Gastropoda) | Patella ulyssiponensis, Patella caerulea (Napfschnecken), Phorcus turbinatus, Stramonita haemastoma, Phorcus articulatus |
| Rankenfußkrebse (Cirripedia) | Chthamalus montagui |
| Asseln (Isopoda) | Ligia italica |
| Zehnfußkrebse (Decapoda) | Pachygrapsus marmoratus (Marmorierte Felsenkrabbe) |
Die Artenliste zeigt, wie sich an diesen Felsküsten eine artenreiche Gemeinschaft einfindet – von mikroskopisch kleinen Fadenalgen bis zu auffälligen Krebsen und Weichtieren. Besonders die Napfschnecken und die Marmorierte Felsenkrabbe sind typische Weidegänger und Fressfeinde, die das Algenwachstum regulieren.
Ökologische Qualität und Belastungen
Für die Bewertung des ökologischen Zustands von MA154 liefert die Rote Liste zwei Ansätze:
-
Empfindlichkeit des Nemoderma-Biotops: Die von Nemoderma tingitanum dominierten Felsflächen sind der einzige Teil des Lebensraums, der sensibel auf Verschmutzung und menschliche Einflüsse reagiert. Sinkt der Deckungsgrad dieser Alge und geht die Artenvielfalt insgesamt zurück, ist das ein Warnsignal.
-
Resilienz der anderen Biotope: Sowohl die Ceramium ciliatum-Teppiche als auch die von Ulva spp. beherrschten Flächen gelten als außerordentlich widerstandsfähig. Sie finden sich auch in deutlich vom Menschen beeinflussten oder degradierten Küstengewässern. Eine Zunahme der Ulva-Dominanz zeigt jedoch häufig eine Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) an, die aus Abwässern oder landwirtschaftlichen Einträgen stammen kann.
Ein in den Quelldaten erwähnter Ansatz zur Zustandsbewertung ist der „Quality of Rocky Bottoms index“ (CFR), der an spanischen Atlantikküsten für Makroalgengemeinschaften entwickelt wurde. Eine mögliche Anwendung dieses Index auch im Mittelmeerraum wird als Option genannt, ist aber derzeit nicht standardisiert.
Bedeutung für Artenvielfalt und Küstennatur
Geschützte untere Mediolitoralfelsen sind wichtige Primärproduzenten. Die dichten Algenbestände bieten Nahrung für Weidegänger wie Napfschnecken, während Spalten und Überhänge Verstecke für Krebse und Jungfische bereitstellen. Miesmuscheln filtern Plankton und verbessern die Wasserqualität.
Auch wenn MA154 als wenig gefährdet eingestuft ist, hängt seine volle Funktionsfähigkeit von einer guten Wasserqualität und natürlichen Strömungsverhältnissen ab. In touristisch intensiv genutzten Mittelmeerküsten können Versiegelung, Betonbauwerke oder verstärkte Nährstoffeinträge die Lebensgemeinschaft verändern. Vor allem die empfindliche Braunalgenkruste kann dann zurückgehen und durch Grünalgen ersetzt werden.
Was bedeutet das für Garten- und Kommunenplanung?
MA154 ist ein mariner Lebensraum, der sich nicht auf Landflächen oder in Gärten nachbilden lässt. Gleichwohl sind zwei Aspekte für Kommunen und Küstenbewohner wichtig:
- Gewässerschutz: Uferkommunen können durch nachhaltige Abwasserbehandlung und Reduzierung von Düngereinträgen verhindern, dass die Ulva-Dominanz überhandnimmt und die natürliche Algenvielfalt schwindet.
- Naturnahe Ufergestaltung: Bei der Planung von Hafenanlagen oder Promenaden sollte darauf geachtet werden, natürliche Felsstrukturen möglichst zu erhalten oder durch raue, unversiegelte Steinschüttungen zu ersetzen, die erneut von typischen Arten besiedelt werden können.
In keinem Fall kann MA154 als Vorbild für einen Gartenteich oder ein künstliches Becken dienen. Der Lebensraum benötigt den ständigen Austausch mit sauberem Meerwasser und die natürliche Gezeitendynamik.
Fazit
MA154 – Lebensgemeinschaften geschützter unterer Mediolitoralfelsen – ist ein charakteristischer Lebensraum der mediterranen Felsküsten. Seine drei typischen Algen-Ausprägungen zeigen unterschiedliche Empfindlichkeiten: Während Rotalgenteppiche und Grünalgenbestände selbst unter Stress bestehen, ist die Braunalgenkruste ein sensibler Indikator für gute Umweltbedingungen. Die Europäische Rote Liste bewertet den Typ für die EU28 als ungefährdet, für das größere EU28+-Gebiet fehlen jedoch Daten. FFH-rechtlich ist MA154 als Teil von Meeresbuchten und Riffen geschützt. Seine Erhaltung gelingt vor allem durch den Schutz der Wasserqualität und das Bewahren natürlicher Felsstrukturen.
Häufige Fragen
Was ist der EUNIS-Code MA154 genau?
MA154 steht für die Lebensgemeinschaften der unteren Felsküstenzone im Mittelmeer, die vor starkem Wellenschlag geschützt ist und von Algen dominiert wird. Der Code gehört zum EUNIS-Habitatklassifikationssystem der Europäischen Umweltagentur.
Ist MA154 ein gefährdeter Lebensraum?
In der Europäischen Roten Liste der Habitate wird MA154 für die EU28 als ungefährdet (Least Concern) eingestuft. Für das erweiterte Gebiet EU28+ gilt die Kategorie Data Deficient, weil keine ausreichenden Daten vorliegen.
Fällt MA154 unter die FFH-Richtlinie?
MA154 kann Teil der FFH-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) sein. Eine eigenständige Berichtspflicht nach Artikel 17 besteht für diesen EUNIS-Typ jedoch nicht.
Welche Algen sind für MA154 besonders typisch?
Je nach Standortbedingungen dominieren die Rotalge Ceramium ciliatum, die Braunalge Nemoderma tingitanum oder bei Nährstoffüberschuss Grünalgen der Gattung Ulva. Daneben kommen zahlreiche weitere Rot-, Braun- und Grünalgen sowie ein typischer Tierbestand aus Schnecken, Krebsen und Muscheln vor.
Kann man MA154 in einen naturnahen Garten integrieren?
Nein, MA154 ist ein rein mariner Gezeiten-Lebensraum, der auf natürliche Felsküsten mit ständigem Meerwasserzulauf angewiesen ist. Ein direkter Garten- oder Teichbezug besteht nicht. Küstengemeinden können jedoch durch Gewässerschutz die Lebensraumqualität erhalten.