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EUNIS: MB148Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1160; 1170

Miesmuschel-dominierte Felsufer des oberen Infralitorals im Schwarzen Meer – EUNIS MB148

EUNIS MB148 umfasst mäßig exponierte, von Miesmuscheln dominierte Felsblöcke und Findlinge im oberen Infralitoral des Schwarzen Meeres, bewachsen mit blättrigen Algen (ohne Fucales). Der Biotoptyp ist in der europäischen Roten Liste als „Data Deficient“ eingestuft und wird durch die FFH-Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten) und 1170 (Riffe) abgedeckt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Mytilid-dominated Pontic moderately exposed upper infralittoral rock, blocks and boulders, with foliose algae (other than Fucales)
EUNIS
MB148
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

Das Wichtigste in Kürze

Der Biotoptyp MB148 ist ein felsiger Meereslebensraum, der im oberen Infralitoral – also knapp unter der Niedrigwasserlinie – an mäßig wellenexponierten Küstenabschnitten des Schwarzen Meeres vorkommt. Auf großen Blöcken und Findlingen siedeln dichte Bestände von Miesmuscheln (vor allem Mytilus galloprovincialis) und eine artenreiche Gemeinschaft blättriger Algen. Dieser Lebensraum ist in der Europäischen Roten Liste der Habitate mit „Data Deficient“ (Daten unzureichend) bewertet, weil für die EU28- und EU28+-Staaten noch keine ausreichenden Daten für eine Gefährdungseinschätzung vorliegen.

Der Habitattyp fällt unter die FFH-Richtlinie, und zwar unter die Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe). Ein Bericht zum Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den Quelldaten nicht verzeichnet. Wer diesen faszinierenden Lebensraum verstehen möchte, findet hier alle verfügbaren Fakten, seine ökologische Rolle und die wichtigsten Arten – ohne Spekulation, streng evidenzbasiert.

Was verbirgt sich hinter dem EUNIS-Code MB148?

Der Code MB148 stammt aus dem europäischen Habitatklassifikationssystem EUNIS (European Nature Information System). Er beschreibt einen sehr speziellen marinen Lebensraum: „Mytilid-dominated Pontic moderately exposed upper infralittoral rock, blocks and boulders, with foliose algae (other than Fucales)“.

Auf Deutsch könnte man den Lebensraum als „Miesmuschel-dominierte, mäßig exponierte Felsblöcke des oberen Infralitorals im pontischen Raum mit blättrigen Algen (ohne Fucales)“ bezeichnen.

Das „Pontische“ bezieht sich auf das Schwarze Meer (Pontus Euxinus). Das Habitat ist also ausschließlich in der biogeografischen Region des Schwarzen Meeres zu finden. Es handelt sich um Felsküsten, die regelmäßig von Wellen bewegt werden, aber nicht extrem stark exponiert sind. Anders als bei vielen anderen Felsbiotopen dominieren hier nicht die großen Brauntange (Fucales), sondern eine Gemeinschaft aus blättrigen (foliösen) Algen und festsitzenden Muscheln – den Mytiliden.

MerkmalDetails
EUNIS-CodeMB148 (≈)
KurzbezeichnungMytilid-dominierte pontische Felsufer des oberen Infralitorals
Rote Liste Kategorie EU28 / EU28+Data Deficient (Daten unzureichend)
FFH-Anhang I1160 (Große flache Buchten und Meeresarme), 1170 (Riffe)
Biogeografische RegionBLS (Schwarzes Meer)
TiefenzoneOberes Infralitoral, von Niedrigwasserlinie bis etwa 10 m Wassertiefe
ExpositionMäßig exponiert gegenüber Wellenschlag
Dominante StrukturbildnerMiesmuscheln (Mytilus galloprovincialis, Mytilaster lineatus) und blättrige Algen (keine Fucales)
GefährdungsfaktorenIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

Typische Arten und Algen – ein buntes Mosaik

Die Lebensgemeinschaft des MB148 wird geprägt von einer stabilen Muschelkomponente und einem wechselnden, saisonal beeinflussten Algenbewuchs. Die Charakterartenlisten der Europäischen Roten Liste nennen folgende kennzeichnende Arten:

  • Miesmuscheln: Mytilus galloprovincialis (Mittelmeer-Miesmuschel), Mytilaster lineatus (eine kleine Miesmuschelart)
  • Rotalgen: Lophosiphonia obscura, Ceramium ciliatum, Polysiphonia opaca
  • Braunalge (keine Fucales): Padina pavonica (Pfauen-Schwanzalge), Dilophus fasciola (syn. Dictyota fasciola)
  • Rotalge: Grateloupia dichotoma
  • Grünalgen: Ulva compressa, Ulva intestinalis (Darmtang), Ulva linza
  • Zusätzlich wird F. repens angeführt, wobei diese Kürzel vermutlich eine Rotalge bezeichnet; die genaue Art ist in den Quelldaten nicht weiter aufgeschlüsselt.

Die Algenflora besteht überwiegend aus blättrigen, also flächig lappigen Formen, die auf den Felsen einen dichten, kurzrasigen oder auch buschigen Bewuchs bilden können. Interessant ist das Fehlen der sonst im Felslitoral oft dominanten Fucales – jener großen Brauntange, die in anderen Meeresregionen die obere Felszone beherrschen.

Die Zusammensetzung der Arten ist saisonal dynamisch. Winterstürme können die Algendecke teilweise abreißen und die Muschelbänke vorübergehend freilegen. Im Frühjahr und Sommer regeneriert sich der Algenbewuchs rasch. Diese natürliche Störungsdynamik ist ein typisches Qualitätsmerkmal des intakten Habitats.

Verbreitung und Standortansprüche: Wo findet man diesen Lebensraum?

Der Lebensraum MB148 ist ausschließlich in der biogeografischen Region des Schwarzen Meeres (BLS) dokumentiert. Nach den vorliegenden Daten gibt es keine Länderliste; es ist jedoch naheliegend, dass geeignete Küstenabschnitte in den Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres auftreten – sofern dort mäßig exponierte Fels- und Blockküsten im oberen Infralitoral existieren.

Standortfaktoren:

  • Substrat: Feste Blöcke und Findlinge („blocks and boulders“), also gröberes Hartsubstrat, nicht feiner Fels oder Geröll.
  • Tiefe: Vom unteren Eulitoral (Niedrigwasser) bis in etwa 10 Meter Wassertiefe. Damit liegt das Habitat im ständig überfluteten, aber noch lichtdurchfluteten Bereich.
  • Wellenexposition: Mäßig exponiert. Das bedeutet, die Steine sind regelmäßig der Wellenbewegung ausgesetzt, aber nicht der vollen Brandungskraft extrem exponierter Kaps.
  • Salzgehalt: Typische Schwarzmeer-Bedingungen (brackisch bis nahezu mariner Salzgehalt, je nach lokaler Süßwasserzufuhr).

Diese Kombination aus Hartsubstrat, mäßiger Wasserbewegung und der spezifischen chemischen Umgebung des Schwarzen Meeres ermöglicht die charakteristische Dominanz der Miesmuscheln. Die Muscheln selbst dienen wiederum als Sekundärsubstrat für eine Vielzahl von wirbellosen Tieren und für den Algenaufwuchs.

Ökologische Rolle und Qualitätsmerkmale

Miesmuschelbänke gehören zu den ökologischen Schlüsselstrukturen der Küstengewässer. Im MB148-Habitat erfüllen sie mehrere Funktionen:

  • Hartsubstrat-Vergrößerung: Die Muschelschalen bieten zusätzliche Siedlungsflächen für Algen und Kleintiere.
  • Nährstofffilter: Miesmuscheln filtrieren Plankton und verbessern die Wasserqualität.
  • Küstenschutz: Dichte Muschelbänke dämpfen die Wellenenergie und stabilisieren das Unterwasserrelief.
  • Laich- und Aufwuchsgebiet: Kleinfische und Wirbellose finden zwischen Muscheln und Algen Schutz.

Qualitätsindikatoren werden in der Roten Liste auf einer allgemeinen Ebene beschrieben („Stages of Quality Decline“), sind aber für diesen konkreten Typ in den Quelldaten nicht im Detail ausgeführt. Grundsätzlich lassen sich für intakte Bestände folgende Merkmale ableiten: hohe Deckung der Miesmuscheln, ein vielfältiges Algenartenspektrum ohne Massenvorkommen nitrophiler Arten und eine natürliche Störungsdynamik durch Winterstürme.

Ein schleichender Qualitätsverlust kann durch Verschmutzung, Überfischung der Muscheln oder invasive Arten eintreten – doch zu konkreten Bedrohungen macht der Datensatz keine Angaben.

Gefährdung und Schutzstatus – Einordnung nach der europäischen Roten Liste und FFH-Richtlinie

Europäische Rote Liste der Habitate

Für den Biotoptyp MB148 wurde in der Bewertung der Europäischen Roten Liste der Habitate (EU28 und EU28+) die Kategorie „Data Deficient“ (DD – Daten unzureichend) vergeben. Das bedeutet:

  • Es gibt nicht genügend verlässliche Informationen über die Verbreitung, die Fläche, den Zustand oder die tatsächlichen Gefährdungsfaktoren, um eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie (z. B. „gefährdet“ oder „nicht gefährdet“) vorzunehmen.
  • Der Lebensraum ist jedoch als eigenständiger Typ im Klassifikationssystem erfasst und gilt als potenziell schutzrelevant.

Einordnung in das Schutzregime der FFH-Richtlinie

Obwohl der MB148 kein offizieller FFH-Lebensraumtyp des Anhangs I ist, wird er durch zwei FFH-Lebensraumtypen abgedeckt:

  • 1160 – Große flache Buchten und Meeresarme: Erfasst flache, geschützte Meeresbereiche mit Hartsubstratanteilen. Das Zeichen „#“ in der Querverweistabelle der EUNIS-Daten weist auf eine teilweise Überschneidung hin.
  • 1170 – Riffe: Schließt Fels- und Blockriffe im Sublitoral ein. Auch hier zeigt die Raute (#) eine partielle Übereinstimmung an.

Das bedeutet: Wo ein FFH-Schutzgebiet ausgewiesen ist, das Riffe oder große flache Buchten umfasst, kann das MB148-Habitat faktisch mitgeschützt sein.

Berichtspflicht nach Artikel 17

Der Erhaltungszustand nach der FFH-Richtlinie wird für die Mitgliedstaaten alle sechs Jahre bewertet und im Rahmen der Artikel-17-Berichte an die EU gemeldet. Für den hier betrachteten Typ MB148 ist in den Quelldaten kein spezifischer Erhaltungszustand hinterlegt. Das liegt vermutlich daran, dass die Berichterstattung meist auf Ebene der eigentlichen Anhang-I-Typen (also 1160 und 1170) erfolgt und nicht nach EUNIS-Untergliederungen.

Kann ich diesen Lebensraum im Garten oder in der Kommune nachbilden?

Marine Habitate wie der MB148 sind nicht in den heimischen Garten übertragbar. Es handelt sich um einen Unterwasser-Lebensraum, der auf ganz spezifische Faktoren wie den Salzgehalt des Schwarzen Meeres, die Wellenexposition und das lokale Arteninventar angewiesen ist. Ein Gartenteich – selbst mit Salzwasser – kann diese Bedingungen nicht nachbilden.

Trotzdem können Bürgerinnen und Bürger etwas für den Schutz solcher Lebensräume tun:

  • Bewusstsein schaffen: Wissen um die Existenz und den Wert dieser Felsbiotope fördert Respekt vor marinen Ökosystemen.
  • Nachhaltiger Konsum: Der Verzicht auf nicht zertifizierte Meeresfrüchte aus dem Schwarzen Meer kann helfen, Überfischung der Miesmuschelbestände zu vermeiden.
  • Unterstützung von Meeresschutzprojekten: Viele NGOs arbeiten an der Erforschung und dem Schutz des Schwarzen Meeres.
  • Verhalten im Urlaub: Bei Küstenbesuchen sensible Felsbereiche nicht betreten und keine Organismen entnehmen.

Für Kommunen in den Anrainerstaaten ist das Habitat relevant, wenn es um die Ausweisung von Meeresschutzgebieten oder die Bewertung von Küstenbauprojekten geht. Die Datenbasis muss jedoch verbessert werden, damit fundierte Managemententscheidungen möglich werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Code EUNIS MB148?

MB148 ist ein Code aus dem europäischen Habitatklassifikationssystem EUNIS und bezeichnet einen Lebensraumtyp: Miesmuschel-dominierte, mäßig exponierte Felsblöcke des oberen Infralitorals im Schwarzen Meer mit blättrigen Algen.

Ist dieser Lebensraumtyp gefährdet?

In der europäischen Roten Liste (EU28 und EU28+) wird MB148 als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) geführt. Es gibt derzeit nicht genug Informationen, um eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen.

Unter welche FFH-Lebensraumtypen fällt das Habitat?

Der Biotoptyp wird durch die FFH-Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe) abgedeckt. Die Zuordnung ist mit einer Raute (#) als partielle Überlappung gekennzeichnet.

In welchen Ländern kommt MB148 vor?

Die Quelldaten enthalten keine spezifische Länderliste. Der Lebensraum ist ausschließlich in der biogeografischen Region des Schwarzen Meeres (BLS) verzeichnet. Konkrete Vorkommensländer sind daraus nicht direkt ableitbar.

Welche typischen Arten prägen diesen Lebensraum?

Charakteristisch sind die Miesmuscheln *Mytilus galloprovincialis* und *Mytilaster lineatus* sowie verschiedene Rot-, Braun- und Grünalgen, darunter *Padina pavonica*, *Ceramium ciliatum* und *Ulva intestinalis*. Große Brauntange (Fucales) fehlen.

Quellen