Lebensraum MA45: Lebensgemeinschaften mediterraner mediolitoraler Mischsedimente
MA45 bezeichnet einen marinen Biotoptyp des EUNIS-Systems, der Lebensgemeinschaften auf mediolitoralen Mischsedimenten im Mittelmeer beschreibt. Der Lebensraum reicht von schlickigen Mischflächen bis zu Sedimenten mit Kies, Sand und Schlick in ausgewogenen Anteilen. Die Europäische Rote Liste stuft ihn als „Data Deficient“ (keine ausreichenden Daten) ein. Er überschneidet sich mit den FFH-Lebensraumtypen 1140 (Wattflächen) und 1160 (flache große Meeresarme und -buchten).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Communities of Mediterranean mediolittoral mixed sediment
- EUNIS
- MA45
- EU-28
- Data Deficient
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 1140; 1160 – Mudflats and sandflats not covered by sea water at low tide; Large shallow inlets and bays
Das Wichtigste in Kürze
Der EUNIS-Biotoptyp MA45 – „Communities of Mediterranean mediolittoral mixed sediment“ beschreibt einen Lebensraum des Mittelmeeres, der im Gezeitenbereich (Mediolitoral) auf gemischten, schlecht sortierten Sedimenten vorkommt. Diese Flächen reichen von Schlick mit eingestreuten Sand- und Kiesanteilen bis zu gleichmäßigeren Mischungen aus Kies, Sand und Schlick. Da der Biotoptyp durch Übergänge zu reinen Schlickwatten und Blockstränden gekennzeichnet ist, bildet er ein dynamisches Mosaik an der Küste.
Europäische Rote Liste: „Data Deficient“ – die Gefährdung kann auf der vorhandenen Datengrundlage nicht bewertet werden.
FFH-Bezug: Querverbindungen zu den Annex-I-Lebensräumen 1140 (Wattflächen) und 1160 (große, flache Meeresarme und -buchten).
Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
Verbreitung: Ausschließlich mediterrane Biogeografische Region.
Was sind Lebensgemeinschaften mediterraner mediolitoraler Mischsedimente (EUNIS MA45)?
Der Begriff Mediolitoral bezeichnet den Bereich der Küste, der regelmäßig von den Gezeiten beeinflusst wird, also zwischen mittlerem Hoch- und Niedrigwasser liegt. Anders als an rein sandigen oder felsigen Küsten findet man hier Mischsedimente – ein Gemenge aus unterschiedlichen Korngrößen, das durch natürliche Strömungen und Wellenschlag nur unvollständig sortiert wird.
Die EUNIS-Klassifikation fasst unter dem Code MA45 alle marinen Lebensgemeinschaften zusammen, die auf solchen schlecht sortierten Sedimenten des Mittelmeeres siedeln. Die Bandbreite reicht:
- Von schlickdominierten Flächen mit eingestreuten Sand- und Kieslinsen
- über ausgeglichene Mischungen aus Kies, Sand und Schlick
- bis zu Bereichen, in denen stabile große Steine oder Blöcke liegen, die bereits an felsige Lebensräume erinnern.
Diese Vielfalt an Substraten schafft kleinräumig wechselnde Bedingungen für grabende (infaunale) und aufsitzende (epibenthische) Organismen. Oft liegen die Mischsedimente als Übergangszonen zwischen Wattflächen und Steinstränden vor; eine scharfe Grenze ist ökologisch nicht sinnvoll.
EUNIS-Klassifikation und Verbreitung
Das European Nature Information System (EUNIS) dient der europaweit einheitlichen Beschreibung von Biotopen. MA45 ist ein marin-benthischer Typ der Klasse MA4 – Mediolitoraler Mischsubstrat-Komplexe.
Laut Quelldaten kommt dieser Biotoptyp ausschließlich in der mediterranen biogeografischen Region vor. Konkrete Länderlisten werden im vorliegenden Datenpaket nicht geführt, was auch der lückenhaften Kartierung mariner Biotope im Mittelmeer geschuldet ist. Typisch sind flache Küstenabschnitte mit reduzierter Salinität, etwa in Buchten mit Süßwassereinfluss, wo die Mischsedimente besonders ausgeprägt sind.
Charakteristische Arten und Lebensraumstruktur
Die Artengemeinschaft wird von wirbellosen Bodentieren dominiert, die im Sediment leben. Aus den vorliegenden Roten‐Liste‐Daten lassen sich folgende charakteristische Arten ableiten:
| Gruppe | Wissenschaftlicher Name | Bemerkung |
|---|---|---|
| Polychaeten (Vielborster) | Aphelochaeta marioni | |
| Polychaeten | Capitella capitata | Zeiger für organisch belastete Sedimente |
| Polychaeten | Cirriformia tentaculata | |
| Polychaeten | Sphaerosyllis taylori | |
| Polychaeten | Pygospio elegans | |
| Muscheln | Cerastoderma edule (Herzmuschel) | Auch typisch für Wattflächen |
| Muscheln | Abra nitida | |
| Wenigborster (Oligochaeten) | Tubificoides pseudogaster | |
| Krebstiere | Aora gracilis | |
| Krebstiere | Melita palmata | |
| Krebstiere | Microprotopus maculatus | |
| Krebstiere | Corophium volutator (Schlickkrebs) | Gräbt U-förmige Röhren |
In Bereichen, die stabile größere Steine aufweisen, können zusätzlich epibenthische Algen wie Fucaceen und Grünalgen auftreten, die sonst Felsküsten besiedeln. Die Umweltbedingungen – insbesondere die schwankende Salinität und die Körnung des Sediments – bestimmen, welche Arten dominant werden.
Qualitätsindikatoren: Es gibt für diesen Biotoptyp keine europaweit einheitlichen Qualitätskriterien. In einzelnen Natura-2000-Gebieten können jedoch lokale Referenzwerte für die Artenzusammensetzung oder Sedimentparameter festgelegt sein. Die EEA-Daten nennen sowohl biotische Kennwerte (charakteristische Arten, empfindliche Arten) als auch abiotische Parameter (Wasserqualität, Exposition) als mögliche Indikatoren.
Europäische Rote Liste: Gefährdungskategorie
Der Biotoptyp MA45 wurde im Rahmen der European Red List of Habitats (EU28 und EU28+) bewertet. Das Ergebnis lautet:
„Data Deficient“ (DD, ungenügende Datengrundlage).
Das bedeutet, dass die vorhandenen Informationen nicht ausreichen, um eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie (z. B. „gefährdet“ oder „stark gefährdet“) vorzunehmen. Ursachen hierfür sind häufig:
- Fehlende flächendeckende Kartierungen im Mittelmeerraum
- Unzureichende Daten zur Bestandsentwicklung
- Große Variabilität des Lebensraumes, die eine einheitliche Bewertung erschwert.
Die Einstufung als DD ist nicht gleichbedeutend mit „ungefährdet“; sie zeigt vielmehr einen Forschungsbedarf an.
Beziehung zu FFH-Lebensraumtypen und Natura 2000
Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) listet in Anhang I natürliche und naturnahe Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse. Der EUNIS-Typ MA45 ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp, jedoch werden die folgenden FFH-Codes als übergreifende Kategorien genannt, unter die dieser Mischsediment‐Lebensraum fällt:
- 1140 – Vegetationsfreies Schlick-, Sand- und Mischwatt (Mudflats and sandflats not covered by sea water at low tide)
- 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten (Large shallow inlets and bays)
Die Verknüpfungen in den Quelldaten sind mit einem „#“ (teilweise übereinstimmend) gekennzeichnet. Das heißt, MA45 kann Bestandteil dieser FFH-Kategorien sein, ist aber nicht mit ihnen identisch. In der Praxis bedeutet das, dass Flächen mit MA45‐Lebensgemeinschaften innerhalb von Natura‑2000‑Gebieten als Teil eines der beiden genannten FFH-Lebensraumtypen gemeldet sein können – zum Beispiel in einer flachen Mittelmeerbucht mit Wattcharakter.
Erhaltungszustand und Monitoring
Der Artikel-17-Bericht gemäß FFH-Richtlinie bewertet den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen auf Ebene der biogeografischen Regionen. Für den EUNIS-Typ MA45 als solchen liegen in den verwendeten Quelldaten keine Angaben zum Erhaltungszustand vor. Die Berichterstattung bezieht sich auf die FFH-Lebensraumtypen 1140 und 1160; eventuelle Erhaltungszustände für diese Typen sind nicht auf MA45 heruntergebrochen.
Daher lässt sich auf Basis des Datenpakets keine Aussage zum aktuellen Zustand des mediterranen Mischsediment-Lebensraums treffen. Wiederum unterstreicht dies den Charakter der Roten-Liste-Einstufung „Data Deficient“.
Bedeutung für Biodiversität und Küstenschutz
Mediolitorale Mischsedimente erfüllen mehrere ökologische Funktionen:
- Lebensraum für grabende Arten: Die lockeren Sedimente bieten Vielborstern, Muscheln und Krebstieren Raum zum Bau von Röhren und Gängen.
- Übergangszone: Sie verknüpfen Wattflächen, Seegraswiesen und Felsküsten und fördern so die genetische Vernetzung vieler Arten.
- Nährstofffilter: Durch die Mischung aus Feinmaterial und gröberen Anteilen kann das Sediment bei Durchströmung Nährstoffe zurückhalten und zur Selbstreinigung flacher Küstengewässer beitragen.
- Küstenschutz: Flache Mischsedimentflächen dämpfen Wellenenergie und reduzieren Erosion an der Küste.
Für das Mittelmeer, das durch starken Nutzungsdruck (Tourismus, Küstenverbauung, Fischerei) belastet ist, sind solche naturnahen Sedimentflächen besonders wertvoll. Da der MA45-Typ jedoch als Data Deficient gilt, ist die genaue Verbreitung und der Zustand vielerorts unbekannt – eine planerische Herausforderung für den Naturschutz.
Was kann in Garten und Kommune getan werden?
Dieser Lebensraum ist ein mariner Biotoptyp und kann nicht unmittelbar in Hausgärten oder öffentlichen Grünflächen nachgebildet werden. Dennoch gibt es Anknüpfungspunkte für den kommunalen und bürgerschaftlichen Küstenschutz:
- Flächennutzungsplanung: Kommunen können in ihren Küstenbereichen Mischsedimentflächen als sensible Zonen ausweisen und vor Bebauung oder Aufschüttung schützen.
- Besucherlenkung: Durch Stege und Informationsangebote lassen sich Trittschäden auf Watt- und Mischflächen vermeiden.
- Wasserqualität: Reduzierung von Nährstoffeinträgen (Dünger, Abwässer) schützt die Lebensgemeinschaften des Mediolitorals vor Eutrophierung.
- Bewusstseinsbildung: Die Kommunikation der Funktion dieser Übergangszonen kann das Verständnis für den Schutz unscheinbarer Sedimentflächen erhöhen – eine Aufgabe für Naturkompass-Schulungen oder Agenda-Prozesse.
Eine direkte Übertragung auf den bewirtschafteten Garten ist nicht möglich, aber das Wissen um die Bedeutung naturnaher Sedimentzonen stärkt den Erhalt der biologischen Vielfalt insgesamt.
Häufige Fragen (FAQ)
1. Was ist der EUNIS-Code MA45?
MA45 ist der europäische Biotopcode für Lebensgemeinschaften auf mediolitoralen Mischsedimenten im Mittelmeerraum. Er beschreibt schlecht sortierte Mischungen aus Schlick, Sand und Kies samt ihrer typischen Tierwelt.
2. Wie ist die Gefährdungssituation laut Europäischer Roter Liste?
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft MA45 als „Data Deficient“ (DD) ein. Das bedeutet, dass für eine belastbare Gefährdungsbewertung nicht genügend Daten vorliegen.
3. Welche FFH-Lebensraumtypen umfassen diesen Biotoptyp?
MA45 ist kein eigener FFH-Typ, wird aber von den Typen 1140 (Wattflächen) und 1160 (große, flache Meeresarme und -buchten) teilweise mit abgedeckt – die Übereinstimmung ist nicht vollständig, daher das #-Symbol in den Querverweisen.
4. Wo kommen diese Lebensgemeinschaften vor?
Laut vorliegenden Daten ausschließlich in der mediterranen biogeografischen Region Europas, insbesondere in flachen Buchten und Küstenabschnitten mit reduziertem Salzgehalt.
5. Welche typischen Arten findet man in Mischsedimenten?
Zu den charakteristischen Arten zählen Polychaeten wie Capitella capitata, Cirriformia tentaculata und Muscheln wie die Herzmuschel (Cerastoderma edule). Auch Schlickkrebse (Corophium volutator) prägen den Lebensraum.
Quellen:
- Europäische Umweltagentur (EEA) – European Red List of Habitats
- EEA Data Share: Habitat-Informationen (x4Fy8dEbAdNPna8)
- EUNIS Habitats Browser
- EUNIS Red List Browser
- EEA Artikel-17-Datenbank
- Europäische Kommission: Habitats Directive
Alle Angaben basieren auf dem EEA-enhanced European Red List of Habitats 2022 package. Die Darstellung bezieht sich auf den EUNIS-Biotoptyp MA45; lokale Besonderheiten sind nicht abgebildet.
Häufige Fragen
Was ist der EUNIS-Code MA45?
MA45 ist der europäische Biotopcode für Lebensgemeinschaften auf mediolitoralen Mischsedimenten im Mittelmeerraum. Er beschreibt schlecht sortierte Mischungen aus Schlick, Sand und Kies samt ihrer typischen Tierwelt.
Wie ist die Gefährdungssituation laut Europäischer Roter Liste?
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft MA45 als „Data Deficient“ (DD) ein. Das bedeutet, dass für eine belastbare Gefährdungsbewertung nicht genügend Daten vorliegen.
Welche FFH-Lebensraumtypen umfassen diesen Biotoptyp?
MA45 ist kein eigener FFH-Typ, wird aber von den Typen 1140 (Wattflächen) und 1160 (große, flache Meeresarme und -buchten) teilweise mit abgedeckt – die Übereinstimmung ist nicht vollständig, daher das #-Symbol in den Querverweisen.
Wo kommen diese Lebensgemeinschaften vor?
Laut vorliegenden Daten ausschließlich in der mediterranen biogeografischen Region Europas, insbesondere in flachen Buchten und Küstenabschnitten mit reduziertem Salzgehalt.
Welche typischen Arten findet man in Mischsedimenten?
Zu den charakteristischen Arten zählen Polychaeten wie Capitella capitata, Cirriformia tentaculata und Muscheln wie die Herzmuschel (Cerastoderma edule). Auch Schlickkrebse (Corophium volutator) prägen den Lebensraum.