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EUNIS: MB127Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1170

MB127: Faunengemeinschaften auf hochenergetischem atlantischen Infralitoralfels

MB127 beschreibt nach EUNIS die Faunengemeinschaften auf hochenergetischem Fels der atlantischen Infralitoralzone – einer dauerhaft wasserbedeckten, wellenexponierten Hartsubstratregion. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet den Typ als Data Deficient (Datenlage unzureichend). FFH-rechtlich ist er dem Anhang-I-Typ 1170 (Riffe) zugeordnet. Regionale Verbreitung: Nordostatlantik (NEA).

Einordnung

Originalbezeichnung
Faunal communities of high energy Atlantic infralittoral rock
EUNIS
MB127
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Das Wichtigste in Kürze

MB127 ist ein mariner Biotoptyp, der die charakteristischen Tiergemeinschaften auf wellenexponiertem Fels der atlantischen Infralitoralzone abbildet. Das Infralitoral liegt dauerhaft unter Wasser, wird aber durch hohe Strömungs- und Wellenenergie geprägt. Der Lebensraum ist nur im Nordostatlantik kartiert (Biogeografische Region NEA). Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft ihn als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) ein – es fehlen Erkenntnisse zu Verbreitung, Qualität und Gefährdungstrend. Über die FFH-Richtlinie fällt er unter den Anhang-I-Lebensraumtyp 1170 (Riffe). Ein europaweiter Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt aus den vorliegenden Quelldaten nicht vor.

Einordnung in die EUNIS-Typologie

Das Europäische Naturinformationssystem EUNIS (European Nature Information System) klassifiziert Lebensräume hierarchisch. MB127 gehört zur Hauptgruppe M (Meeres- und Küstenlebensräume). Der Code MB127 steht spezifisch für Faunal communities of high energy Atlantic infralittoral rock. Es handelt sich um Hartsubstratbiotope mit festsitzenden und frei beweglichen Tieren, die an starke Hydrodynamik angepasst sind. Die fehlende EUNIS-Kurzbezeichnung in den Quelldaten zeigt, dass die genaue Namensgebung noch nicht vollständig harmonisiert ist. Dennoch ist der Typ über seine Merkmalskombination – atlantische Felsküsten, Infralitoral, hochenergetisch – eindeutig abgrenzbar.

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet für die EU28 sowie für EU28+ (inklusive Nachbarländer) die Aussterberisiken von Biotoptypen. Für MB127 ergibt die aktuelle Bewertung:

  • Kategorie (EU28): Data Deficient (DD)
  • Kategorie (EU28+): Data Deficient (DD)

„Data Deficient“ bedeutet, dass zu wenige Daten über Verbreitung, Fläche, Struktur und Gefährdungsursachen vorliegen, um eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie wie „gefährdet“ oder „ungefährdet“ vornehmen zu können. Das ist typisch für viele marine Lebensräume, deren Unterwassererfassung aufwändig ist. Es bedeutet nicht, dass der Biotoptyp ungefährdet ist – sondern dass eine wissenschaftlich belastbare Aussage derzeit nicht möglich ist. Für die Rote Liste wurden weder konkrete Bedrohungen noch betroffene Länder erfasst.

Schutzstatus unter der FFH-Richtlinie

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) schützt europaweit Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse. MB127 ist keiner direkten FFH-Lebensraumtyp-Entsprechung zugeordnet, wird aber durch den Annex-I-Code 1170 erfasst. Anhang-I-Code 1170 trägt die Bezeichnung Riffe. Die Crosswalks (Querverweise) der EEA-Daten zeigen eine Zuordnung mit dem Qualifier „#“, was auf eine ungefähre, übergeordnete Zugehörigkeit hindeutet. Das bedeutet: Rechtlich kann der hochenergetische atlantische Infralitoralfels als Bestandteil des Lebensraumtyps „Riffe“ geschützt und in Natura-2000-Gebieten entsprechend gemeldet werden. Die Riffdefinition umfasst sowohl biogene als auch geogene Hartsubstrate unterhalb der Wasserlinie.

Erhaltungszustand nach Artikel 17

Der Artikel-17-Bericht der FFH-Richtlinie bewertet alle sechs Jahre den Erhaltungszustand der gelisteten Lebensraumtypen auf biogeografischer und auf nationaler Ebene. Für MB127 ist in den verwendeten Quelldaten kein Artikel-17-Status hinterlegt. Das kann daran liegen, dass der Typ nicht als eigenständiger FFH-Lebensraumtyp, sondern nur als Teilmenge von „Riffe“ (1170) gemeldet wird, oder dass die Daten im Berichtspaket nicht aufgeschlüsselt vorlagen. Ohne einen explizit ausgewiesenen Status lässt sich keine Aussage über günstige oder ungünstige Trends treffen. Für eine konkrete Gefährdungsanalyse muss auf die Rote-Liste-Einstufung „DD“ verwiesen werden.

Lebensraum und typische Eigenschaften

MB127 besiedelt ausschließlich den Nordostatlantik (Biogeografische Region NEA). Weitere Länder sind in den Quelldaten nicht explizit aufgeführt. Der Lebensraum erstreckt sich in der dauerhaft wasserbedeckten Infralitoralzone – unterhalb der Niedrigwasserlinie – auf felsigem Grund, der starkem Wellenschlag oder starken Gezeitenströmungen ausgesetzt ist.

Kennzeichnend für das hochenergetische Umfeld:

  • Starke Wasserbewegungen verhindern die Ablagerung von Sedimenten; der Fels bleibt sauber.
  • Die Sauerstoffversorgung und Nährstoffzufuhr sind sehr gut.
  • Organismen müssen fest anhaften oder flach anliegen, um nicht fortgerissen zu werden.
  • Die Lichtverhältnisse sind in der flachen Infralitoralzone ausreichend für photophile (lichtliebende) Algen, falls nicht durch Trübung eingeschränkt.

In der ökologischen Literatur wird der Biotoptyp oft durch dichte Besiedlung mit Seepocken, Muscheln (z. B. Miesmuscheln), Moostierchen, Hydrozoen und widerstandsfähigen Rotalgen beschrieben. Da die verwendeten Quelldaten jedoch keine typischen Arten aufführen, sind diese Angaben allgemeiner Natur und können im Einzelfall abweichen.

Bedeutung für die Artenvielfalt

Hochenergetische Felsriffe im Infralitoral sind Hotspots der marinen Biodiversität. Die Struktur des Hartsubstrats bietet Anheftungsflächen und Versteckmöglichkeiten – von Mikrohabitaten in Gesteinsrissen bis zu großflächigen Mosaiken aus Muschelbänken und Algenrasen. Diese Gemeinschaften dienen als Kinderstube und Nahrungsgrund für zahlreiche Fischarten und mobile Wirbellose. Auch als Trittsteinbiotope im Nordostatlantik haben sie eine wichtige Vernetzungsfunktion für wandernde Arten.

Da die Datenlage mangelhaft ist (Data Deficient), lässt sich jedoch nicht quantifizieren, wie viele Arten typischerweise vorkommen und in welchem Umfang der Lebensraum zur Gesamtbiodiversität des Atlantiks beiträgt. Forschungstauchgänge und fernerkundungsgestützte Kartierungen wären nötig, um repräsentative Artengemeinschaften zu erfassen.

Bedrohungen und Wiederherstellung

In den Quelldaten des europäischen Rote-Liste-Pakets sind für MB127 keine spezifischen Bedrohungen und keine Wiederherstellungshinweise aufgeführt. Dies deckt sich mit dem Status „Data Deficient“. Mögliche Beeinträchtigungen, die allgemein für den Hartsubstrat-Lebensraum des Infralitorals gelten können, sind:

  • Mechanische Zerstörung durch Grundschleppnetze oder Anker
  • Eutrophierung und Sedimenteinträge, die das Fels Substrat überdecken und Algenblüten fördern
  • Klimawandel mit Meereserwärmung und Ozeanversauerung, die Kalkbildner wie Muscheln und kalkhaltige Algen schwächen
  • Einbringung von Schadstoffen (z. B. Öl, Mikroplastik)

Ohne valide Daten sind jedoch weder Aussagen zur Schwere dieser Faktoren noch konkrete Restaurierungsmaßnahmen für diesen speziellen Biotoptyp möglich. Grundsätzlich verlangt die FFH-Richtlinie aber die Erhaltung und gegebenenfalls Wiederherstellung eines günstigen Zustands des übergeordneten Lebensraumtyps „Riffe“ (1170), in dessen Rahmen auch MB127 geschützt ist.

Einordnung für Küstengemeinden und Interessierte

Dieser Biotoptyp ist rein marin und kann nicht in einen Garten oder eine städtische Grünanlage „übersetzt“ werden. Für Kommunen an der atlantischen Außenküste mit felsigen Unterwasserbereichen kann MB127 jedoch als Bewertungsgrundlage für die Umweltplanung dienen. Sollten im Rahmen der Eingriffsregelung Unterwasserkartierungen durchgeführt werden, ist der Typ relevant, wenn hochenergetische Felsareale im Infralitoral betroffen sind. Die Öffentlichkeitsarbeit könnte den Wert dieser unsichtbaren Lebensräume durch Unterwasseraufnahmen und Schautafeln in Küsteninformationszentren verdeutlichen.

Übersichtstabelle

KriteriumWert
EUNIS-CodeMB127
Deutscher Name (übersetzt)Faunengemeinschaften auf hochenergetischem Fels der atlantischen Infralitoralzone
EUNIS-KurzbezeichnungIn Quelldaten nicht angegeben
Rote-Liste-Kategorie (EU28)Data Deficient
Rote-Liste-Kategorie (EU28+)Data Deficient
FFH-Anhang-I-Code1170 (Riffe)
Artikel-17-ErhaltungszustandIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Biogeografische RegionenNEA (Nordostatlantik)
Genannte LänderIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Typische Arten (Quelle EEA)Keine gelistet
Bedrohungen (Quelle EEA)Keine gelistet

Häufige Fragen

Was genau ist der EUNIS-Biotoptyp MB127?

MB127 bezeichnet die Faunengemeinschaften auf hochenergetischem Fels der atlantischen Infralitoralzone. Das Infralitoral ist der dauerhaft wasserbedeckte Bereich unterhalb der Niedrigwasserlinie; „hochenergetisch“ bedeutet, dass die Felsen starkem Wellenschlag oder starken Strömungen ausgesetzt sind. Die Lebensgemeinschaften bestehen aus hartsubstratangepassten Tieren und Algen.

Wie ist die Gefährdung von MB127 laut Europäischer Roter Liste?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet MB127 als Data Deficient (DD) – sowohl für die EU28 als auch für EU28+. Das heißt, es gibt nicht genügend Daten, um eine Gefährdungseinstufung vorzunehmen.

Unter welchen FFH-Schutz fällt dieser Biotoptyp?

MB127 fällt unter den FFH-Annex-I-Lebensraumtyp 1170 (Riffe). Die Zuordnung ist als ungefähre Querverbindung (Qualifier #) angegeben, sodass der Felslebensraum rechtlich über den Riff-Schutz abgedeckt werden kann.

Wo kommt MB127 in Europa vor?

In den Quelldaten ist nur die biogeografische Region NEA (Nordostatlantik) vermerkt. Konkrete Länder werden nicht einzeln genannt, sodass eine Verbreitung von Portugal über die britischen Inseln bis nach Skandinavien grundsätzlich denkbar ist, aber nicht belegt vorliegt.

Welche typischen Arten leben in diesem Lebensraum?

Die Quelldaten enthalten keine Liste typischer Arten. In der marinen Fachliteratur werden für vergleichbare hochenergetische Felshabitate oft Seepocken, Muscheln (z. B. Miesmuscheln), Moostierchen, Hydrozoen und widerstandsfähige Algen genannt, aber eine belastbare Artenliste für MB127 fehlt.

Quellen