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EUNIS: MA423Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1140; 1160

MA423 – Artenarmes atlantisches Mischsediment der Gezeitenzone

MA423 ist ein mariner Lebensraum des EUNIS-Systems: artenarmes, literales Mischsediment im Nordostatlantik. Er wird auf der Europäischen Roten Liste als „Data Deficient“ geführt. FFH-technisch überschneidet er sich mit den Lebensraumtypen 1140 (trockenfallende Wattflächen) und 1160 (große flache Buchten und Meeresarme). Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 liegt nicht vor.

Einordnung

Originalbezeichnung
Species-poor Atlantic littoral mixed sediment
EUNIS
MA423
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1140; 1160 – Mudflats and sandflats not covered by sea water at low tide; Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

MA423 „Species-poor Atlantic littoral mixed sediment“ ist ein Gezeiten-Lebensraum im Nordostatlantik. Es handelt sich um artenarme Mischsedimentflächen (Gemische aus Sand, Kies, Schlick) in der Gezeitenzone, die durch stark schwankende Umweltbedingungen geprägt sind.

  • EUNIS-Code: MA423
  • Rote Liste Europa (EU28+): Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
  • FFH-Anhang I: Überschneidungen mit Typ 1140 (trockenfallende Wattflächen) und 1160 (große flache Buchten und Meeresarme)
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
  • Biogeografische Region: Nordostatlantik (NEA)

Da weder typische Arten noch Gefährdungen in der amtlichen Roten Liste dokumentiert sind, ist eine konkrete Bewertung der Gefährdungssituation derzeit nicht möglich. Der Lebensraum ist vor allem durch seine Sedimentmischung und die dominanten physikalischen Faktoren charakterisiert.

Was ist MA423? Ein Blick in die Gezeitenzone

MA423 bezeichnet ein Artenarmes atlantisches Mischsediment der Gezeitenzone (engl. „Species-poor Atlantic littoral mixed sediment“). Der Begriff „littoral“ verweist auf den Bereich zwischen Hoch- und Niedrigwasserlinie – jene Zonen des Meeresbodens, die regelmäßig trockenfallen und überflutet werden. „Mixed sediment“ (Mischsediment) beschreibt eine ungleichkörnige Mischung aus Sand, Kies und feineren Anteilen wie Schlick oder Ton. Diese Sedimente unterscheiden sich deutlich von reinen Sand- oder Schlickwatten und bilden eigene Lebensgemeinschaften.

Das „artenarm“ im Namen bedeutet nicht, dass der Lebensraum wertlos wäre. Es spiegelt vielmehr die extremen Standortbedingungen wider: Starke mechanische Kräfte durch Wellen und Strömungen, wechselnde Temperaturen, variable Salzgehalte und ein hohes Maß an Umlagerung des Substrats erlauben nur wenigen, besonders angepassten Organismen die dauerhafte Besiedlung.

EUNIS-Klassifikation: MA423 im Detail

Das EUNIS-Habitatklassifikationssystem (European Nature Information System) ordnet MA423 wie folgt ein:

MerkmalEinordnung
HiërarchieMarine Lebensräume → Gezeiten- und Spritzwasserzone → Sedimente der Gezeitenzone
EUNIS-CodeMA423
Name (Englisch)Species-poor Atlantic littoral mixed sediment
Name (Deutsch, interpretiert)Artenarmes atlantisches Mischsediment der Gezeitenzone
Kurzbeschreibung (Quelle)In den vorliegenden EUNIS-Daten nicht hinterlegt
Biogeografische ZoneNEA (Nordostatlantik)

Die EUNIS-Datenbank selbst enthält für diesen Code keine ausführliche Beschreibung. Die Zuordnung zu MA423 basiert auf den Harmonisierungstabellen der Europäischen Roten Liste der Lebensräume, die wiederum auf das originale Marine-Habitatklassifikationssystem des EUNIS abgestimmt ist. Das Kürzel „≈“ im Crosswalk deutet auf eine ungefähre Zuordnung hin.

FFH-Bezug: Zwei Anhang-I-Typen im Fokus

Der Code MA423 ist kein offiziell gelisteter FFH-Lebensraumtyp (Richtlinie 92/43/EWG). Er überschneidet sich jedoch mit gleich zwei FFH-Typen des Anhangs I, die beide zum Schutzgebietsnetz Natura 2000 beitragen:

  • 1140 – Vegetationsfreies Schlick-, Sand- und Mischwatt (Mudflats and sandflats not covered by sea water at low tide): Gemeint sind die bei Niedrigwasser trockenfallenden Wattflächen. Hier trifft MA423 auf solche Flächen zu, die von gemischten Korngrößen geprägt sind und artenarm erscheinen.
  • 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten (Large shallow inlets and bays): Dieser Typ umfasst große flache Küstengewässer mit variierenden Sedimenten. MA423 kann ein Baustein in solchen Systemen sein, insbesondere wenn deren Gezeitenzone Mischsedimente aufweist.

Die Qualifier „#“ in den Crosswalk-Daten deuten darauf hin, dass MA423 lediglich einen (mehr oder weniger genauen) Ausschnitt des jeweiligen FFH-Typs darstellt – nicht das gesamte Spektrum.

Europäische Rote Liste der Lebensräume: Data Deficient

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (2022) bewertet MA423 in ihrem EU28+-Scope als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) – sowohl für die EU28 als auch für das erweiterte Europa (EU28+). Das bedeutet:

  • Die verfügbaren Informationen reichen nicht aus, um eine Einstufung nach den Kriterien der Roten Liste (z. B. Menge, räumliche Ausdehnung, Qualität) vorzunehmen.
  • Es ist nicht belegbar, wie häufig oder selten der Lebensraum auftritt, ob er zurückgeht oder stabil ist.
  • Weder typische noch gefährdete Arten lassen sich aus den vorliegenden Daten zuordnen.

Diese Einstufung ist eine Aufforderung an Wissenschaft und Monitoring, für diesen marinen Lebensraum grundlegende Daten zu erheben. Ohne die lassen sich weder Gefährdung noch Verbesserungspotenzial quantifizieren.

Verbreitung und regionale Bedeutung

Der Biotoptyp MA423 ist in den vorliegenden Quelldaten keiner spezifischen Länderliste zugeordnet. Er wird jedoch der biogeografischen Region NEA (Nordostatlantik) zugeschrieben. Das legt eine Verbreitung entlang der westeuropäischen Küsten von der Iberischen Halbinsel über die französische Kanalküste bis zu den Britischen Inseln und in die Nordsee nahe. Konkret sind solche artenarmen Mischsedimente vor allem in stark wasserbewegten Gezeitenzonen zu erwarten, in denen feine und gröbere Partikel in ständiger Umlagerung sind.

Mögliche Standorte:

  • Offene Küsten mit breiten Gezeitenplattformen
  • Flache, sandig-kiesige Sublitoralausläufer großer Buchten
  • Rinnen und Priele mit gemischtem Boden

Da konkrete Landeslisten fehlen, sollten Aussagen zur tatsächlichen Verbreitung mit der nötigen Vorsicht gemacht werden. Für die Planung von marinen Schutzgebieten lohnt ein Abgleich mit den vorhandenen nationalen Kartierungen der FFH-Typen 1140 und 1160.

Arteninventar: Bewohner eines dynamischen Sediments

Die offiziellen Roten-Listen-Daten enthalten keine Angaben zu typischen Arten für MA423. Das unterstreicht die Datenlücke. Grundsätzlich ist von einer geringen Artenzahl auszugehen, da die physische Instabilität des Sediments und die starken hydrodynamischen Kräfte nur wenigen Organismen einen dauerhaften Lebensraum bieten.

Zu erwarten sind in solchen Habitaten vor allem:

  • Mikrobielle Biofilme (Diatomeen, Bakterien), die die Sedimentkörner überziehen, aber selten sichtbare Bestände ausbilden.
  • Wenige, breit tolerante Makrofauna, etwa extrem widerstandsfähige Borstenwürmer (Polychaeta), kleine Muscheln (z. B. einige Arten der Tellmuscheln) oder Asseln, die in feuchten Sedimenthohlräumen die Ebbe überdauern.
  • Gelegentlich können Sandklaffmuscheln (Mya arenaria) oder Wattwürmer (Arenicola marina) auftreten, wenn feinere Sedimentanteile lokal etwas stabiler sind und die Strömung geringer ist.

Diese Arten sind typisch für ähnliche Lebensräume, jedoch in den Quelldaten zu MA423 nicht explizit aufgeführt. Der Begriff „artenarm“ darf also nicht mit „bedeutungslos“ verwechselt werden; solche Lebensräume können eine wichtige Funktion in der Küstendynamik und als Nahrungsquelle für Vögel übernehmen.

Gefährdung und Bedrohungen

Die Datenbasis enthält keine dokumentierten Gefährdungen speziell für MA423. Das ist typisch für einen als „Data Deficient“ eingestuften Lebensraum. Dennoch können auf der Grundlage allgemeiner Kenntnisse zu Gezeiten-Mischsedimenten folgende potenzielle Einflüsse benannt werden:

  • Hydrologische Veränderungen: Hafenbau, Küstenschutzanlagen, Fahrrinnenvertiefungen können die natürliche Sedimentdynamik verändern und solche Flächen umgestalten oder zerstören.
  • Eutrophierung: Nährstoffbelastung aus Landwirtschaft und Siedlungen fördert das Algenwachstum und verändert den Sauerstoffhaushalt. Auch in artenarmen Sedimenten verschieben sich dadurch die Lebensbedingungen.
  • Mechanische Zerstörung: Muschelfischerei mit Grundschleppnetzen oder Baggerarbeiten können den Meeresboden durchpflügen und die Habitatstruktur massiv stören.
  • Klimawandel: Steigender Meeresspiegel, häufigere Sturmfluten und Temperaturerhöhungen greifen in die Gezeitenrhythmik ein und verändern die Sedimentumlagerung.

Diese Faktoren sind jedoch für MA423 nicht wissenschaftlich quantifiziert. Sie dienen lediglich als konzeptioneller Rahmen, solange keine belastbaren Studien vorliegen.

Schutz und Wiederherstellung

Da der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie für MA423 nicht gemeldet ist, lassen sich keine Aussagen über einen guten oder schlechten Zustand treffen. Die Überschneidung mit den FFH-Lebensraumtypen 1140 und 1160 bedeutet, dass Schutzmaßnahmen für diese Typen auch dem artenarmen Mischsediment zugutekommen können – vorausgesetzt, die betreffenden Flächen liegen in Natura-2000-Gebieten und der Typ wird dort erfasst.

Mögliche allgemeine Wiederherstellungs- oder Schutzansätze:

  • Erhaltung natürlicher Strömungs- und Sedimentverhältnisse
  • Vermeidung von Baggergut-Verklappung in der Gezeitenzone
  • Besucherlenkung in Watt- und Strandbereichen, um mechanische Trittschäden zu vermindern
  • Monitoringprogramme für das Benthos, um Datenlücken zu schließen

Für den Garten oder das Siedlungsgrün lässt sich dieser Lebensraum nicht imitieren – es handelt sich um ein ausschließlich marines Habitat. Bürgerinnen und Bürger können jedoch indirekt helfen, indem sie Küstenschutzprojekte unterstützen und bei Strandbesuchen behutsam mit den Flächen umgehen, insbesondere in Naturschutzgebieten.

Daten und Fakten im Überblick

KategorieAngabe
EUNIS-CodeMA423
Name HabitatSpecies-poor Atlantic littoral mixed sediment
Rote Liste (EU28+)Data Deficient
GefährdungskriteriumNicht anwendbar (keine Bewertung möglich)
FFH-Anhang I1140, 1160 (beide überschneidend)
Artikel-17-StatusIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Biogeografische RegionNEA (Nordostatlantik)
LänderzuordnungIn den Quelldaten nicht gelistet
Typische ArtenIn den Quelldaten nicht dokumentiert
BedrohungenIn den Quelldaten nicht dokumentiert

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet "artenarm" bei MA423?

„Artenarm“ kennzeichnet, dass in diesem Lebensraum aufgrund extremer physikalischer Bedingungen – starker Wasserbewegung, ständiger Sedimentumlagerung und wechselnder Temperaturen – nur wenige, breit angepasste Tier- und Pflanzenarten dauerhaft überleben können. Das heißt nicht, dass der Lebensraum biologisch unbedeutend wäre.

Ist MA423 ein FFH-Lebensraumtyp?

Nein, MA423 ist ein EUNIS-Lebensraumtyp und kein eigenständiger Typ des Anhangs I der FFH-Richtlinie. Er überschneidet sich aber mit zwei FFH-Typen: 1140 (trockenfallende Wattflächen) und 1160 (große flache Buchten und Meeresarme). Diese Überschneidungen bieten Schutzmöglichkeiten im Rahmen von Natura 2000.

Warum steht auf der Roten Liste "Data Deficient"?

Das bedeutet, dass der Kenntnisstand über Verbreitung, Größe und Qualität des Lebensraums nicht ausreicht, um eine fundierte Gefährdungseinstufung vorzunehmen. Die zur Verfügung stehenden Daten aus den EU-Mitgliedstaaten sind nicht ausreichend detailliert oder nicht gesondert für diesen Typ erhoben worden.

Welche Tiere leben in MA423?

In den offiziellen Roten-Listen-Daten sind keine typischen Arten aufgeführt. Aufgrund ähnlicher Habitate sind vor allem widerstandsfähige Borstenwürmer, kleine Muscheln und mikrobielle Biofilme zu vermuten. Genaue Artlisten lassen sich jedoch erst nach gezielter Erforschung erstellen.

Wo findet man MA423 in Europa?

Die biogeografische Zuordnung lautet NEA (Nordostatlantik). Das umfasst Küstenbereiche Westeuropas, etwa die Britischen Inseln, die französische Kanalküste und die Iberische Halbinsel. Genauere Länderzuordnungen liegen in den verwendeten Quelldaten nicht vor.

Häufige Fragen

Was bedeutet "artenarm" bei MA423?

„Artenarm“ kennzeichnet, dass in diesem Lebensraum aufgrund extremer physikalischer Bedingungen – starker Wasserbewegung, ständiger Sedimentumlagerung und wechselnder Temperaturen – nur wenige, breit angepasste Tier- und Pflanzenarten dauerhaft überleben können. Das heißt nicht, dass der Lebensraum biologisch unbedeutend wäre.

Ist MA423 ein FFH-Lebensraumtyp?

Nein, MA423 ist ein EUNIS-Lebensraumtyp und kein eigenständiger Typ des Anhangs I der FFH-Richtlinie. Er überschneidet sich aber mit zwei FFH-Typen: 1140 (trockenfallende Wattflächen) und 1160 (große flache Buchten und Meeresarme). Diese Überschneidungen bieten Schutzmöglichkeiten im Rahmen von Natura 2000.

Warum steht auf der Roten Liste "Data Deficient"?

Das bedeutet, dass der Kenntnisstand über Verbreitung, Größe und Qualität des Lebensraums nicht ausreicht, um eine fundierte Gefährdungseinstufung vorzunehmen. Die zur Verfügung stehenden Daten aus den EU-Mitgliedstaaten sind nicht ausreichend detailliert oder nicht gesondert für diesen Typ erhoben worden.

Welche Tiere leben in MA423?

In den offiziellen Roten-Listen-Daten sind keine typischen Arten aufgeführt. Aufgrund ähnlicher Habitate sind vor allem widerstandsfähige Borstenwürmer, kleine Muscheln und mikrobielle Biofilme zu vermuten. Genaue Artlisten lassen sich jedoch erst nach gezielter Erforschung erstellen.

Wo findet man MA423 in Europa?

Die biogeografische Zuordnung lautet NEA (Nordostatlantik). Das umfasst Küstenbereiche Westeuropas, etwa die Britischen Inseln, die französische Kanalküste und die Iberische Halbinsel. Genauere Länderzuordnungen liegen in den verwendeten Quelldaten nicht vor.

Quellen