Makaronessische Heide (EUNIS F4.3) – ein prioritärer FFH-Lebensraum
Die makaronessische Heide (EUNIS F4.3) umfasst Strauchgesellschaften der Azoren, Madeira und Kanaren, die von Erica-, Daboecia- oder Calluna-Arten dominiert werden. Sie tritt als Pioniervegetation, als Dauergesellschaft auf dünnen Böden oder als Sukzessionsstadium der makaronesischen Wälder auf. Der Lebensraum ist in der Europäischen Roten Liste als „nicht gefährdet“ (Least Concern) eingestuft und unter dem FFH-Code 4050 als prioritärer Lebensraum geschützt.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Macaronesian heath
- EUNIS
- F4.3 – Macaronesian heath
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 4050 – * Endemic macaronesian heaths
Makaronessische Heide (EUNIS F4.3) – ein prioritärer Lebensraum der Azoren, Madeira und Kanaren
Das Wichtigste in Kürze
Die makaronessische Heide (EUNIS F4.3) ist ein nur auf den atlantischen Inselgruppen der Azoren, Madeiras und Kanaren vorkommender Buschland-Lebensraum. Sie wird von endemischen Heidekrautgewächsen (Erica, Daboecia) oder Besenheide (Calluna) aufgebaut und ist eng mit den makaronesischen Lorbeer- und Baumheidewäldern (EUNIS G2.7, G2.3) verzahnt. Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen bewertet sie als „nicht gefährdet (Least Concern)“. Im Anhang I der FFH-Richtlinie ist sie als prioritärer Lebensraumtyp Endemische makaronesische Heiden (Code 4050) gelistet. Gute Qualität zeigt sich durch eine hohe Vielfalt charakteristischer endemischer Arten und eine geringe Präsenz invasiver Neophyten. Der Lebensraum tritt in vielen Varianten auf – von windgefegten Daboecia-Heiden über Pioniergesellschaften auf Lavafeldern bis hin zu artenreichen Ginster-Heide-Mänteln am Rand der Lorbeerwälder.
EUNIS-Einordnung und Definition
Der Lebensraumtyp F4.3 – Macaronesian heath im EUNIS-Habitatklassifikationssystem umfasst nanophanerophytische (kleinwüchsig-strauchige) Heiden der makaronesischen Inselgruppen Azoren, Madeira und Kanaren. Die Bestände werden von Arten der Gattungen Erica, Daboecia oder Calluna dominiert oder co-dominiert. Entscheidend ist, dass es sich um eine der folgenden ökologischen Ausprägungen handelt:
- Pionierheiden auf Rohböden oder jungen Lavaflächen,
- permanente Heiden auf extrem flachgründigen, nährstoffarmen oder trockenen Böden,
- Sukzessionsstadien (Seralstadien) oder Mantelgesellschaften der makaronesischen Wälder (Lorbeerwälder G2.7, Baumheidewälder G2.3).
Diese Abgrenzung unterscheidet die offenen Heiden klar von den höherwüchsigen Baumheideformationen derselben Archipele.
Verbreitung und Standortvielfalt: Zwei Hauptsubtypen
Die makaronessische Heide ist biogeographisch und ökologisch ausgesprochen heterogen. Zwei große Untereinheiten lassen sich unterscheiden.
| Subtyp | Archipel(e) | Prägende Gehölze | Ökologischer Kontext | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|
| 1. Azorische Heiden | Azoren | Daboecia azorica, Erica azorica, Calluna vulgaris, Thymus caespititius, Corema azorica | Pionier- und Dauergesellschaften auf pyroklastischen Böden, Lava oder nach Hangrutschungen; zyklische Klimaxdynamik mit Juniperus brevifolia; thermophile Varianten an der Küste. | Höchste Vielfalt an Standortvarianten: Daboecia-Heiden mit Thymian auf Pico, Calluna-Bestände auf rezenten Lavaströmen, Erica azorica Pionierstadien nach Hangmuren, Erica-Morella-Heiden im Tiefland. |
| 2. Madeirensisch-kanarische Heiden | Madeira, Kanaren | Erica canariensis, Erica platycodon subsp. platycodon / maderincola, Erica maderensis, Morella faya, Ilex canariensis, diverse Ginster (Teline, Adenocarpus, Chamaecytisus) | Meist erste oder zweite Sukzessionsstadien der Lorbeer-/Heidewälder; auf steilen Felsflanken auch permanent. | Artenreiche Gebüsche mit Lorbeerwald-Begleitern; Baumheide-Mäntel in den Hochlagen Madeiras (artenarm). Ginster-Heide-Varianten mit vielzähligen Endemiten. |
Beide Subtypen sind durch eine hohe Beteiligung inselendemischer Arten geprägt.
Artenvielfalt und charakteristische Pflanzen
Die makaronessische Heide beherbergt einen außergewöhnlichen Reichtum an endemischen Pflanzenarten, die oft nur auf einer Insel oder einem Archipel vorkommen. Die Zusammensetzung unterscheidet sich deutlich zwischen den beiden Subtypen.
Azorischer Subtyp (1): Neben den Dominanzarten Daboecia azorica, Erica azorica, Calluna vulgaris und Thymus caespititius treten unter anderem Huperzia dentata, Huperzia suberecta, Grammitis marginella subsp. azorica, Hypericum foliosum, Oreopteris limbosperma, Vaccinium cylindraceum und Corema azorica auf. In enger Nachbarschaft kommen auch Elemente der Juniperus-Mikrowälder vor, darunter Euphorbia stygiana, Myrsine retusa, Viburnum treleasi und Ilex azorica.
Madeirensisch-kanarischer Subtyp (2): Die Liste ist umfangreich. Heidekrautarten sind hier Erica canariensis, E. platycodon (mit zwei Unterarten), E. maderensis (nur Hochlagen Madeira). Hinzu kommen Morella faya, Ilex canariensis und zahlreiche Arten aus Lorbeerwald-Mänteln: Picconia excelsa, Marcetella maderensis, Bencomia caudata, Cedronella canariensis, Rubia fruticosa subsp. periclymenum, Bystropogon canariensis, Dracunculus canariensis, Gesnouinia arborea, Phyllis nobla, Sideritis spp., Rhamnus glandulosus, Smilax canariensis, Canarina canariensis, Convolvulus canariensis. In Ginster-reichen Varianten sind Teline-, Adenocarpus- und Chamaecytisus-Arten co-dominant, dazu gesellen sich Argyranthemum-Arten, Echium candicans und Plantago spp.
Europäische Rote Liste: Gefährdungseinstufung
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28+-Bewertung) führt die makaronessische Heide (EUNIS F4.3) in der Kategorie Least Concern (LC) – nicht gefährdet. Es wurde kein spezifisches Gefährdungskriterium (criterion) angegeben. Diese Einstufung bedeutet, dass der Lebensraumtyp auf europäischer Ebene derzeit keiner akuten Gefährdung ausgesetzt ist. Die Bewertung erfolgte im Rahmen des erweiterten EU28+-Bewertungsgebiets, das die gesamte EU sowie weitere kooperierende Staaten umfasst.
Eine detaillierte Einstufung nach biogeographischen Regionen oder eine Übersicht über die Erhaltungszustände nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht enthalten.
FFH-Richtlinie: Anhang I und prioritärer Status
Der Lebensraum ist in Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) unter dem Code 4050 mit einem Sternchen versehen: *** Endemic macaronesian heaths** (Endemische makaronesische Heiden). Der Stern kennzeichnet einen prioritären Lebensraumtyp, für dessen Erhaltung der Europäischen Union eine besondere Verantwortung zukommt.
Die Aufnahme als prioritärer Lebensraum unterstreicht die globale Einzigartigkeit dieser Heiden. Sie existieren ausschließlich auf den makaronesischen Inseln und beherbergen eine Vielzahl von Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Das Sternchen weist auf die Dringlichkeit hin, ihre Flächen zu bewahren und ggf. wiederherzustellen.
Indikatoren guter Qualität – und Anzeichen von Degradation
Wegen der großen biogeographischen und ökologischen Bandbreite gibt es keine universelle einfache Kennzahl für eine gute Qualität. Bewertet wird stets im Vergleich zu einer gut dokumentierten Referenzausprägung des jeweiligen Subtyps.
Hinweise auf einen guten Erhaltungszustand:
- Hohe Artenvielfalt mit mehreren charakteristischen, endemischen Pflanzenarten der jeweiligen Insel.
- Vorhandensein von Elementen der benachbarten Lorbeer- oder Baumheidewälder (z. B. Laurus, Prunus, Viburnum), soweit standörtlich möglich.
- Geringe Deckung von Störungszeigern und invasive Neophyten.
Häufige Degradationszeichen:
- Verarmung auf nur eine oder zwei dominante Gehölzarten; Rückgang der charakteristischen Arten.
- Zunahme von Gräser- und Krautstadium-Arten auf Kosten der Holzpflanzen.
- Eindringen und Ausbreitung gebietsfremder invasiver Pflanzen. In den Quelldaten werden folgende typische Neophyten genannt:
| Archipel | Invasive Gehölze / Problemarten |
|---|---|
| Azoren | Pittosporum undulatum, Clethra arborea, Melaleuca spp., Metrosideros excelsa, Banksia integrifolia, Solanum mauritianum, Laurus azorica × nobilis (Hybrid), Hedychium gardneranum (Staudenknöterich), Cryptomeria japonica (strauchförmig), Acacia spp. |
| Madeira / Kanaren | Ulex (Stechginster), Cytisus scoparius, Arundo (Pfahlrohr), Acacia spp., Hakea spp., Calotropis, Opuntia (Feigenkakteen), Ailanthus altissima, Eucalyptus spp. |
Bei der Bewertung einer konkreten Fläche sollte stets auf publizierte pflanzensoziologische Referenztabellen zurückgegriffen werden.
Dynamik und Sukzession: Von der Heide zum Lorbeerwald
Die makaronessische Heide ist kein statischer Lebensraum. Ihre ökologische Rolle variiert je nach Standort und Entwicklungsstadium:
- Pionierstadium: Nach gravitativen Störungen (z. B. Hangrutschungen, die den gesamten Bodenkörper und die Placic-Horizonte der Juniperus-Mikrowälder entfernen) besiedeln Erica azorica und andere Pioniersträucher die Rohböden und leiten eine Wiederbewaldung ein. Ähnliches gilt für neue Lavafelder.
- Dauergesellschaft: Auf extrem flachgründigen pyroklastischen Leptosolen, windexponierten Graten oder trockenen Felsköpfen können sich die Heiden nicht zu Wald weiterentwickeln. Sie bilden hier klimaxähnliche Dauerstadien.
- Sukzessionsstadium (Seralstadium): Als Mantel oder erster Bewaldungsschritt sterben die Heiden nach und nach durch das Aufkommen von Lorbeer- und Baumheidearten ab, bis sich wieder ein geschlossener Wald einstellt – sofern keine erneute Störung eintritt. Einige steile Felshänge erlauben nur eine dauerhafte Strauchbedeckung.
Diese enge Verzahnung mit den makaronesischen Wäldern macht die Heiden zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Inselökosysteme. In den Azoren ist die Dynamik eines „cyclic climax“ bekannt, bei dem die Heide nach Zusammenbruch des Juniperus-Waldes eine Schlüsselrolle in der Regeneration spielt.
Bedeutung und Schutz
Obwohl die Europäische Rote Liste derzeit keine akute Gefährdung ausweist, ist der Lebensraum durch mehrere Faktoren potenziell bedroht. Die in den Quelldaten nicht detailliert aufgelisteten Gefährdungen umfassen erfahrungsgemäß die Ausbreitung invasiver Neophyten, Landnutzungsänderungen (Umwandlung in Weideland oder Forste) und Fragmentierung.
Der prioritäre FFH-Status verpflichtet die Mitgliedstaaten Portugal (Azoren, Madeira) und Spanien (Kanaren) zu strengen Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen. Ein zentraler Ansatz ist die Bekämpfung der genannten invasiven Pflanzenarten, insbesondere von Pittosporum undulatum, Clethra arborea und Acacia spp., die die charakteristischen Heiden verdrängen. Daneben ist die Sicherung ausreichend großer, unzerschnittener Gebiete wichtig, um natürliche Störungs- und Sukzessionsdynamiken zu erhalten.
Restaurationshinweise sind in den vorliegenden Quelldaten nicht enthalten. Allgemein gilt, dass erfolgreiche Wiederherstellungen auf die lokale Phytodiversität Rücksicht nehmen und die typischen endemischen Straucharten fördern müssen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die makaronessische Heide?
Die makaronessische Heide ist ein von endemischen Heidekrautgewächsen (Erica, Daboecia) und Besenheide geprägter Buschland-Lebensraum, der ausschließlich auf den Azoren, Madeira und den Kanaren vorkommt. Sie umfasst Pionier-, Dauer- und Sukzessionsstadien (EUNIS F4.3).
Wo genau kommt sie vor?
Der Lebensraum tritt auf den portugiesischen Archipelen der Azoren und Madeira sowie auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln auf. Innerhalb dieser Inseln besiedelt er sehr unterschiedliche Standorte, von küstennahen Lavafeldern bis in die Bergstufe.
Ist sie gefährdet?
Laut der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EU28+) wird die makaronessische Heide als „Least Concern (LC)“ – also nicht gefährdet – eingestuft. Ein konkreter Gefährdungscode wurde nicht vergeben.
Welchen Schutzstatus hat sie nach EU-Recht?
Sie ist unter dem FFH-Code 4050 als prioritärer Lebensraum (* Endemic macaronesian heaths) in Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Ihre Erhaltung besitzt europaweit höchste Dringlichkeit.
Welche typischen Pflanzen kommen vor?
Je nach Insel und Subtyp dominieren Arten wie Erica azorica, Daboecia azorica, Calluna vulgaris, Erica canariensis, Erica platycodon und Morella faya. Begleitend treten zahlreiche endemische Ginster- und Kräuterarten auf, z.B. Teline-, Echium- oder Sideritis-Vertreter. Auf den Azoren besonders charakteristisch sind Thymus caespititius und Corema azorica.
Quellen
- European Red List of Habitats (EEA 2022), EUNIS F4.3 Factsheet: https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/european-red-list-of-habitats
- EUNIS habitat classification: F4.3 – Macaronesian heath: https://eunis.eea.europa.eu/habitats.jsp
- Red List browser for habitats: https://eunis.eea.europa.eu/habitats-code-browser-redlist.jsp
- FFH-Richtlinie Anhang I (Code 4050): https://environment.ec.europa.eu/topics/nature-and-biodiversity/habitats-directive_en
- Datensatz EU+ assessments: https://sdi.eea.europa.eu/datashare/s/x4Fy8dEbAdNPna8/download
Häufige Fragen
Was ist die makaronessische Heide?
Die makaronessische Heide ist ein von endemischen Heidekrautgewächsen (Erica, Daboecia) und Besenheide geprägter Buschland-Lebensraum, der ausschließlich auf den Azoren, Madeira und den Kanaren vorkommt. Sie umfasst Pionier-, Dauer- und Sukzessionsstadien (EUNIS F4.3).
Wo genau kommt sie vor?
Der Lebensraum tritt auf den portugiesischen Archipelen der Azoren und Madeira sowie auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln auf. Innerhalb dieser Inseln besiedelt er sehr unterschiedliche Standorte, von küstennahen Lavafeldern bis in die Bergstufe.
Ist sie gefährdet?
Laut der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EU28+) wird die makaronessische Heide als „Least Concern (LC)“ – also nicht gefährdet – eingestuft. Ein konkreter Gefährdungscode wurde nicht vergeben.
Welchen Schutzstatus hat sie nach EU-Recht?
Sie ist unter dem FFH-Code 4050 als prioritärer Lebensraum (* Endemic macaronesian heaths) in Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Ihre Erhaltung besitzt europaweit höchste Dringlichkeit.
Welche typischen Pflanzen kommen vor?
Je nach Insel und Subtyp dominieren Arten wie Erica azorica, Daboecia azorica, Calluna vulgaris, Erica canariensis, Erica platycodon und Morella faya. Begleitend treten zahlreiche endemische Ginster- und Kräuterarten auf, z.B. Teline-, Echium- oder Sideritis-Vertreter. Auf den Azoren besonders charakteristisch sind Thymus caespititius und Corema azorica.