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EUNIS: B1.9Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 21A0

Machair (EUNIS B1.9) – Der artenreiche Küstengrasland-Komplex

Machair ist ein durch traditionelle, extensive Landnutzung entstandener Lebensraumkomplex an den Atlantikküsten Irlands und Schottlands. Er umfasst ein Mosaik aus artenreichen Dünengrasländern, kalkreichen Kleingewässern, Salzwiesen und Feuchtheiden. In der Europäischen Roten Liste gilt er als ungefährdet (Least Concern) und ist als prioritärer Lebensraumtyp (FFH-Code 21A0) geschützt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Machair
EUNIS
B1.9 – Machair
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
21A0 – Machairs (* in Ireland)

Das Wichtigste in Kürze

  • Machairs sind komplexe, offene Küstenlandschaften, die durch langjährige, nicht-intensive Nutzung – vor allem Beweidung und traditionelle Wechselwirtschaft – entstanden sind.
  • Das Habitat umfasst Mosaike aus kurzrasigen Dünengrasländern, kalkreichen Stauseen, Salzwiesen und Niedermooren.
  • Es kommt ausschließlich an den atlantischen Küsten Irlands und Schottlands vor, mit den großflächigsten und reichsten Vorkommen auf den Äußeren Hebriden.
  • In der Europäischen Roten Liste der Lebensräume gelten Machairs als „Least Concern“ (ungefährdet).
  • Sie sind als prioritärer Lebensraumtyp (Code 21A0) in Anhang I der FFH-Richtlinie geführt, mit einem Sternchen (*) für die Vorkommen in Irland – sie genießen damit EU-weiten Schutzstatus.
  • Typisch sind eine sehr hohe Blütenpflanzenvielfalt mit vielen Orchideenarten und eine wichtige Funktion für Wiesenbrüter, darunter die stark bedrohte Wachtelkönig (Crex crex).

Was ist ein Machair? – Begriff und EUNIS-Klassifikation

Der Name Machair stammt aus dem Irischen und bedeutet „niedrige, fruchtbare Ebene“. In der europäischen Biotoptypisierung nach EUNIS wird dieser Landschaftstyp unter dem Code B1.9 geführt. Er wird definiert als eine komplexe Landschaft, die mehr oder weniger ausgedehnte, kurzrasige Dünengrasländer in enger Verzahnung mit kalkreichen Stillgewässern („lochs“), Salzwiesen, Flachmooren und weiteren Küstenhabitaten beherbergt.

Im engeren Sinne wird oft nur der Graslandanteil als „Machair-Grasland“ bezeichnet; das gesamte Landschaftsmosaik macht jedoch den eigentlichen Biotopkomplex aus. Die Britische Nationale Vegetationsklassifikation (NVC) unterscheidet innerhalb der Machair-Landschaft zwölf verschiedene Vegetationstypen.

Entscheidend für das Entstehen und den Erhalt eines Machairs ist eine lange Geschichte menschlicher Einflussnahme. Extensive Beweidung mit Rindern und/oder Schafen – gelegentlich auch mit Pferden oder Ziegen – sowie traditionelle, wenig intensive Formen des Fruchtwechsels und fischereiliche Aktivitäten haben diese Kulturlandschaft über Jahrhunderte geprägt. Ein natürliches Phänomen ist zudem die starke Beweidung durch Wildkaninchen.

Verbreitung und klimatische Bedingungen

Machairs sind ausschließlich an der atlantischen Küste von Irland und Schottland zu finden. Die größten und besterhaltenen Beispiele liegen auf den Äußeren Hebriden vor der schottischen Westküste. Das Klima ist dort feucht und kühl, geprägt durch milde Winter und starke, vorherrschende Westwinde.

Der Boden ist ein entscheidender Faktor: Es handelt sich um kalkhaltige Sandböden, die durch Wind vom Strand ins Landesinnere getrieben und über torfigen oder undurchlässigen Gesteinsschichten abgelagert werden. Diese Sande enthalten einen hohen Anteil an zermahlenen Muschelschalen (bis zu 60 % oder mehr), was zu einem pH-Wert von meist über 7,0 führt – also zu basischen Bedingungen. Die Landschaft ist durch eine ebene bis schwach geneigte Oberfläche ohne nennenswerte Dünenrücken („Ammophila“-Bestände sind selten) gekennzeichnet. Im Winter sind die tiefer gelegenen Bereiche oft überflutet oder zumindest staunass.

Ökologische Ausstattung und typische Arten

Die Vegetation der Machair-Grasländer wird von eher weit verbreiteten Gräsern wie Poa pratensis (Wiesen-Rispengras) und Festuca rubra (Rot-Schwingel) dominiert. Auffällig ist jedoch die ungewöhnlich hohe Zahl blühender Kräuter, die unzähligen Insekten Nahrung und Lebensraum bietet. Diese Artenvielfalt gründet auf den basenreichen, oft feuchten Sandböden und der anhaltenden, aber nicht intensiven Beweidung. Zudem ist der Landschaftskomplex ein herausragender Brutplatz für Watvögel und andere Wiesenvögel; so beherbergt der Machair heute die gesündeste westeuropäische Population des stark gefährdeten Wachtelkönigs (Crex crex).

Charakteristische Pflanzenarten (Auswahl)

Wissenschaftlicher NameDeutscher NameBemerkung
Achillea millefoliumGemeine Schafgarbe
Arabis browniiEndemisch in Irland
Asperula cynanchicaHügel-Meier
Bellis perennisGänseblümchen
Cochlearia scoticaSchottisches LöffelkrautEndemisch in Schottland
Erodium cicutariumGewöhnlicher Reiherschnabel
Euphrasia marshalliiEndemisch in Schottland
Euphrasia officinalisEchter Augentrost
Galium verumEchtes Labkraut
Gentianella campestrisFeld-Enzian
Lotus corniculatusGewöhnlicher Hornklee
Plantago lanceolataSpitzwegerich
Sedum acreScharfer Mauerpfeffer
Thalictrum minus ssp. arenariumKleinblättrige Unterart
Thymus praecoxFrühblühender Thymian
Trifolium repensWeiß-Klee

Besonders hervorzuheben ist der Reichtum an Orchideen:

  • Coeloglossum viride (Grüne Hohlzunge)
  • Dactylorhiza fuchsii subsp. hebridensis (eine Hebriden-Unterart des Fuchs‘ Knabenkrauts, endemisch)
  • Dactylorhiza purpurella (Purpur-Knabenkraut)
  • Gymnadenia conopsea (Große Händelwurz)
  • Orchis mascula (Männliches Knabenkraut)
  • Platanthera chlorantha (Berg-Waldhyazinthe)
  • Spiranthes spiralis (Herbst-Drehwurz)

Bewirtschaftung und traditionelle Nutzung

Machairs sind keine rein natürlichen Biotope, sondern anthropogen überformte Kulturlandschaften. Ihre Artenfülle hängt entscheidend von einer kontinuierlichen, aber sehr extensiven Nutzung ab. Dazu gehören:

  • Ganzjährige oder saisonale Beweidung durch Rinder, Schafe, manchmal Pferde oder Ziegen.
  • Wildkaninchen, deren Grab- und Tritttätigkeit die Bodendynamik erhöht und offene, konkurrenzarme Standorte schafft.
  • Niedrigintensive Wechselwirtschaft („rotational cropping“), bei der abwechselnd kleine Äcker und Brachestreifen ohne Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden bewirtschaftet werden.
  • Traditionelle fischereiliche Aktivitäten, die den Nährstoffhaushalt leicht beeinflussen können.

Diese heute oft rückläufige Nutzungsform ist der Schlüssel zur Erhaltung des Landschaftsmosaiks und der darin vorkommenden seltenen Arten.

Schutzstatus: FFH-Richtlinie und Rote Liste

FFH-Richtlinie (Anhang I)

Der Machair ist in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU als prioritärer Lebensraumtyp unter dem Code 21A0 gelistet. Die offizielle Bezeichnung lautet „Machairs (* in Ireland)“. Die Priorität (Sternchen) unterstreicht die besondere Schutzverantwortung der EU, vor allem für die Vorkommen in Irland. Ein Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Europäische Rote Liste der Lebensräume

In den aktuellen Bewertungen der Europäischen Roten Liste (EU28 und EU28+) wird der Machair (EUNIS B1.9) als „Least Concern“ (ungefährdet) eingestuft. Das bedeutet, dass auf europäischer Ebene derzeit keine akute Gefährdung dieses Biotoptyps festgestellt wurde. Dennoch darf die Abhängigkeit von traditioneller, zunehmend auflandwirtschaftlicher Nutzung nicht unterschätzt werden. Konkrete Bedrohungen sind in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt.

Biogeografische Regionen und Länder

Die Zuordnung zu bestimmten biogeografischen Regionen ist in dem genutzten Datensatz nicht vermerkt, doch alle Machair-Vorkommen liegen in der atlantischen Region. Länderlisten sind in den Quelldaten ebenfalls nicht hinterlegt; aufgrund der Beschreibung ist das Habitat jedoch auf Irland und das Vereinigte Königreich (Schottland) beschränkt.

Qualitätsmerkmale eines intakten Machair

Nach den offiziellen Definitionen gelten folgende Kriterien als Anzeichen guter Qualität:

  • Hohe Artenvielfalt an krautigen Pflanzen (Kräuter und Blütenpflanzen).
  • Langandauernde, nicht-intensive landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere Beweidung.
  • Komplexes Landschaftsgefüge mit Grasländern, kleinen Wasserflächen und anderen Strukturen (Salzwiesen, Niedermoor).
  • Flache bis sanft geneigte Geländeform ohne ausgeprägte Dünenkämme.
  • Basenreiche, mehr oder weniger feuchte Sandböden mit hohem Muschelschalenanteil.

Machair im europäischen Vergleich

Ein Vergleich mit ähnlichen Landschaften auf dem europäischen Kontinent zeigt, dass dort zwar kalkreiche Dünengrasländer und feuchte Heiden vorkommen, aber nicht in derselben komplexen Landschaftsverzahnung. So existieren in den Niederlanden:

  • „Vroongronden“ im Südwesten: niedrig gelegene, gewellte Flächen mit artenreichen, trockenen bis feuchten Dünengrasländern auf alten Weideflächen. Sie sind jedoch nicht mehr dynamisch und weitgehend entkalkt.
  • „Zeedorpenlandschap“ in der holländischen Provinz: kalkhaltige, dynamische Grasländer mit langer menschlicher Nutzungstradition, denen aber die übrigen Landschaftselemente und die großflächige Beweidung fehlen.

Der Machair bleibt damit in seiner Vollständigkeit auf die Atlantikküsten Irlands und Schottlands beschränkt.

Was bedeutet Machair für den Garten- und Kommunenbereich?

Ein komplettes Machair-Landschaftsmosaik lässt sich in einem Haus- oder Gemeindegarten nicht nachbilden. Einige Prinzipien können jedoch als Anregung dienen, um artenreiche, pflegearme Blühflächen auf kalkhaltigem Sandboden zu schaffen:

  • Verwenden Sie heimische, trockenheitsliebende Kräuter wie Schafgarbe, Hornklee, Labkraut und kleinwüchsige Orchideen (sofern erhältlich) auf sonnigen, mageren Standorten.
  • Setzen Sie auf extensive Pflege: Nur ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr, keine Düngung, eventuell Beweidung durch Kleintiere.
  • Integrieren Sie offene Bodenstellen und feuchte Senken, um Strukturvielfalt zu fördern.
  • Verzichten Sie auf Pestizide und Kunstdünger, um die charakteristischen, auf nährstoffarme Bedingungen angewiesenen Pflanzen zu erhalten.

So können kleine Ausschnitte der Machair-Vegetation – nie aber der vollständige Biotopkomplex – in naturnahen Gärten und Parks einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Machair

1. Was bedeutet der Begriff „Machair“?
Der Name leitet sich vom irischen Wort „magh“ ab, was „niedrige, fruchtbare Ebene“ bedeutet. Landschaftlich steht er für ein Mosaik aus Dünengrasland, Kleingewässern, Salz- und Feuchtwiesen.

2. In welchen Ländern kommen Machairs vor?
Machairs sind ausschließlich an den Atlantikküsten von Irland und Schottland (Vereinigtes Königreich) zu finden, mit den ausgedehntesten Flächen auf den Äußeren Hebriden.

3. Sind Machairs in Europa gefährdet?
Nein, laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume werden sie als „Least Concern“ (ungefährdet) eingestuft. Allerdings sind sie stark von der Fortführung extensiver Nutzung abhängig.

4. Welche Rolle spielt die traditionelle Landwirtschaft für den Machair?
Eine langfristige, nicht-intensive Nutzung durch Beweidung und Wechselwirtschaft ist essenziell für die hohe Artenvielfalt und das charakteristische Landschaftsmosaik.

5. Welcher FFH-Code und Schutzstatus gelten?
Der Lebensraumtyp ist in Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 21A0 gelistet und gilt als prioritärer Lebensraum (gekennzeichnet mit einem Sternchen für die irischen Vorkommen).

Quellen

Alle Angaben basieren auf den open-data-Quellen der Europäischen Umweltagentur (EEA) und ergänzenden Daten aus dem European Red List of Habitats 2022 Paket.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Begriff „Machair“?

Der Name leitet sich vom irischen Wort „magh“ ab, was „niedrige, fruchtbare Ebene“ bedeutet. Landschaftlich steht er für ein Mosaik aus Dünengrasland, Kleingewässern, Salz- und Feuchtwiesen.

In welchen Ländern kommen Machairs vor?

Machairs sind ausschließlich an den Atlantikküsten von Irland und Schottland (Vereinigtes Königreich) zu finden, mit den ausgedehntesten Flächen auf den Äußeren Hebriden.

Sind Machairs in Europa gefährdet?

Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume werden sie als „Least Concern“ (ungefährdet) eingestuft. Allerdings sind sie stark von der Fortführung extensiver Nutzung abhängig.

Welche Rolle spielt die traditionelle Landwirtschaft für den Machair?

Eine langfristige, nicht-intensive Nutzung durch Beweidung und Wechselwirtschaft ist essenziell für die hohe Artenvielfalt und das charakteristische Landschaftsmosaik.

Welcher FFH-Code und Schutzstatus gelten?

Der Lebensraumtyp ist in Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 21A0 gelistet und gilt als prioritärer Lebensraum (gekennzeichnet mit einem Sternchen für die irischen Vorkommen).

Quellen