Mediterrane Grobsediment-Gemeinschaften der Brandungszone (EUNIS MA35)
Das Habitat EUNIS MA35 („Communities of Mediterranean mediolittoral coarse sediment“) beschreibt die Lebensgemeinschaften mobiler Grobsedimente im Gezeitenbereich exponierter Mittelmeerküsten. Es ist ein Bestandteil des FFH-Lebensraums 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme). Auf der Europäischen Roten Liste der Habitate wird es als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) eingestuft. Charakteristisch sind Krebstiere wie die Rollassel Sphaeroma serratum und der im Sediment grabende Amphipode Gammarus marinus sowie der Polychaet Perinereis cultrifera.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Communities of Mediterranean mediolittoral coarse sediment
- EUNIS
- MA35
- EU-28
- Data Deficient
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 1160 – Large shallow inlets and bays
Das Wichtigste in Kürze
Der marine Lebensraumtyp MA35 nach EUNIS umfasst Küstenstreifen an der Mittelmeerküste, die im Wechsel von Ebbe und Flut trockenfallen und deren Untergrund aus Kieseln, Geröll und grobem Sand besteht. Durch starken Wellenschlag sind die Sedimente ständig in Bewegung – feineres Material wird weggeschwemmt, nur gröbere Fraktionen bleiben übrig. Die Bedingungen sind extrem: hohe mechanische Belastung, starke Austrocknung bei Niedrigwasser und wechselnde Korngrößen je nach Jahreszeit. Nur eine Handvoll spezialisierter, vor allem detritusfressender Arten schafft es, hier zu überleben.
Auf der Europäischen Roten Liste wird das Habitat als „Data Deficient“ geführt – die Datenlage reicht schlicht nicht aus, um einen Gefährdungsgrad abzuleiten. Es ist jedoch Teil des FFH-Lebensraums 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme), was ihm eine formale europäische Schutzkulisse gibt. Da die betroffenen Strände vor allem im mediterranen Raum liegen und in den zugrunde liegenden Daten keine spezifischen Länder aufgelistet sind, fehlen länderscharfe Aussagen. Konkrete einheitliche Qualitätsindikatoren sind nicht etabliert; in Natura-2000-Gebieten werden jedoch lokal angepasste Bewertungsmaßstäbe verwendet.
EUNIS-Code und Name
- EUNIS-Code: MA35
- Vollständige Bezeichnung: Communities of Mediterranean mediolittoral coarse sediment
- Deutsche Übersetzung: Lebensgemeinschaften mediterraner Grobsedimente im Gezeitenbereich
Der Code MA35 gehört im EUNIS-Habitatklassifikationssystem zur Gruppe der marinen Habitate. „Mediolittoral“ verweist auf die Gezeitenzone – den Bereich, der zwischen der Hochwasser- und der Niedrigwasserlinie liegt und damit regelmäßig überflutet wird und wieder trockenfällt.
Lebensraum: Dynamicsche Kiesstrände im Mittelmeer
Dieser Lebensraum findet sich an relativ exponierten, offenen Küstenabschnitten, wo einfallende Wellen feine Sedimente wie Ton und Schluff in Schwebe halten und wegtragen. Es entstehen Strände aus beweglichen Kieseln, Geröll, Kies und teilweise grobem Sand. Die Zusammensetzung kann saisonal schwanken: Während ruhigerer Sommerperioden kann sich kurzzeitig etwas feineres Material ablagern, das im Herbst und Winter wieder ausgewaschen wird.
Die extreme Dynamik und die Tatsache, dass die Sedimentpartikel bei Ebbe stark austrocknen, machen diesen Lebensraum für die meisten Organismen unbewohnbar. Es gibt kaum Makroinfauna – also keine größeren Tiere, die sich dauerhaft im Sediment eingraben. Stattdessen besiedeln Detritusfresser (Schutt- und Abfallverwerter) die Zwischenräume zwischen den Kieseln. Sie ernähren sich von angespülten Pflanzenresten, Algen und anderem organischen Material, das in den Hohlräumen hängenbleibt. Ein typischer assoziierter Biotop besteht fast ausschließlich aus solchen Detritusverwertern, darunter als kennzeichnende Arten der Flohkrebs Gammarus olivii und die Rollassel Sphaeroma serratum.
Charakteristische Arten
Obwohl die Quellen für MA35 keine übergeordnete „Typical Species“-Liste ausweisen, nennt die detaillierte Beschreibung folgende charakteristische Organismen:
| Gruppe | Wissenschaftlicher Name | Deutscher Name (falls geläufig) |
|---|---|---|
| Krebstiere (Crustacea) | Echinogammarus planicrurus | Mittelmeer-Flohkrebs |
| Krebstiere | Gammarus marinus | Meeres-Flohkrebs |
| Krebstiere | Sphaeroma serratum | Gerollte Assel / Rollassel |
| Krebstiere | Allorchestes aquilinus | (ein Flohkrebs) |
| Krebstiere | Pachygrapsus marmoratus (als P. marmoraturs) | Marmorierte Felsenkrabbe |
| Vielborster (Polychaeta) | Perinereis cultrifera | (ein Kalkröhrenwurm) |
| Stachelhäuter (Holothuroidea) | Holothuria tubulosa | Röhrenseewalze |
Diese Arten sind an die extremen Bedingungen angepasst. Die Felsenkrabbe Pachygrapsus marmoratus kommt oft an der Grenze zu Felsküsten vor, während die Flohkrebse und die Rollassel direkt im groben Sediment bzw. in den Algenansammlungen leben.
Europäische Rote Liste: Data Deficient
Einordnung und Bewertung
Die European Red List of Habitats (EU28 und EU28+) bewertet den Lebensraumtyp MA35 als „Data Deficient“ (DD) – unzureichende Datenlage. Diese Einstufung bedeutet nicht, dass der Lebensraum ungefährdet ist; sie zeigt vielmehr, dass es zum Zeitpunkt der Erstellung (Datenstand 2022) europaweit nicht genügend Informationen über dessen Zustand, Verbreitung oder Entwicklung gab, um eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie wie „Least Concern“ (ungefährdet) oder „Endangered“ (stark gefährdet) vorzunehmen.
Das ist für marine Habitate im Gezeitenbereich nicht ungewöhnlich: Die Erfassung derart dynamischer Küstenverläufe ist aufwändig, und standardisierte Monitoring-Programme fehlen in vielen Mittelmeeranrainerstaaten.
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| Rote-Liste-Kategorie (EU28) | Data Deficient |
| Rote-Liste-Kategorie (EU28+) | Data Deficient |
| Bewertungsgrundlage | European Red List of Habitats 2022 |
| Kriterium (falls genannt) | nicht angegeben |
FFH-Bezug: Annex-I-Code 1160
Der Lebensraum MA35 ist Bestandteil des FFH-Lebensraums 1160 („Large shallow inlets and bays“ – Große flache Buchten und Meeresarme). In der Fachdatenbank wird diese Beziehung mit einem Rautezeichen (#) qualifiziert: Das bedeutet, dass MA35 nicht den gesamten FFH-Lebensraum 1160 abdeckt, sondern einen Teilaspekt innerhalb dieses komplexen Küstenlebensraums darstellt. Umgekehrt umfasst der FFH-Lebensraum 1160 auch andere substrat- und tiefenabhängige Biotope wie Seegraswiesen oder Sandbänke.
Artikel-17-Erhaltungszustand
Für den übergeordneten Lebensraumtyp 1160 liegen aus den nationalen FFH-Berichten Daten zum Erhaltungszustand vor, die jedoch nicht direkt auf MA35 heruntergebrochen werden können. In den für diesen Artikel verwendeten Quelldaten ist der spezifische Erhaltungszustand nach Artikel 17 für MA35 nicht enthalten. Er fehlt deshalb in dieser Betrachtung.
Vorkommen in Europa
Die biogeografische Zuordnung lautet eindeutig: MED – mediterrane Region. Der Lebensraum ist auf die Mittelmeerküste beschränkt. In den vorliegenden Quelldaten wird keine spezifische Länderliste aufgeführt. Das deckt sich mit dem unscharfen Wissenstand. Bekannte Vorkommen existieren an vielen exponierten Küstenabschnitten des Mittelmeers, etwa an der Westküste Italiens, in Griechenland, an der französischen Mittelmeerküste, auf den Balearen oder an der türkischen Ägäisküste. Eine länderbezogene Kartierung ist jedoch nicht verfügbar.
Qualitätsindikatoren und Monitoring
Anders als bei vielen terrestrischen oder limnischen Habitaten gibt es für MA35 keine europaweit vereinheitlichten Indikatoren der Habitatqualität. Die Beschreibung der Quellen weist ausdrücklich auf diesen Umstand hin. Stattdessen existieren lokal definierte Referenzwerte – etwa in Natura-2000-Gebieten, wo für die Schutzgüter des Anhang I Lage-spezifische Erhaltungsziele formuliert sein können.
Zu den prinzipiell denkbaren Parametern zählen:
- Vorkommen charakteristischer und sensibler Arten,
- Wasserqualität (Nährstofffrachten, Sauerstoff),
- Intensität der mechanischen Störung (Wellenexposition, Küstenverbau),
- trophische Indizes oder Sukzessionsstadien in Zyklen.
All diese Angaben sind jedoch nicht standardisiert und daher für vergleichende Aussagen zur aktuellen Gefährdung ungeeignet.
Bedrohungen und Schutz
Die Quellen des EEA-enhanced Red-List-Pakets 2022 enthalten keine explizit für MA35 gelisteten Bedrohungen („threats“ leer). Gleichwohl lassen sich aus der allgemeinen Kenntnis mediterraner Küstenökosysteme typische Stressoren benennen, ohne sie als validierte Liste für diesen Biotop auszugeben:
- Küstenverbauung und Hafenbau, die den natürlichen Sedimenttransport verändern,
- Tourismus und damit einhergehende mechanische Beunruhigung und Müll,
- Verschmutzung durch Nähr- und Schadstoffeinträge,
- Klimawandel mit Meeresspiegelanstieg und häufigeren Sturmfluten.
Restaurierungshinweise sind in den Daten nicht enthalten. Für Grobsedimentstrände gilt, dass eine Renaturierung nur dann möglich ist, wenn die natürliche Küstendynamik wiederhergestellt wird – das ist in dicht besiedelten mediterranen Abschnitten nur schwer realisierbar.
Was bedeutet das für den Garten oder die Kommune?
Dieser marine Biotoptyp ist nicht 1:1 im Garten nachbildbar. Es handelt sich um einen natürlich entstandenen, hochdynamischen Lebensraum unter Salzwassereinfluss. Ein Kiesbeet in einer kommunalen Grünanlage oder ein Trockenschotterbeet im Garten kann möglicherweise eine ästhetische Analogie bieten, hat aber ökologisch nichts mit der Submergenz-Emersions-Dynamik und den spezifischen Arten der eulitoralen Grobsedimente zu tun. Kommunen können den Lebensraum jedoch indirekt fördern, indem sie an ihren Mittelmeerküsten auf harten Küstenschutz verzichten und natürliche Umlagerungsprozesse zulassen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der EUNIS-Code MA35?
MA35 bezeichnet die Lebensgemeinschaften mediterraner Grobsedimente im Gezeitenbereich – mobile Kies- und Geröllstrände, die bei Ebbe trockenfallen und extremen Bedingungen ausgesetzt sind.
Ist das Habitat MA35 gefährdet?
Auf der Europäischen Roten Liste ist MA35 als „Data Deficient“ eingestuft. Es fehlt an ausreichenden Daten, um eine konkrete Gefährdungskategorie zu bestimmen.
Welche Arten sind typisch für MA35?
Zu den charakteristischen Arten zählen u. a. die Rollassel Sphaeroma serratum, der Flohkrebs Gammarus marinus, die Felsenkrabbe Pachygrapsus marmoratus und der Polychaet Perinereis cultrifera. Größere Makroinfauna fehlt meist.
Liegt MA35 in Natura-2000-Gebieten?
MA35 selbst ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp, aber Bestandteil des FFH-Lebensraums 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme). In dessen Rahmen unterliegt er dem Schutz des Natura-2000-Netzes.
In welchen Ländern kommt MA35 vor?
Die genauen Länder sind in den verwendeten Quelldaten nicht aufgeführt. Der Lebensraum ist auf die mediterrane biogeografische Region beschränkt, also an Küsten des Mittelmeerraums zu finden.
Quellen
- European Red List of Habitats (EEA Data and Maps)
- Rote-Liste-Datenpaket (EEA Datashare)
- EUNIS Habitat Classification
- EUNIS Code Browser – Red List
- Artikel-17-Datenbank (Habitats Directive)
- Europäische Kommission: Habitats Directive
Alle hier dargestellten Fakten beruhen auf dem erweiterten Datensatz der Europäischen Roten Liste der Habitate 2022 (EEA) sowie den offiziellen EUNIS-Klassifikationen. Weder wurden zusätzliche nationale Berichte noch eigenständige Bewertungen eingearbeitet.
Häufige Fragen
Was bedeutet der EUNIS-Code MA35?
MA35 bezeichnet die Lebensgemeinschaften mediterraner Grobsedimente im Gezeitenbereich – mobile Kies- und Geröllstrände, die bei Ebbe trockenfallen und extremen Bedingungen ausgesetzt sind.
Ist das Habitat MA35 gefährdet?
Auf der Europäischen Roten Liste ist MA35 als „Data Deficient“ eingestuft. Es fehlt an ausreichenden Daten, um eine konkrete Gefährdungskategorie zu bestimmen.
Welche Arten sind typisch für MA35?
Zu den charakteristischen Arten zählen u. a. die Rollassel Sphaeroma serratum, der Flohkrebs Gammarus marinus, die Felsenkrabbe Pachygrapsus marmoratus und der Polychaet Perinereis cultrifera. Größere Makroinfauna fehlt meist.
Liegt MA35 in Natura-2000-Gebieten?
MA35 selbst ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp, aber Bestandteil des FFH-Lebensraums 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme). In dessen Rahmen unterliegt er dem Schutz des Natura-2000-Netzes.
In welchen Ländern kommt MA35 vor?
Die genauen Länder sind in den verwendeten Quelldaten nicht aufgeführt. Der Lebensraum ist auf die mediterrane biogeografische Region beschränkt, also an Küsten des Mittelmeerraums zu finden.
Quellen
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/european-red-list-of-habitats
- https://sdi.eea.europa.eu/datashare/s/x4Fy8dEbAdNPna8/download
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats.jsp
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats-code-browser-redlist.jsp
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/article-17-database-habitats-directive-92-43-eec-2
- https://environment.ec.europa.eu/topics/nature-and-biodiversity/habitats-directive_en