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EUNIS: B1.6Europäische Rote Liste: EndangeredFFH-Anhang I: 2130

Makaronischer Küstendünengebüsch-Lebensraum (B1.6) – Gefährdete Sukkulentenflur der Kanaren

Das makaronische Küstendünengebüsch (EUNIS B1.6) ist ein stark gefährdeter Lebensraum der Kanarischen Inseln, geprägt von spärlichen, sukkulenten Pflanzengemeinschaften auf wandernden und grauen Dünen. Er wird im Anhang I der FFH-Richtlinie unter 2130 (Graue Dünen) gelistet.

Einordnung

Originalbezeichnung
Macaronesian coastal dune scrub
EUNIS
B1.6 – Coastal dune scrub
EU-28
Endangered
EU-28+
Endangered
FFH-Anhang I
2130 – * Fixed coastal dunes with herbaceous vegetation (grey dunes)

Das Wichtigste in Kürze

Der makaronische Küstendünengebüsch (EUNIS-Code B1.6, European Red List of Habitats) ist ein auf die Kanarischen Inseln beschränkter Lebensraum spärlich bewachsener Küstendünen. Er beherbergt eine einzigartige Flora mit sukkulenten, oft endemischen Arten und ist durch Tourismus, invasive Pflanzen und Dünenzerstörung stark gefährdet („Endangered“).

Nach der europäischen Roten Liste wird der Typ sowohl für die EU28 wie auch die EU28+ als gefährdet eingestuft. Die FFH-Richtlinie erfasst ihn unter Annex‑I‑Code 2130 – Fixierte Küstendünen mit krautiger Vegetation (Graue Dünen). Ein offizieller Erhaltungszustand nach Artikel‑17 ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Der Lebensraum ist nicht in Gärten nachbildbar, doch seine sukkulenten Arten inspirieren trockenheitsresistente Pflanzungen.


Was ist der makaronische Küstendünengebüsch-Lebensraum?

Der Begriff makaronischer Küstendünengebüsch beschreibt die gesamte Vegetation der Küstendünen des kanarischen Archipels, die von krautigen und holzigen Gewächsen – oft mit sukkulenten Blättern und Stängeln – besiedelt wird. Er ist ein Teil des weiter gefassten EUNIS-Biotoptyps B1.6 (Coastal dune scrub), wird jedoch aufgrund seiner besonderen Artenzusammensetzung und seines Vorkommens auf den Kanaren als eigenständiger Rote-Liste-Typ B1.6c geführt („Macaronesian coastal dune scrub“).

Kennzeichnend sind zwei unterschiedlich dynamische Dünenstadien:

  • Wanderdünen (Weißdünen) mit Kräutergemeinschaften des Verbandes Polycarpeo niveae-Euphorbion paraliae.
  • Fixierte Graudünen, auf denen ausdauernde Holzgesellschaften des Verbandes Traganion moquinii stocken.

In beiden Fällen ist die Vegetationsbedeckung von Natur aus gering; das Klima ist mediterran-arid oder wüstenartig. Der Lebensraum fehlt auf den westlichen Inseln El Hierro und La Palma.


Verbreitung und Vorkommen

Der Lebensraum ist ausschließlich in der makaronischen Region der EU anzutreffen, konkret auf den östlichen, zentralen und südlichen Kanareninseln, darunter Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, Teneriffa und La Gomera. Zwei biogeographische Regionen werden in den Quelldaten nicht separat ausgewiesen, das Vorkommen fällt jedoch unter die makaronische Zone. Innerhalb der Europäischen Union stellt die Kanaren-Inselgruppe das einzige natürliche Verbreitungsgebiet dar.

Weil die Inseln vulkanischen Ursprungs sind, ist das Dünenmaterial oft kalkhaltig oder aus verwittertem Vulkangestein. Die küstennahen Sandfelder – etwa bei Maspalomas (Gran Canaria) oder Corralejo (Fuerteventura) – sind klassische Standorte. Der Typ kommt jedoch nur auf Dünen vor, die nicht intensiv genutzt oder bebaut wurden.


Charakteristische Flora und Pflanzengesellschaften

Die EUNIS‑B1.6‑Vegetation zeichnet sich durch auffällige Sukkulente und Endemiten aus. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick der von der Europäischen Roten Liste genannten Leitarten:

ArtWuchsform / BesonderheitPflanzengesellschaft
Androcymbium psammophilumGeophyt auf Sand spezialisiertWandergesellschaft
Lotus lancerottensisKrautig, endemischGraudüne
Polycarpaea niveaNiedriger Halbstrauch, weißfilzigWandergesellschaft
Polygonum balansae var. tectifoliumKrautig, salztolerantWandergesellschaft
Pulicaria burchardiiStrauchigGraudüne
Senecio leucanthemifolius var. falcifoliusSukkulente BlätterGraudüne
Traganum moquiniiDorniger, sukkulenter Strauch, Charakterart der GraudünenTraganion moquinii
Zygophyllum fontanesiiSukkulenter Strauch, salztolerantGraudüne
Zygophyllum gaetulumSukkulenter StrauchGraudüne

Weiter verbreitete Begleiter sind Cyperus kalli (Kali-Segge), Euphorbia paralias (Strand-Wolfsmilch) und Polygonum maritimum (Strand-Knöterich), die auch in anderen atlantischen Dünensystemen vorkommen.

Die charakteristische Traganum-Art verleiht den grauen Dünen ein fast wüstenartiges Aussehen. Diese Sträucher sind hervorragend an Trockenheit und Sandverwehung angepasst und bieten zahlreichen Wirbellosen Lebensraum.


Gute Qualität und Störungsindikatoren

Die Europäische Rote Liste nennt drei ausschlaggebende Indikatoren für eine gute Habitatqualität:

  • Keine Störungssignale (z. B. Trittpfade, Fahrspuren, Abfall).
  • Geringe Vegetationsbedeckung (entspricht dem natürlichen Zustand, dichte Gras- oder Strauchbestände würden auf Nährstoffeintrag oder Degradation hinweisen).
  • Abwesenheit invasiver gebietsfremder Arten (Neophyten).

Sobald gebietsfremde Pflanzen wie Agave spp. oder Kaktusarten einwandern oder Küstentourismus die Dünenstruktur verändert, wird der Biotoptyp stark beeinträchtigt. Auch zu starke organische Düngung durch anlandende Meeresalgenabfälle aus Aquakulturen kann die natürlichen Sukkulenten verdrängen.


Gefährdung und Rote Liste

Laut der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (Bewertung für EU28 und EU28+) ist der makaronische Küstendünengebüsch stark gefährdet („Endangered“). Ein spezifisches Gefährdungskriterium (etwa nach B‑Kriterien) ist im Datensatz nicht separat ausgewiesen. Die Einstufung beruht auf dem sehr kleinen Verbreitungsgebiet, der Seltenheit und den anhaltenden anthropogenen Belastungen.

Da es sich um einen ausschließlich kanarischen Lebensraum handelt, hat die EU hier eine besondere Verantwortung. Fällt der Typ aus, ist er global verloren. Die Rote-Liste-Angabe „Endangered“ übersetzt sich in nationale Handlungsverpflichtungen, auch wenn die Umsetzung in Spanien über die FFH‑Richtlinie geregelt ist.


FFH-Richtlinie und Annex‑I‑Zuordnung

Der Biotoptyp wird im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) unter dem Code 2130 – Fixierte Küstendünen mit krautiger Vegetation (Graue Dünen) geführt. Das Sternchen (*) kennzeichnet den Lebensraum als prioritär. Allerdings umfasst der Annex‑I‑Typ 2130 nicht nur den makaronischen, sondern auch andere europäische Graudünen-Ausprägungen; die Zuordnung erfolgt also als „<“ (kleiner als), da B1.6 ein spezifischer Teil des weiter gefassten FFH‑Lebensraums ist.

Für die Naturschutzpraxis bedeutet das:

  • Das Vorkommen muss in Natura‑2000‑Gebieten gesichert werden.
  • Die Mitgliedstaaten müssen den Erhaltungszustand regelmäßig an die EU berichten (Artikel‑17‑Bericht).

Erhaltungszustand (Artikel 17)

Im aktuellen Datenpaket (EEA‑enhanced 2022) ist ein Artikel‑17‑Erhaltungszustand nicht hinterlegt. Das bedeutet: Für diesen spezifischen Biotoptyp liegen keine aggregierten EU‑weiten Statusdaten vor, oder er wurde bislang nicht separat von Spanien als Teil des Annex‑I‑Lebensraums 2130 berichtet. Ein formaler Status müsste aus nationalen Berichten ermittelt werden. Sollten Sie konkrete Zahlen benötigen, empfehlen wir die Konsultation des aktuellsten nationalen Berichts Spanien zum Lebensraum 2130.


Bedrohungen und Schutzmaßnahmen

Obwohl die European‑Red‑List‑Datenbank selbst keine spezifische Gefährdungsliste enthält, lassen sich aufgrund der Standortökologie typische Bedrohungen ableiten, die in der Fachliteratur und auf vergleichbaren Dünenhabitaten bestätigt werden:

  • Tourismus und Freizeitdruck (Begehung, Motorcross, illegale Campingplätze) führen zu Sandverdichtung und Vegetationsverlust.
  • Bau von Küsteninfrastruktur (Hotels, Promenaden, Parkplätze) fragmentiert und zerstört die Dünen.
  • Invasive gebietsfremde Pflanzen (z. B. Agave, Opuntia, Carpobrotus) konkurrieren mit der natürlichen, langsam wachsenden Dünenflora.
  • Klimawandel: Steigender Meeresspiegel und stärkere Sturmfluten erodieren die schmalen Dünengürtel.

Schutzmaßnahmen setzen auf:

  • Strenge Gebietsausweisungen (z. B. Naturpark Dünen von Corralejo, Reserva Natural Especial de las Dunas de Maspalomas).
  • Anlage von Holzstegen und Besucherlenkung.
  • Manuelle Entfernung invasiver Arten.
  • Renaturierung von ehemaligen Sandabbaustellen.

Ein langfristiger Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, den Küstentourismus mit dem Dünenschutz in Einklang zu bringen.


Bedeutung für die Biodiversität

Der makaronische Küstendünengebüsch beherbergt nicht nur die genannten Charakterpflanzen, sondern auch eine Vielzahl wirbelloser Tiere, die auf diese speziellen Mikrohabitate angewiesen sind. Etliche der Dünenpflanzen sind endemisch und weltweit nur von einer oder zwei Inseln bekannt. Damit ist der Lebensraum ein Hotspot der Biodiversität innerhalb der EU. Jeder Verlust an Dünenfläche bedeutet auch ein Aussterberisiko für diese Endemiten.

Darüber hinaus erfüllen intakte Dünenökosysteme Ökosystemdienstleistungen wie Küstenschutz gegen Sturmfluten und Erosion. Sie filtern Salzsprühnebel, binden Sand und fungieren als natürliche Barriere.


Bezug zu Garten und Kommunen

Auch wenn der natürliche Biotoptyp nicht 1:1 in den Hausgarten oder einen Gemeinschaftsgarten übertragbar ist – er verlangt stark wind- und salzbelastete, durchlässige Dünensande und die charakteristischen Arten sind nicht gärtnerisch im Handel –, können einzelne Elemente Anregungen geben. Die sukkulenten und trockenheitsresistenter Lebensformen inspirieren Kies‑ und Steingärten mit mediterranen oder kanarischen Pflanzen.

Kommunen können auf öffentlichen Grünflächen Salzpflanzenbeete anlegen, die an Dünenästhetik erinnern, oder Insektenhabitate mit Sandarium‑Elementen schaffen. Wichtig ist jedoch, dass keine invasiven Dünenarten (z. B. bestimmte Mittagsblumen) ausgepflanzt werden, die in freier Natur die makaronischen Dünen besiedeln könnten.


Kurzübersicht: EUNIS, FFH, Rote Liste

MerkmalWert
EUNIS‑CodeB1.6 (Coastal dune scrub)
Spezifischer Rote-Liste-TypB1.6c – Macaronesian coastal dune scrub
FFH‑Annex‑I2130 – Fixierte Küstendünen mit krautiger Vegetation (Graue Dünen) (Zuordnung „<“)
Rote-Liste-Kategorie (EU28 / EU28+)Endangered (stark gefährdet)
Artikel‑17‑Erhaltungszustandin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Charakteristische PflanzengesellschaftenPolycarpeo niveae-Euphorbion paraliae (Wanderdünen), Traganion moquinii (Graue Dünen)
Typische ArtenTraganum moquinii, Zygophyllum fontanesii, Androcymbium psammophilum, u. a.

Häufige Fragen

Was genau ist der makaronische Küstendünengebüsch-Lebensraum?

Es handelt sich um den Küstendünen-Lebensraum der Kanarischen Inseln (außer El Hierro und La Palma), der von sukkulenten, oft endemischen Pflanzen locker bewachsen ist. Er umfasst wandernde und fixierte Dünen mit bestimmten Pflanzengesellschaften.

Warum ist dieser Lebensraum gefährdet?

Die Europäische Rote Liste stuft ihn als „Endangered“ (stark gefährdet) ein. Hauptrisiken sind Küstentourismus, Bebauung, invasive Pflanzenarten und die natürliche Seltenheit des nur auf den Kanaren vorkommenden Typs.

Welche Pflanzen sind typisch für diesen Dünentyp?

Charakteristisch sind sukkulente Sträucher wie Traganum moquinii, Zygophyllum fontanesii und Zygophyllum gaetulum sowie krautige Arten wie Androcymbium psammophilum, Lotus lancerottensis und Polycarpaea nivea.

Steht dieser Lebensraum unter dem Schutz der FFH-Richtlinie?

Ja, er wird unter Annex‑I‑Code 2130 (Fixierte Küstendünen mit krautiger Vegetation – Graue Dünen) gelistet. Diese Einstufung verpflichtet zur Sicherung in Natura‑2000‑Gebieten.

Kann man diesen Biotoptyp im eigenen Garten nachbilden?

Nein, der extrem dynamische, salzhaltige Dünenstandort lässt sich nicht reproduzieren. Einzelne sukkulente Arten können jedoch Inspiration für Steingärten oder trockenheitsresistente Pflanzungen geben.

Quellen