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EUNIS: MB14EEuropäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1160; 1170; 8330

Höhlen, Überhänge und Brandungskehlen im pontischen Infralitoral (MB14E)

Der Lebensraumtyp MB14E „Höhlen, Überhänge und Brandungskehlen im pontischen Infralitoral“ beschreibt dauerhaft unter Wasser stehende Felsformationen im Schwarzen Meer. Wegen der geringen Lichtverhältnisse dominieren schattenliebende Algen, Schwämme und Muscheln. Die Gefährdung ist aufgrund unzureichender Daten als „Data Deficient“ eingestuft.

Einordnung

Originalbezeichnung
Caves, overhangs and surge gullies in Pontic infralittoral rock
EUNIS
MB14E
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1160; 1170; 8330 – Large shallow inlets and bays; Reefs; Submerged or partially submerged sea caves

Das Wichtigste in Kürze

MB14E – Höhlen, Überhänge und Brandungskehlen im pontischen Infralitoral ist ein mariner Lebensraumtyp des europäischen Klassifikationssystems EUNIS. Er erfasst dauerhaft unter Wasser liegende Felsstrukturen im Schwarzen Meer (Pontisches Becken): vertikale Wände unter Überhängen, halbdunkle Tunnel, Brandungskehlen und Karsthöhlen. Lichtmangel prägt die Lebensgemeinschaften – es herrschen schattenliebende (sciaphile) Algen, Schwämme und Muscheln vor. Die Datenlage zur Artenvielfalt und zur Gefährdung ist extrem lückenhaft, weshalb der Lebensraumtyp auf der Europäischen Roten Liste der Habitate als Data Deficient (Daten unzureichend) geführt wird. Gleichwohl ist er durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) indirekt geschützt, da er sich mit mehreren Annex‑I-Lebensraumtypen überschneidet (insbesondere 1160, 1170 und 8330). Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 wurde bislang nicht berichtet.

Was ist dieser Lebensraumtyp genau?

Der Lebensraumtyp umfasst eine Vielzahl von Geotopen im Infralitoral, also in der Zone unterhalb der Niedrigwasserlinie, die ständig von Wasser bedeckt ist. Anders als bei Gezeitenhöhlen handelt es sich um vollständig submarine Strukturen. Charakteristisch sind:

  • senkrechte Felswände unter Überhängen
  • halbdunkle Tunnel und deren Wände sowie Böden
  • enge Brandungskehlen (surge gullies), in denen starke Wasserbewegung herrscht
  • kleine Karsthöhlen, wie sie etwa auf der Halbinsel Tarchankut (Krim) vorkommen

Die meisten untersuchten Höhlen dieses Typs sind mit 5–10 m eher klein; die längste, Kapchik‑2, erreicht jedoch eine Länge von 250 m. In diesen Höhlen zeigt sich eine faunistische Zonierung entlang des Licht‑ und Strömungsgradienten: Vom Eingang, wo noch etwas Tageslicht eindringt, bis in die völlig dunklen Innenbereiche wechseln die Artengemeinschaften.

In den Brandungskehlen bestimmen hingegen starke Wellenbewegungen die Lebensbedingungen. Hier dominieren robuste Filtrierer, die der hohen Strömung standhalten können.

Weil die Erforschung der sublitoralen Höhlen im Schwarzen Meer noch sehr lückenhaft ist, stützen sich die vorhandenen Beschreibungen auf Einzelstudien – vor allem aus der Tarchankut‑Region.

EUNIS-Klassifikation und regionale Einordnung

Der Lebensraumtyp wird im Europäischen Naturinformationssystem EUNIS unter dem Code MB14E geführt. Ein amtlicher deutscher Name existiert nicht; die englische Bezeichnung lautet Caves, overhangs and surge gullies in Pontic infralittoral rock.

Die Zuordnung innerhalb der EUNIS-Hierarchie:

HierarchieebeneBezeichnung (englisch)
MBMarine benthic habitats
MB1Infralittoral rock
MB14Pontic infralittoral rock
MB14ECaves, overhangs and surge gullies in Pontic infralittoral rock

Der Zusatz „Pontic“ verweist auf das Schwarze Meer (Pontisches Becken). Damit ist der Lebensraumtyp ausschließlich im Schwarzmeerraum zu erwarten, nicht aber in der Nord‑ oder Ostsee oder im Mittelmeer. Das biogeografische Art‑17-Gebiet, in dem dieser Typ kartiert wurde, ist BLS (marine Black Sea Region). Länder, an deren Schwarzmeerküsten er potenziell vorkommt, sind in den vorliegenden Quelldaten nicht einzeln aufgeführt.

Gefährdung laut Europäischer Roter Liste

Die Europäische Rote Liste der Habitate (EU28 und EU28+-Bewertung) stuft den Biotoptyp MB14E als Data Deficient (DD) – Daten unzureichend ein. Das bedeutet:

  • Es fehlen ausreichende Informationen über die genaue Verbreitung, die Flächenentwicklung und den aktuellen Zustand.
  • Eine Gefährdungseinstufung (z. B. Least Concern, Vulnerable, Endangered) ist auf europäischer Ebene derzeit nicht möglich.

Diese Einstufung spiegelt den extrem fragmentarischen Kenntnisstand wider, nicht unbedingt eine geringe tatsächliche Gefährdung. Die Rote Liste empfiehlt daher dringend weitere Forschung.

Kein spezifisches Rote‑Liste‑Kriterium wurde für die Einstufung herangezogen, da die Datenlage keine Berechnung von Populations‑ oder Arealrückgängen erlaubt.

Schutzstatus: FFH und Annex I

Der Lebensraumtyp MB14E überschneidet sich mit mehreren Annex‑I‑Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie. In den Quelldaten sind folgende Querverweise vermerkt:

Annex‑I‑CodeBezeichnungQualifier (lt. Quelle)
1160Große flache Buchten und Meeresarme# (nicht identisch, aber überschneidend)
1170Riffe< (MB14E ist möglicherweise Teil des Riffkomplexes)
8330Ganz oder teilweise unter Wasser liegende Meereshöhlen# (starke Überschneidung, aber nicht vollständig deckungsgleich)

Die Qualifier „#“ und „<“ zeigen an, dass die EUNIS-Einheit nicht 1:1 dem jeweiligen FFH-Typ entspricht, sondern entweder nur einen Teil davon ausmacht oder sich mit ihm überschneidet. Dennoch ist der Schutzstatus relevant: Beispielsweise können Meereshöhlen des Typs 8330 auch Höhlen des Typs MB14E umfassen. In FFH-Gebieten, die diese Annex‑I‑Typen schützen, profitiert MB14E daher von den Erhaltungsmaßnahmen.

Ein offizieller Erhaltungszustand nach Artikel‑17 (günstig/unzureichend/schlecht) ist in der vorliegenden Datenbasis für MB14E nicht gemeldet.

Charakteristische Arten und Lebensgemeinschaften

Trotz des geringen Forschungsstands lassen sich aus den spärlichen Studien einige typische Arten benennen, die in den Höhlen und Überhängen beobachtet wurden. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht:

Art (wissenschaftlich)Deutscher Name / GruppeLebensraum/Nische
Phyllophora nervosaRotalgeSchattenliebend, auf Fels
Lomentaria clavellosaRotalgeDto.
Hildenbrandia rubraRotalge (Krustenform)Auf Felsflächen im Dunkeln
Zanardinia typusBraunalgeÜberhänge und Tunnelschatten
Mytilus galloprovincialisMittelmeer-MiesmuschelFiltrierer an Brandungsstandorten
Halichondria paniceaBrotkrumenschwammAufrechte Schwämme an Felswänden
Dysidea fragilisStachelschwammDto.
Antho involvensKrustenschwammDünne Krusten auf Fels
Suberites prototypusKrustenschwammDto.
Actinia equinaPurpurrose (Seeanemone)An Hartsubstrat, auch im Schatten
Hemimysis ponticaPontische Rote SchwebegarneleIn Höhlen schwebende Kleinkrebse

Die Zusammensetzung der Gemeinschaft hängt von der Strömungsintensität und der Entfernung vom Höhleneingang ab. In strömungsreichen Zonen dominieren kräftige Filtrierer wie Miesmuscheln, während im ruhigeren Inneren feine Krustenschwämme und schattenliebende Algen überwiegen. In Brandungskehlen können zudem rasenbildende Hydrozoen auftreten.

Typische Strukturen: Überhänge, Brandungskehlen, Höhlen

Der Lebensraumtyp ist nicht auf eine einzelne Form beschränkt, sondern ein Mosaik verschiedener Hartsubstrat-Geotope unterhalb der Wasserlinie. Die wichtigsten sind:

  • Felsige Überhänge (overhangs): Senkrechte oder weit auskragende Felswände, die direkte Sonneneinstrahlung verhindern und so schattenliebende Organismen begünstigen.
  • Halbdunkle Tunnel und Spalten: Vertiefungen im Gestein, die selbst bei Tageslicht nur gedämpftes Licht erhalten. Hier finden sich oft eigene, an Dämmerlicht angepasste Krustengemeinschaften.
  • Brandungskehlen (surge gullies): Schmale, oft trichterförmige Einschnitte im Fels, in denen die Wellenbewegung kanalisiert wird. Hier herrscht extreme Hydrodynamik, die nur robusten Filtrierern das Überleben erlaubt.
  • Karsthöhlen: Im Kalkgestein der Schwarzmeerküste entstandene, teils überflutete Hohlräume. Die meisten sind klein, doch können sie beachtliche Längen erreichen und eine ausgeprägte Längenzonierung aufweisen.

Für die Qualitätsbewertung solcher Strukturen gibt es bislang keine allgemein verbindlichen Indikatoren. In Natura‑2000‑Gebieten können lokal Referenzwerte für charakteristische Arten oder Wasserparameter festgelegt sein.

Bedrohungen und Gefährdungsfaktoren

In den vorliegenden Quelldaten sind keine spezifischen Bedrohungen aufgelistet. Generell sind marine Hartsubstrat‑Lebensräume dieser Art jedoch empfindlich gegenüber

  • Eutrophierung und Verschmutzung: Nährstoffeinträge aus Flüssen und Siedlungen fördern Algenblüten, die das Lichtklima weiter verschlechtern und die sessile Fauna ersticken können.
  • Sedimenteintrag: Baumaßnahmen an der Küste oder Landwirtschaft können die Trübung erhöhen und die Krustenorganismen überdecken.
  • Direkte physische Zerstörung: Küstenschutz, Hafenerweiterungen oder Felsabtragungen zerstören die fragilen Strukturen unmittelbar.
  • Klimawandel: Meeresspiegelanstieg, Versauerung und Temperaturerhöhung können die spezialisierten Gemeinschaften beeinträchtigen.
  • Freizeit- und Tauchsport: In touristisch erschlossenen Gebieten kann mechanische Beschädigung durch Anker oder Taucher eine Rolle spielen.

Da die Datenlage äußerst lückenhaft ist, lassen sich die tatsächlichen Auswirkungen dieser Faktoren im pontischen Infralitoral nicht quantifizieren. Das verstärkt die Dringlichkeit der von der Roten Liste empfohlenen Forschung.

Schutz und Management

Direkte Schutzprogramme für MB14E existieren nicht; der Lebensraum profitiert jedoch vom überlappenden Schutz der Annex‑I‑Typen. In der marinen Schwarzmeerregion sind mehrere Natura‑2000‑Gebiete ausgewiesen, die unter anderem die Habitate 1160, 1170 und 8330 umfassen. Maßnahmen wie Wasserqualitätsüberwachung, Besucherlenkung und Fischereiregulierung kommen auch diesen Höhlen zugute.

Für ein gezieltes Management wären dringend Bestandsaufnahmen entlang der bulgarischen, rumänischen, ukrainischen, georgischen und türkischen Schwarzmeerküste erforderlich. Dabei sollten sowohl die biologische Besiedlung als auch die physikalischen Parameter kartiert werden.

Kommunen und Küstenmanager können zur Erhaltung beitragen, indem sie Bauprojekte auf ihre Verträglichkeit mit submarinen Hartsubstraten prüfen lassen und Nährstoffeinträge reduzieren. Eine 1:1‑Nachbildung dieses Lebensraums in künstlichen Strukturen oder Gartenteichen ist nicht möglich; die spezifischen Gemeinschaften des Schwarzen Meeres sind an die dortigen hydrochemischen Bedingungen gebunden.

FAQ – Häufige Fragen zu MB14E

1. Was genau ist der Lebensraumtyp MB14E?
Es handelt sich um dauerhaft unter Wasser liegende Felshöhlen, Überhänge und Brandungskehlen im Schwarzmeer‑Infralitoral. Lichtmangel und oft starke Wasserbewegung bestimmen die Lebensbedingungen.

2. Wo kommt dieser Lebensraum vor?
Ausschließlich im Pontischen Becken, also im Schwarzen Meer. Die biogeografische Region ist BLS (marine Black Sea Region). Eine genaue Länderliste liegt nicht vor.

3. Welche Arten sind typisch?
Vor allem schattenliebende Algen wie Phyllophora nervosa, Hildenbrandia rubra, diverse Schwämme (z. B. Dysidea fragilis, Halichondria panicea), die Miesmuschel Mytilus galloprovincialis sowie die Pontische Rote Schwebegarnele Hemimysis pontica. Die Artenzahl ist nur sehr unvollständig erfasst.

4. Wie ist der Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie?
MB14E überschneidet sich mit den Annex‑I‑Typen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme), 1170 (Riffe) und 8330 (Ganz oder teilweise unter Wasser liegende Meereshöhlen). Ein eigener Erhaltungszustand nach Artikel 17 wurde nicht berichtet.

5. Warum ist die Datenlage unzureichend?
Die sublitoralen Höhlen des Schwarzen Meeres sind schwer zugänglich und kaum systematisch erforscht. Publizierte Studien beschränken sich auf wenige Lokalitäten wie die Tarchankut‑Halbinsel. Eine flächendeckende Bewertung fehlt.

Häufige Fragen

Was genau ist der Lebensraumtyp MB14E?

Es handelt sich um dauerhaft unter Wasser liegende Felshöhlen, Überhänge und Brandungskehlen im Schwarzmeer‑Infralitoral. Lichtmangel und oft starke Wasserbewegung bestimmen die Lebensbedingungen.

Wo kommt dieser Lebensraum vor?

Ausschließlich im Pontischen Becken, also im Schwarzen Meer. Die biogeografische Region ist BLS (marine Black Sea Region). Eine genaue Länderliste liegt nicht vor.

Welche Arten sind typisch?

Vor allem schattenliebende Algen wie Phyllophora nervosa, Hildenbrandia rubra, diverse Schwämme (z.B. Dysidea fragilis, Halichondria panicea), die Miesmuschel Mytilus galloprovincialis sowie die Pontische Rote Schwebegarnele Hemimysis pontica. Die Artenzahl ist nur sehr unvollständig erfasst.

Wie ist der Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie?

MB14E überschneidet sich mit den Annex‑I‑Typen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme), 1170 (Riffe) und 8330 (Ganz oder teilweise unter Wasser liegende Meereshöhlen). Ein eigener Erhaltungszustand nach Artikel 17 wurde nicht berichtet.

Warum ist die Datenlage unzureichend?

Die sublitoralen Höhlen des Schwarzen Meeres sind schwer zugänglich und kaum systematisch erforscht. Publizierte Studien beschränken sich auf wenige Lokalitäten wie die Tarchankut‑Halbinsel. Eine flächendeckende Bewertung fehlt.

Quellen