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EUNIS: MB523Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1110; 1160

MB523 – Marines infralitorales Feinsand des Atlantiks

Das EUNIS-Habitat MB523 beschreibt saubere Feinsände des Infralitorals (4–25 m Tiefe) an offenen Atlantikküsten unter mäßiger Wellenexposition. Die Europäische Rote Liste bewertet es als „Data Deficient“. Es ist eng mit den FFH-Lebensraumtypen 1110 (Sandbänke) und 1160 (flache große Meeresarme und -buchten) verknüpft. Charakteristisch sind Muscheln wie die Stumpfmuschel (Spisula subtruncata) und zahlreiche Borstenwürmer.

Einordnung

Originalbezeichnung
Marine Atlantic infralittoral fine sand
EUNIS
MB523
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1110; 1160 – Sandbanks which are slightly covered by sea water all the time; Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: MB523 – Marine Atlantic infralittoral fine sand
  • Lebensraum: Saubere, feine Sandböden im seichten Wasser (4–25 m) unter mäßiger Wellenbewegung
  • Biogeografische Region: Nordostatlantik (NEA)
  • Europäische Rote Liste: Data Deficient (Daten unzureichend)
  • FFH-Annex-I-Referenzen: Typ 1110 (ständig leicht mit Meerwasser bedeckte Sandbänke) und Typ 1160 (flache große Meeresarme und -buchten)
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
  • Charakterarten: Stumpfmuschel (Spisula subtruncata), Gemeiner Bohnerzmuschel (Lucinella divaricata), diverse Borstenwürmer (z. B. Nephthys hombergii)
  • Qualitätsanzeiger: Bivalvenbestände reagieren empfindlich auf Eutrophierung.

Einordnung in das EUNIS-System

Das EUNIS-Habitatklassifikationssystem (European Nature Information System) ordnet Lebensräume in hierarchische Stufen. Der Code MB523 steht für den marinen Biotoptyp „Marine Atlantic infralittoral fine sand“, zu Deutsch: Marines infralitorales Feinsand des Atlantiks. Er gehört zur übergeordneten Gruppe der marinen Sedimenthabitate.

Innerhalb der EUNIS-Datenbank existiert für MB523 kein spezifischer deutscher oder englischer Name jenseits der wissenschaftlichen Bezeichnung. Die Klassifikation folgt einem typologischen Ansatz, der physikalische (Substrat, Tiefe, Exposition) und biologische (Artengemeinschaften) Merkmale kombiniert. Das Habitat umfasst charakteristische Untergesellschaften, die weiter unten beschrieben werden.


Lebensraum: Was zeichnet das infralitorale Feinsand aus?

Lage und Ausdehnung

Das Habitat tritt bevorzugt an offenen Küsten des Nordostatlantiks (NEA) auf. Es befindet sich in Tiefen zwischen 4 und 25 Metern, also im flachsten Bereich des untermeerischen Kontinentalschelfs – dem sogenannten Infralitoral. Die Sedimente bestehen aus sauberen, feinen Sanden mit einem messbaren Anteil an organischem Material und Schluff (< 63 µm).

Dynamik und Substrat

Die moderate Wellenexposition verhindert, dass sich das organische Material völlig auflöst oder weggespült wird. So entsteht ein nährstoffreicher, aber sauerstoffdurchlässiger Boden. In Buchten und Ästuaren kann dieser Lebensraum auch in flacheren Zonen (bis 4 m) vorkommen.

Vorkommen von Seegräsern

Obwohl das Habitat typischerweise keine dichte Vegetation aus Algen oder Seegras aufweist, kommen häufig die Mittelmeer-Neptungras (Cymodocea nodosa) oder das Gewöhnliche Neptungras (Posidonia oceanica) vor. Diese Seegräser sind keine zwingenden Bestandteile, können aber in mosaikartigen Übergängen existieren.


Untergesellschaften des Habitats

Die Beschreibung unterscheidet drei wesentliche Unterausprägungen:

UntergesellschaftKennzeichnungTiefe / Bedingungen
Spisula subtruncata-GesellschaftCharakterisiert durch die Muscheln Spisula subtruncata und Lucinella divaricataKlassische Feinsandböden im Infralitoral
Nephthys hombergii-ÜbergangsgesellschaftDominanz des Borstenwurms Nephthys hombergiiBildet Übergänge zu circalitoralen (tieferen) Habitaten
Lentidium mediterraneum-GesellschaftGeprägt von der Muschel Lentidium mediterraneumHäufig in flacheren Bereichen (< 4 m), Ästuaren und Buchten

Diese Subtypen spiegeln die räumliche und funktionale Variabilität dieses Lebensraums wider.


Charakteristische Artengemeinschaft

Das Habitat wird von Depositfressern (Sammler organischer Partikel aus dem Sediment) dominiert, ergänzt durch Filtrierer und Räuber. Die folgende Tabelle fasst die besonders typischen Arten zusammen, die in den Quelldaten aufgeführt sind.

GruppeHäufig genannte Arten (Auswahl)
Weichtiere (Mollusken)Spisula subtruncata, Lucinella divaricata, Donax trunculus, Tellina fabula, Lentidium mediterraneum, Corbula gibba
Krebstiere (Crustaceen)Apseudopsis latreillii, Siphonoecetes dellavallei, Bathypoeia guillamsoniana, Diogenes pugilator
FischeGymnammodytes cicerelus (Nacktsandaal), Arnoglossus laterna (Laternenzunge), Xyrichtys novacula (Gemeiner Rasiermesserfisch)
Ringelwürmer (Annelida)Owenia fusiformis, Nephthys hombergii, Mediomastus fragilis, Scolelepis squamata u. v. m.
Stachelhäuter (Echinodermata)Spatangus purpureus (Violetter Herzigel), Echinocardium mediterraneum
WeitereAspidosiphon sp. (Spritzwürmer), verschiedene Fadenwürmer (Nematoda)

Die vollständige Artenliste ist umfangreich. Besonders die Borstenwürmer und Muscheln sind stark vertreten und dienen als Bioindikatoren.


Qualitätsindikatoren und Belastbarkeit

Aus der Beschreibung des Habitats geht hervor, dass die meisten der genannten Arten unmittelbar als Bioindikatoren der Habitatqualität taugen. Insbesondere Muscheln reagieren sensibel auf Eutrophierung – eine übermäßige Nährstoffanreicherung. Verschiebungen in der Abundanz oder Zusammensetzung der Muschelfauna zeigen daher frühzeitig Verschlechterungen an.

Konkrete Bedrohungen sind im Datensatz der Europäischen Roten Liste für dieses Habitat nicht einzeln aufgeführt. Allgemein gelten für infralitorale Sandhabitate jedoch Faktoren wie:

  • Eutrophierung, die zu Sauerstoffmangel und Veränderung der Bodenfauna führen kann
  • Bodenschleppnetzfischerei, die die Sedimentstruktur zerstört
  • Küstenbauwerke und Verschlickung durch veränderte Strömungsverhältnisse

Da keine offizielle Gefährdungsanalyse vorliegt, bleiben diese Aussagen generisch und orientieren sich an der allgemeinen marinen Naturschutzforschung.


Europäische Rote Liste – „Data Deficient“

Die European Red List of Habitats (EU28 und EU28+) stuft das Habitat MB523 als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) ein. Das bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Bewertung zu wenig quantitative Informationen vorlagen, um eine zuverlässige Risikokategorie festzulegen.

Diese Einstufung umfasst keinen konkreten Kriteriencode; in den Quelldaten ist das Feld entsprechend leer. Die Bewertung erfolgte auf Grundlage verfügbarer Literatur und Expert*innenwissen, aber die Datenlage ließ keine Zuordnung zu Kategorien wie „Least Concern“, „Vulnerable“ o. Ä. zu.


FFH-Annex-I-Referenz: Doppelte Verknüpfung

Der Lebensraumtyp MB523 wird in der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (92/43/EWG) unter zwei Annex-I-Lebensraumtypen erfasst:

  • Code 1110 Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser
  • Code 1160 Flache große Meeresarme und -buchten (Lagunen)

Die Zuordnung erfolgt mit dem Qualifier „#“ (nicht exakt deckungsgleich, aber einbezogen). Das bedeutet: MB523 fällt anteilig oder in typischen Ausprägungen unter diese beiden FFH-Typen, deckt sie aber nicht vollständig ab. In der Natura-2000-Praxis dienen beide FFH-Typen als Schutzschirm für das infralitorale Feinsand.


Artikel-17-Erhaltungszustand

Die Artikel-17-Berichterstattung zur EU-Habitatrichtlinie liefert für diesen Biotoptyp keinen Erhaltungszustand. Im vorliegenden Datensatz ist das Feld „article17_status“ leer. Das kann verschiedene Gründe haben: Der Lebensraum wird möglicherweise nicht separat in allen Mitgliedstaaten erfasst, oder die Überlappung mit mehreren FFH-Typen und die regionale Beschränkung auf den Nordostatlantik verhindern eine einheitliche Einstufung.


Bezug für Bürger und Kommunen

Auch wenn dieser marine Lebensraum nicht 1:1 in einen Garten oder Stadtpark übertragbar ist, besteht ein indirekter Nutzen und eine Bürgerverantwortung:

  • Nährstoffeinträge vermeiden: Übermäßige Düngung im eigenen Garten gelangt über Bäche und Flüsse in Küstengewässer und kann dort Eutrophierung fördern – genau die Empfindlichkeit, der die Muscheln des Feinsandhabitats unterliegen.
  • Küstenbewusstsein stärken: Strandwanderungen oder Bildungsprojekte können das Verständnis für unsichtbare marine Lebensräume schärfen.
  • Kommunales Handeln: Kläranlagen und Regenwassermanagement in Küstengemeinden beeinflussen die Wasserqualität und damit die Bedingungen für MB523-ähnliche Flächen in Meeresbuchten. FFH-Managementpläne für die Typen 1110/1160 sollten lokale Besonderheiten berücksichtigen.

In den Quelldaten sind keine konkreten Renaturierungsmaßnahmen hinterlegt. Für geschädigte Feinsandbiotope kämen allgemeine Maßnahmen wie die Reduzierung von Nährstofffrachten oder die Einschränkung grundberührender Fischerei in Betracht.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet der EUNIS-Code MB523?

MB523 bezeichnet in der EU-weiten EUNIS-Habitatklassifikation das marine, infralitorale Feinsandhabitat atlantischer Küsten. Es umfasst saubere, feine Sandböden mit charakteristischen Tiergemeinschaften.

Warum ist der Erhaltungszustand laut Artikel 17 nicht angegeben?

Die vorliegenden Quelldaten enthalten keinen Artikel-17-Status. Mögliche Gründe sind die Überlappung mit verschiedenen FFH-Typen und die Beschränkung auf die nordostatlantische Region.

Welche Bedeutung haben die Muscheln für die Habitatanzeige?

Bivalven wie Spisula subtruncata reagieren empfindlich auf Eutrophierung. Veränderungen in ihrer Häufigkeit oder Artenzusammensetzung dienen daher als Frühwarnsystem für die Habitatqualität.

Wo kommt der Lebensraum vor?

Das Habitat ist typisch für offene Küsten des Nordostatlantiks, meist zwischen 4 und 25 Metern Tiefe. In Ästuaren und Buchten können auch flachere, bis zu 4 m tiefe Vorkommen auftreten.

Ist der Lebensraum geschützt?

Ja, indirekt über zwei FFH-Lebensraumtypen: 1110 (Sandbänke) und 1160 (flache große Meeresarme). Damit unterliegen geeignete Ausprägungen dem Schutz des Natura-2000-Netzwerks.

Häufige Fragen

Was bedeutet der EUNIS-Code MB523?

MB523 bezeichnet in der EU-weiten EUNIS-Habitatklassifikation das marine, infralitorale Feinsandhabitat atlantischer Küsten. Es umfasst saubere, feine Sandböden mit charakteristischen Tiergemeinschaften.

Warum ist der Erhaltungszustand laut Artikel 17 nicht angegeben?

Die vorliegenden Quelldaten enthalten keinen Artikel-17-Status. Mögliche Gründe sind die Überlappung mit verschiedenen FFH-Typen und die Beschränkung auf die nordostatlantische Region.

Welche Bedeutung haben die Muscheln für die Habitatanzeige?

Bivalven wie Spisula subtruncata reagieren empfindlich auf Eutrophierung. Veränderungen in ihrer Häufigkeit oder Artenzusammensetzung dienen daher als Frühwarnsystem für die Habitatqualität.

Wo kommt der Lebensraum vor?

Das Habitat ist typisch für offene Küsten des Nordostatlantiks, meist zwischen 4 und 25 Metern Tiefe. In Ästuaren und Buchten können auch flachere, bis zu 4 m tiefe Vorkommen auftreten.

Ist der Lebensraum geschützt?

Ja, indirekt über zwei FFH-Lebensraumtypen: 1110 (Sandbänke) und 1160 (flache große Meeresarme). Damit unterliegen geeignete Ausprägungen dem Schutz des Natura-2000-Netzwerks.

Quellen