Lebensgemeinschaften mediterraner Uferhöhlen und Überhänge (MA155)
Der Biotoptyp MA155 umfasst Lebensgemeinschaften in Höhlen und unter Überhängen an mediterranen Felsküsten, die durch Schatten und Wassereinfluss geprägt sind. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet ihn als „Data Deficient“ (unzureichende Daten). Der FFH-Anhang I (Code 8330) schützt teilweise solche Höhlen.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Communities of Mediterranean mediolittoral caves and overhangs
- EUNIS
- MA155
- EU-28
- Data Deficient
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 8330 – Submerged or partially submerged sea caves
Das Wichtigste in Kürze
Der EUNIS-Lebensraumtyp MA155 – Communities of Mediterranean mediolittoral caves and overhangs beschreibt die artenarmen, aber hochspezialisierten Lebensgemeinschaften in Meereshöhlen und unter Felsüberhängen an mediterranen Felsküsten. Schatten, Spritzwasser und Wellenschlag erzeugen dort einzigartige Lebensbedingungen. Nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume 2022 gilt der Zustand dieses Biotoptyps als Data Deficient (DD) – es fehlen ausreichende Daten für eine Gefährdungseinschätzung. Im Anhang I der FFH-Richtlinie ist der Typ dem Code 8330 (Submerged or partially submerged sea caves) untergeordnet. Ein Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 liegt nicht vor. Vorkommensschwerpunkte sind die Steilküsten des Schwarzen Meeres, insbesondere aus Sarmatischen Kalken.
Lebensraumtyp MA155: Mediterrane Uferhöhlen und Überhänge
Der Begriff mediolittoral (auch mediolitoral) bezeichnet den Bereich der Gezeitenzone an Felsküsten, der weder ständig unter Wasser steht noch völlig trocken fällt. In diesem Übergangsbereich verringern Höhlen und ausladende Felsvorsprünge die Verdunstung bei Niedrigwasser und schaffen ein feuchtes, schattiges Mikroklima. Anders als offene Felsflächen werden die Wände nicht von Algenrasen, sondern von schattenliebenden, festsitzenden (sessilen) Tieren besiedelt. Je nach Entfernung vom Höhleneingang sind Lichtmenge, Wasserströmung und Luftfeuchtigkeit sehr unterschiedlich – entsprechend entstehen charakteristische Zonen mit wechselnden Dominanzorganismen.
Die Höhlengrößen variieren stark: Eingänge können nur 50 Zentimeter oder bis zu 25 Meter hoch sein (abhängig von der Wellenkraft). Die wasserführenden Gänge reichen drei bis fünfzig Meter ins Gestein; dahinter schließen sich oft trockene oder halbtrockene Abschnitte mit Sand, Kies und Steinen an. In den hintersten Teilen der längsten Höhlen herrscht absolute Dunkelheit. Die Temperatur schwankt weniger stark als außerhalb, Extreme werden nicht gemessen.
EUNIS-Systematik und Klassifikation
Das Europäische Naturinformationssystem EUNIS ordnet den Typ wie folgt ein:
- Code: MA155
- Name: Communities of Mediterranean mediolittoral caves and overhangs
- Ebene: Marine Lebensräume – Küstenhabitate (Marine littoral rock)
- Verschneidung mit FFH-Anhang I: ≈ 8330 („<“ – der Typ stellt eine Teilmenge des FFH-Typs dar)
Damit ist MA155 eine genaue Ausprägung der im FFH-Lebensraumtyp 8330 zusammengefassten „Submerged or partially submerged sea caves“. Allerdings umfasst 8330 auch andere, zum Beispiel komplett untergetauchte Höhlen oder solche außerhalb des Mediterrangebiets.
Gefährdung: Europäische Rote Liste der Lebensräume
Die European Red List of Habitats (2022) bewertet den Lebensraum für die Gebiete EU28 und EU28+ einheitlich:
| Bewertungskriterium | Einstufung |
|---|---|
| Rote-Liste-Kategorie (EU28) | Data Deficient (DD) |
| Rote-Liste-Kategorie (EU28+) | Data Deficient (DD) |
| Kriterium | – (nicht anwendbar) |
| Räumlicher Bezug | Europäische Rote Liste der Lebensräume: EU28- und EU28+-Bewertungen |
Die Einstufung Data Deficient bedeutet, dass nicht genügend Daten über Fläche, Rückgang oder Qualität des Lebensraums vorliegen, um eine Kategorie wie „gefährdet“ oder „nicht gefährdet“ vergeben zu können. Für ein Monitoring wären belastbare Grenzwerte nötig – diese fehlen nach derzeitigem Kenntnisstand.
Schutzstatus: FFH-Anhang I (Lebensraumtyp 8330)
Der Biotoptyp ist indirekt durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) geschützt. Im Anhang I wird er unter dem Code 8330 als „Submerged or partially submerged sea caves“ geführt. Die Quellangabe kennzeichnet die Beziehung mit dem Symbol „<“, d. h. der MA155 ist ein spezieller Teil dieses weiter gefassten Lebensraumtyps.
Wichtig: Für den Biotoptyp MA155 selbst liegt keine eigenständige Bewertung des Erhaltungszustands nach Artikel 17 FFH-Richtlinie vor. Die Mitgliedstaaten berichten über den Gesamttyp 8330; eine Differenzierung nach submarinen bzw. teilweise gefluteten Höhlengemeinschaften des Mittelmeerraumes erfolgt dabei in der Regel nicht.
Verbreitung und biogeografische Regionen
Der Lebensraum kommt hauptsächlich in der mediterranen biogeografischen Region (MED) vor. Konkret genannt werden die Sarmatischen Kalkfelsen entlang der Schwarzmeerküste. Dazu zählen Küstenabschnitte in Russland, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien und der Türkei. Auch vulkanische oder metamorphe Gesteine können den Lebensraum tragen – ein Beispiel ist das Kap Maslen Nos in Bulgarien.
Da die Quellen keine expliziten Länderlisten für den EU-Erhaltungszustand enthalten und der Fokus der Beschreibung auf dem Schwarzen Meer liegt, wird die Verbreitung innerhalb der EU nicht näher aufgeschlüsselt. In den vorliegenden Quelldaten sind keine EU-Länder für diesen spezifischen Subtyp aufgeführt.
Charakteristische Arten und Lebensgemeinschaften
Die Artenzusammensetzung wird von Lichtmangel und Wasserbewegung bestimmt. In den äußeren, noch dämmrigen Bereichen wachsen vereinzelt schattenertragende (sciaphile) Algen:
- Rotalge Phyllophora crispa
- Braunalge Zanardinia typus
Tiefer im Höhlensystem gibt es nur noch Krustenalgen wie Hildenbrandia, Lithophyllum oder Phymatolithon. Die völlig dunklen Abschnitte sind rein tierisch besiedelt – entweder von Hydrozoen- und Bryozoenrasen oder von ausgedehnten Schwammkrusten. Aufrechte Schwämme der Gattungen Halichondria, Haliclona und Dysidea sowie dünne Krustenschwämme wechseln sich je nach Strömungsintensität ab.
Wirbeltiere nutzen die Höhlen vorübergehend: In größeren Höhlen überwintern oder nächtigen Fledermauskolonien – darunter die Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii), das Große Mausohr (Myotis myotis), das Kleine Mausohr (Myotis blythii) und die Langfußfledermaus (Myotis capaccinii). Vögel brüten gelegentlich im Eingangsbereich. Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus), die einst sandige Höhlenbänke des Schwarzen Meeres bewohnte, gilt dort heute als ausgestorben.
Qualitätsmerkmale und Hinweise für den Naturschutz
Die Europäische Rote Liste benennt folgende Indikatoren für einen guten Zustand des Lebensraums:
- Biotische Merkmale: Vorkommen und flächige Ausdehnung von Schwammgesellschaften (Sponge crusts).
- Abiotische Merkmale: Gute Wasserqualität mit geringen Nährstoffkonzentrationen (Stickstoff, Phosphor) und Freiheit von Müll.
Da der Lebensraum mit „Data Deficient“ bewertet ist, wurden bisher keine festen Schwellenwerte für ein Monitoring festgelegt. Fachleute empfehlen, vor allem die Wasserqualität und die Unberührtheit der Höhlen (keine Abfälle) als erste Anhaltspunkte zu nehmen. Für eine künftige Gefährdungsanalyse wären systematische Kartierungen der Höhlenlängen und der Besiedlungsdichte nötig.
Bedeutung für die biologische Vielfalt
Mediterrane Uferhöhlen sind vergleichsweise artenarm, aber sie beherbergen extrem angepasste Organismen, die außerhalb dieses Lebensraums kaum vorkommen. Die Schwammkrusten und Fledermauskolonien zeigen, dass solche Höhlen für den Arten- und Biotopschutz bedeutsam sind. Viele der wirbellosen Besiedler sind noch nicht ausreichend bestimmt – ein Grund, warum der Typ als datendefizitär geführt wird.
Steckbrief EUNIS MA155
| Merkmal | Information |
|---|---|
| EUNIS-Code | MA155 |
| Offizieller Name | Communities of Mediterranean mediolittoral caves and overhangs |
| Kurzcharakteristik | Lebensgemeinschaften in Höhlen und unter Überhängen der mediolitoralen Felsküste; Schatten, Spritzwasser und Wellenschlag formen Zonen mit Schwämmen, Moostierchen und Algen |
| Rote Liste EU28/EU28+ | Data Deficient (DD) |
| FFH-Anhang I | 8330 (Submerged or partially submerged sea caves) – der Typ ist ein Teil davon (<) |
| Artikel-17-Erhaltungszustand | In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Biogeografische Region | Mediterran (MED) |
| Typische Zonen | Eingangsbereich mit Rotalgen (Phyllophora), innen Krustenalgen, dunkle Bereiche mit Hydrozoen-/Bryozoenrasen oder Schwammkrusten |
| Charakterarten (Tiere) | Fledermäuse (Miniopterus schreibersii, Myotis myotis, M. blythii, M. capaccinii), Schwämme (Halichondria, Haliclona, Dysidea spp.) |
| Qualitätshinweise | Ausgedehnte Schwammkrusten, geringe Nährstoffgehalte, kein Müll |
| Wichtigste Gefährdungsfaktoren | In den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt; potenziell Wasserbelastung, touristische Störungen |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Was versteht man unter mediterranen mediolittoralen Höhlen?
Das sind natürliche Hohlräume und Felsvorsprünge an mediterranen Felsküsten, die im Einflussbereich der Gezeiten liegen. Durch Beschattung und Wellenschlag bleibt die Umgebung feucht, sodass sich spezielle Organismen ansiedeln – von Algen am Eingang bis zu Schwammkrusten im Dunkeln.
2. Wie ist der Lebensraumtyp MA155 in der Roten Liste eingestuft?
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als „Data Deficient“ (DD). Das bedeutet, dass zu wenig Informationen für eine gesicherte Gefährdungsanalyse vorliegen. Diese Einstufung gilt gleichermaßen für die EU28-Staaten und die EU28+-Erweiterung.
3. Welcher FFH-Code gilt für diesen Biotoptyp?
Der Typ wird dem FFH-Code 8330 – Submerged or partially submerged sea caves zugeordnet. Die Zuordnung ist als Teilmenge (<) gekennzeichnet, da der FFH-Lebensraum weiter gefasst ist und auch vollständig überflutete Höhlen einschließt.
4. Wo kommen mediterrane Uferhöhlen hauptsächlich vor?
Laut EU-Umweltagentur sind vor allem die Sarmatischen Kalkfelsen im Küstenbereich des Schwarzen Meeres bedeutsam. Fundorte gibt es in Russland, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien und der Türkei. Einzelne Vorkommen können auch auf vulkanischen oder metamorphen Felsen auftreten – genannt wird das Kap Maslen Nos in Bulgarien.
5. Welche Arten sind typisch für die dunklen Höhlenbereiche?
Wo kein Licht mehr hinkommt, wachsen keine Algen mehr. Stattdessen dominieren festsitzende Wirbellose: Hydrozoen- und Bryozoenrasen oder großflächige Schwammkrusten. Charakteristische Schwammgattungen sind Halichondria, Haliclona und Dysidea. Fledermäuse nutzen die Höhlen zeitweise als Quartier; die Mönchsrobbe ist im Schwarzen Meer ausgestorben.
Häufige Fragen
Was versteht man unter mediterranen mediolittoralen Höhlen?
Das sind natürliche Hohlräume und Felsvorsprünge an mediterranen Felsküsten, die im Einflussbereich der Gezeiten liegen. Durch Beschattung und Wellenschlag bleibt die Umgebung feucht, sodass sich spezielle Organismen ansiedeln – von Algen am Eingang bis zu Schwammkrusten im Dunkeln.
Wie ist der Lebensraumtyp MA155 in der Roten Liste eingestuft?
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als „Data Deficient“ (DD). Das bedeutet, dass zu wenig Informationen für eine gesicherte Gefährdungsanalyse vorliegen. Diese Einstufung gilt gleichermaßen für die EU28-Staaten und die EU28+-Erweiterung.
Welcher FFH-Code gilt für diesen Biotoptyp?
Der Typ wird dem FFH-Code 8330 – Submerged or partially submerged sea caves zugeordnet. Die Zuordnung ist als Teilmenge (<) gekennzeichnet, da der FFH-Lebensraum weiter gefasst ist und auch vollständig überflutete Höhlen einschließt.
Wo kommen mediterrane Uferhöhlen hauptsächlich vor?
Laut EU-Umweltagentur sind vor allem die Sarmatischen Kalkfelsen im Küstenbereich des Schwarzen Meeres bedeutsam. Fundorte gibt es in Russland, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien und der Türkei. Einzelne Vorkommen können auch auf vulkanischen oder metamorphen Felsen auftreten – genannt wird das Kap Maslen Nos in Bulgarien.
Welche Arten sind typisch für die dunklen Höhlenbereiche?
Wo kein Licht mehr hinkommt, wachsen keine Algen mehr. Stattdessen dominieren festsitzende Wirbellose: Hydrozoen- und Bryozoenrasen oder großflächige Schwammkrusten. Charakteristische Schwammgattungen sind Halichondria, Haliclona und Dysidea. Fledermäuse nutzen die Höhlen zeitweise als Quartier; die Mönchsrobbe ist im Schwarzen Meer ausgestorben.
Quellen
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/european-red-list-of-habitats
- https://sdi.eea.europa.eu/datashare/s/x4Fy8dEbAdNPna8/download
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats.jsp
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats-code-browser-redlist.jsp
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/article-17-database-habitats-directive-92-43-eec-2
- https://environment.ec.europa.eu/topics/nature-and-biodiversity/habitats-directive_en